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Full text of "Joseph Justus Scaliger"

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FROM THE 

Subscription Fund 

BEGUN IN 1858 





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JOSEPH JUSTÜS SCALIGER 



VON 



JACOB BERNAYS. 



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"" BERLIN 1855. 

VERLAG VON WILHELM HERTZ. 

(BESSERSCHE BUCHHANDLUNG.) 
LONDON : WILLIAMS UND NORGATC. 






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FFP 19, 1892 



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An Herrn Professor F. Ritschi in Bonn. 



JMehaiea Sie, theurer Lehrer und Freund, diese Blätter 
als eine wohlgemeinte Festgabe gütig auf und schaffen 
Sie ihnen durch Ihre Fürsprache eine verstärkte Theil- 
nahme in unserem Kreise. Damit meine ich nicht den 
weitra Kreis, welcher alle der Philologie Ergebenen 
verbindet; auch dort freilich legt man auf Ihre Stimme 
eines der schwersten Gewichte ; aber Sie pflegen dafür 
auch Ihr zu jenem Publikum gewendetes Urtheil mit 
grösserer Strenge abzuwägen, als diese anspruchslosen 
Blätter herausfordern wollen. Ich meine mit unserem 
Kreise den engeren Kreis von Schülern und Genossen, 
der sich um Sie, als um seinen Mittelpunkt, zusammen- 
schliesst und dem, wenn auch nur als kleines Pünkt- 
chen der Peripherie, anzugehören ich heute mit erhöh- 
tem Freudengefühl mir bewusst werde. Wie weit auch 
dieser engere Kreis im Laufe der Jahre geworden, zei- 
gen Ihnen die von nah und fern sich sammelnden Be- 
weise dankbarer Anhänglichkeit Wir Alle haben es 



11 

zu unserem unvergesslichen Frommen und Nutzen 
erfahren, dass das Prädikat, welches Ihnen vor einem 
Vierleljahrhundert zuerkannt worden, für Sie nie ein 
blosser Titel, sondern stets eine vollgiltige Benennung 
gewesen; Sie hat man mit Recht einen Lehrer ge- 
heissen, denn Sie haben immer sich Schüler zu erzie- 
hen gewusst. In unserer Jung und Alt auseinander- 
treibenden Zeit pflegt das nicht Vielen zu gelingen; und 
noch Wenigeren ist es verliehen, dass sie Schüler zu 
haben verstehen, ohne sich zu einem Schulhaupt zu 
machen oder machen zu lassen. Gestatten Sie mir am 
heiteren Feste ein um Etiquette unbekümmertes Wort. 
Sie sind in vollstem Maasse Alles, was man sich ver- 
nünftigerweise unter einem Lehrer und Professor den- 
ken soll, ohne eine Spur des feierlichen Zopf-Attri- 
butes, welches unter jenen Namen stillschweigend 
mitzudenken man sich unglücklicherweise seit lange 
gewöhnt hat. In hingebendem und Hingebung 
erweckendem Verkehr leben Sie mit der Jugend, Ver- 
fehltes in Güte und Milde bessernd, und durch ermun- 
ternde Leitung zu selbständiger Thätigkeit anregend. 
Man lernt bei Ihnen gehen ohne gegängelt zu werden; 
und je weniger Sie es darauf anlegen, einen hörigen 
Tross an Ihre Schritte zu fesseln, um so grösser wird 
von Jahr zu Jahr die Zahl Derer, welche aus eigener, 
mündiger Einsicht Ihren Spuren zu folgen sich bemü- 
hen. Diesen meinen lieben Sinnes- und Strebensverwand-- 



lil 

ten wünschte ich die folgenden Blätter durch Ihre Ver- 
mittelung zu eingehender Beachtung und ergänzender 
Beisteuer empfohlen zu sehen. Für jetzt habe ich mich 
auf den Einen Theil der Aufgabe beschränkt und aus 
Scaligers gedruckten Schriften ein Bild seines Wesens 
und eine Uebersicht seiner wissenschaftlichen Leistun- 
gen zu gewinnen versucht. Ich glaubte diesen Ver- 
such wagen zu dürfen, auch bevor mir die Ausbeu- 
tung des auf so vielen Bibliotheken zerstreuten hand- 
schriftlichen Nachlasses verstattet gewesen. Denn wie 
ergiebig derselbe auch sein mag für die einzelnen Ge- 
biete auf welche er sich bezieht, und wie sehr seine 
einstige Durchmusterung den schon jetzt so hohen Ber 
griff von Scaligers philologischer Macht gewiss noch 
steigern wird, so kann man doch von abgerissenen 
Papieren und Randbemerkungen nicht erwarten, dass 
sie die Züge eines Gesanimtbildes wesentlich verän- 
dern, welches nach den ausgearbeiteten Werken und 
den vielen gedruckten Briefen entworfen worden. 
Höchstens möchten etwa auf französischen Bibliotheken 
noch vorhandene ungedruckte Briefe eine erwünschte Be- 
reicherung des für Scaligers Aufenthalt in Frankreich 
ziemlich spärlichen biographischen Stoffes gewähren kön- 
nen. Was der Art an das Licht gebracht wird,so]l bei spä- 
terer Gelegenheit sorgfältigst benutzt werden ; aufs Unge- 
wisse hin warten wollen bis Alles und Jedes hervorgezogen 
worden, und bevor dies geschehen, das ganze Unternehmen 



IV 

für unausführbar halten, würde eine übergrosse Zag* 
haftigkeit und eine einsichtslose Unterschätzung des schon 
jetzt zugänglichen Materials verrathen. 

Doch vor Ihnen, theurer Lehrer und Freund, 
brauche ich mich am wenigsten wegen allzu raschen 
Druckenlassens zu verantworten; Sie haben mich bei 
früheren Anlässen oft genug ermahnt, „die Kastanien 
nicht zu lange zu braten.^^ So reiche ich Ihnen denn 
jetzt Alles dar, was und wie ich's leben habe, damit 
nur endlich einmal die Lösung der lange harrenden 
Aufgabe begonnen werde, und damit der heutige Tag 
nicht vorübergehe, ohne Ihnen ein, wie immer beschaf- 
fenes, Zeichen meiner Treue und Liebe zu bringen. 



Breslau, II. Juli 1854. 



Ihr 

Bernays. 



Inhalt. 



BMeiteBicr Ceberbltek . s. i~- 17 

Anmerkungen , . . . . -18—27 

Sealigers Leben - 31-104 

Belege -107—237 

Abstammung 107. Buchanan 108.- Metrik; StS HO. Julius Sca- 
liger 113. Naturwissenschaften 114. Selbst^childerui:^ 115. Per- 
sonalien' 117. Studien zu Paris 119. Uebersetzungen 120. Orien- 
talische Studien 122. Religiöses 125. Rochepozay 129. Rom; 
Muret 131. Italien; Venedig 134. Inschriften 136. England 137. 

. Religionskriege 139. Cujacius 140. Juristische Professur 142. 
Cujacianische Handschriften 142. Zwolflafel-G^etze 144. De 
Thou 145. Leben zu Valence 147. Diplomatische Sendung 148. 
•Coligny; Genf; Gifanius 150. . Arbeiten in Genf 154. Südfrank* 
reich 155. Monluc 156. Reisen 157. Pension 158. Elegiker 162. 
Miscellenj Plautus 164. Manilius 166. Kalenderstreit; De emen- 

* datione temporum 167. Verhältniss zu Lipsius 169; Leyden'; Bi- 
bliothek 172. Leydener üi-theile 173. Politik 175. Douza; Gro- 
tius; Rutgersius 176. Heinsius 177. Cambden; Thomson; Ja- 
cob h 178. Lydiat 179. Calvisius 181. Hosehel; Rhodoman; 
Taubmann 183. Lingelsheim; Frehefns 184. Sylburg; Gruter; 
Salmasius 185* Lindenbrog; Julius Scaliger über Deutschland 187. 
Gang der Philologie 188. Belästigungen 193. ' Unmuth über 
Deutschland 194. Lipsius, Muret und Bencius 197. Sirmond; 
Petavius 198. Pyramideninschrift; Cusanus; Valla 200. Du Per- 
ron; Sarpi über Baronius 201. Ecclesiastische Kritik 203. Areo- 
pagitika 205. Elenchus Serarii 206. Amphitheater 211. Sciop- 
pius 212. Confutatio 214. Casaubonus; Welser; Frankreich 215. 
Idacius^ Marcellinus; Bai'barus 217. Rückübertragungen 220. Syn- 



cellus 221. Gasaubonische Exoerpte 223. Olympiaden- Verzeich- 
niss 224. Behandlung der Patres 225. Zweite Ausgabe des The- 
saunis 226. Testament 227. Krankheit 230. Scaligerana 231. 

Zwei Pseudonyme Schriften Scaligers . . . . S. 238—266 

Epistola Vincentü 239—251 

Yvo Villiomarus - 251—266 

Verzeiclmiss der Schriften ScaJtgers . . . . - 269-316 

Varro 269. Lykophron 272. Catalecta 273. Vita Homeri; Em- 
pedokles; Ausonius 276. Aias;. Hermes Trismegistus 278. Festus; 
Lateinische Elegiker 279. Hippokrates; Vincentii epistola; Mani- 
lius 280. Schrift gegen Insulanus 281. De emendatione tfempo- 
rum 283. Scholien zu Persius; Yvo Villiomarus; Cyclometrica 
elementa; Epistota de vetustate et splend^re gentis Scaligerae 284; 

. Metrische Sprichworter; Kanon des Hippolyt; Ennius; Theo- 
crit 285. Publius Syrus; Cato; Aenigmata 286. Astrampsyr 
chus 288. Apuleius 289. Indices zu Gruters Inschriftensamm- 
lung; Firmicus Maternus,* Widerlegung des Serarius; Erste Samm- 
lung kleiner Schriften 290. Noten zu Garcias ab Horto 291. 
Ensebius; Cäsar 292. Uebersetzungen aus Martial; lambi gno- 
mici 294. Schrift gegen Pareus ; Confutatio Fabulae Burdonum 295. 

Postume Schriften. 

Zweite Sammlung kleiner Schriften 296. Vorrücken der Nacht- 
gleichen; Arabische Sprichwörter; Sammlung der Gedichte 301. 
De re nummaria 304. Abhandlung über Martial 305. Brief- 
sammlung 306. 

Briefe ScaHgers an Dalecampios und Hciraldus . S. 308-^315 



Das Portrait Scaligers ist nach dem im Senatssaal zu Leyden be- 
findlichen Gemälde copirt und das Facsimile der Unterschnft« aus einem, 
jetzt auf der königlichen Bibliothek zu Berlin befindlichen, Exemplar 
der Appendix ad Cyclometrica (s. S. 192) entnommen, welches 
Scaliger dem Mathematiker Snellius geschenkt hatte* 



Niemandem gebührt von Seiten der neueren deutschen Phi-* 
lologie eine würdigende Betrachtung mit grösserem Rechte, 
als dem Franzosen des sechszehnten Jahrhunderts, Joseph 
Justus Scaliger. Denn mehr als ein Anderer vor oder nach 
ihm hat er sich dem Ideale einer universalen Umfassung des 
alterthümlichenLebens genähert, welohemldeale zuzustreben 
die deutsche Philologie nie aufgehört hat. Und wirklich 
richtete sich der Blick der deutschen Philologen um so 
fester auf ihn, je klarer sie ihre universale Aufgabe erkannten. 
Bei Friedrich August Wolf freilich, wo er den Grund- 
riss zu einem Gebäude der Philologie entwerfen w^ill, lässt 
sich noch keine vollständige Einsicht in die Bedeutung 
dieses Mannes verspüren, der ihm doch den besten em- 
pirischen Maasstab für seinen theoretischen Entwurf dar- 
bot. Wolf erwähnt nur Scaligers vollendete formale Tech- 
nik *), und scheint sich dessen Grösse auch nur von die- 
ser Seite her nahe gebracht zu haben. Man darf ja 
jetzt wohl ohne Furcht vor Missverständniss es her- 
aussagen, dass Friedrich August Wolf, einer der herr- 
lichsten Söhne des achtzehnten Jahrhunderts, immer 
doch ein Sohn dieses, der Geschichte abholden Zeitalters 
geblieben ist; sein richtiges Gefühl ahnte das Ziel der 
Philologie in d^T Vereinigung aller technischen Fertig- 
keiten zu einer autonomen, in nicht entlehnter Rüstung 

1 



einhergehenden Geschichtsforschung; für seine eigene 
Thätigkeit aber Hess er es bei dem Einen litterar-histo- 
rischen Meisterwerke bewenden, und folgte dann ungehin- 
dert seinen grammatischen, rhetorischen und ästhetischen 
Neigungen, die sich mehr und mehr zu einer fast krank- 
haften Feinfiihligkeit ausbildeten. Auf die hohe rauhe 
See der alten Völkergeschichte hat er sich nie begeben, 
und daher auch in Scaligerjnicht den kiihnen Piloten 
begrüssen können, der dort zuerst die Pfade gewiesen. 
Ganz anders schon wurde Scaligers Werth von Niebuhr 
begriffen. Er, der selbst so viele Gebietejder Geschichte 
erobernd durchzogen, redet von Scaliger nie ohne den 
überschwänglichsten Ausdruck einer beinahe betäubten 
Bewunderung; und wenn auch nicht durch lauten Lobes- 
ruf, so doch in nicht minder eindringlicher, gleichsam 
durch die That redender Weise giebt August Böckh 
seine Ansicht von Scaliger zu erkennen. Er hebt es ge- 
flissentlich hervor, dass eine sechszeilige Anmerkung Scali- 
ger's zum Eusebius den Kern enthält, welchen die neue 
Forschung über den Manetho zu so ergiebiger Frucht- 
barkeit entwickelt; und fiir den schwerlich eintretenden 
Fall, dass seine Ergebnisse sich nicht bewähren sollten, 
reicht für August Böckh der Trost hin, „mit Scaliger ge- 
irrt zu haben".^) Durch das einmüthige ürtheil der stimm- 
fuhrenden Philologen ist man denn auch in den weiteren 
Kreisen Deutschlands auf die Grösse Scaligers aufmerk- 
sam geworden, und die neueste, aus deutscher Meister- 
hand hervorgegangene, Darstellung der französischen 
Geschichte lässt ein helles Streiflicht fallen auf den gröss- 
ten Philologen, der ein Franzose war, den aber seine 
Landsleute, sonst doch immer so eifersüchtig auf den 
Ruhm französischen Namens, nun bereits seit lange mit 
der hartnäckigsten, bis in die allerjüngste Zeit') fort- 
dauernden Abojunst in Schatten zu stellen suchen. 



Schon dieser auffallende Unterschied zwischen deut- 
scher Begeisterung und französischer Feindseligkeit in 
Betreff eines Franzosen muss den Aufi[nerkenden darauf 
vorbereiten, dass uns in Scaliger nicht blos eine in ihrem 
friedlichen Aether schwebende Gelehrsamkeit begegnen 
werde. Einer solchen, da sie ja Niemandem oder doch 
höchstens nur dem kleinlichen zeitgenössischen Neid in 
den Weg tritt, wäre längst von allen Seiten eine unter- 
schiedlose, gleich warme und gleich kühle Anerkennung 
vergönnt worden. Aber an den Namen Scaliger haben 
sich von früh her Liebe und Hass geheftet; eine Liebe, 
die so heiss war, dass sie nur durch Eigenschaften des 
Gemüths erregt sein konnte, und ein bitterer Hass, wie 
ihn die Menschen nicht gegen abstracte Geistesgrösse zu 
verschwenden, sondern für das Fleisch und Blut einer 
scharf umrissenen Persönlichkeit aufzusparen pflegen. 
Und in derThat war diePersönlichkeitScaligers so einheitlich 
geschlossen, dass man an ihr in ihrer Ganzheit Gefallen 
finden musste oder sich mit keiner Seite derselben be- 
freunden konnte; bei ihm trifft man auf keine Spur von 
jener in der Gelehrtengeschichte nur zu häufigen Trüm- 
merhaftigkeit des Daseins, wo das Gehirn ein vom Her- 
zen getrenntes Sonderleben fuhrt; unter seiner Behand- 
lung wird auch der trockenste Stoff durch die Ergüsse 
eines überströmenden Gemüths angefrischt; und sein 
grosses geschichtliches Hauptwerk hat bei aller ünver- 
gänglichkeit, die ihm sein innerer Werth sichert, doch 
eine sehr entschiedene, überall hervorblickende Beziehung 
zu den verhängnissvollen Zeitfragen, welche die Menschen 
des sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderts zuerst mit 
derFeder unddann mit demSchwerte zu beantworten strebten. 

Wo nun Geist: und Charakter, das Wissen und das 
Wollen so innig verschmolzen sind, da wird eine Be- 
trachtung der wissenschaftlichen Thätigkeit blos von 

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4 

wissenschaftlicher Seite her nicht zu wahrer Ergründung 
fuhren. Für die Würdigung so mancher treuen Hand- 
schriftenforschung und glänzenden Conjecturenleistung 
mag es immerhin gleichviel gelten, ob ihre Urheber — 
um mit Homer zu reden — von der Eiche oder vom 
Felsen, vom Stocke oder vom Steine erzeugt worden; 
aber Scaligers wissenschaftliches Wirken erhält Richtung 
und Gepräge von seinem Charakter und seinen Lebens- 
umständen, wie denn gleich seine Geburt als Franzose 
und sein Verhältniss zu den Italienern scharf bezeichnend 
werden für die Stellung, die er sich schon bei seinem 
ersten sfchriftstellerischen Auftreten erwählte. 

Beim Ausgange des Mittelalters war der Süden 
Europa's in Gefahr, die geistige Herrschaft über den Nor- 
den zu verlieren, die er im Dunkel jener Jahrhunderte 
erobert und mittelst welcher er den nordischen Barbaren 
die Schmach der Völkerwanderung reichlich heimgezahlt 
hatte. In den grossen schweizerischen Synoden gewann 
es den Anschein, als sollten die Transalpiner ihre Selb- 
ständigkeit erringen; aber gerade um dieselbe Zeit eröff- 
nete sich in der wieder entdeckten klassischen Litteratur den 
Italienern ein unverhofftes Gebiet, von dem aus sie aber- 
mals die gewohnte geistige Macht über die anderen Völ- 
ker üben konnten. Ein ganzes Jahrhundert behauptete 
sich dann Italien im Besitz des bestimmenden Einflusses 
auf die klassischen Studien, und somit, da diese die Zeit- 
bildung durchdrangen, im Besitz der geistigen Hegemonie 
Europa's; der Germane und Gallier musste über die Alpen 
wandern, der Leitung eines italienischen Führers sich an- 
vertrauen, und auch alsdann öffnete sich ihm nur die 
Vorhalle des klassischen Tempels. Das innere Heilig- 
thum zu betreten blieb anerkanntes, ausschliessliches Vor- 
recht der Italiener, der von der Natur mit Kunstsinn be- 



gabten Kinder der Sonne, der von der Geschiebte ein- 
gesetzten Erben der Römer. Bis in die Mitte des sechs- 
zehnten Jahrhunderts hatten die ausseritalischen Länder nur 
Einen Mann, den DesideriusErasmus, hervorgebracht, 
welchem die Italiener auf das unwidersteliliche Gebot 
der öffentlichen Stimme einen Ehrenplatz neben sich ein- 
räumten, um so gutwilliger, je weniger von der durch 
und durch weltbürgerlichen Gesinnung des Erasmus eine 
patriotisch gefärbte Opposition gegen italische Oberho- 
heit zu befürchten stand. Scaliger war der erste, der 
ohne italische Belehnung, aus eigener» autodidaktischer 
Machtvollkommenheit sich ,die Krone gelehrten Ruhmes 
auf das Haupt setzte, und zugleich mit der Gereiztheit eines 
patriotischen Franzosen, mit dem Nachdruck des bessern 
Beispiels und mit dem Erfolg des Genies lauten Ein- 
spruch erhob gegen die Richtung, welche Italien den 
klassischen Studien bisher vorgeschrieben hatte. Diese 
Richtung war zum Theil bestimmt durch die nationalen 
Interessen, noch weit mehr aber durch die natürlichen 
Vorzüge und Mängel des italienischen Volksstammes. 
Kluge politische Sorgfalt für den Glanz lateinischen We- 
sens war gewiss ein mitwirkender Grund zu der merkli- 
chen Zurücksetzung, welche griechische Litteratur und 
Geschichte erfuhren in Vergleich mit dem begeisterten 
Eifer, der auf die entsprechenden römischen Gebiete ge- 
wendet wurde; in Allem jedoch, was sonst an der ita- 
lienischen Philologie zu rühmen oder zu vermissen ist, 
äussert sich nur die angeborene Eigenthümlichkeit der 
italischen Menschen: — der erregbare Formsinn, vor 
dessen zauberischer Gewalt ein unbestochener Wahrheits- 
sinn nicht aufzukommen vermag. Künstlerischer Gestal- 
tungstrieb tritt überall und übermächtig hervor; man 
glaubte das Gegebene sich erst dann anzueignen, wenn 
man es nachmachte ; daher die imitatio veterum, das oberste 



6 

Gesetz und die beengende Schranke dieser Periode, und 
daher auch der Anstoss zu so vielen unechten Machwerken, 
die sich aus jener Zeit besonders in der lateinischen Lit- 
teratur eingenistet haben. Von diesem synthetisch auf 
ein Ganzes dringenden Triebe wurde die analytische 
Forschung, mithin die Kritik, erstickt, die niedere wie die 
höhere. Laurentius Valla, ein Kritiker im vollsten 
Sinne des Wortes, steht unter den Itahenern vereinsamt 
da; er fand um so spärlichere Nachfolge, als seine ätzende 
Scheidekunst, die sich ein wenig über stilistische Ele- 
ganzen hinauswagte, ihm abschreckende FährUchkeiten 
zugezogen hatte. So wurde es denn in der niederen 
Texteskritik zur durchgehenden üebung, die Schäden 
auf gut Glück zu übertünchen, die Lücken eilfertig zu 
überbrücken, um nur bald wenigstens den Schein eines 
unverstümmelten Ganzen herzustellen. Erst als die ita- 
lienische Oberherrschaft in der Philologie sich ihrem 
Verfall zuneigte, nahm Politian einen Anlauf zu veri- 
ficirender Kjitik in demselben Werke, welches das ver- 
führerische Beispiel zu abspringender Miscellen-Thätig- 
keit aufstellte. Als Scaliger auftrat, war die künstlerische 
Begeisterung der Italiener schon ganz in schwächUche 
Tändelei ausgeartet; aus ihrer römischen Abstammung 
wollten sie in engherziger Hoffahrt ein Monopol auf Klas- 
sioität herleiten; und — was das Schhmmste war — die 
klassischen Studien geriethen unter ihrer Leitung in die 
schwere Gefahr, eine ausschliessliche Richtung auf den 
ästhetischen Genuss zu nehmen. Es war hohe Zeit, 
auch die Seite der Erkenntniss hervorzukehren, damit 
die Wahrheit neben und gegenüber der Schönheit zu 
ihrem Recht gelange, und damit unter der erziehenden 
Arbeit einer analytischen Forschung der Charakter der 
Forscher selbst sich stähle. Mit einem Worte: die Kri- 
tik musste als Werkzeug der Wahrheit gehandhabt werden. 



Um nur wieder festen Boden zu gewinnen, that es 
zuvörderst Noth, in der Behandlung der Texte die ita- 
lienische Zustutzangsmanier zu verdrängen und zu ersez- 
zen durch eine zusammenhängende Bearbeitung, die sich 
auf möglichst unverfälschte Ueberlieferung stütze. Vor 
Scaliger und gleichzeitig mit ihm haben andere Franzo- 
sen in treuem Ernst dieses Ziel verfolgt; Adrianus 
Turnebus und Dionysius Lambinus müssen im* 
iner mit Ehren genannt werden; aber ihre Leistungen, 
wie brauchbar sie auch durch verständigen Fleiss waren, 
ermangelten des frischen geistigen Hauches, konnten da- 
her auch nicht die augenblicklich eingreifende Wirkung 
hervorbringen, welche da nöthig ist, wo einer falschen 
Manier die Herrschaft entrissen werden soll. Scahger 
dagegen verband auch in der niederen Texteskritik die 
schrittweise Prüfung mit der Plötzlichkeit des genialen 
Schaffens; über seine Werke ist eine Helle ausgebreitet, 
welche die Zeitgenossen erleuchtete und begeisterte; und 
vor ihr erblasste der italienische Flitter. Man hatte ge- 
glaubt, nur auf Kosten der Kritik sich ästhetisch ergöz- 
zen zu können, und hier sah man die kritische Werkstatt 
selbst vom Glänze künstlerischer Eingebung durchstrahlt 
Der Eindruck blieb nicht auf die engere Gelehrtenwelt 
beschränkt; er verbreitete sich über den ganzen damals 
so grossen Kreis der Freunde alter Litteratur, und wie- 
derholte sich mit verstärkter Kraft, so oft ein neues 
Glied sich in die lange Reihe kritischer Erfolge einfugte, 
welche den ersten Abschnitt von Scaligers schriftstelle- 
rischem Leben ausfiillen. Die Conjedanea zu V^arro, eine 
Erstlingsschrift des zwanzigjährigen Jünglings, dieVirgi- 
lischen Cettalecta, unter den Schreckensscenen der fran- 
zösischen Bürgerkriege zum Theil auf der Flucht ausge- 
arbeitet, die lectiones. Ausonianae, die er für die Ausgabe 
des Elias Vinetus während des Druckes aufs Papier 



8 

warf die drei lateinischen Erotiker, welche er zur Er« 
holung während einer Reconralescenz von den italieni- 
schen Verderbungen reinigte, endhch die Ergänzung des 
Festus, das bisher imerreichte, ja, in solchem ümfiauige, 
einzige Muster divinatorischer Kritik — alle diese Lei- 
stungen, welche noch jetzt für die Behandlung der be- 
treffenden Autoren Epoche bilden, griffen bei ihrem ersten 
Her\'ortreten weit über den jedesmaligen Stoff hinaus. 
Noch heutzutage sind sie in ihrer Art unübertroffen; da- 
mals war auch die Art neu; man fasste das Specielle von 
seiner allgemeinen, exemplificatiren Seite und rersnchte in 
derselben Weise zu arbeiten. Konnte man auch dem 
aquila in nubibus*) — so nannte man Scaliger - — nicht 
nachfliegen, so wollte man doch wenigstens auf ebener 
Erde dieselbe Strasse ziehen, über die sein Flug hin- 
schwebte. >Iit solchen Gefühlen wurden die Schriften 
Scaligers m Frankreich und Deutschland aufgenommen. 
Die ItaUener aber schauten dem transalpinischen Jubel 
mürrisch zu; sie sahen sich nun ganzlich aus dem Felde 
geschlagen; und die Niederlage war um so empfindlicher, 
da der Sieger zum Theil mit Waffen focht, welche die Italiener 
ihm hatten darreichen müssen, ohne sie selbst benutzen 
zu können. Aus italischen Bibliotheken hatte man die 
brauchbaren Handschriften des Varro und Festus her- 
Toi^elangt; aber unter den stöbernden Händen des 
Augustinus und Yictorius blieben die vergilbten Per- 
gamente was sie waren: ein Kehrichthaufen ron Ab- 
schreiberfehlem; Ton der Wünschelruthe Scaligerscher 
Kritik berührt, Terwandelte sich das sierqmtmmm 
in Gold. Dazu kam, dass der junge Franzose auch 
sonst keine Gelegenheit vorüberliess , es besser als 
die Italiener zu macheu; die lateinischen Dichter bo- 
ten ihm dazu reichlichen Anlass; die Rücksicht hier- 
auf schien ihn sogar bei der Wahl seiner Stoffe zu 



leiten; und was ist daher begreiflieber, als das» sein 
Festus jenseits der Alpen für eine Ausgeburt der Faselei 
verschrieen wurde? Erwägt man, mit welcher Bedeutung 
damals die philologischen Studien als fast alleinige Trä- 
ger der allgemeinen Bildung bekleidet waren, welche Ehre 
und welcher Gewinn sich an den Primat auf diesem Ge- 
biete knüpften, so wird man von den Italienern am we- 
nigsten die Selbstverläugnung fordern dürfen, dass sie 
ihren Nachfolger am philologischen Reich hätten lieben 
sollen. Sie haben ihn denn auch wacker gehasst» bis an 
seinen Tod und über seinen Tod hinaus, zumal da er 
auch in so vielen anderen Punkten des Glaubens und 
Handelns der italienischen Weise schnurstracks entgegen 
war. Trotzdem konnten sie sich einer nothgedrungenen 
Bewunderung fiir ihn nicht erwehren ; und diese spricht 
sich am mejrkwürdigsten in der Botschaft aus, welche 
der Cardinal Baronius dem Scaliger durch dessen Schü- 
ler • de la Rochepozay bestellen hess. Der berühmte 
Verfasser der kirchlichen Annalen lässt dem Scaliger seine 
Freundschaft antragen und Theilnahme an Allem, was 
er auf der Welt besitze; ja, fügt er ausdrücklich hinzu, 
wenn ihm, dem Baronius, auch nio* noch Ein Brod bliebe, 
so wolle er freudig dem Scaliger die Hälfte überlassen *). 
Freüich knüpfte sich an dieses warme Anerbieten die un- 
erfüllbare Bedingung eines dauernden Aufenthaltes am 
römischen Hofe. Scaliger war in jüngeren Jahren zwei- 
mal dort gewesen, ohne sich dem genius loci anbequemen 
zu können. Wie hätte er auch auf dem glatten Boden 
der damaligen italienischen Gesellschaft sich bewegen 
wollen? Um sich den behutsamen Tritt anzueignen, der 
dort allein vor dem Straucheln und Fallen schützen 
konnte, hätte er gerade alles das aufgeben müssen, was 
die Wurzel seines sittlichen Wesens, seiner Tugenden 
wie seiner Fehler, bildete : den heftigen Eifer für das, was 



10 

ihm Wahrheit dünkte, das herrische Behaupten seiner 
Meinimg so lange sie ihm richtig schien, und wiederum 
den schonungslosen Hass gegen die offene Lüge, und 
den unüberwindlichen Ekel vor der verhüllten. Dieses 
reizbare Wahrheitsgefuhl, das nach und nach zu einem 
derben, jegliche Abfindung verschmähenden Wahrheits- 
stolze erwuchs, hat ihm nicht blos alle italienischen An- 
erbietungen verleidet; er nahm es zur Richtschnur seines 
ganzen Verhaltens der Welt gegenüber, es hat alle ent- 
scheidenden Wendungen seines Lebenslaufes bestimmt, und 
hing bei ihm aufs engste zusammen mit seinen Ansprü- 
chen auf hochfarstliche Abstammung, die er im Wege 
äusserer Macht nicht durchfuhren konnte und nun gleich- 
sam durch einen Adelsstolz auf Wahrheit bewähren 
wollte. Für unsern hiesigen Zweck bedarf es nicht der 
Untersuchung, ob Scaliger etwa vor einem heraldisch- 
genealogischen Gerichtshofe in strenger Ahnenprobe seine 
Verwandtschaft mit den della Scala, den fürstlichen Her- 
ren von Verona, gegen jede Anfechtung hätte erhärten 
können; uns genügt hier hervorzuheben, in welcher 
Weise seine, wie immer begründete, Ueberzeugung, hoch- 
geborenes Mitglied eines solchen Geschlechts zu sein, 
ethisch auf ihn gewirkt, hat in einer Zeit wie das sechs- 
zehnte Jahrhundert, wo die gesellschaftlichen Gliederun- 
gen noch nicht ihre Wesenhaftigkeit verloren hatten, 
und in einem Lande wie Frankreich, wo damals gerade 
der Adel die freie . geistige Bewegung jenes Jahrhunderts 
aufnahm und fortleitete. Bei Scaliger nun war wie bei We- 
nigen das Bewusstsein festgewurzelt, dass der Vorzug 
adliger Geburt ihm die Verpflichtung auferlege sittlich 
edel zu sein, und zugleich die Berechtigung gewähre, in 
seinem ganzen Auftreten eine wählerische Strenge durch- 
zuführen, welche für andere, an einen anderen Ort ge- 
stellte Menschen nicht verbindend sei. Wie die aya^A 



11 

im Theogniß, wie ein römischer Patricier aus der guten 
Zeit Iiatte er an seiner Abstammung einen individuellen 
Maasstab für sein Tbun und Lassen; in zweifelhaften 
Fällen prüfte er nicht das allgemeine Sittengesetz, ob 
dieses vielleicht mit genauer Noth eine laxe Praxis ver- 
trage; ihm war es genugj dass der Fall überhaupt zwei- 
felhaft schien, um sich nicht damit zu verfangen und auf 
etwaiges Befragen gerade heraus zu erklären: er halte 
sich für zu gut dazu, begreife übrigens vollkommen, dass 
nicht alle Welt so skrupulös sein könne. Man sieht un- 
schwer, wie vielen Anstoss eine solche aristokratische 
Ethik geben musste, zumal in der auf Gleichheit so eifer- 
aüchtigen Gelehrtenrepublik. Scaligers Feinde haben 
sich denn auch vorzüglich gegen seine adligen Prätensionen 
erhoben, haben gegen diese Achillesferse des Unver- 
wundbaren alle Pfeile des Spottes und der Verunglim- 
pfung abgeschossen, unter dem unwillkürlichen» wenn 
auch stillen Beifall gar mancher seiner Freunde. Aber 
Feind wie Freund stimmten doch darin überein, dass die 
vornehme Haltung ihm zur andern Natur geworden, und 
sein Benehmen jederzeit und jedem Range gegenüber 
bestimmte; seine Anmaassung war wenigstens nicht von 
jener so häufigen und so wohlfeilen Art, die sich nur 
nach unten hin geltend zu machen wagt; ihm konnte 
Niemand vorwerfen, dass er sich vor Kleinen gebrüstet 
und vor Grossen zu Boden gebückt habe. Vielmehr 
steigerte sieh sein Selbstbewusstsein, und sein Betragen 
nahm eine um so gemessenere Würde an, je höher die- 
jenigen gestellt waren, mit denen er zu verkehren hatte. 
Es ist noch ein Brief der Prinzessin von Conde an Sca- 
liger erhalten*), fast im Ton eines Bittschreibens abge- 
fassty worin sie ihn mit Berufung auf den Willen 
Heinrichs IV. auffordert die Erziehung ihres Sohnes zu 
übernehmen, und alle die Ueberredungsmittel aufbietet. 



12 

welche, seit Plato sich zu Dionysius begeben, schon so 
viele Philosophen und Gelehrte in die Palläste gelockt 
haben. Wozu sich mit Schreiben grosser Bücher abmü- 
hen — so imgefahr sucht die hohe Frau den Scaliger zu 
gewinnen — um die Welt zu belehren und zu bessern? 
hier könne er leichter und sicherer auf unendhch Viele 
wirken, indem er sich mit Einem befasse, dessen Name 
Legion sei. Scahger lehnte ab, nicht undeutlich zu ver- 
stehen gebend, dass er in die Abhängigkeit einer solchen 
Stellung sich nicht wohl zu finden vermöge. Weder die 
abermaligen Bitten der Fürstin, noch der ausbrechende 
ünmuth Heinrichs IV. konnten ihn wankend machen; 
er entzog sich ihnen, indem er einem ehrenvollen Rufe 
folgte, welchen gerade damals die Generalstaaten der 
Niederlande an ihn ergehen Hessen. In freiem Verbände 
mit der Leydener Universität hat er seine letzten fünfzehn 
Jahre verlebt, der französischen Unruhe entrückt und 
sicher vor den Bestürmungen Heinrichs IV., der auch 
die Gewissen Anderer unter seine Staatsraison zu beugen 
liebte. Dort in Holland, damals fast die einzige Zu- 
fluchtsstätte unabhängiger Geister, hat Scaliger die zweite 
grosse Reihe seiner Werke fortgeführt und abgeschlos- 
sen. In reifem Mannesalter, ausgerüstet mit den natür- 
lichen Gaben, das Falsche zu spüren und das zerstreute 
Wahre zu verbinden, gestärkt durch langjährige kritische 
Arbeit, und belebt von einem fröhlichen Muth, der Nichts 
verschwieg und Nichts verhüllte, gab er seinen gesam- 
melten Kräften und seinem schrankenlosen Wissen die 
Richtung auf universale Geschichte und Chronologie. 
Auf diesen Feldern hat er in der That wie ein König 
und Fürst gebaut, im grossen Stil und für späte Ge- 
schlechter; seine Werke, die zwei Jahrhunderte hindurch 
Gegenstand unfruchtbaren Staunens oder parteisüchtiger 
Controverse geblieben, sind erst durch die Entdeckunsren 



13 

der jüngsten Zeit in den Bereich eines lebendigen wis- 
senschaftlichen Verkehrs gezogen worden; und bei dem 
Versuch ihre Bedeutung zu bezeichnen mag man sich 
noch so sehr zur Kürze aufgefordert fühlen, man wird 
um das Richtige zu sagen sich doch gezwungen sehen 
einen Blick zu werfen auf den verschlungenen Gang der 
allgemeinen Geschichtsüberlieferung. 

Je überschauender nun ein solcher Blick ist, um 
desto fester wird er an der Epoche des Makedoniers 
Alexander haften bleiben, weil dessen völkerbindende 
Thaten die früher getrennt fliessenden Ströme menschli- 
cher Tradition in ein gemeinsames Bette geleitet haben. 
Von Aristoteles' Zögling geführt, liessen die Griechen 
sich nicht an den Schatzkammern Susa's genügen; mit 
gleichem Eifer drangen sie in den Bel-Tempel, die gehei- 
ligte Sternwarte Babylons ; in den dort verwahrten astro- 
nomischen Verzeichnissen erbeuteten sie sich die bisher 
vermisste Grundlage für ihre Forschung; und aus den 
vereinigten Beobachtungen des schauenden Orients und 
Berechnxmgen scharfsinniger Griechen entwickelte sich 
die Astronomie zu einer, Vergangenheit und Zukunft 
umfassenden, Geschichte der Himmelserscheinungen und 
zu einem untrüglichen Prüfstein historischer Zeitrech- 
nung. Nicht mindere Förderung erhielt die Kunde 
menschlicher Geschichten, als nach und nach die einzel- 
nen unteijochten Völker die Urkunden ihrer nationalen 
Vorzeit in hellenischer Sprache den Siegern vorlegten, mit 
stolzer Hinweisung auf ihr graues Alter und schlecht 
verhülltem Mitleiden über die knabenhafte Jugend des 
Griechenthums. Mehrere Jahrhunderte hindurch wurde 
von den verschiedenen Völkerstämmen der Stoff zu einer 
allgemeinen Geschichte des Menschengeschlechts herbei- 
geschafft — eine reiche, aber noch unverbundene Fülle, 



14 

des Mittelpunktes harrend, um den sie sich ordnen könne, 
und unter dessen Schutz sie vor Zerstreuung gesichert 
wäre. Dieser zusammenhaltende Mittelpunkt war erst 
gewonnen, als die Bibel zum eigentlichen Weltbuche 
emporgehoben wurde; in ihren Blättern f&hlte man, trotz 
aller Abgeschlossenheit particularer Annalen, sich vom 
allgemeinen Geiste der Weltgeschichte angeweht; aus- 
laufend in die Yerheissung einer einheitlichen Zukunft 
des Menschengeschlechts, leiteten sie zugleich zurück 
zum Urzustand desselben, beides am Faden der Geschicke 
eines Volkes, das, schon vermöge der örtlichen Lage 
seines Landes am Heerwege der ältesten Culturvölker, 
von allen Bewegungen der ältesten Zeiten berührt, erzo- 
gen und erschüttert worden. Gar bald wurden also von 
Wohlwollenden und Misswollenden die biblischen Nach- 
richten zum Centrum gemacht, um das alle in der alexan- 
drinischen Zeit vereinzelt angesammelte asiatische Ge- 
schichtskunde sich zusammenzog, theils zum kritischen 
Angriff, theils zum apologetischen Bollwerk. Als zeit- 
weilig abschliessendes Ergebniss dieser Bemühungen, die 
biblischen mit den übrigen Geschichtsurkunden zu ver- 
gleichen, erscheint im vierten JahrhundertunsererZeitrech- 
nung das grosse synchronistische Werk des Eusebius. 
In seinem schematischen Fachwerk und unter dem Schirm 
ecclesiastischer Autorität hat es den Forschern der Neu- 
zeit die Documente ägyptischer, assyrischer und babylo- 
nischer Geschichte aufbewahrt, für welche im Mittelalter 
sonst keine Theilnahme und also auch keine Aussicht 
auf Erhaltung vorhanden war. Jedoch auch in der gros- 
sen Vorrathskammer des Eusebianischen Werkes waren 
jene unschätzbaren Urkunden vorklassischer Geschichte 
nur vor unwiederbringlicher Vernichtung geschützt; be- 
nutzt wurden sie höchstens von byzantinischen Excerpto- 
ren und Compendienschreibern, und einen allgemeineren 



15 

Einfluss auf Erweiterung des geschichtlichen Gesichts- 
kreises äusserten sie weder während der eigentlichen 
Mittemacht des Mittelalters, wo man sogar griechische 
und römische Geschichte yergessen hatte, noch auch 
beim Wiederaufdämmern der Wissenschaften in Italien, 
wo man, in klassischer Eleganz befangen, sich nicht v^- 
sucht fühlte, über Griechenland und Rom hinauszublicken. 
Scaliger nun hatte jfrüh den Vorsatz gefasst, der Philo- 
logie ausser ihrer formalen Bildungskraft, Reiche sie in 
der, italienischen Periode bethätigte, auch noch die Be- 
deutung zu verleihen, dass sie den Gedächtnisschatz 
menschlicher Vorzeit überhaupt aufschliessen und lauter 
erhalten solle, nicht eingeengt durch ästhetische Rück- 
sichten und über den Unterschied klassischer und nicht 
klassischer Völker hinauf zu der Höhe der Menschheit 
sich erhebend. Die eusebianische Chronik, zu der die 
Völker von Ost und West ihren Beitrag an Traditionen 
geliefert, war ihm bald als die geeignetste Grundlage er- 
schienen, um darauf das Schatzhaus der Zeiten, den 
thesaurus temporum zu errichtön. Von lange her hatte er 
sich zu diesem Unternehmen vorbereitet durch astrono- 
mische und chronologische Studien, die auch seinem 
Commentar des Manilius zu Gute kam^n und zu dem 
Werke de emendatione temporum geführt hatten. Unterstützt 
von Casaubonus, gelang es ihm, die Chronographie des 
Georgius Syncellus zu erhalten, bei welchem er viel verlo- 
renes Eusebianisches fand und noch mehr vermuthete, als 
eine nach den jetzigen Hilfsmitteln angestellte Forschung 
zugeben darf; und angefeuert durch diesen Fund schritt 
er in den letzten Jahren seines Lebens dazu, auf ergän- 
zende Herstellung und umfassende Bearbeitung der euse- 
bianischen Chronik seine ganze Geisteskraft in ihren vielseiti- 
gen Aeusserungen zu verwenden. Seine Divinationsgabe 
fühlte sich zu kühnen, freilich, wie wir jetzt sehen kön- 



16 

nen, nicht immer glücklichen Wagstücken gereizt bei 
Wiedergewinnung des verlorenen ersten Theiles des Ge- 
sammtwerks, der eigentlich, im Gegensatz zum Kanon, 
sogenannten Chronik; seine Erudition, wie sie nun im 
Laufe der Jahre zu einer Alles überschauenden Höhe 
angewachsen war, ergriff eifrig die Gelegenheit, die in 
in der Chronik dürr yerzeichneten Ereignisse in ihrem 
geschichtlichen Zusammenhange und im Hinblick auf die 
bezeugenden Schriftsteller zu prüfen; und endlich ge- 
währte ihm die durchgehende Rücksicht des Eusebius 
auf biblisches und kirchliches Alterthum willkommene 
Anlässe, seine kritische Fackel auch in das geweihte Dun- 
kel dieser Gebiete zu tragen. Er that dies mit unver- 
hüUter Darlegung seiner persönlichen Ueberzeugung und 
mit muthigem Aufgreifen der controversen Punkte, welche 
die damalige Zeit bewegten: aber nicht minder hat er 
allgemeine, von jeder Einzelabsicht freie Anleitung imd 
Beispiele zu wissenschaftlicher Behandlung der patristi- 
schen Litteratur gegeben, und vielfache Fäden angespon- 
nen, die, zu einheitlichem Bande verknüpft, Theologie 
und Geschichte umschlingen könnten* So entfaltet sich 
denn in dem letzten und grössten Werke Scaligers die 
ganze Fülle semer Begabung, ohne die geschlossene Ein- 
heit seines Wesens zu zersprengen; und diese Leistung 
seines Greisenalters ist noch von derselben heiteren 
Geistesfrische belebt, eilt dahin in demselben elastischen 
jugendlichen Gange, welcher die Erzeugnisse seiner frü- 
hern Jahre auszeichnet. Der Leser wird mit hineingezo- 
gen in diese Munterkeit, welche ein Ausfluss der Klar- 
heit ist. Statt, wie bei so manchen Eruditionswerken, von 
der Masse des aufgeschichteten Stoffes beschämt und er- 
drückt zu werden, fühlt man sich erfrischt und gehoben ; 
denn man begleitet einen Mann, der unter der Last viel- 
tausendjähriger Ueberlieferung heiter und rüstig einher- 



17 

schreitet, weil er sie geordnet bis sie ihm zu einem 
nützenden und schmückenden Reichthiun geworden; man 
erhält durch sein Beispiel die ermuthigende Gewissheit, 
dass es kein die menschliche Kraft übersteigender Erfolg 
sei, durch forschendes Vordringen in die fernste Vergan- 
genheit sich selbst und die umgebende Gegenwart zu 
verstehen und geistig zu beherrschen. 



Anmerkungen. 



*) Zu Seite 1. — „Man hat von Jos. Scaliger mehrere grie- 
chische Uebersetzungen von Gedichten des Virgilius, Martialis 
u. A., deren sich kaum ein Quintus Smyrnaus oder Nonnus 
schämen dürften. Sie stehen in einer seltenen Ausgabe lateinischer 
und griechischer Gedichte, die ich gegenwärtig nicht näher bezeich- 
nen kann." — Dies auf die allerdings nicht häufige Sammlung 
Josephi Scaligeri JuL Caes. F* Poemata omnia^ Ex mtiseio Petri 
Scriverii Ex Offidna Pianiiniana Raphelengii^ MDGXV^ 12. 
Bezügliche ist Alles, was Wolf in der „Darstellung der Alter- 
thumswissenschaft" (S. 116*) über Scaliger zu sagen sich ver- 
anlasst sieht. Will man sich die Verschiedenheit der beiden 
Männer und zugleich den Abstand der Philologie im achtzehn- 
ten Jahrhundert von der des sechszehnten recht vergegenwär- 
tigen, so erwäge man Wolfs gewiss nicht durchaus ironische, 
aber selbst als pure Ironie noch immer sehr bezeichnende 
Aeusserung praef, in Herodiamtm p, XXVI: Beati sumuSp qui 
hos littendas tractamus^ quod nobis per deos hominesqtte licet in 
diem vivere^ id est^ nullius tmius disciplinae legibus ctstrictosp mo- 
mentis rerum in tUramque partem pensitatis^ nunc prohare^ nunc 
reiicere quod placet et quae in quemque diem meliora occurrunt se- 
qui. Theologus aliquis si quid de sententia mtäarit semel probata^ 
seu decreium äliquod ecclesiae reiecerit^ damor mdgi fit et concursus 
et trepidatio: nos si destruimus hodie quod heri aedificavimus^ ne 
vicinus quidem id sentit. Mit diesem Behagen am unverfängli- 
chen Spiel vergleiche man nun Scaligers, für Nachdenkende 
nicht einmal barockes, Wort: Non aliunde dissidia in religione 



19 

pendeni quam ab ignaration^ Orammaticae (Sealigerana t s. o« 
GrammaHca), wo rQccfj^fiauxTi natürlich in der echt griechischen 
Bedeutung als „Philologie" im weitesten Sinne zu verstehen 
ist, eine Bedeutung, die gerade Scäliger seinen Freunden früh 
und spät einzuschärfen nicht müde wurde; s. epist XX, an 
Vertunianus vom Jahre 1575, aus welchem Briefe der Artikel 
KQtuK'^ in Sealigerana L nur ein Excerpt ist, und die fast 
gleichlautende ep. CCCCLl. p. 824 aus der späteren Leydener 
Zeit an Scriverius. 

*^ Zu Seite 2. — Böckh, Manetho und die Hundsstern- 
periode S. 9, 11. Die betreflFenden Worte Scaligers stehen 
in den Notae in Graeca Eus^ii p. 248 a ^^r ersten und p. 408 b 
der zweiten Ausgabe: Videntur Äegyptii aniwrum suorum certis- 
simam epocham ano z^g Zcod'taxijg nsgiodov repetivisse, ut mani- 
festo colligitur ex demente Alexandrino [Stromm, I p. 401 PJ 
neque dubito ti^v Zat&soag ßißXov zov Mavs^S) ab eodem initio regum 
stiorum dyna^tias deduxisse» 

^) Zu S. 2. — Die jüngsten dieser französischen ünge- 
bülirlichkeiten gegen Scaliger sind enthalten in Ch, Nisardz 
Le tritmwirat liitSraire au seizieme si^le, Juste Lipse^ Joseph SotL- 
liger et Isaac Casaubon, Wie sehr dieses, nach wissenschaftli- 
cher Seite gar nicht erwähn enswerthe, Buch den Charakter 
Scaligers anzuschwärzen sucht, mag man daraus abnehmen, 
dass ein sonst so behutsamer Recensent wie der jetzige Re- 
dacteur des Journal des Debats, S. de Sacy, durch die Nisard*- 
sche Darstellung zu der Meinung verleitet worden, ScaJiger sei 
ein trks franchement mauoais komme gewesen (Journ. d. Debats 
vom 30. Oct. 1852). 

*) Zu S. 8. — Lipsius in dem ersten Briefe, den er an 
Scaliger schreibt VI. Kai. Dec. 1576, (epp. miscc. cent. I, 6): 
Aquila in nubibuSy quod Graeei [Äristoph. Equitt 1013; Aoes 
978/ dicunt, vere tu es; vides imo pervides omnia et quicquid ve- 
naris capis. Die Zeitgenossen fanden ihr Gefühl von der Di- 
stanz zwischen ihnen und dem unerreichbaren Manne in deni 
sprichwörtlichen Bilde so schlagend ausgedrückt, dass sie es 
durch häufigen Gebrauch fast zu einem stehenden Titel Scali- 

2* 



^ 



I 



20 

gers werden Hessen. Die Vignette zu den Heinsius'schen 
Leichenreden auf Scaliger (L. B. 1609, 4.) zeigt einen in den 
Wolken schwebenden Adler über allerlei niedrig fliegendem 
Gevögel, mit der üeberschrift: AIETOZ EN NE^EAHSI ; und der 
jüngere Drusius, der immerhin mehr Hebräisch als sein Vater 
(Scdligerana U. s. v. Drusius), aber darum noch nicht sehr viel 
wissen mochte, hat den aquila in nubibus sogar ins Hebräische 
übersetzt {Drusti responsio ad Serarium^ Franequerae 1605, 8, 
P' llj. Statt jedoch mit Prov. 30, lÖ D'»ÄtI^n ntt^^n zu sagen, 
hat er sich D^D^*lj;3 ^ll/lTi aus einem Lexikon zusammenge- 
stoppelt. 

) Zu S. 9* — Ich entnehme diesen Brief der Sammlung Epistres 
Frangoises des Personnages Illustres et Doctes ä Mons^ Joseph 
Juste de La Scala, Mises en lumiere Far Jaques de Reves, A 
Bardencych chez la Vefue de Thomas Henri/, pour Henry Laurens 
libraire ä Amsterdam 1624. 8y sie ist auf keiner mir zugäng- 
lichen öffentlichen Bibliothek vorhanden, und ihre Benutzung 
nur durch die Güte 0. Jahn's möglich geworden. Der Brief 
ist der 24. des 3. Buches p. 378: 

MonsT^jescayhienqueixyus Mein Herr, ich kann mir wohl 



vous estonnerez de ce quefay 
estd si long temps sans vous 
escHre et peut estre m'accu- 
serez vous de peu cfamitiS 
ou d^ingratiiude, vous estafit 
obligS commeje suis: dequoy 
je serois extremement marry. 
^ afin que vous en soyez 
esclaircyyje vous diray libre- 
ment que man silence n'est 
poini procedS cPaucune des 
susdictes choses, seulement de 
ce qt^il m'a estd impossible 
cPautant que la pro/ession 
ecclesiastique ä laqueUe Dieu 
m'a par sa misericorde ap- 



denken, dass Sie sich darüber wun- 
dem werden, dass ich Ihnen so 
lange nicht geschrieben, und viel- 
leicht werden Sie mich eines Man- 
gels an Freundschaft oder, da ich 
Ihnen so sehr verpflichtet, der Un- 
dankbarkeit zeihen, was mich über- 
aus betrüben würde. Und damit 
Sie darüber aufgeklärt seien, will 
ich Ihnen freimüthig sagen, dass mein 
Schweigen aus keiner der genann- 
ten Ursachen entsprungen ist, son- 
dern nur daraus, dass es mir un- 
möglich gewesen [zu schreiben], 
sintemal der geistliche Stand, in 
den mich Gott durch seine Barm- 



^ 



21 



pellSf me deffend si eatroicte- 
ment la communitxUion de 
cmx qui sani hora de VEgli$e 
Caiholiqite Apostolique Ro- 
maine que Sans licenceje ne 
pourrois (sans offencer Dieu 
ffrandementy desobeissant aiix 
samctes lots de VEylise) votis 
escrire pendant que serez de 
ropinion que vous estes, Ne- 
antmoins le grand respect 
que je vous porte^ et le desir 
quefay de vousrendre qudque 
tesmoignage de la souvenance 
quefatf de vos bien/aicts en 
man endroict^ inont/aict de- 
mander permission de vous 
escrire cestecy^ tantpourvous 
rendre conte de mon dict si- 
lence, que pour vous asseurer 
comme^ lors que cessera le 
susdici empeschementy je/eray 
en sortSy avec Vayde de Dieu^ 
que vous me recognoisterez le 
plusrespectueuxde vos verlies 
etleplus recognoissanidiscipile 
que vous ayezjamais eu. Et 
en fin je vous prieray, Mon- 
sieur ^ croire, que je me sou- 
viendray tousiours de vous et 
prieray Dieu continueUement 
que tout obstacle lev^fayeoc- 
casion de vous nwnstrer et 
faire cognoistre ä un chascun 
avec quelle affectionje desire 
vous faire tres-humble Service, 



herzigkeit berufen, mir so streng 
den Verkehr mit denen verbietet, 
die ausserhalb der Hömisch -Katho- 
lisch-Apostolischen Kirche sind, 
dass ich ohne Erlaubnis» nicht wa- 
gen darf (ohne Gott mächtiglieh zu 
beleidigen durch Ungehorsam ge- 
gen die heiligen. Gesetze der Kirrfie) 
Ihnen zu schreiben, so lange Sie 
Ihre jetzige Meinung hegen. Den- 
noch hat die grosse Hochachtung, 
die ich Ihnen widme, und der 
Wunsch, Ihnen einen Beweis mei- 
ner Erinnerung an Ihre mir erwie- 
senen Wohlthaten zu geben, mich 
um Erlaubniss bitten lassen, Ihnen 
dies zu schreiben, sowohl um Ih- 
nen von meinem besagten Schwei- 
gen Rechenschaft zu geben, als 
um Sie zu versichern, dass, sobald 
das ob besagte Hinderniss aufhören 
wird, ich unter Gottes Beistand 
Alles aufbieten werde, damit Sie 
in mir den aufrichtigsten Verehrer 
Ihrer Tugenden und den dankbar- 
sten Schüler erkennen, den Sie je 
gehabt. Und endlich, mein Herr, 
möchte ich Sie bitten zu glauben, 
dass ich mich immer Ihrer erin- 
nern und fortwährend zu Gott be- 
ten werde, dass nach Hinwegraur 
mung jedes Hindernisses ich Gele- 
genheit haben möge, Ihnen zu zei- 
gen und männiglich es wissen zu 
lassen, mit welcher Hingebung ich 
Ihnen meine unterthänigsten Dienste 



^ 



22 



J'estois ces jaurs pctssez avec 
Monsieur le Cardinal Bo" 
ronius un des plus grands 
Cardinaux de ceste Court tant 
en piete que doctritie, cree 
par nostre Sainct Pere ceste 
Pentecoste demier e avec quinze 
autre grands subjects, 4mtheur 
de cestoeiwretantcelebre inti- 
tulS les Annalesde PEglise dont 
le septiesme tome est acheve 
ctimprimer, lequel me parlant 
devouSfCommesotwenies/ois ü 
faict, avec beaucoup ^affe- 
ctum^ et sHnformant de vos 
actionsy me commenda devous 
escrire qu'üfaict tel estat de 
vosvertusqu'avenant que vous 
ßissiez catholique etvotdussiez 
venir en ceste cour, il vous y 
offre son amiti^ et la partici- 
pation de tout ce qu'ilpossede 
au monde. Et m^a particu- 
lierement dit^ que quand il 
fiauroit qu^un painseutement, 
la moitiS en seroit vostre. Je 
n^ay point votdu manquerd^o- 
heyr ä ses commandemens, 
tant pour le respect que je 
doibs ä Vamita qu'ü me port 
cofnme ä cduy que fay ä 
la vostre. Et sur cejeprie- 
Tay Dieu 



zu leisten wünsche. Ich war die« 
ser Tage mit dem Herrn Kardinal 
Baronias zusammen, einem der 
grössten Kardinäle dieses Hofes 
sowohl was Frömmigkeit als Ge- 
lehrsamkeit betrilTt, der vergange- 
nen Pfingsten mit fünfzehn anderen 
grossenPersonen von unserm heiligen 
Väter creirt worden, Verfasser des 
so berühmten Werkes, betitelt An- 
nalen der Kirche, von welchem 
der siebente Band fertig gedruckt 
ist; dieser sprach mir von Ihnen, 
wie er oftmals thut, und sich nach 
Ihrem Thun und Lassen erkundi- 
gend, befahl er mir Ihnen zu schrei- 
ben, wie er Ihre Eigenschaften so 
hoch schätze, dass falls Sie Katho- 
lik würden und an diesen Hof 
kommen wollten, er Ihnen daselbst 
seine Freundschaft anbietet und 
Theilnahme an Allem, was er auf 
der Welt besitzt. Und er hat mir 
insbesondere gesagt, dass wenn er 
auch nur Ein Brod hätte, die Hälfte 
Ihnen gehören sollte. Ich habe 
nicht unterlassen wollen, seinen Be- 
fehlen zu gehorchen, sowohl aus 
Rücksicht der Achtung, die ich 
seiner Freundschaft für mich schulde, 
als derjenigen, die ich für die Ih- 
rige hege. Und hierauf bitte ich 
Gott, 



¥ 



33 

JkbnsieuTy vaus donner en Mein Herr , dass er Ihnen in 

sanU treS'heureuse ei lan^ue Gesundheit recht glückliches und 

vie. langes Lehen verleihe. Aus Rom 

De Borne ce 12.^ou«M596. 12. August 1596. 

Vostretres-ohligidieeipleet Ihr Ihnen sehr verbundener 

tres'humhk servUewr Schüler und ergebenster Diener 

Henry Loya Chastaigner 
de la JRochepozay» 

Ueber den Schreiber dieses Briefes, späteren Bischof von 
Poitiers, heisst es in Scalfgerana IL: Monsieur de la Roche- 
posay^ ßls de Ludovicus Castaneus Ambassadeur poiir le Roy ä 
Rome^ grand papiste^ qtd du commencement que fay estd icy (d. h. 
in Leyden) a demeurS un an avec moy^ est (d. h. um das Jahr 
1602) chambellau du Pape avec 1200 ducats par an. Wie innig 
das frühere Verhältniss gewesen, sieht man aus der tiefen Be- 
wegung, mit welcher Scaliger über die spätere Entfremdung 
an Casaubonus im Jähre 1606 schreibt, als Scioppius seine 
Angriffe begann, ep, CXXIV p. 321: Est quidam Romae, a 
cmus latere Apostaia [Scioppius] non discedit. Post parentes ne- 
mini plus debet quam mihi. Diu est, quum odmm in me ita dissi- 
mulare non possit, ut obtrectatiomhus ülud non prodat, postquam se 
ad /amiliaritatem Loiolitarum applicuit Is si non consüium huius 
flagitiosi incepti [d. h. der Herausgabe des Scaliger kypoholimäeus] 
Apostatae dedit, at animum ad male merendum de homine addidit, 
de quo quid queri possit non habet. Is si non est, inquam, aut 
auctor huius rei aut impuisor aut hortator, valde me/allit iudicium 
meum. Quod enim prohibere poterat et insanum hominem ab incepto 
deterrere, quia id non fecerity id mihi satis causae videtur, cur ho-- 
rum omnium culpam in eum conferam, Abstineo tarnen caUamum 
a iu)mine eius tantisper, dum certior fiam vera an falsa sit sttspi- 
cio mea, Atque utinam falsa siif Nam quem insanum in mo- 
dum amavi ne nunc quidem facere possutn ut in eum animum 
meum mutem. Q^od si ita est ut suspicor, id poterit inter illustria 
ingrati animi exempla poni. Dass unter dem früher „wahnsinnig 
geliebten'^ quidam Niemand als der jüngere de la Rochepozay 
gemeint sei,, muss jeder mit Scaligers Verhältnissen Vertraute 



\ 



24 



sogleich merken^ und merkte auch Casaubonus, der auf jenen 
Theil des Scaliger^schen Briefes Folgendes antwortet (ep. Casaub» 
CCCCLXXIV p, 533 ed. 2. Brunsv.): Quae nuper scrihehas de 
quodam qui Romae essei^ tum dubäavi ad Abbatem R, [Rochepozay] 
pertinere, et nisi vehementer ipse /allor^ oerissima et certissima est 
tua illa conüdura. 



«) Zu S. 11. — Bei 
Monsieur de VEscale, En- 
oore que de long temps vos 
vertue ayent ülustrS nonseule- 
ment ceste France, ains toute 
VEurope, si estce qu'il semble 
que Dieu vous offre une occa- 
ston pour leur donner ^avan^ . 
tagedejour. Car bien qu'elles 
soyent espandues sur divers 
peuples, je tiens la pliAS pari 
indigne de recevoir ceste lu- 
miere; mais si vos labetJtrs 
s'employent äformer un prince 
tel qu'estceluy que je desire qu' 
il preigne instruction de vous, 
ce sera faisant bien ä un 
aporter de Vutüite ä tout cest 
e^tat La peine en sera moin- 
dre et la gloire plus grande. 
Ces considerations si impor- 
tantes mefont espererqu'aurez 
tres-agreable le desir quej^ay 
que vouliez accepter la charge 
dHnstitiier Mon fils, lequel 
commence d^estre en aage 
pour recevoir vos beUes im- 
pressions; son esprit est plus 
avance que ses annees, Cest 
pmirquoyje croy qu^ayant les 



de Reves Buch I, 3 p. 4 : 

Herr de TEscale, obgleich Ihre 
Tugenden seit lange nicht blos 
dieses Frankreich, sondern gan« 
Europa erhellen, so scheint es doch, 
als böte Ihnen Gott eine Gelegen- 
heit, sie noch mehr an den Tag 

. zu bringen. Denn wenn sie sich 
auch über verschiedene Völker er- 
streckt haben, so halte ich doch 
die Meisten für unwürdig, ein sol- 
ches Licht zu empfangen; wären 
dagegen Ihre AnstrengungcTi darauf 
gerichtet, einen Prinzen auszubil- 
den, wie der ist, welcher, wie ich 
wünsche, Ihren Unterricht geniessen 
soll: so hiesse das diesem ganzen 
Staate Nutzen bringen, indem man 
Einem wohlthut. Die Mühe würde 
geringer und der Ruhm grösser 
sein. Diese gewichtigen Erwägun- 
gen lassen mich hoffen, Sie wer- 
den den Wunsch, den ich hege, 
sehr annehmlich finden, dass Sie 
die Aufgabe übernehmen wollen, 
meinen Sohn zu unterweisen, der 
in das Alter zu treten beginnt, wo 
er Ihre schönen Einwirkungen auf- 
nehmen kann; sein Verstand ist 
vorgeschrittener als seine Jahre. 



25 



Premiers fondemefns de vous, 
Voeuvre enserapluspar/aicte. 
L'esperance que Von prent 
de Iwf merite d'esire aug- 
mentd ptvr les enseignements 
^un 8% digne personnage, 
Ne refusez donc^ je vous prie, 
de servir au Roy mon Seig- 
neur en ceste occasiony lequd 
je 8Cay aooir ceste volontd^ 
et d^obUger toute ceste France 
ä vous, Four mon partim 
cuHer, j'estinieray atteindre 
au comble de ma plus grande 
/eliciie si je puisse acquerir 
ce thresor ä mon ßls ; faisant 
peu d'estat de toutes les gran- 
deurs du monde si elles ne 
sont accompagndes de la 
vertu, Le Gentil-homme vous 
dira plus particulierement 
mon intention sur ce sub^ 
ject, Auqt^l me remettant^ 
je vous prieray le croire^ et 
que je seray ä perpetuitS 



Vostre tres-affectionnee et 
obligee omye 

Kat de 



Darum glaube ich, dass wenn die 
ersten Grundlagen von Ihnen ge- 
legt werden, das Werk um so voll- 
kommener sein wird. Die Hoff- 
nung, die man von ihm fasst, ver- 
dient durch die Lehren einer so 
würdigen Person noch erhöht zu 
werden. Schlagen Sie es also nicht 
aus, in dieser Angelegenheit dem 
Könige meinem Herrn zu dienen, 
dessen Wille es ist, wie ich weiss, 
und zugleich dieses ganze Frank- 
reich sich zu verpflichten. Was 
mich betrifft, so würde ich den 
Gipfel meines höchsten Glückes zu 
erreichen glauben, wenn ich einen 
solchen Schatz für meinen Sohn 
erwerben könnte, da ich auf alle 
hohen Stellungen in der Welt nichts 
gebe, wenn sie nicht von Tugend 
begleitet sind. Der Edelmann 
[ Ueberbringer des Briefes] wird 
Ihnen meine Meinung über die Sache 
näher mittheilen. Indem ich mich 
auf ihn beziehe, bitte ich, dass Sie 
ihm vertrauen und auch dass ich 
für immer sein werde 

Ihre Ihnen sehr gewogene und 
verbundene Freundin 
la Tremoille* 



Die Prinzessin hatte den Sohn, um den es sich handelt, 
nach dem Tode ihres Gemahls im Jahre 1588 geboren. Zur 
Zeit des frühestens 1592 geschriebenen Briefes war also der 
kleine Prinz 6 Jahre alt, und es bedurfte daher in der That 
einer Versicherung, dass er „älter an Verstand als an Jahren 
sei." Scaligers Antwort ist nicht erhalten; wie sie etwa ge- 



26 

lautet haben mag, ersieht man aus seiner Aeusserung in Sca- 
ligerana U (s, v. Scaliger): On m'escrivit pour estre pre- 
cepteur ou superintendant du precepteur du Prince de CondS, 
mais je ne Vay pas vouiu; je ne veux point estre courti^an^ 
Scrupel dieser Art zu besiegen, bietet ein zum Haushalt der 
Prinzessin gehöriger A. de la Croix viel Rhetorik auf in einem 
Briefe an Scaliger vom 18. Juli 1693 (bei de Reves III, 29 
p. 388 — 391), und die Prinzessin, wohl durch Scaligers 
ausweichende Antwort auf ihren ersten Antrag abgeschreckt, 
wendet sich mit ihren weiteren Bitten nicht mehr an ihn selbst, 
sondern sucht den Einfluss seines nächsten Freundes, des al- 
tem de la Rochepozay für sich zu gewinnen; ihren Brief an 
denselben giebt de Reves HI, 3 p. 358. -r- Dass Heinrich IV. 
die Zurückweisung eines unter ausdrucklicher Berufung auf 
seinen Willen gemachten Antrages nicht günstig aufgenommen 
habe, glaubt man ohne besonderes Zeugniss. Nach des, aller- 
dings nicht gleichzeitigen, Menagius Erzählung hätte der König 
seinen Unwillen sogar in folgender sehr unköniglichen Weise 
geäussert (Menagiana 11 p. 312 ed. Amsterd, 1713j.' Joseph 
Scaliger 4tant appelle par les Hollandois pour Stre professeur 
ckez etiXy aUa prendre conge du Roi (Henry IV,) auquel il 
exposa en peu de mots le si^ei de son voyage. Tout le 
monde s'attendoit ä quelque chose d'important de la pari du 
Roi^ mais on fut bien surpris, lors qu'aprds lui avoir dit: Eh 
bien M, de VEscale, les Hollandois vous veulent avoir 
et vous fönt une grosse pension; j*en suis bien aise, ce 
Prince changeant tout ä coup de discours, se contenta de lui 
demander: Est^il vrai que vous avez etS de Paris ä 
Dijon Sans aller ä la seile? Für unmöglich an sich wird 
man dergleichen nicht halten wollen, wenn man den Charakter 
Heinrichs IV. geprüft bat, ohne sich durch die sehr berech- 
neten Lobpreisungen Voltair e's und der Encyclopädisten beir- 
ren zu lassen. Barsch genug, wenngleich lange nicht so un- 
würdig wie jene burleske Verhöhnung körperlicher Schwächen, 
war auch die Begegnung, die, nach Scaligers eigenem Bericht, 
ihm bei einer anderen Gelegeuheit von Heinrich IV. wieder- 



27 



fuhr (Scaliyerana II, s, v. Henry IV,): Le Rot morUra ä 
Monsieur V Ambassadeur [Buzanvaly französischer Gesandte in 
Holland] son Suetone toui glosd; cestoU des dictata de Öhre- 
stien (Septimius Florens ChrisHanus) qni avoit estd son pre- 
cepieur; il le haissoit pour cda, A Nerac [wo Heinrich IV. 
im Jahre 1583 mit Scaliger sich unterhielt] lors que je lou- 
vis Chrestien^ le Roy me du: taisez vous, Monsieur de 
Lescalle^ vous ne scavez ce que vous dites. 



-^R-^ 



Scaligers Leben, 



Vor Unwürdigem kann dich der Wille, der ernste, bewahren; 
Alles Höchste, es kommt frei von den Göttern herab. 

Schiller. 



Nach langem Wander* und Soldatenleben Hess sich der 
Italiener Julius Cäsar Scaliger, der allgemein f&r 
einen Nachkommen der della Scala, Fürsten von Verona, 
galt '), im südlichen Frankreich zu Agen in Guyenne nie- 
der, übte dort die Ärzneikunde aus, auf welche er sich 
neben seiner militärischen Laufbahn verlegt hatte, und 
heirathete im Jahre 1529 als Fünfundviferzigjähriger ein 
seohszehnjähriges Mädchen aus gutem Hause, Andiette 
de Roques Lobieca, welche ihm fünfzehn Kinder, zehn 
Töchter und fünf Söhne, gebar. Der dritte Sohn, An- 
diette's zehnte Geburt, kam in der Nacht vom 4. auf den 
5. August 1540 zur Welt; der Pathe, Gerart Landa ge- 
heissen, welcher einen Widerwillen gegen seinen eigenen 
Vornamen gefasst hatte, wählte für den Knaben den 
Doppdnamen Joseph Justus. Im Jahre 1551 wurde 
der eilQährige Joseph — der Doppelnamen blieb nur fik 
besonders feierliche Gelegenheiten in Gebrauch — mit 
seinen jungem Brüdern Leonard und Jean Constant auf 
eine lateinische Schule nach Bordeaux geschickt, wo da- 
mals Muret und Buchanan^, beide mit Scaliger dem 
Vater innig befreundet, als Lehrer am aquitauischen 
Grymnasium wirkten. Nach dreijährigem dortigen Auf- 
enthalt kehrten die Söhne, da die Pest in Bordeaux 
ausbrach, nach Agen zum Vater zurück, und Joseph ver- 

3* 



32 

weilte nun bei demselben bis zu dessen Tode (1558), auf 
die wissenschaftliche Anleitung beschränkt, welche der 
in den Siebzigern stehende Greis ihm gewähren konnte. 
Sie scheint in nicht viel Anderem bestanden zu haben, 
als in dem Zwang, täglich einen kleinen lateinischen Auf- 
satz zu liefern, und in dem Gebrauch, welchen der dich- 
tungslustige Alte von des Sohnes Feder machte, zu Auf- 
zeichnung seiner allabendlich auf ein paar Hundert sich 
belaufenden lateinischen Verse. Die durch solche Sekre- 
tärsdienste erlangte Vertrautheit mit den Gesetzen des 
Verpbau's äusserte sich auch bald bei dem siebzehnjah- 
rige^ Jüngling iq einer nicht aufbewahrten lateinischepa 
Tragödie »Oedipus', üb^ welche er selbst im höhere 
Alter nicht glaubte erröthen , zu müssen. Wie es aber 
auch um den poetischen Werth dieses Versuches mag 
gestanden haben: gewiss hat Scaliger die Belebung uad 
Befestigung des metrischen Sinnes, der ihn später so 
sehr vor seinen Zeitgenossen auszeichnet % dem ununter- 
brochenen Jugendverkehr mit Versen zu danken gehabt; 
und die gehäuften, vom Vater anbefohlenen prosaischen 
Uebungsaufsätze haben wohl auch ihr gutes Theil bei- 
getragen zur Ausbildung jenes uanachahmlichen lateini- 
schen Stils*), der schon in den frühesten Schriften, 
z, B. den Conjectanea^ in voller Reife erscheint Auf 
pejnUchen Ciceronianismus verzichtend und mit der 
Sprache wie mit einer lebenden umgehend, unterscheidet 
er sich durch gefüge Leichtigkeit von den Sohnörke- 
leien der damaligen Franzosen zu nicht geringerem Vor- 
theU, als er durch gemessene Kürze von dem Bede- 
schwall der Italiener abstiebt; und nocfc höher ist ihm 
anzurechnen, dass die Lebendigkeit seiner Wendungen 
sich stets fern zu halten weiss von der überreizten Spän- 
nung, welche in den Büchern und Briefen des Vaiters 
nur zu bald ermüdend wirkt. Bedenkt man, . wie viele 



u 

Leser durch den lange hochgefeierten und kditieewegs un*- 
küuMerischeh Stil de» älteren Scaliger bestochen worden^ 
wie selten es einem jungen' Anfanger gelingt, die Macht 
des Einfachen einzusehen, und wie leicht endlich der 
Sekretärsdienste leistende Sohn unbewusst in die Schreib- 
weise des Vaters hätte verfallen können: so wird man 
in der frühen stilistischen Selbständigkeit Joseph Sca- 
ligers das untrüglichste Zeichen einer grossen, ntir ihren 
eigenen Gesetzen gehorchenden Begabung erkennen mü^^ 
sen. Auch in allen anderen philologischen und Utera« 
rischen Dingen scheint die kräftige Natur des- Sohnes 
sehr früh ihren eigenen Weg gefunden und sich vor 
Nachahmung der dilettantischen, zuweilen recht wundcfc* 
liehen*) Seitensprünge des Vaters gehütet zu haben; 
trotz aller kindlichen Verehrung für denselben, hat er 
sich auch nie gescheut, die eigene bessere Einsicht in 
ausdrücklichem und -oft sehr» derbem Gegensatz zu den 
vaterlichen Schrullen brieflich wie mündlich auszu- 
sprechen. 

Fruchtbarer als nach streng philologischer Seite 
hat der Umgang des Vaters, der den Ruf eines der er- 
sten Naturforscher behauptete und ausgebreitete ' ärzt« 
liehe Praxis besass, auf die naturgeschichtlichen Neigiin* 
gen und. Studien des Sohnes gewirkt. Von« firüh. an; rich- 
teten sie sich vornehmlich auf Aniatdmie lind Botanik, 
und ihr philologischer Ertrag darf nicht auf Üie sacht- 
kundige Behandlung des Hippokrätes, Theophräst und. 
Plinius^) beschränkt werden. Sie habeü gewiss i dazu 
gedient, den Sinn für das lebensvolle Dasein der Dinge 
auch unter dem andauerndsten Bücherstudium ßtets rege 
zu erhalt^i; und dieser selbst in seinen Irarthümem: sicjb 
nie verleugnende Sinn für das Reale, die völlige Unfä- 
higkeit, .über Etwas zu reden ohne es. -sich wesenhaft 
vorziustellen« der energische Ton, der sich dai^einfiüdet. 



34 

\yo eine solche Kraft» das Wirkliche enzüsehaiien, 'eimnal 
vorhanden ^ diese Eigenschaften sind es doch vorzüglich, 
welche auch die philologischen Schriften Joseph Soa^ 
ligers so unendlich weit erheben über die du)x:h Scharf- 
sinn und Erudition gleichsehr empfohlenen Leistungen 
der Zeitgenossen und der Spateren. 

Hand in Hand mit Erweckung und Uebuüg des na- 
tuiförschenden Sinnes ging in der Er^iehungsweise des 
alten Scaliger ein unablässiges, durch Beispiel und Er- 
mahnung verstärktes Schärfen des Wahrheitssinnes; Jo- 
seph erinnerte sich nicht, je als Enabe mit den GesohMri- 
Stern vor den greisen Vater gebracht worden zu sttn, 
ohne dass er sie mit dem Zuruf: ,Nidit lügen !^ em- 
pfangen hätte; und in einer bewegten Selbstschilderung ^) 
führt er seinen Hass gegen die Lüge nicht minder auf 
die Unterweisung des Vaters als auf natürliche Anlage 
zurück. • 

Solche ethische und auf Erregung des wissenschaft- 
lichen Gesammtsinnes, mithin auch auf die philologische 
Thfttigkeit einfliessende Vorzüge mögen dain Ersatz bie- 
ten für Alles, was die väterliche Pädagogik a^ Methode 
und Umfang der eigentlich philologischen Studien ver- 
missen liess. Und Nichts vermis^te der beim Tode äe^ 
Vaters neunzehnjährige Jüngling so schmerzlich, wie die 
Kenntniss des Griechischen. Kaum erholt von d«*, auch 
körperlich ihn aufs Tiefste erschütternden ®), Betäiibiung 
über den Tod des Vaters, begab er sich nach Paris in 
den Hörsaal des Adrianus Tumebus, um dort dais im 
Griechischen Versäumte nachzuholen, merkte jedoch nach 
Verlauf von zwei Monaten, dass der Besuch dieses sehr 
gelehrten Hörsaals für ihn, der noch kaum: die griechi- 
sohen Conjugationen bemeistert, völlig firuchtlos bleibe. 
Da fasste er den Vorsatz, sich auf seinem Zimmer einzui- 
sohliessen und sein eigener Lehrer zu werden, giiff zu 



djuem Homer mit lateiniseb^r Uebersetzung^^, den er in 
di^i Wocibeii durcharbeitete, aus Beobachtung der Ana- 
logie sich sdlbst eine Grammatik zusammensetzend,' die ein- 
zige^ dienaoh seiner Aussage er je benutzt hat. Darauf yer- 
schlang er in Tier lionaten was damals Ton griechischen 
Dichtem jeder Grattung yeröffentücht was', ohne die poe- 
tische Leetüre durch Prosaiker zu unterbrechen, yon dem 
richtigen Greföhl geleitet, dass der Unterschied der zwei 
Idiome im Griechischen zu gross sei, um eine gleichzei- 
tige gründliche Aneignung beider zu gestatten. Zwei 
Tolle Jahre verwendete er auf dieses eifiige Selbsterler- 
nen des Grieehischen; und eine grosse linguistische An- 
läge einmal vorausgesetzt,- erklärt die ungewöhnliche 
Methode auch genugsam die raschen und seltenen Er- 
folge, welche er erreichte. Sie äusserten sich zunächst 
in der Leichtigkeit, mit welcher er die Dichtungen der 
einen klassischen Sprache in der andern nachbildete, 
Treue und metrische Gleichartigkeit mit dem "Wiederge- 
ben des poetischen Eindrucks so verbindend, wie man eä 
für Uebersetzungen in das Griechische bisher nicht einmal 
zu fordern gewohnt war, und in den lateinischen Arbei- 
ten dieser Art eine Hemchaft über den altlateinischen 
Spracfekschatz bewährend, wie sie eingestandenermaassen 
seitdem Niemand besessen hat ^^. 

Ermuthigt durch das glückliche Gelingen seiner auto- 
didaktischen Anstrengungen, wollte' et, nach Ablauf der 
dem Giiechischen gewidmeten Zeit, in ähnlichem Sturm- 
schritt und mit der ihm eigenen ,Verwegenheit' des Ler- 
nens ^^) auch die Kenntniss der orientalischen Sprachen 
sich erobern. Er begann mit dem Hebräischen und den 
allernächst verwandten Dialekten, auf Anrathen des be- 
rühmten Orientalist^ und absonderlichen Religionsneue- 
rers Guileinms Postellus^^, dem er zxdXOig begegnet 
wiir. Er inusste jedoch bald die Erfahrung machen, dass 



3jS 

(tie .eigwthünüicheii Schwieii^eitan dieser €rebi(dte sieh 
nicht so nacbgiebigj wie er gehofft, durch eia jedei* An- 
leitung entbehrendes SelbsÜemen wollten besiegen las- 
sen. Wie viel Werth auch Sealiget auf sein orientali- 
sches Wissen immer gelegt hat, und wie geschickt er 
auch mit dem, wa^ er erworben, zum Nutzet! der klassi- 
sqhen Philologie hauszuhalten verstand, so hat er sich 
über den wahten Umfang seiner Kenntnisse doch nie ger 
täuscht; und während sonst ein allzu schüchternes Re- 
den xüber sich und das Seinige nicht gerade sein Fehler 
ist, kann er nicht genug Ausdrücke einschränkender Be* 
scheideijiheit finden, sobald er auf sein Hebräisch oder 
Aarabisch zu' sprechen kommt. Ln Hebräischen, wo ich 
mir ein ürtheil erlauben darf, hat er sich auch wirklich 
nicht durch die Uebelstände hindurchzuarbeiten ver- 
mocht, welche ein spätes Beginnen und ein lehrerloses 
Lernen zu begleiten pflegen. Trotz mancher überraschend 
hellen BUcke in höhere Probleme der Sprache und Lit^- 
teratur, fehlt ihm doch die sichere Vertrautheit mit dem 
Alltäglichen, das feste Unterscheiden zwischen Regel- 
mässigem und Unregehnässigem, das feinere Grefuhl für 
dijß Nuancen; es fehlt ihm also im Hebräischen, der 
^gentUche mu9 ImgVfCuey gerade das, was ihm als klassi^ 
schem Philologen vom Anbeginn immer so gewärtig zur 
Seite, steht, und dessen für das Griechische und Latei- 
nische später so sehr vermehrter und befestigtisr Besitz 
auf der Grundjage ruht, welche er während sein^' ersten 
Aufenthaltes in Paris durch massenweises Lesen und 
nachbildendes Uebersetzen gewonnen hatte. ' 

Ebenso sehr wie nach wissenschaftlicher Seite wur- 
den jene zu Paris verlebten Jugendjahre von entschei- 
dender Bedeutung för seine religiöse Entwickelung. 
Nachdem er den Predigten der Reformirten längere Zeit 
beigewohnt, liess er sich 1562, im zweiundzwQ'nzigst^ 



•' .hre seines Lehens, als Mitglied dieser Kirche aufneh«^. 
men '^), hatte seitdem sein volles Theil von Allem, was 
in lYeud und Leid die französischen Reförmirten betraf, 
und wurde gar bald als die glänzendste gelehrte Zierde' 
der ganzen reformirten Partei von seinen Glaubensver* 
wandten gefeiert und von gegnerischer Seite angefeindet«* 
Bei fast jedem Urtheil, welches die Zeitgenossen über 
ihn aussprechen, kann man aus dem entweder über- 
schwänglichen od^r widerwilligen Lob, andererseits au3 
dem schonend verhüllten oder begierig auch das* Kleinste 
aufstöbernden Tadel deutlich den Standort herauserkeü- 
nen, welchen der jedesmal ürtheilende in dem /grossen 
ReligionskampjEe einnimmt. Auch war es nicht blos eine 
Folge der Heftigkeit jenes Kampfes und einer dadurch 
hervorgerufenen Befangenheit, dass man in Scaliger den 
Philologen von dem Calvinisten nicht trenneki mochte. 
Er selbst ergriff mit geflissentlichem Eifer jede Gelegen* 
heit, um die Berührungspunkte kirchlicher und philolor 
gisch-historischer Forschung aufzuzeigen; ohne Scheu 
durchbricht er in seinen Schriften jene Scheidewand 
zwischen Biblischem und Klassischem, zu deren Errich- 
tung sich in Italien wahrend des fünfzehnten Jahrhunr 
derts die verschiedenen Parteien in stillem Eiuverstandq 
niss, wenngleich aus entgegengesetzten Absichten, v^- 
bunden hatten. Die staatsmännischen Theolog^i Italiens 
fürchteten die E[raft ihres heiligen Begierungsmittelß 
durch Veimengung mit Andersartigem zu schwächen; die 
paganisirenden Alterthümler dagegen,., welche in Italien 
damals so zahlreich waren, woiUtep die Bibel in Isplirung 
verkommen lassen. Es war dort dieselbe Trennung zu* 
sammengehöriger Gebiete, welche seit der Mitte 4^? 9iebr 
zehnten Jahrhunderts auch für Frankreich zur Geltung 
gebracht ist; seit jener Zeit haben ja die Franzose^; nur 
seltene Streifzüge aus dem einen in das and^rp Gebiet 



m 

unternommen, meistens« im DienM; entweder unwissen- 
schaftlicher oder irreligiöser Zwecke. Für die grossen 
französischen Philologen* des seohszehnten Jahrhunderts 
hestand jedoch eine solche Trennung noch nicht; und 
wie Scahger, nach dem Ausdruck eines Freundes, »die 
Religion und die Musen' mit vereinter Liebe in seinem 
Ghemüthe umfasste, so greifen auch in seinen Schriften 
Theologie und Philologie aufs Lebendigste ineinander. 
Je allgemeiner man, bei dem jetzigen Gange der philolo- 
gischen und geschichtlichen Studien, ScaligetB wissen- 
schaftliche Grösse darin erkennen wird, dass er zuerst 
eine universale und vergleichende Künde des öHtiichen 
und westlichen Alterthums besessen hat und zu verbrei- 
ten suchte, um so deutlicher wird es auch zu Tage tre-» 
ten, dass er die Anregung zur Wahl eines so hohen 
Zieles und den ausharrenden Muth zur Erreichung des- 
selben vornehmlich geschöpft hat aus einer gleichseht 
innigen wie freiheitlichen religiösen Gesinnung. 

Gekräftigt durch EiiibUck in die Welt und ihre Ge- 
gensätze wurde diese religiöse Richtung Scaligers auf 
längeren Reisen in Italien, die er in Gesellschaft des 
französischen Edelmannes Lotiis Chastaigner de la Roche- 
pözay**) unternahm. Das freie Zusammenleben niiit die- 
ser Familie begann im Jahre 1563 und dauerte mit län- 
gelten Unterbrechungen bis zu Scaligers üebersiedelung 
nach Leyden (1593), wohin ihm noch der Sohn des 
Hauises, sein Zögling Henri Louis, für das erste Jahr sei- 
nes dortigen Aufenthaltes folgte. Um das Jahr 1566 be- 
gab sich nun der ältere de la Rochepozay edafranzösi- 
sißher Gesandter nach Rom, und als Hausgenosse dies- 
selben tiatte Scahger die beste Gelegenheit, sich mit der 
Vergangenheit der ,Stadt* aus ihren Ruinen bekannt zu 
machen, zugleich aber auch viel tiefer, als es gewöhn- 
lichen Romfahrem möglich ist, in die verboigenen Re- 



39 

f^ firungsgrundsatze und Charaktere derer %u bli<ikeii, welche: 
noch immer Yon den sieben Hügeln herab der Welt ge-. 
boten. Zweimal, in dem genannten Jahre 1565 und dem 
darauf folgenden, besuchte Scaliger Rom *^, und er* 
neuerte dort die schon aus dem. väterlichen Hauae stam- 
mende Bekanntschaft mit Muret, welcher ihn dann wie- 
derum bei den hervorragendsten wissenschaftlichen Grös- 
sen einführte. Von der fesselnden Gewalt der Tiber- 
stadt scheint Scaliger jedoch wenig empfunden 25u habend 
die längste Zeit seines italienischen Aufenthaltes ver^ 
brachte er auf Reisen in ünteritalien bis nach Neapel *^^) 
und durch Oberitaüen, wo er in Verona die Gräber sei- 
ner Ahnen besuchte und in Venedig die ,Räuber seines 
Erbiandes* kenhen aber nicht lieben lernte; wie sich denn 
überhaupt eine wenig günstige Meinung von den itali-^ 
sehen Menschen seit jenen Reisen für innner bei ihm 
festsetzte. Als wissenschaftliche Ausbeute brachte er 
eine grosse Anzahl von Inschriften ^^) aus Italien beim, 
den Kern der später so ansehnhch vermehrten und end- 
hch Grutcr'n zur Veröffentlichung übergebenen Samm- 
lung.' Das Suchen und Benutzen von Handschriften muss 
er nicht mit demselben Eifer betrieben haben; seine spä- 
teren Arbeiten weisen nirgends auf italienische Codices, 
sondern nur auf französische und deutsche. > 

Auf der Rückreise besuchte er Grossbritannien *^ 
noch im Jahre 1566; die Sitten der Insulaner zögemtiehr 
als die damals, wie er sagt, dort geringen literarischen 
Sammlungen seine Aufmerksamkeit an; aber die einge-»' 
wurzelte Abneigung des Franzosen gegen englisches Wei- 
sen vermochte auch persönlicher Umgang nicht zu ^be«* 
«egen. , 

Nach Frankreich heimkehrend, fand er es: in den 
Zuckungen des zweiten Religionskrieges (1567 -^ 1560). 
Att demselben und dem aus diesem sich bald'entspini* 



nenden dritten (1569 — 1570) nahm er,: in deoiBeUien der 
Hugenotten kämpfend ^% thätigen Antheil; er verlor 
während dieser Zeit, was er von dem elterEchen Nach- 
lass noch besass; über die Bürgerschaft seiner Vaterstadt 
Agen hatte er sich bitter zu beklagen^ und die Mehrzahl 
seiner Freunde fiel in den mörderischen Schlachtet. Von 
Lebens- und fast auch von Wissensübexdruss. ergriffen, be- 
gab er sich um das Jahr 1570 nach Valence (Dauphine) zu 
Jacobus Cujacius^*). Dieser unvergleichliche und da- 
her auch schwer zu lobende Mann richtete Scäliger aus sei- 
ner Niedergeschlagenheit lauf, und führte ihn in das Stu- 
dium des. römischen Rechts ein. Scaliger schritt darin so 
rasch vor, dass nach Verlauf weniger Jahre der Meister 
diesem Schüler den ohne Folgen gebliebenen Antrag 
machen konnte, sein College als Rechtalehrer zu werde© *'). 
Nicht minder lebendig war der Verkehr der beiden, 
bald zu inniger Freundschaft verbundenen Männer in den 
strenger philologischen Studien, die Cujaoius mit Liebe 
und Erfolg triebe wiewohl immer nur mit letzter Rückr 
sieht auf seine Rechtswissenschaft. In gewohnter Frei- 
gebigkeit bot er seine reichen handschriftlichen Schätze 
Söaligem zur Benutzung dar; und dieser verstand die 
Manuscripte mit so gründlicher Sicherheit auszubeuten^ 
dass Cujacius' Laune ihm den Vorwurf machte d'twoir 
depucelU les manuscripts **). Ein so vertrautes Verhältnis» 
2u < Cujacius lenkte auf Scaliger auch die Blicke des gan- 
zen Schülefkreises, der sich aus allen Ländern um den 
grossen Rechtslehrer gesammelt hatte. Man braucht sich 
nur an das unbegränzte Ansehen zu erinnearn, das Cuja- 
cius genoss, und an das' Gewicht seines Lobes, mit- dem 
er sehr wirthschaftlich umzugehen pflegte, um den Ein- 
druck richtig zu ermessen, den es machen mus^tet.wenn 
der auf der Höhe des Lebens und des Ruhmes stehend^ 
Jurist in einem seiner ausgearbeiteten Wjeike den mn 



41 

zwanzig Jahr Jüngern folgendermaassen erwähnte: do- 
cHssimt^ Josephus ScaU^fer, a quo pudet dissentire **). Un- 
ter den vielen Verbindungen jedoch, welche durch 
solch« Stellung zu Cujacius Scaligern zuflössen, ist be- 
Bonders die Freundschaft hervorzuheben, welche zwischen 
ihm und dem späteren Geschichtschreiber und Parlä- 
mentspräsidenten de Thou **) sich zu Valence begründete. 
Sie hat in beiderseitig ungeschwächter Wärme bis zum 
Tode des jfrüher abgerufenen Scaliger fortbestanden, 
wurde von Seiten de Thou's mit einer sich nie genug- 
thu«nden Bewunderung von seines Freundes überlegener 
Charakterstärke und Geistesgrösse gepflegt, und in Wort 
und Schrift noch zu einer Zeit bethätigt, wo es für einen 
hohen französischen Beamten nicht imverfänghch war, 
den ,alten Calvinisten*, wie ScaUger bei seinen Feinden 
hiess, diesen ins Angesicht zu preisen. 

Auf die zu Valence in Gesellschaft solcher Freunde 
wie Cüjacius und de Thöu verlebten Jahre hat Scaliger 
immer tnit wehmüthiger Erinnerung zurückgesehen**). 
Sie umfassen gefade die kurze Zwischenzeit pohtischer. 
Unheimliches briitender Stille, welche den dritten Reli- 
gionskrieg von der Bartholomäusnacht trennt. Doch 
war nicht jene Nacht schuld daran, dass Scaliger Va- 
lence verliess^^). Kurz vorher schon war ihm durch 
Cujaoiüs' Empfehlung 'die Ehre und düe Noth zugefallen, 
an der diplomatischen Sendung theilzunehmen, mit wel- 
cher Catharina von Medicis den Bischof von Valence, 
Jean Monlüc, betraut hätte, um dem damaligen Herzog 
von Anjou, später Heinrich EI., die erledigte pblhische 
Wahlkrone zu verschaffen. Am einundzwanzigsten des 
für Frankreich verhängnissvollen Augustmonats 1572 er- 
hielt Scaliger, der sich auf kurze Zeit nach Lyon iür 
Einleitung des Druckes seiner Cafalecta begeben, den Be- 
fehl, schleunigst aufisubrechen imd den Monluc in Strass- 



42 

bürg zu erwarten. Dieser geistliche Diplomat hatte 
schon etwas firüher; am siebzehnten August, Paris ver- 
lassen, nicht unbekannt» wie es scheint, mit den blutigen 
Anschlägen gegen die Hugenotten; die eingetretenen Er- 
eignisse erfuhr er noch auf französischem Boden zu 
Epemay in der Champagne, wo länger zu verweilen 
Krankheit ihn genothigt hatte. Nun wollte er, der 
Krankheit trotzend, seine Reise beschleunigen, um nur 
die . Gränze zu erreichen, bevor das ganze Land in Auf- 
ruhr gerathe. Aber zu Verdun hielt man ihn fest, auf 
Anstiften eines geistlichen Collegen, der für seinen Bru- 
der, einen Hofmeister des Herzogs von Guise, das Va- 
lencer Bistbum zu erlangen hoffte, wenn er den bishe- 
rigen Inhaber, Monluc, aus dem Wege schaffe, was in 
der allgemeinen Metzelei ohne viel Aufsehen geschehen 
konnte. Es bedurfte eines besonderen Befehls Catha- 
rina's, des Königs und des Herzogs von Anjou, um Mon- 
luc aus Haft und Lebensgefahr zu befreien und ihm den 
Weg nach Strassburg zu öffiien. Dort traf er aber zu 
seiner grossen Bestürzung Scaliger und die anderen be- 
deutenderen Mitglieder der Gesandtschaft nicht mehr; 
sie hatten sich zur angesagten Zeit eingefunden, waren 
aber auf die Nachricht von der Bluthoehzeit wieder aus- 
einaxidergegangen;. sie glaubten, die gai;ize Gesandtschaft 
werde in Folge dieser Yorgänge unterbleiben, zumal da 
Monluc weder erschien, noc^ aus seiner Gefajötgenschaft 
ihnen Anweisungen zugehen lassen konnte. Scaliger 
mochte sich wohl auch nicht länger geneigt f&hlen, einer 
Regierung diplomatisch zu dienen, die in solcher Weise 
gegen seine Glaubensgenossen verfrihr; seiner Entrüstung 
über die Ermordung Coligny's und die Schändung seines 
Leichnams machte er in Versen Luft*''), deren Veröf- 
fentlichung der doch auch nicht allzu zaghafte Beza, wohl 
um ihrer Heftigkeit willen, hintertrieb. 



43 

Ohne sich \i^eiter um Polen und Mooluc zukümmem, 
begab sich Scaliger von Strassbarg rheiDaufivSrts in die 
Schweiz und lies» sich einstweilen in Genf, der Stadt 
Calyin's, nieder. Dort wurde, um ihn daaernd zu fee- 
sein, eine Professur der Philosophie^®) ihm angeboten; 
nach längerem Sträuben und der ausdrücklichen Ver- 
wahrung, er werde den gehegten Erwartung«! in diesem 
Fache nicht genügen, verstand er ^ich etwa ein Jahr 
hindurch zu Vorlesungen über Aristoteles' Orgarkm und 
Cicero's de ßaUms.. Die Studenten urtheilten: ,Monsieur 
Scaliger rede nicht hin »und her, sondern interpretire 
seinen Autor gut'; im Ganzen jedoch scheint Scaligem 
Gabe und Lust zu öflEentUchem Vortrag immer gefehlt 
zu haben. Auf keinen Fall war das Genfer Lehramt 
seiner schriftstellerischen ThStigkeit hinderlich, die viel- 
mehr wahrend des anderthalbjährigen Aufenthalts in der 
Schweiz eine gesteigerte Rüntigkeit zbigt. Ausser klei- 
neren Arbeiten, deren Entstehung zu Genf sich nach- 
weisen läset ''^^),'>£Ult die Abfassung der Leotiones Auso- 
mcmae in diese Zeit seines freiwilligen Exils; und das 
Vorwort zu denselben, aus Basel August 1573 an Vine- 
ta» gerichtet, enthält Aeusseningen von Emigranten-Frei- 
muth über die Zurüdßsetzüng von Süd^ g^g^i^ Nord- 
flratnkreich ^\ au welchen die damaligen Kämpfe einen 
«o tief Theilnehmenden und so scharf Blickenden wohl 
veira^nlasseh konnten. Auch die Arbeit über den Festus 
wurde in ihren Haupifheileh noch in der Schweiz abge- 
sehloAsen;' denn! bereits Ende October 1574, wo er erst 
seit wenigen Monaten näcdi Frankreich zurückgidkefart 
sein konnte, widmet Scaliger von einem Schlösse des de 
la Rodiepozay aus jene staunenerregende Leistung sei- 
nes G^nie's dem Bischof Monluc. Derselbe war inzwi- 
schen von der glücklich beendigten polnischen Sendung 
hemgekommen und hatte am zwölften September 1574 



44 

aus Lyon an Scaliger einen hoch erhaltenen Brief 3^) ge- 
sbhrieben, worin er bezüglich:, des gegenseitigen Verfeh- 
lens in Strassburg Aufklärungen und» Versicherungen 
unerschütterter Freundschaft giebt, zugleich aber ziem- 
lich gereizte EHagen erhebt wegen eines unter dem fal- 
schen. Namen Fumester erschienenen Pamphlets, wel- 
ches Monluc's Verhalten zu den Ereignissen der Bartho- 
lomäusnacht schonungslos angriff; der Brief klingt so, 
als habe der Bischof den Verdacht, dass der wahre Ver- 
fasser, wenn nicht Scaliger selbst, . doch wenigstens 'ein 
MitgUed des Scaligerschen Kreises sei. Dieser Verdacht 
war nun freilich ganz ungegründet; denn Donellus, der 
Widersacher des Cujacius, hatte sich unter den Namen 
Furnester versteckt, und Cujacius hat später den Mon- 
luc gegen dessen Angriffe in einer besondem Schrift 
vertheidigt. Aber die Vermüthung ist doch wohl rich- 
tig, dass die Dedication des Festus, einen Monat nach 
-Empfang jeAes gereizten Briefes erfolgend, dem Prälaten 
imd Diplomaten jeden noch so unverdienten Argwohn 
benehmen sollte. Nur darf man in diesem Entgegen- 
-koininen iiicht mehr suchen wollen, als das Bestreben, 
die einmal' angeknüpfte Verbindung mit einem einfluss- 
reiehen und übrigens von Scaliger auch in seinen per- 
sönlichen Eigenschaften geschätzten Manne nicht ohne 
Grund abzubriechen. Nichts lag dem Wesen: Scaligers 
ferner, als, etwa in der Weise des hierin wie in Allem 
sehr uhgenirten Erasnlus, den Vornehmen durch literä- 
, rische Darbringungen Gunstgeschenke abzuzwingen ; ' we- 
der dem Monluoinoch irgend einem dör vielen firanzö- 
4sischen Grossen, denen er nahe stand, hatte er eine seinen 
-Lebensgang bestinunende Förderung zu verdankte. ^ Die 
fast vollen zwanzig Jahre, die er nach der Hückkehr 
aus der Schweiz noch in Frankreich bheb,' verlebte er 
als imumschränkter Gebieter über seine Zeit entweder 



49 

auf den Sehlössem seines Freundes de la Rochepozay 
oder auf Reisen meistens in den südlichen Provinzeü 
Frankreichs ^). Durch die Ueberbleibsel des mütterlichen 
Nachlasses und die Freigebigkeit seiner Freunde war er, 
bei dem Heirathsgedanken sich nie ernstlich scheinen 
eingestellt zu haben, auch in solcher, weder grabenden 
noch pflügenden, Lebensweise vor Mangel geschützt; 
eine Pension von zweitausend Francs, welche Heinrich III. 
auf Anlass der Widmung des Manilius ihm angewiesen 
hatte, war im Jahr 1594, als Scaliger schon nach Leyden 
gegangen, noch nicht ausgezahlt.''). 

So hat er denn, ohne von Amtspflichten abgerufen 
oder von Verbindlichkeiten gedrückt zu werden, wäh- 
rend zweier Jahrzehnde seines Mannesalters einer rein 
wissenschaftlichen Thätigkeit sich hingeben können — 
eine Gunst des äusseren Schicksals, die damals nicht 
häufiger war, als sie es jetzt ist; kaum möchte sich ein 
anderer Gelehrter der Zeit nennen lassen, dem sie zu 
Theil geworden. Bei Scaliger traf sie mit ausserge- 
wohnlicher innerer Begabung zusammen, und rief nun auch 
Werke hervor, die in ihrem Gehalt jedes alltäglichen 
Maasstabes spotten und deren Form von einer heiteren, 
ungebundenen Frische belebt ist, wie sie nur da sich zu 
behaupten pflegt, wo die Freiheit der Lebensstellung das 
Arbeiten zu reinem Thun werden lässt; überall spürt 
man den leichten, schwungvollen Schritt eines Mannes, 
der nie ein Joch getragen. 

Zunächst war es das Dreigestim der römischen Ele- 
giker, dem er bald nach der Ergänzung des Festus den 
Ertrag jener männlichen Müsse angedeihen liess. Trotz 
der vielen Uebereilungen, welche die in überraschend 
kurzer Zeit beendigte erste Ausgabe des Catullus, Ti- 
bullus und Propertius aufweist und welche in der zwei- 
ten Ausgabe nur zum Theil berichtigt sind, werden kuu- 

4 



46 

dige Le$er doch nicht austeheo, dieser Texte^eaxbeituug 
. yor Allem, was Scaliger fipüher Aehnliches geleistet, de» 
Preis gereifter, methodischer Kunst zu ertheilen. Hier 
wollte es überdiess sein Glück, dass er für einen bedeu- 
tenden Abschnitt des TibuUaus einer dem Cujacius ge- 
hörigen Handschrift die echte Ueberli^ferung selbst zu- 
erst bekannt machen konnte, die er beim Varro und 
I^estus aus den Händen von Italienern hatte empfangen 
müssen, um sie dann gegen Italiener zeugen zu lassren. 
l^irgends sind nun auch seine Ausrufungen über das un- 
geschickte Hantieren italischer Correotpren so häufig, so 
wegwerfend ^nd so berechtigt,; durcih Nichts .ferner 
hat er so sehr, wie durch diese Ausgabe der Erptiker, 
deQ neidischen Zorn italienischer Philologen und das 
Geschrei vulgatengläubiger firanzösischer Pedanten er- 
regt'*). Weniger wohl, weil ihm der Lärm zu arg ge- 
worden, als weil er in dieser Richtung genug gethan zu 
haben glaubte und seine Privatstudien einen anderen 
Gang genommen hatten, liess er n^it der Herausgabe je- 
ner drei Dichter die Reihe seiner diorthotisch-kritischen 
Publicationen geschlossen sein. ' Durch die. Commentare 
zu Vaxro, Ausonius, Festus und nun auch zu den Ero- 
tikern hatte er gezeigt, wie man auf diplomatischer 
Grundlage weiterbauen solle, hatte zugleich, gegenüber 
der bequemen und daher immer bedrohlicher um sich 
greifenden Miscellenmanier '*), wieder die Autoren 
in einheitlichem Zusammenhang behandeln gelehrt, 
hatte endlich in den Catalecta, durch Begründung einer 
lateinischen Anthologie, noch jener Brocken- Schriftstel- 
lerei den Weg gewiesen, wie. sie der Wissenschaft nütz- 
lich werden könne, indem sie, Versprengtes auflesend 
und Trümmer z.usammenfugend, die Lücken ausfülle, 
welche die Barbarei des Mittelalters in die Litteratuj^ge" 
schichte gerissen. Es war nun genug Saamen ausge- 



1.1«»^ 



•47 

streut zur Befruchtung des Feldes diorthoti scher 
Ktitik; was Scaliger in derselben Weise noch vorbereitet 
tmd auch schon angekündigt hatte, z. B. den Plautus ^% 
liess er jetzt för immer liegen, und begann eine neue 
Reihe historisch -kritischer Arbeiten, die, von Texten 
bestimmter Autoren unabhängig oder nur leise an der- 
gleichen sich anlehnend, ihren Schwerpunkt in sich sel- 
ber tragen. Gleichsam das Mittelglied zwischen jenen 
zwei Reihen von Werken bildet die im Jahre 1579 er- 
schienene erste Ausgabe des Manilius. Wie wenig eine 
Herstellung des zerrütteten Textes hier Scaligers Haupt- 
zweck gewesen, kann man daraus ersehen, dass er von 
dem Vorhandensein des später in der zweiten Ausgabe 
so emsig benutzten Codex Gemblacensis schon damals 
Ktinde hatte ") und es doch nicht des Aufschubes und 
der Mtihe werth hielt, sich die Lesarten desselben zu 
verschaffen. So lässt er denn seiner Conjecturen- ühd 
ümstellungslust die Zügel schiessen und macht sich den 
Manilius zu dem zurecht, wozu er ihn brauchen will: 
zu einem Leitftiden für Darstellung der alten Astronomie. 
Diese sollte ihm die Bahn ebnen zur Veröffentlichung 
seines chronologischen Systems, welches er in dem 
Wierke de emendaMone temporiim der Welt zum ersten 
Male im Jahre 1583 vorlegte, also gerade zur Zeit, da 
die praktische Chronologie eine brennende Frage ge- 
worden war, in den Gabinetten der Staatsmänner ver- 
handelt und auf den Kanzeln durchgepredigt wurde. 
Das vorliergehende Jahr 1582 watr nämlich in allen Län- 
dern, wo der. verbesserte Kalender Eingang gefunden, 
ein anrms eonfusionis gewesen; vom vierten Oc tober war 
man auf den fünfzehnten übergesprungen, um die Ver- 
fielen wieder gut zu machen, welche der Mathe- 
matiker Soaigenes und der Dictator Gaius Julius Cäsar 
bei Festsetzung des julianischen Jahres begangen hatten. 

4* 



48 

Nach Verlauf von sechszehu Jahrhundertw hatte aber- 
mals die Vereinigung eines Gelehrten und eines dex 
Welt befehlenden Mannes es b ewirkt, dass die Menschen 
sich richtigere Zählung der Zeiten auferlegen Hessen; 
Aloysius Lilius hatte die verbesserte Jahresrechnung vor- 
geschlagen, welche unter dem Namen annus IMianus den 
Mathematikern wohl bekannt, aber vom grossen Publi- 
kum imberücksichtigt blieb, bis sie die Billigung des 
Papstes Gregor XIII. und dadurch den Namen mnu9 
Gregorianus, sowie all die Unterstützung erhielt, welche 
der römische Stuhl, nun wieder mächtig ruhend auf der 
Grundlage des vor Kurzem beendigten tridentinischen 
Concils, in den vielen seiner Autorität untergebenen 
Ländern gewähren konnte. Ausser der allgemein mensch- 
lichen VTohlthat hatte aber die Einführung des gxego* 
rianischen Kalenders fiir die Auffassung des sechszehn- 
ten Jahrhunderts noch eine politisch - religiöse Seite, 
welche jedoch mehr von den Nichtkatholiken hervorge- 
kehrt wurde ; sie erkannten darin einen Act ökumenischer 
Majestätsübung Roms, und einem solchen wollten sie 
sich nicht iugen, auch nicht auf die Gefahr hin, einmal 
Ostern im December feiern zu müssen. Gerade nun als 
dieser Streit am heftigsten geführt wurde, als vor ein 
paar Monaten das Edict des Königs Heinrich III., wel- 
ches dem gregorianischen Jahre für Frankreich Geltung 
gab, vom Pariser Parlament, in Abwesenheit seines Prä- 
sidenten Achille de Harlay^®), war einregistrirt worden, 
erschien um die Mitte des Jahres 1583 mit einer Dedi- 
cation an eben diesen Präsidenten Harlay jenes Scali- 
gersche Werk de emendaiione temporum. Es ging in die 
entlegenste Vorzeit zurück, war vorwiegend historisch 
gehalten, , stellte den Leser auf eine Warte, von der aus 
er nach Osten und Westen d^s Alterthum überschsruen 
konnte,' ^^) bot aber zugleich den Interessen und Leiden- 



49 

Schäften der unmittelbarsten Gegenwart Handhaben genug 
dar. Ein paar Schlusskapitel handeln nämlich ,von dem 
Lilianischen Jahr', mancherlei gegen dasselbe vorbrin- 
gend, was Männer des Fachs jetzt als nicht ganz unbe- 
gründet anerkennen und was damals begierig von Allen 
aufgegriffen wurde, welchen das Lilianische Jahr blos 
deshalb nicht behagen wollte, weil es, zum Gregoriani- 
schen geworden, auf Gebot römischer Bullen sich 
verbreitete. Scaliger hat ein Jahrzehend später in Hol- 
land die Polemik gegen den gregorianischen Kalender in 
einer besondern Schrift fortgeführt und dadurch von 
Neuem den unversöhnlichen Unwillen der Freunde Roms 
gegen sich aufgeregt; zunächst that er jedoch nichts 
weiter, was ihm in den Augen der Menge den falschen 
Schein eines Vertheidigers des alten, von ihm ebenso- 
wenig gebilligten Stils hätte geben können; es war ihm 
fürs Erste genug, den Zeitgenossen gleichsam einen 
Zipfel hingereicht zu haben, an dem sie das ihnen sonst 
so fremdartige historisch - chronologische Werk zu sich 
heranziehen könnten. Nun wurde es doch allgemein be- 
kannt und besprochen; gelesen freilich wurde es nicht 
so allgemein und noch seltener gewürdigt. Gleichwohl 
hat zumeist dieses Werk in den Namen Scaliger den 
europäischen Klang gelegt, den er seitdem nicht verlören 
hat. Denn auch der nicht ganz dem Stoffe gewachsene 
Leser musste zu Staunen und Hoffen erregt werden, 
wenn er bedachte, welche Studien eine solche Leistung 
bei dem Verfasser voraussetze, und was das . Verfolgen 
dieser neu gebrochenen Bahn für die Wissenschaft ver- 
heisse. Bisher war den sogenannten ,Leuchten der Ge- 
schichte (Ivmina historiae)*, den unentbehrhchen Hilfs- 
disciplinen, welche ein scharfes Erkennen des Alter- 
thums in seinen wirklichen Umrissen vermitteln, nur we- 
nig Aufmerksamkeit geschenkt worden, am allerwenigsten 



50 

von den Italienern. Was diese darin gethan, ist iaat al- 
lein auf römische Verfassungsgeschichte gerichtet, und 
die im Uebrigen merkbare Vorliebe für ein gewisses 
Dämmerlicht bei Auffassung des Alterthums erklärt sich 
kicht aus der Begeisterung, mit der die italienische Phi- 
lologie begann, und aus der Tändelei, in welcher sie en- 
dete; man fand sich nicht versucht, dem Mangel einei* 
sicheren Kunde von dem antiken Zählen, Messen und 
Wägen ernstlich abzuhelfen, weil dieser Mai^gel nicht 
als ein drückender empfunden ward; beide, die Begeiste- 
rung wie die Tändelei, mussten sich in der Befreiung 
von Maass, Zahl und Gewicht eher unbehindert und 
wohl fühlen. Es blieb also den ernüchterten französix 
sehen Philologen aufbehalten, den Alterthumsstudien die 
Leuchten der Metrologie und Chronologie anzuzünden. 
Älit der Metrologie hatte Guilelmus Budaeus einen doch 
wenigstens ernsten Anfang gemacht, und jetzt zeigte das 
Werk de emendatione temporumf dass die Chronologie in 
Scaliger ihren Entdecker imd Bildner gefunden habe. . 
Durch dieses Werk überflügelte er nun a,uqt^. in ent- 
scheidender Weise denjenigen Mann, dessen Rvihm ihm 
bisher allein noch das. Gleichgewicht gehalten hs^tte: den 
antiquarisch hochgelehrte», um Kritik lateinischer^ Pro- 
saiker glänzend verdienten Justus Lipsii;is^^.^ !bi der 
That muss man gestehen, dassLipsius^ selbst wenn ihm, 
was er am Tacitus und Vellejus vollbracht hßi^ nach 
dem vollen, nicht hoch genug zu schätzendem WerÜie 
angerechnet wird, doch im Ganzen genommen über die 
Manier der Italiener nicht hinausgelangt ist. Er hat die 
Mängel der Italiener in keinem wesentlichen Stücke er- 
gänzt, und manche ihrer Vorzüge wohl nachahmen wol- 
len, aber nicht erreichen können. Ihre, stilistische Ele* 
ganz wird in seinen Schriften zu eineivi ipune^r peinUipher 
ren Streben i^ach abgebissener Kürze; für höhere. Kritik 



Sl 

hat 6ein im Einzelnen scharfer Blick nicht genug Frei^ 
heit und üebersicht, fehlt seinem sonst besonnenen Ur- 
theil das divinatorische Selbstvertrauen; das Griechische, 
welches die Italiener nie recht aus dem Hintergrunde 
hervorgezogen hatten, diente auch ihm nur zu gelegent- 
lichem Bedarf bei seinen antiquarischen Arbeiten; und 
diese antiquarischen Arbeiten überschreiten nicht den 
Kreis römischer Verwaltungs-, Militär- und Privat- Alter- 
thümer, lassen in der Verfassungsgeschichte eher einen 
Rückschritt im Yerhältniss zu Italienern wie Sigonius 
wahrnehmen, und fördern überhaupt mehr durch ge- 
schicktes Zusammenordnen eines zerstreuten Notizen« 
Stoffes, als durch eindringende und belebende Darstel- 
lung der alterthümlichen Zustände. All diess konnte 
auch bei dem Befangensten auf die Dauer keinen Ver- 
gleich aushalten mit der litteräriscben Laufbahn Sca- 
ligers, wenn man diepe voto dem Höhepunkte aus über- 
blickte, den sie in dem Werke de emendatione temperum 
erreicht hatte. Im Lateinischen war es Scahgem gelun-* 
gen, gleichsam die Grenzen der Sprache zu erweitern, 
indem er das reiche altlateinische Wörtergebiet wieder 
zu Tage legte, welches der itaUenische Ciceronianismus 
überfluthet und verdeckt hatte, und indem er,' seiner Zeit 
vorattseilend, eine Kenntniss altlateinischer Grammatik 
gewann, welche noch lange nach ihm ein todter Besitz 
geblieben ist und erst in den jüngiftten Jahren verwerth et 
zu werden anfangt. Griechische Autoren freilich^ hatte er 
nicht in ausfiihrlicherem Zusammenhang behandelt,' so 
w«Eiig wie Lipsius oder sonst eio Philologe jener Zeit es 
gethan, mit Ausnahme des eben beginnenden Gasaubonua: 
Aber dass Scaliger dennoch des Griechischen in einem 
ganz anderen Umfang mächtig sei als Lipdius, dass er 
den griechischen Classikern in wahlverwandter und viel 
unmittelbarerer Weise nahe stehe als Casaubonus, d^r erst 



52 

durch unennüdlichen Fleiss sich Tact erarbeitete — 
davon musste Jeder überzeugt sein, der auch nur die 
Conjectanea oder die Uebersetzung des sophoklei'schen 
Aias gelesen hatte. Und nun zeigte er in dem Werke 
de emendaiione temporum eine Herrschaft über das orien- 
tahsche Sprachengewimmel, über das Hebräische, Ara- 
bische, Syrische, Aethiopische, Persische, die nicht ein- 
mal so bedeutend hätte zu sein brauchen, wie sie es trotz 
aller UnvoUkommenheiten doch wirklich ist, um in der 
damaligen Zeit, für welche alles Orientalische noch in 
weiter, dicht verschleierter Ferne lag, die gerechteste 
Bewunderung zu erregen. Nach dieser linguistischen 
Seite mussten selbst die verblendetsten Verehrer des 
Lipsius jede Vergleichung der beiden Männer aufgeben, 
und ebensowenig konnten sie, angesichts der chronolo- 
gischen Aufhellung der Universalgeschichte, es bestreiten 
wollen, dass Scaliger mit seinem Sprachenschlüssel auch 
antiquarisch viel ergiebigere Schatzkammern aufschloss, 
als dem Lipsius für seine Zusammentragungen offen 
standen. Längst bevor Scaliger berufen wurde, den Lip- 
sius in dessen amtUcher Stellung zu ersetzen, war er 
schon von der Meinung des Zeitalters auf den Thron 
gehoben, welchen jener mit ihm befreundete und wett- 
eifernde Mann seit so vielen Jahren zu behaupten ge- 
wusst hatte. 

Zwischen der ersten Ausgabe des Werkes de emenr 
datione temporum und Scaligers Reise nach Leyden zum 
Eintritt in die von Lipsius verlassene Stelle liegt ein 
volles Jahrzehend; es ist arm an äusseren Ergebnissen 
von Scaligei^ Thätigkeit, und ward um so eifriger zu 
den unermesslichen Vorarbeiten benutzt, die allein ihn 
in den Stand setzen konnten, bald nach seiner Ankunft 
in Holland den abermahgen Druck von dreien seiner 
Hauptwerke de emendcUioney Manilius, Catullus in neuen, 



»3 

fast immer den firüheren Umfang verdoppelnden Bearbei- 
tungen beginnen zu lassen. Die Scblussjahre jenes De- 
cenniums wurden auch vielfach gestört durch die krie- 
gerischen Zeitläufte, welche in Folge der Ermordung 
Heinrichs IIL eintraten, und durch langwierige Verhand- 
lungen '*^J, welche dem Umzüge nach Leyden voran- 
gingen. 

Im Jahre 1590 nämlich erbat sich Justus Lipsius» 
der während zwölf Jahren die Professur römischer Ge- 
schichte und Antiquitäten in Leyden bekleidet hatte, 
von seinen Vorgesetzten Urlaub zu einer Badereise nach 
Spaa; sein Leberleiden verlange Heilung. Jedermann 
sah voraus, dass er nicht wiederkehren werde, und man 
erfuhr bald, dass er sich zu Mainz mit den Vätern des 
Jesuitenordens, den Lehrern seiner Jugend, in Verbindung 
gesetzt und seinen Rücktritt in die katholische Kirche 
beweriistelligt hatte. Danach bedurfte es unter den da- 
maligen Religionsverhältnissen kaum noch eines förm- 
lichen Niederlegens seines holländischen Amtes, und die 
leydener Stadt- wie Universitätsbehörden mussten dar- 
auf bedacht sein, baldigst die Lücke auszufüllen, welche 
der Abgang einer solchen Celebrität, ,der eigentlichen 
Stütze der ganzen HochschuleS in dem Lehrerkreise 
machte und in der Schülerzahl herbeizuführen drohte. 
Dass man auf Scaliger nicht ganz ohne Hoffiaung die 
Blicke richtete, bewirkten wohl Andeutungen des Domi- 
nicus Baudius, eines früheren Zöglings und späteren 
Professors der Leydener Universität, dessen glückliche 
Eigenart in lateinischem Vers- und Prosaschreiben den 
Philologen bekannt ist, und dessen Leichtfertigkeit in 
Heirathsdingen, sowie sein possirUches Streben, auf öf- 
fentliche Kosten als Ambassadeur seine Wanderlust 
zu befriedigen, ein Bayle'scher Artikel verewigt hat. 
Dieser rührige^ za jener Zeit in Frankreich, lebende, 



54 

aber öftere Ausflüge über die Grenze machende Mann 
liat gewiss auch die näheren Mittel und Wege angege- 
ben, welche am ehesten den Scaliger seiner unabhän- 
gigen Müsse entreissen möchten; und im October 1591 
wurde nun eine ansehnliche Menge der verschiedensten, 
auf Scaligers Berufung bezüglichen Schriftstücke von 
Leyden abgesandt. An ihn selbst schrieben erstlich 
Cüratoren und Bürgermeister von Leyden und dann 
noch die Generalstaaten der Niederlande; in beiden 
Schreiben wird Scaligers Adel in besonders nachdrück- 
licher und ehrender Weise betont. Ausserdem wendet 
man sich unmittelbar an Heinrich IV., der damals noch in 
der Eroberung seines Königreichs durch Waffen begriffen 
war und den Entschluss, Frankreich um eine Messe ein- 
zutauschen, noch nicht ausgefiihrt hatte; die Gen^ral- 
staaten reden also zu ihm wie zu einem Religionsver- 
wandten und bitten um die Unterstützung seines könig- 
lichen Einflusses auf Scaliger ,zur Ehre Gottes und För- 
derung der gemeinsamen S ach e^ (service de la cause 
commune). Endlich richtet noch der Prinz Moritz von 
Nassau in einem besonderen Briefe dieselbe Bitte an 
Heinrich IV. von persönlicher Seite her; Leyden sei eine 
Gründung seines Vaters, des Prinzen Wilhelm 4*on Ora- 
hien; das WöhJ und der Rtihm dieseir Universität liege 
ihm, dem Sohne, also auch als öine Familienisache beson- 
ders nahe, und für beides könne nicht besser gesorgt 
werden als durch die Gewinnung Scaligers. ' 

Mit diesen Briefschaften wurde rih jüngerer juristi- 
scher Professor, Gerärd Tuning, nach Frankreich ge- 
schickt. Er traf Heinrich IV. im Lager vor Kouen und 
erhielt von demselben eine neue Bereidherung seiner 
Brieftasche, ein Schreiben nämlich, das Scäiigem nicht 
blos des Königs Erlaubniss, sondern dessen bestimmte 
Aufforderung bringt, dem Verlangen der Holländer nach- 



56 

zukommen. ISne gewisse Kähe ist in den königiiclien 
Worten nicht zu verkennen und der , gemeinsamen 
SacheS in deren Namen die Generalstaaten gebeten 
hatten» wird folgende aüsbiegende Wendung gegeben: 
,Der König habe Grund) den Wünschen der Staaten imd 
seines Vetters des Grafen von Nassau in alle Wege gün«> 
etig zu sein, besonders aber iii dieser Angelegenheit; 
welche von der ganzen Christenheit gefördert wer- 
den niüsse als ein gemeinsames Gut, das von der Einen 
Quelle aus sich überall .hin verbreiten könne/ Zugleich, 
mit diesem Schreiben empfing Tuning ein^ königlichen 
Geleitsbrief für düe Reise nach der Touraine, wo ScaUger 
zu Freuilli auf einer Besitzung des de la Rochepozay sich' 
aufhielt. Heinrichs IV. Autorität reichte aber damals 
noch nicht weit über den Umkreis seines Lagers hinaus; 
im südlichen Frankreich waren die Männer der Ligue 
trotz der vorjährigen Schlacht bei Ivry noch immer 
mächtig, und wer einen Pass vom Beamerbei sich ti*ug, 
war nur um so sicherer den liguiettscfaen Plünderern ver- 
faUen. So wurde denn auch der holländische Abgesandt» 
seiner Papiere beraubt; er musste iScahgem den Atifirag: 
mündhefa ausrichten und konnte . aus all den ehrendeii' 
Sehifeiben nicht mehr mittheüen, als sein GedäiditiiiJsa.auf«' 
bewahrt hatte. Wie wenig Grund, nun aueh 'zu MissK* 
trauen gegen Tuning vorlag, so' mochte doch dieser Ab4> 
gesandte selbst, da er eine schriftliche Bemfiinig au über<4>i 
geben ausser Stande war^ nicht allru dringend .auf dem' 
ursprünglichen Plane der Leydener bestehen, dass Sca»*. 
liger gleich in seiner Gesellschaft die Reise nach Hol-' 
lanü anträte. Er begnügte sich, den Curatorenund dem 
Pxi^zren Moritz Antwortschreiben Scaligers zurfiekzubrisi- 
gen, welche, fär dto AugenbUok ablehnend, dochbeideiv 
Theilen Gelegenheit zu ^eitearen Anknüpfungen offen 
liessen. ,Freilrch -^ schreibt Sbaliger«^ h8tten>ctie Bär«- 



56 

gerkriege alle Wissenschaft aus Frankreich verjagt; ein 
Biedermann müsse überall Ueber leben woUen als in 
diesem französischen Lande, wie es nun einmal gewor- 
den ; in Holland könne er ein ehrenvolles Amt bekleiden, 
in Frankreich gelte er vielleicht nicht £ur ganz gescheidt; 
lauter starke Antriebe zu seinem Wunsche, den hol- 
ländischen Antrag annehmen zu dürfen; aber es wolle 
nicht der rechte Glückswind in die Segel dieses Wun- 
sches blasen; das Nähere werde Tuning mündlich be- 
richten/ Dieses Nähere bestand darin, dass Scaliger sich 
nicht zu den Kathederpflichten eines Professors berufen 
glaube und dass gerade der augenbUckhch so arg zerüt- 
tete Zustand Frankreichs seinem vaterländischen Gefühl 
verbiete, dasselbe so plötzhch zu verlassen. 

In Folge jener im Januar 1592 von Scaliger ge* 
schriebenen Briefe stockten die Unterhandlungen wäh- 
rend acht Monaten; eine übelwollende Partei in Leyden 
suchte sein Zögern als eine entschiedene Ablehnung dar-r 
zustellen, und inzwischen geschahen auch von franzö- 
sischer Seite Versuche, ihn an Frankreich zu fesseln. 
Du Plessis Momay, der Vorfechter der Hugenotten, in 
der unmittelbaren Umgebung' des Eömgs, vermochte 
es nicht so ruhig mitanzusehen, dass sein . Vaterland 
einen solchen Schmuck dem Auslande abtreten und 
dass seine Partei um den Einfluss ^nes solchen: Ge- 
nossen auf Frankreich ärmer werden solle. Es erging 
sonach auf Mornay's Betrieb an Scaliger die Aufforde- 
rung zur Uebemahme der Erziehung des PrinzeA von 
Conde, welcher bei der Kinderlosigkeit Heinrichs IV. in 
erster Ehe damals Aussichten auf die Thronfolge hatte. 
Um dieselbe Zeit jedoch, als die Verhandlungen hierüber 
von Seiten der Hofleute mit grossem Eifer, von Scaliger 
aber mit augenscheinlichem Widerstreben gefuhrt wur- 
den, beschleunigten auch die Holländer ihre Maass- 



57 

aalunen und schickten gegen Ende des Jalires 1592 aber* 
mals den Tuning nach Frankreich mit einem neuen, sehr 
veränderten Berufungsschreiben. Es lautete nun nicht 
mehr wie früher auf Eintritt in die Stellung und Pro- 
fessorpflichten des Lipsius; nichts weiter als Scaligers 
Anwesenheit zu Leyden wird verlangt, damit er dort 
in Ruhe seine schriftstellerische Thätigkeit fortsetze, 
w^elche durch die französischen "Wirren so sehr bedroht 
sei; ,in holländischer üngestörtheit werde er zum From- 
men und zum Ruhme auch seines französischen Vater* 
landes viel sicherer wirken können, als wenn er sich 
länger den dort tobenden Stürmen aussetze; aber falls er 
dennoch den Entschluss zu dauerndem Aufenthalte in 
der Fremde nicht sogleich fassen könne, so sei man 
einstweilen auch mit seinem provisorischen Erscheinen 
zufrieden, dass er sich nur die Leydener Verhältnisse 
einmal mit eigenen Augen ansehe/ Gleichzeitig wurden 
Bitten um Beförderung der Angelegenheit an die näch- 
sten Bekannten Scaligers gerichtet, darunter auch^ offen* 
bar mit Bezug auf den Conde'schen Zwischenfall, an den 
Urheber desselben Du Plessis Mornay. 

Nachdem nun die Dinge in solche Lage gebracht 
waren, zögerte Scaliger nicht länger, den Holländern 
seine Bereitwilhgkeit zu provisorischem Aufenthalt zu 
erklären, und um seinem Kommen diesen provisorischen 
Charakter noch mehr zu ertheilen, hess er sich den jun- 
gen de la Rochepozay auf die Reise mitgeben. ,Er habe 
— schreibt er an Douza — diesen seinen Zögling sich 
vom Vater auf kurze Zeit erbeten unter dem Versprechen, 
selbst ihn wieder nach Frankreich zurückzufuhren/ Ein 
zweites um diese Zeit an Scaliger erlassenes Schreiben 
Heinrichs IV. drückt jedoch des Königs Befriedigung 
aus über seine Annahme des holländischen Antrags, als 
sei diese eine endgiltige, enthält kein Zeichen des Be- 



58 

dauerns, dass er von Frankreich scheide, eröflhet keine 
Aussieht zu baldiger Rückköhr und vermeidet jede Hin- 
deutung auf die Conde'sche Sache, fiir welche Scaliger 
auch nie die leiseste Neigung gezeigt hatte. Wäre solche 
Neigung je vorhanden gewesen, so hätte sie sehr vor- 
sichtig werden mögen durch die Erwägungen, welche 
sein alter Freund Florens Christianus, früherer Leh- 
rer Heinrichs IV. und mit französischem Hofwesen 
aus persönlicher Erfahrung bekannt, ihm auf den Weg 
nach Holland mitgab. ,Scaliger möge nur nicht allzu 
streng an dem blossen Provisorium festhalten — so er- 
mahnt Christianus in treuherzigem Altfi^nzösich — ; 
Holland habe das Glück, von dem Herrn Grafen von 
Nassau geföhrt zu werdem, einem tapfem, tüchtigen, 
gottesfurchtigen und den Studien ergebenen Fürsten; 
dieser werde Scaligem gewiss alle Ehre erweisen, und 
bevor er je Holland verlasse, möge er bedenken, dass 
die französischen Prinzen — imd nun schreibt der vor- 
sichtige Mann Latein, damit die Hofleute es nicht lesen, 
welche ihm Leides genug mögen zugefügt haben -^ «n- 
tistant quidem omnibus principibus totius orbis si ffentts et 
viriutem belli spectes, sed spes et ratio studiorum in cdia 
omma disoeduntJ Hingegen kann der ältere de la Roche- 
pozay, mit welchem Scaliger dreissig Jahre zusammen- 
gelebt, sich nicht von dem Gedanken losmachen, dass 
seine Entfernung aus Frankreich nur von kurzer Dauer 
sein werde; ,sobald das Land ein wenig zur Ruhe ge- 
kommen, müsse sich Gelegenheit finden, ihn dorthin zu- 
rückzuführen ; und dann wollten sie auch ihr' Greisenalter 
in Gesellschaft verbringen.' Solchen Hoffnungen des 
Freundes leistete Scaliger dadurch Vorschub, dass er 
Bücher und Papiere auf de la Rochepozay's Schloss zu 
Preuilli zurückliess **), als er im Hochsommer 1593 sich 
zu Dieppe nach Holland einschiffte. 



59 

Es war ihm nicht beachieden, Frankreich wiederzu- 
sehen, und oft und herbe hat er, wie er nun als Drei- 
undfiiixfzigjahriger an ein trübes Klima und an hollän- 
dische Sitten sich gewöhnen musste, jene Unbehaglich- 
keit empfunden, von welcher Franzosen ausserhalb 
Frankreich zu allen Zeiten befallen werden; sie allein 
unter den modernen Völkern schmecken ja noch etwas 
von der Bitterkeit antiken Exils. Aber Alles in Scaligers 
holländischer Umgebung, Hohe wie Niedrige, beeiferten, 
sich, ihm die Fremde lieb und heimathlich zu machen, 
und man. bereitete ihm eine Ausnahmestellung, welche 
die ganze Bequemlichkeit seiner früheren amtlosen 
Müsse mit dem Schmuck und dem Einfluss eines aka- 
demischen Principats verband. Als er bald nach seiner 
Ankunft in Leyden die früher während der Verhandlun- 
gen abgegebene Erklärung wiederholte, dass er sich zu 
öffentlichen Vorlesungen nicht gestimmt fühle *^, liess 
mau diese Zumuthung für immer fallen, verzichtete auf 
jeden äusserlich begrenzten Nutzen seiner Anwesenheit 
und begehrte sie nur um ihres frei und still wirkenden 
Seegens willen. Von bestimmten Leistungen entbunden, 
genoss Scaliger dennoch bei jeder Gelegenheit die Ehren 
einer stillschweigend ihm von allen Seiten zugestandenen 
Proedrie, und die holländischen Vornehmen, damals fast 
ohne Ausnahme mit humanistischer Bildung geschmückt, 
wussten den Werth eines Philologen zu würdigen, des- 
sen Grösse fiir Pedanterei keinen Raum hatte. JVIit den 
ersten Männern des Staats, Oldenbarneveldt und van der. 
Mylen, stand er auf vertrautem Fusse; in Douza's Fa- 
milie lebte er wie in seiner eigenen; Coligny's Toehtex 
Luise, verwittwete Prinzessin Wilhelm von Oranien, 
ehrte und schätzte ihn; der Prinz Moritz von Nassau 
behandelte ihn mit Auszeichnung, ,gab ihm bei Tafel 
den Vorsitz vor fürstlichen Vettern' und verlangte dabei 



60 

J 

— wofiir Scaliger besonders dankbar ist — keine zeit- 
raubenden und regelmässige^ Auft^^artungen. Ein von 
diesen holländischen Kreisen unabhängiges Gewicht er- 
hielt Scaliger noch durch seine sehr innigen Beziehungen 
zu dem jedesmaligen französischen Gesandten, welcher 
in Folge der politischen Lage beider Nachbarländer im- 
mer an der Spitze des diplomatischen Corps stand. Zu- 
erst fand Scaliger an dem Herrn von Buzanval*'') einen 
offenen Freund, der ihm einen vollständigen Ueberblick 
verschaffte über die unentwirrbar sich verwickeln- 
den und der K^atastrophe des dreissigjährigen Krie- 
ges zueilenden Welthandel, und der zugleich als einsich- 
tiger Kenner an seinen klassischen, sowie als freisinniger, 
stiller Mitforscher an seinen kirchengeschichtlichen Stu- 
dien Theil nahm. Das Verhältniss zu diesem Staats- 
manne dauerte mit steigender Innigkeit vom Jahre 1597, 
wo Buzanval nach Holland kam, bis zu dessen Tode im 
Jahre 1607; und ein ähnliches entspann sich für die zwei 
Jahre, die Scaligern noch zugemessen waren, mit Kerre 
Jeannin, dem ausserordentlichen Gesandten Heinrichs IV. 
zur Betreibung des 1609 abgeschlossenen Waffenstill- 
standes. 

Um Gunst zu gew^innen, brauchte Scaliger sich nicht 
zu blicken, und er brauchte sich nicht in die Brust zu 
werfen, um seine Würde zu behaupten; in der ihm an- 
geborenen sicheren und aufrechten Haltung konnte er 
ungezwungen auch mit den Vornehmsten umgehen; sein 
Freisinn war fem von jeder Verbissenheit, und das An- 
nehmliche weitverzweigter, glänzender Verbindungen un- 
terschätzte er keineswegs. Aber seine reinste Befriedi- 
gung und seine unmittelbarste Wirksamkeit fand er, des- 
sen höheres Alter noch die Frische der Jugend und ihr 
Feuer bewahrt hatte, doch nur in vertraulich hingeben- 
dem Umgänge mit den vielen aufstrebenden Jünq'lin^cn. 



61 

die dich von allen Enden her in Leyden zusammenfan- 
den. Zunächst sclüoss sich ihm ein Kreis junger Hol- 
lätider an, aus welchem fast Alles hervorgegangen ist, 
was die Niederländer im siebzehnten Jahrhundert von 
philologischer Bedeutung aufzuweisen haben. Die Stu- 
diien des Jüngern Jaöus DDüza***) forderte Scaliger durch 
Rath und Beisteuer; er hebte den ,einfachen und guten' 
Menschen aufs Zärtlichste, und bei seinem frühen Tode 
musste er Tage lang weinen ,co7nme une vieille^ Früh er- 
kannte er des Hugo Grotius künftige Grösse; auch Ja- 
nus Rutgersius erfuhr noch seine persönhche Einwir- 
kung; selbst den minder Bedeutenden, wie Meursius und 
CunäuB , entzog er sich nicht, und in allseitiger Theil- 
nahme erfreute er sieb an dem reichen Seegen heller 
Köpfe, welche das vom Freiheitskampfe durchschütterte 
und befruchtete Holland für die verschiedensten Gebiete 
des Lebens und Wissens damals hervorbrachte. Keinem 
unter Allen war er jedoch so sehr Schutz und Hort und 
einziger Halt, wie dem in seiner Frühreife vielverspre- 
chenden Daniel Heinsius. Im täglichen Zusammen- 
sein mit diesem, in seiner Jugendzeit liebenswürdigen, Men- 
schen suchte Scaliger ihm so viel von Regel und Methode 
mitzutheilen, als seine gegen alle Schranken anrennende 
Natur nur immer aufzunehmen vermochte; früh ver- 
schaffte er dem Mittellosen eine gesicherte Stellung an 
der Leydener Universität; eine lange Reihe der vielfach- 
sten Wolilthaten wurde erst durch Scaligers Tod abge- 
brochen; und so verband sich bei Heinsius das aufge- 
regteste Dankgefuhl mit der Bewundei^ung von Scaligers 
aussergewöhölichen Geistesgaben, welche im täglichen 
Verkehr nur um so überwältigender hervortreten muss- 
teni Aus solcher Mischung von Dank und Staunen ent- 
sprang dann bei der eingewurzelten Maasslosigkeit des 
Heinsius jene fast idololatrisch heftige Anbetung, welche 

5 



62 

überall ausbricht, wo er von Scaliger zureden auch nur 
die entfernteste Gelegenheit herbeiziehen kann; aufrich- 
tig wie sie war, hat diese überlaute Verehrung doch 
viel dazu beigetragen, den Neidern und Hassem Scaliger» 
das Ohr des grossen Haufens zu ö&en, welcher einem 
ausschweifenden ; Lobe gegenüber auch den verläumde- 
rischen Tadel gerne sieht*®). 

Aber nicht blos den Söhnen Hollands ward Scaliger 
ein philologischer Wegweiser. Nach allen Seiten ver- 
wirkKchten damals die Niederlande, im Flor ihres Han- 
dels und in der Blüthe ihrer Freiheit, ihren schon durch 
die geographisch^ Lage angedeuteten Berufe Bindeglied 
zu sein zwischen den romanischen und germanischen 
Völkern; und die Philologie, welche in Italien zum Li^ht 
der klassischen Welt erwacht war, dort erst in höht- 
trunkenem Taumel geschwärmt und dann sich in Spid 
lerei verloren hatte, welche darauf bei den kräftig arbei^ 
tenden Franzosen zu kritischer Besonnenheit und realer 
Fülle ausgebildet,, endlich von Scaliger als das OrganOn 
universaler Geschichtforschung gehandhabt wurde — 
diese so erwachsene Wissenschaft verbreitete sich nun 
von dem batavischen Mittellande aus, in der durch Sca- 
liger dorthin verpflanzten Form, westwärts und pstwarts 
nach England und Deutschland» 

Auf England, freilich wirkte Scaliger mehr durch 
seine Schriften als durch persönliche Verbindungen, die 
er dort eher scheint vermieden als gesucht zu haben. 
Die puritanische Säure, damals noch nicht durch die 
Praxis eines Weltreichs gemildert, verleidete ihm wohl 
den Umgang der meisten EngläAder, denen er begegnete. 
Doch stand er in Briefwechsel mit Cambden*')^ den er 
sehr hoch hielt; ein Richard Thomson zu Cambridge 
leistete ihm viele litterärische Gefälligkeiten ; Lords belä^ 
stigten ihn n?it Briefen, aus deren Latein er sich nicht 



63 

verndhinen konnte; aueli J^Sicob L, der von seinem Lehrer 
Buchanan oft genug Scaligers Lob gehört haben mochte, 
suchte noch als König von Sehottland mit ihm anzu- 
knüpfen; aber Scaligers Mensch enkenntnlss und seine 
reine Natur haben ihn glücklich bewahrt vor jeder nä- 
heren Berührung mit diesem unsaubern Fürsten, an wel- 
chem der Scharfblick so vieler bedeutender Gfelehrten zu 
Schanden geworden ist, dessen theologisirenden Launen zu 
Liebe der alternde Casaubonus, Scaligers Abmahnungen 
zuwiderhandelnd, sich seine Feder stumpf geschrieben 
hat, und von dem selbst ein Sarpi mit wohl nicht er- 
heuchelter, aber gewiss übel angebrachter Achtung 
spricht. 

So ist denn die Zahl von Scaligers englischen Be- 
kannten immer sehr beschränkt geblieben; aber in der 
Leydener Stellung war er dem Blick der Engländer, de- 
ren Handel UBtd Politik damals so vielfach und innig mit 
den niederländischen Dingen zusammenhing, doch weit 
näher gerückt; als er ihnen in Frankreich gestanden, und 
nirgends sind seine chronologisch - historischen Haupt- 
Werke so früh und so dauernd wie in Grossbritannien 
zu einem Gegenstand bestreitender und weiterbildender 
Forschung geworden. Eine zahlreiche Schaar chronolo- 
^irender Bütten lernt von Scaliger, indem sie sich an 
ihm die Sporen zu verdienen sucht. Der Zeitfolge nach 
erstes Glied in der Reihe ist Thomas Lydiat, welcher 
Scaligem fiir die Vorrede der öanones isagogici *^) Stoff 
zu so herzlicherii Lachen gegeben hat; üsher, Prideaux, 
Marsham halten mit wechselndem Glück die Untersuchung 
im Gang;' über Alle aber ragt, auch durch seine neid- 
losfe Anerkennung Scaligers, jener weise und strenge 
Mahn höivor, welcher, ohne Scaligers Feuer und seind 
Grazie zii besitzen, ihm doch an Umfiang der Erudition 
gleichsteht und in Sicherheit des orientalischen Wissens 

5* 



64 

weit übj&rlegen ist: der Mitbegründer englischer Freiheit 
lUid Führer im langen Parlament, John Seiden. 

Nicht so schleunig wie in England konnten die gros- 
sen Werke Scaligers in Deutschland sich Bahn brechen. 
Im ersten Viertel des siebzehnten Jahrhunderts litt das 
Vaterland der Reformation schon unter all dem sinnver- 
störenden Unheil, gegen dessen Ahnung selbst Luthers 
starke Seele so oft kämpfen musste, und dessen vorwärts 
geworfener Schatten eine nie erheiterte Angst und 
Trauer über Melanchthons edles Gemüth gebreitet hat. 
Vornehmlich das heranwachsende Geschlecht war theils 
einer Erziehungs weise überliefert, welche unter angelernten 
Fertigkeiten die freien Kräfte zu ersticken beabsichtigte 
und verstand, theils konnte es eine freudige Arbeitsstim- 
mung sich nicht erhalten bei dem unausstehlich kleinlichen 
Gezanke, mit welchem die angebhchen Vertheidiger reli- 
giöser Freiheit sich untereinander das Leben zur HöUe und 
ihren Gegnern das Spiel leicht machten. Noch bevor 
das Schwert des dreissigjahrigen KJrieges die Männer 
frass, ward im siebzehnten Jahrhundert die Jugend 
Deutschlands geistig getödtet. Weder a-uf der Hoch- 
schule zu Ingolstadt noch auf der zu Helmstädt konn- 
ten die Lernenden Frische genug bewahren und die nö- 
thige Kraft sammeln zu dauernder Versenkung in ernste und 
freie Forschungen wie die ScaHgerschen. Nur bejahr- 
tere MänncTj welche mit der BUdung des se<?hs?ehnten 
Jahrhunderts in das siebzehnte herüberragten, waren da- 
zu noch im Stande, und unter diese Nachzügler einer 
dahinschwindenden bessern Zeit gehört auch der Lehrer 
an der Leipziger Thomas - Schule Sethus Calvisius *®;, 
welcher, zu Scaligers dankbar ausgesprochener Befrie- 
digung, die Universalgeschichte nach den chronologischen 
Grundsätzen des Werkes de emendcutione temporum bear- 
beitete; sein opus chrtmologicmny das, auf den Fassungs- 



grad der grödseren Lesermasse berechnet, sich in vielen 
Ausgaben verbreitete, hat eine traditionelle Erixmerung 
an die Scaligerschen Hauptschriften lange auch bei de- 
nen wach erhalten, welche dem unmittelbaren Studium 
solcher "Werke nicht gewachsen waren. Viel fruchtbarer 
jedoch als durch seine veröffentlichtien Arbeiteia wirkte 
Scaliger auf jene ältere Generation schriftstellemder Phi- 
lologen in Deutschland durch einen lebhaften Brief- 
wechsel; man erholte sich bei ihm Rath für die Durch- 
führung schon entworfener Pläne, und oft wählte er 
auch aus freien Stücken die rechte Aufgabe für den 
rechten Mann aus. Was jenen Deutschen meistens so 
sehr mangelte : der sichere Griff in die wirklich ergie- 
bigen Stoffe, das Gefühl für die in der Wissenschaft 
noch vorhandenen Lücken t4nd der Ueberblick über die 
Mittel zu methodischer Ausfüllung derselben — all diess 
hatte Scaliger von jeher in vorzüglichem Grade besessen; 
und ganz naturgemäss fällt ihm nun, seinen deutschen 
Correspondenten gegenüber, die Rolle gleichsam eines 
Baumeisters zu, der, mit dem Aufiiss des ganzen Ge 
bäudes versehen, alle fleissigen Gesellen an ihre Plätze 
weist und Jeden zu der ihm gemässen Leistung anhält; 
bisweilen, wo es nöthig wird, legt er auch wohl selbst 
mit Hand an, dann aber immer nur der nützlichen Sache 
zu Liebe und jedes Rühmen oder Vergüten sich aus- 
draeklioh verbittend. Eine solche leitende Beihilfe ge- 
währte er dem David Hoeschel*'*) in Augsburg fiir 
seine vielen, zum Theil erst durch Befolgung Scaligcr- 
scher Gesichtspunkte verdienstlichen, griec^hischen Auf- 
gaben; Laurentius Rhodomannus, der geschickte 
griechische Verskünstler, war auf Anlass eines lo- 
benden Scaligerschen Briefes, welcher dem Chtu>fursten 
von Sachsen zu Gesicht kam, 'aus einem pommerschen 
Winkel nach Wittenberg berufen worden, und auch 



seine dprtigen ermsteren Arbeiten; begleitete .Scaliger 
immer mit ermi^terndem Zuspruch; sogar dem ebenfalls 
in Wittenberg angestellten Taubmann suchte ^ ein 
,wenig unter die Arme zu greifen, ohne übrigens von die- 
sem lustigen Erklärer des Plautus viel zu erwarten. Mit 
keiner Gegend Deutschlands unterhielt er jedoch so viel- 
seitige Beziehungen wie mit der Pfalz, dem Hauptsitze 
des deutschen Calvinismus, wo eine Nachblüthe des 
besseren Geistes sich lange gegen die hereinbrechende 
schlimme Zeit behauptete. Der feinsinnige Lingels- 
.heim*% Lehrer imd später Rath des Churfursten 
Friedrich IV., war einer von Scaligers würdigsten Ver- 
ehrern, und zu den Philologen in Heidelberg vermittelte 
schon Scaligers dort wohnender Verleger Commeliu ein 
immerwährendes Verhältniss. Friedrich Sylburg, der 
seine prunklos gediegene Wirksamkeit an den Pressen 
Commelins und in Ausbeutung der pjfalzer Bibliothek be- 
schloss, hatte brieflich und in der Dedicatiou eines Ban- 
des des Aristoteles um ScaUgers unterstützende Theil- 
nahme ersucht **0 5 ^^^ sein bald nach Scaligers Ansie- 
delung in Holland erfolgter Tod hat das Zusammenar- 
beiten dieser beiden Männer verhindert und die Philo- 
logie um den Ertrag einer Constellation gebracht, wie 
sie so günstig nicht leicht wieder, eintreten konnte. Dqnn 
welche Erfolge hätten sich nicht ergeben müssen aus 
einer Vereinigung von Scaligers kühner Coijicepöon mit 
dem vollendenden Bedacht des Sylburg, während beiden 
der noch nicht geplünderte pfalzer Handschriftenschatz 
und die OfEicin eines so gelehrten und gesinnuQgsvoUen 
Verlegers wie Hieronymus Commelin zu Gebote; st^d. 
Sicherlich hätte ein solches Zusammenstreben geistiger 
Kräfte und äusserer Mittel noch viel Herrlicheres her- 
vorgebracht, als i^us derjenigen Verbindung entstanden 
ist;, welche Seiger .n^ch dem Tode des Sylburg und 



67 

des- bald darauf Terstorbenen iHieronymus, des bedeu«^ 
tendsrten Mitgliedes der ' Cömmelinsohen Firma, nun mt 
einem andern Heidelberger Philologen, dem Bibliotbekar 
Jahus Gruterus, zu gemeinscbaftlichen Unternehmun- 
gen einging. Gruter stand Sylburgen nur in dem ein- 
zigen Stucke gleich, dass auch ihm eine last&ierartige 
Kraft zu grober Arbeit rerliehen war; Alles jedoch^ 
wodurch Sylburg jenen stieren Fleiss beseelt lind 
-««^erthvoU gemacht hatte, die Planmässigkeit in der An« 
läge und die saubere Genauigkeit im Detail, das über- 
si^btliche Zusammenordnen des Zerstreuten und die Her- 
Yotphebung des Wichtigen — zu diesem Allen fehlte 
Grut«m die Fähigkeit oder die Lust; um sich davon zu 
überzeugen, darf man nur einen Gruterschen Index mit 
einem Sylburgschen vergleichen; und das Griechische, 
worin Sylbtirgs vornehmste Starke bestanden, war Gni- 
terfe schwichste Seite. Einen Sylburg hätte Sbaliget 
blos zu inspiriren brauchen; dem Gruter müsste er form»- 
lieh die Hand führen. Und diess hat er auch wirMidi 
gethan bei dem grossen Unternehmen der Inschriften- 
sainmlung, welche ' Gruters Namen vor dem Vergessen- 
werden geschützt hat Nachdem inan die dreissig Briefe 
gelesen, welche Sealiger im letssten Jahvzehend - seines 
Lebens an Gruter schrieb, kann kein Zweifel daran aluf- 
kbtiitoen, dass- Scaliger der eigentliche Arbeiter liAdGinari 
tier nur eine Maschine war, die obendrein eine unver- 
wandte Beaufsichtigung erforderte. Anregung und Plan 
des Ganzen ging von Sealiger aus; Scäligelr lieferie aus 
seinem eigenen Vorrath den bei weitem grössten Thefl 
der bisher unbekannten Stücke;; er mabhte die binge- 
läFtretlten griechischen Inschriften lesbar, mit dtoeik Grtu» 
terniinmer fertig geworden wäre; die in gerihger Anzahl 
bd[gegebenen Annierkungen • sind aus -• e^i n er Feder ge<^ 
flössen; stdweit die Enrtfemung vom Drackorte es zuÜess; 



68 

sorgte et f&r Ausscheidung des Unechten; und als nun 
die unübersehbare Idasse endlich zu Häuf getragen war 
und die tausend Folioseiten rohen StoiSes doeh wenig- 
stens mit einem yernünftigen Register ausgestattet werden 
sollten — eine Leistung, die Sylburg mit Freuden über- 
nommen und gewiss aufs Glänzendste ausgeführt hätte — » 
da entfiel Grutem der Muth ganz und gar. Um nicht das 
Schiff im Angesicht des Hafens scheitern zu lassen, 
musste Scaliger för voUe zehn Monate, vom Juli 1601 
bis Mai 1602, seine eigenen Arbeiten bei Seite legen und 
den Sclavendienst einer Index -Anfertigung verrichten. 
Aber auch das scheinbar Niedrigste veredelte sich unter 
seinen Händen, und was ursprünglich nur zu einem ge- 
wöhnhchen Blattweiser bestimmt war, erwuchs, ohne 
dass dieser alltäglichen Nützlichkeit Eintrag geschah, zu 
einem selbständigen Meisterwerk, welches alle aus den 
Inschriften zu ermittelnden Tbatsachen nach sprachlicher 
und antiquarischer Seite in geordnetster Vollständigkeit 
zusammenfasste. Scaliger war sich. wohl bewusst, welch 
ein Ergebniss seine zehnmonatliche Ausdauer erreicht 
hatte, und wie ihm immer jedes vollendete Werk wie- 
derum Werkzeug wurde zur Vollendung eines höheren, 
so suchte er nun den Grüter zu bewegen, dass er diesem 
Index oder vielmehr diesen lauter^ Extraet .der inschrift- 
lichen Urkunden far 6ine Behandlung der römischen Anti- 
quitäten zu Grunde lege. Beide Disoiplinen, die Epigraphik 
wie die Antiquitäten, haben es schwer emp&nden, dass- die- 
ser Plan an Gruters Zaghaftigkeit gescheitert ist, welche 
freilich aus richtiger Schätzung seines Unvermögens her- 
vorgehen mochte. Aber wenn er nur erst einen Anfang 
gemadlit hätt6, so würde ihn ScaUgetr gewiss hieir so 
wenig wie bei den Inschriften sdbst im : Stich; gelassen 
haben; und nachdem einmal die Verknüpfung antiqMa-^ 
riacher Sammlungen mit den insohriftliehen Hauptquellen 



69 

durch einen Versuch eingeleitet worden, an welchem 
Scaliger Theil genommen, dann hätte die Epigraphik 
nimmermehr sich so leicht von den philologischen Ge* 
sammtstudien absondern und jener Isolirung anheimfallen 
können, in der sie zwei Jahrhunderte hindurch meistens 
nur italienischen Liebhabern zum Spielzeug gedient hat» 
Die Antiquitäten aber, fiir welche ja, sobald sie abgelöst 
von der politischen Geschichte vorgetragen werden, ein 
innerlich fortschreitendes Prinzip sich nicht ersinnen 
lasst, hätten sich ehrlich zu der registermässigen Auf^ 
Zählung bekannt, mit der sie sich im Wesentlichen, trotz 
aller systematischen Schminke, auch jetzt noch begnügen 
müssen, hätten jedoch, zum Lohn für solches Verzichten 
auf die Würde gedankenhafter Einheit oder den. Schmuck 
mosaikartiger Gemälde, den. unberechenbaren Voctheil 
behauptet^ dass sie stets mit ihren ungetrübtesten und 
ergiebigsten Quellen in der nächsten Berührung geblie* 
ben wäreti. Scaliger «übersah alle Folgen seines weit-r 
greifenden Planes und liess daher auch nicht ab, den 
Gruter mit bittenden Aufforderungen zu bestürmen. Die- 
ser versprach wohl zuweilen, scheint aber nie ernstlioh 
an die Ausfuhrung gedacht zu haben, sondern warf sich 
liebet auf das, für einen Mann wie er, unvernünftige 
Project, die Taktiker herauszugeben. Da fuhr denn Sca- 
liger mit einem Machtwort drein, und schrieb ihm, et 
möge das nur sein. lassen, ermunterte dagegen ihn und 
den damals in Heidelberg lebenden dreizehnjährigen Salr 
masius, die palatinische Anthologie, aä das Licht zu zier 
hen, worauf auch Salmäsius grössere Theile daraus, ah- 
sehrieb und »eh weitere Anweisungen ieirbati .L:i den 
hierüber kurz vor seinem Tode nach Heidelberg gesaad-^ 
ten Briefen, zumal in den an Salmaeius.gerichtetien, bet^ 
währt Scaliger sein festes ürtheil und seinen tiefen Blkk 
in den Gang der griechischen, i Litteraturi und diese 



70 

Stücke seiner Correspondenz haben die Aufmerksamkeit 
der pfailolögisclien Weit immer Ton Neuem auf die pa- 
latinische Handschrift hingelenkt, die ja so lange noch 
dem öffentlichen Gebrauch entzogen blieb. 

Fast ebenso rielfaoh wenngleich nicht so fruchtbar 
wie auf die Heidelberger war Scaligers Einwirkung auf 
die Hamburger Philologen. Die Gebrüder Lindenbrog •*) 
in ihrer gemeinnützigen, aber wenig geistvollen Geschäf- 
tigkeit, der nicht ungeschickt compilirende Wouwern 
und der von Haus aus ganz schwache Elmenhorst leb- 
ten fast nur von seinem Kath ; und da sie weder schrift- 
stellerisches Augenmaass noch richtige Selbstschätzubg 
besassen, so musste Rath ihnen noch viel öfter ertheilt 
werden zur Abmahnung von aussichtslosem oder un- 
nützem Beginnen als zur Unterstützung bei zweckmäs- 
sigen Arbeiten. Scaligers menschenerkennender Blick 
war zu geübt, als dass er über die Fähigkeiten solcher 
und ähnlicher Männer, mit denen er sich eingelassen, je 
sich hätte täuschen können; eif wusste es so gut wie 
wir, dass Lindenbrog und Wouwern nur zu4sammen- 
sohrieben, oder, wie er sich ausdrückt, grands plagiaires 
waren; und was er von Elmenhorst hielt, hat er diesem 
selbst mit der väterüchsten Off(mheit in einem Briefe 
auseinandergesetzt Wenn et nun trotzdem die Bezie- 
hungen zu ihnen mit emsiger Sorgfalt pflegt, und 
ihre oft sehr lästigen Ungeschicküieiten mit einer Lang- 
xnath hinnimmt, die ihm sonst nicht gerade natürlibh ist^ 
so muss man die Ursache hiervon in jener besonderen 
Vorliebe isuchen, welche die beiden Scaliger, Vater und 
Sohn; zu Allem, was deutsch war, immer hingezogen 
bfat.' Julius Scaliger war am Hofe des Kaisers Maxi- 
ittilian I. erzogen, hatte lange im deutschen Heere ge*^ 
dieht und zur Verberrliehuhg des deutschen Namöis 
eine seiner beiden Prunkreden**) veriasst. Bei Joseph 



71 

musste die bö ererbte Hinneigung zu den Deutschen noch 
verstärkt werden, wenn er seine' individuelle Stellung sa 
den verschiedenen Nationen erwog und den Rundgang der 
philologischen Studien durch Europa ins Auge fasste **). 
Eindringender Einfluss auf Italien war ihm durch confes- 
sionelle Hindernisse unmöglich gemacht; er tröstete sich 
leicht darüber, da ihm die Philologie in diesem Lande 
ihrer Geburt sich völlig ausgelebt zu haben schien; seit 
dem Uebertritt Heinrichs IV. und den in Folge dieses 
Ereignisses getroffenen Maassregeln hatte er sich ge*^ 
wohnen müssen, auch in Frankreich nicht länger eine 
günstige Pflegestätte zu sehen für fireie Erforschung des 
kirchlichen und nichtkirchlichen Alterthums: die Eng- 
länder hatten ihm nie Lust zu näherer Berührung einge«- 
flösst; und wie erfolgreich auch seine Wirksamkeit in 
HoUajnd sich gestaltete, so konnte er sie doch nicht auf 
die engen Grenzen dieses germanischen Vorlandes 
einschränken wollen. Ws^hre Bedeutung erhielt Holland 
für Scaliger erst dadurch, dass es den bequemsten Stütz^^ 
punkt abgab, um den Hebel an das eigentliche Deutsch* 
laud zu -setzen; hier war noch jung&äulichep? Boden für 
höhere philologische Studien, und wenigstens eine gr<>sse 
Hälfte der deutschen Lande stand nicht unter der geiat* 
heben Botmässigkeit, welcher Italien und Frankreich, hin* 
gegeben waren. Wollte ScaUger lalso diesen allein nodk 
offenen, so weiten und so verheissupgsyollen Spielraum 
der deutschen Lande für seinen wisseaschafüiehen Ein^ 
fluss gewinnen, so durfte er es mit den deutschen MeA^ 
sehen, welche ihm nahe kame^, nicht allzu genau neiiT 
men; er musste Jeden dazu brauchen, wo^u er.taugtel 
und sie allesammt ohne viel Mäl;eln in Bausch und, Bo^ 
gen sich gefallen lassen ^ wie sie mm emmal waren, iit 
ihrer Biederkeit und in ihrem Fleiss ui^d mit ihren Klein-^ 
Hehkeiten und Taktlosigkeiten^*). 



72 

Je nachsichtsvoller er nun aber mit den Deutschen 
umging, um so schmerzlicher verwundete es ihn, als er 
in seinen letzten Jahren die rohesten und schändlichsten 
Angriffe gerade von Deutschland her erfiihr. Bitter 
klagt er, dass gerade deutsche Federn sich zu solchen 
Schmähungen hergegeben, dass in einer deutschen Stadt 
die Verläumdungen gedruckt worden, welche ihn bei 
Mit- und Nachwelt in Verruf zu bringen, nach dem 
Sinne ihrer Urheber bestimmt waren. Seit dieser Zeit 
lobt er nicht leicht einen einzelnen Deutschen, ohne 
ihn als eine glückliche Ausnahme von der überwiegen- 
den Mehrzahl zu bezeichnen, in welcher fortan nichts 
von der echtgermanischen Ehrlichkeit anzutreffen sei — 
ein Terzeihlicher Unmuth, wenn man bedenkt, wie grau- 
sam er sich in seinen Erwartungen von Deutschland ge- 
täuscht sah. Dort hatte er den kräftigsten Beistand zu 
finden gehofft bei dem Kampfe gegen eine geistlich- welt- 
liche Genossenschaft, welchen er aufzunehmen sich in- 
nerlich gedrungen fiihlte und aüfe Höhnendste heraus- 
gefordert wurde; er glaubte in diesem seinen persön- 
lichen Streit auch eine gemeinsame deutsche Sache zu 
verfechten,' da jene G-cnossenschaft ihr Netz freilich 
über die ganze Erde ausspannte, aber doch mit der 
nächsten Absicht, es über Deutschland zusammenzu- 
ziehen. Und nun musste er es erleben, dass seine 
Gegner eben unter den Deutschen die rücksichtelo- 
sesten, zu jeder noch so unreinen Verrichjiüng bereiten 
Helfershelfer fanden, während das deutsche Gelehrten- 
publikum in stumpfer Ruhe oder unter verletzenden Mit- 
leidäbezeigungen es geschehen liess, dass man ihn mit 
Koth bewarf. Um ScaKgers Stimmung gegen Deutseh- 
land, wie sie sich in deinen letzten Scliriften äussert, aus 
ihren Anlässen richtig zu verstehen — und selbst Nie- 
buhr scheint hier falsch verstanden zu' haben ^^) — ist 



73 

«s erforderlich, seinen Kampf gegen die sodetas näher 
zu betrachten; man darf sich dieser Betrachtung um so 
weniger entziehen, da sie zugleich das Räthsel löst, wie 
doch die Meinungen über Scaligers Verdienst und Cha- 
rakter in den folgenden Jahrhunderten so weit ausein* 
andergehen konnten, ja, weshalh eine allseitige laute 
üebereinstimmung in dem ürtheil über ihn weder jetzt 
vorhanden ist, noch in nächster Zukunft zu erwarten 
steht. 



Um die Zeit, da Scahger aus Frankreich schied, 
hatte der durch Ignatius von Loyola gestiftete Orden 
sein erstes halbes Säculum und damit den Abschnitt 
seines intensiv kräftigsten Daseins zurückgelegt. Bis da* 
hin hatte er, um sich auszudehnen, weder fühlbare po- 
litische Macht noch Reichthümer nöthig gehabt. Ge^ug 
Novizen strömten ihm auch ohnediess von allen Seiten 
zu. Wer nicht stark genug gewesen, um selbständigen 
Sinnes zu bleiben inmitten der schwankenden Meinungen 
über die höchsten Dinge ; wer in der eingetretenen Lok- 
kerung aller gesellschaftlichen Bande die sittliche Rein- 
heit verloren hatte und das Bedürfniss nach benihigen-» 
der Busse empfand; ferner solche, in denen der Thaten- 
drang, aufgeregt durch das Hinschwinden des Mittelal- 
ters und den Anbruch der Neuzdt, um jeden Preis 
Spiebaum und Befriedigung verlangte; endlich nicht 
Wenige, die in einfaltiger Tugendübung ihr Leben still 
und dyrch Gemeinschaft vor Mangel und : Belästigung 
geschützt hinl^ringen wollten: — kurz, die schwachen 
Geister und die reumüthigen Sünder so gut wie die ehr- 
geizigen Köpfe und die frommen Seelen^sie alle fanden im 
Orden, . was ihnen gemäss war. Während dieser ersten 
Epoche nun, da er zuvörderst die Z^iU seiner Mitglieder 



74 

vermehren musste, ging der Orden weder auf den Besitz 
üoch auf den Ruf der Gre*ehrsamkeit aus. Den Ge- 
müthern nachstellend, brauchte er die Geister nicht 
zu blenden, auf keinen Fall mittelst historisch - philolo- 
gischer Erudition, durch welche denn auch — Maldonat 
ausgenommen, der jedoch nach so vielen andern Seiten 
«ebenfalls eine Ausnahme bildet — Niemand unter den 
älteren Stammgliedern Ruhm erwarb. Mathematik und 
Naturwissenschaften pflegte man behufs Vier Missionen; 
Dogmatik und Casuistik lieferten die Rüstung für- die 
Controverse und die Auskunftsmittel für den Beichtstuhl; 
aber die klassische und orientalische Philologie war der 
Stolz der Neuzeit, welche doch bekämpft werden sollte; 
an dieser Prometheus - Flamme hatte sich der Trotz ge- 
gen die Donnerkeile des Vatikans entzündet; und zu- 
nächst konnte der Orden sich in keiner andern "Weise 
mit Philologie schmücken wollen, als indem er namhaft« 
Philologen zu sich herüberzog und so über die Wissen- 
^haft in ihren Vertretern triumphirte. Dass Muretbei 
Pater Bencius zur Beichte ging und diesen seinen 
früheren Schüler öffentlich als seinen Seelenretter pries, 
dass Justus Lipsius sich seine Schriften von demselben 
Pater Bencius wie ein Schulknabe das Exercitium corri- 
gii^en liess **) — dergleichen demüthige Huldigungen von 
philologischen Celebritäten zu empfangen, war fiir die 
damaligen Zwecke des Ordens viel forderlicher, als wenn 
seine angestammten Mitglieder durch mühevolles Arbei- 
ten vtm die Palme der Philologie gerungen hätten. Als 
jedoch der Orden nach innen ausgewachsen war und an 
die Durchfixhrung seines Welteroberungsplans Hand le- 
gen woUte, da konnte er nicht mehr so gleichgittig auf 
philologischen Ruhm und philologische Thätigkeit her- 
absehen. Um seine üniversalherrschaft auf der festesten 
Grundlage zu errichten, mudäte eT überall dle'Scliulen 



75 

in 8^e Gewalt 2m bringen suchen, zumal in den Yom 
neuen Geist diircbdrungenen Ländern England, Frank- 
reich und Deutschland. Jugendunterricht ohne klassische 
Studien war aber damals undenkbar, und die bisherige 
Thatenlosigkeit des Ordens auf diesem Gebiete gab sei- 
nen Gegnern voUe Berechtigung zu der Frage: n^it wel- 
chem Fug doch jene Väter sich zu Lehrern def Hi^ma- 
niora aufzuwerfen wagten, in denen sie selbst so schü- 
lerhaft bestanden hätten? In den beleidigendsten Wen- 
dungen und nie ohne Hinweisung auf die hervorragen- 
den Philologen deij Hugenottenpartei ward die^e Frage 
dem Orden entgegengerufm», besonders in Frankreich, 
wo seit dem Begierungsantritte Heinrichs lY. die hitzig** 
sten Pamphlet-Kriege und die feierlichsten. Staatsver^ 
bandlungen übet Belassung oder Ausweisung der Jesuiteii 
geführt wurden. Anderth?db Jahre nachdem ScaJiger, aua 
Frankreich fortgegangen, war endlich unter dem Eindruck 
von Chasters, eines Jesuitenschülers, Mordversnich gegen 
den König die Entscheidung zu Ungunsten des Ordens 
gefallen; ein Pai*lamentsbeschluss vom December 1594 
verbannte ihn aus den Grenzen des Königsreiohs, und 
von da an bildete Wiedereinsetzung in Frankreich das 
nächste Ziel der gesammten Ordensthätigkeit, wie sich 
denn auch um diesen Angelpunkt die Politik und da? 
Geschick Heinrichs lAt gedreht hat. Während ihres 
neunjährigen Exils — Anfangs 1604 rief sie Heinrich wier. 
der zurück — und in den folgenden Jahren ihrer nocvh 
nicht befestigten. Restauration Hessen die Jesuiten nicht;^ 
unversucht, um begangene Fehler in Behandlung einzeln 
ner Personen zu verbessern und sachliche Versäuxwiss^, 
80 gut es noch gehen wollte, nachzuholen. . Man h^^ 
erkannt, dasQ es unklug gewesen, die Gegner in unbe^ 
strittejaem Alliainhesitz de^ philologischen Ruhmes zu 
lassen; hoffnnng/svoljen: jüngeren Ofden*gliedem -wurde 



76 

demnach aufgegeben, sich der bisher yemachlässigten 
Fächer zu bemächtigen, und in -diese Zeit fallt die Aus- 
bildung des Jacobus Sirmondus *®) und Dionysius Peta- 
vius, welche später den Ruf jesuitischer Gelehrsamkeit 
in Frankreich befestigt haben. Für den Augenblick je- 
doch konnten jene beiden Triarier norch nicht ins Feld 
gefiihrt werden; Sirmond, der alt genug zum Bücher- 
schreiben gewesen wäre, hatte als Secretair des Or- 
densgenerals Aquariva wohl noch dringendere Ordens- 
interessen zu versorgen, und Petavius, welcher in der 
Folge Scaliger mit so maassloser Heftigkeit und im Ein- 
zelnen nicht ohne Glück auf chronologischem Gebiete 
angegriffen hat, war kaum aus dem Knabenalter getreten, 
als das sechszehnte Jahrhundert zu Ende ging. Eine bes- 
sere Meinung von der Gelehrsamkeit des Ordens war noch 
immer nicht begründet worden, und immer noch fesselte das 
innig verbundene hugenottische Philologen - Paar, Scaliger 
und Casaubonus, die ungetheilte Aufinerksamkeit von Jung 
und Alt. Casaubonus war nun freilich von zu ängst- 
licher Natur und durch seine Lebensstellung zu sehrauf 
rücksichtsvolle Vorsicht angewiesen, als dass er fiir ge- 
fahrlich und für einen würdigen Gegenstand ernster An* 
feindung hätte gelten können: Er lebte in französischen 
Diensten, musste sich mit Heinrich IV". in Religionsge- 
spräche einlassen, wurde von dem scÜlagfertigen Car- 
dinal Du Perron, der ihn mit unaufhörlichen Bekehrungs- 
vfersuchen bedrängte, regelmässig zur Verzweiflung ge- 
bracht, und konnte nie Muth genug finden, um den stets 
erneuerten Gerüchten von seinem schon erfolgten oder 
unmittelbar bevorstehenden Uebertritt dutch augenfällige 
Handlungen ein Ende zu bereiten. Ganz anders war es 
mit Scaliger bestellt. Dieser hatte aus seinem Hass ge- 
gen die Jesuiten nie ein Hehl gemacht; man vermuthete 
in ihm sogar den Verfasser von Inschriftten ^% die zu 



dauerndem Schimpf des Ordens auf der Pyramide einge- 
graben waren, welche kraft Parlamentsbeschlusses die 
Stelle bezeichnete, wo das elterliche Ilaus des Königs- 
mörders Chastel gestanden hatte. Zudem waren die ge- 
wöhnlichen Lähmungs-, Schreck- oder Lockmittel gegen 
Scaliger nicht anwendbar. Ausser französischer Schuss- 
weite, ohne fassbaren Ehrgeiz und in gesicherter Stel- 
lung lebte er in nichtkatholischem Lande als vertrauter 
Freund der holländischen Staatsmänner und als Orakel 
einer auf jedes seiner Worte lauschenden Jugend. Im 
Gespräch sich Zwang anzuthun, war nie seine Art ge- 
wesen, und den im nahen Belgien angesessenen Ordens- 
gliedem mag manches derbe Epitheton, mancher beis- 
sende Spott hinterbracht worden sein, dergleichen wir 
jetzt noch in seinen aufgezeichneten Unterredungen lesen. 
Aber in Druckschriften hatte er, so lange er in Frank- 
reich war, immer doch ein gewisses Maass einhalten 
müssen ; unter holländischer Schreibefreiheit fiel nun jede 
Rücksicht fort; und die Richtung, welche er gegen den 
Schluss des Jahrhunderts seiner schriftstellerischen Thä- 
tigkeit gab, musste die Jesuiten vollends in Harnisch 
bringen; gar zu gebieterisch musste ihnen die Nothwen- 
digkeit entgegentreten, dass sie einen Mann von solcher 
Macht und solchen Tendenzen nicht länger dürften in 
Frieden lassen. 

Die zweite Bearbeitung nämlich, in welcher Scaliger 
im Jahre 1598 das Werk de emendatiane temporum er- 
scheinen liess, unterscheidet sich von der ersten des 
Jahres 1583 nicht blos durch neue chronologische Ergeb- 
nisse, zu welchen ein während der verflossenen fünfzehn 
Jahre fortgesetztes Studium hatte fuhren müssen. Einen 
sehr veränderten Ton und viel grössere Tragweite erhielt 
das Werk durch gelegentlich, jedoch in grosser Anzahl» 
eingeflochtene Untersuchungen und Behauptungen kri- 

6 



78 

tischer Art, welche sich auf die biblischen, patristisohen 
und überhaupt kirchlichen Urkunden beziehen. Alles 
rein Dogmatische bleibt aus dem Spiele; aber das Histo- 
rische wird geprüft, gebilligt oder verworfen nach den 
Gresetzen philologischer Methode, den Zeugnissen be- 
währter Geschichtschreiber und dem Ausweis chronolo- 
gischer Rechnungen. Mehr noch als die einzelnen Ent* 
Scheidungen, zu welchen Scaliger auf diesem Wege ge- 
langte, musste die ganze Weise seines Verfahrens in 
ecclesiastischen Kreisen Aufmerksamkeit und Anstoss er^ 
regen. Man braucht, um den Eindruck zu begreifen, 
welchen die Entladung dieses kritischen Gewitters ge- 
macht hat, sich nur an die dumpfe Atmosphäre zu er- 
innern, in der damals, am Schluss des sechszehnten Jahr- 
hunderts, die kirchengeschichtliche Litteratur noch immer 
eingehüllt lag. So endgiltig ausgemacht, dass auch die 
Glaubenslustigen nicht mehr glaubensfahig waren, er- 
schienen höchstens zwei Punkte: die Fälschung der De- 
cretalen und die Unecbtheit der constantinischen Schen- 
kungsurkunde. Mit den Decretalen war es zu Ende, 
seitdem Nicolaus Cusanus in siegesgewisser Kürze 
dem Baseler Concil ihre Beschaffenheit angezeigt hatte, 
und das constantinische Pergament war von den philo- 
logisch gespitzten Pfeilen des Laurentius Valla**) 
durchlöchert worden; den »gefüllten Köcher* jedoch, mit 
welchem noch gegen Anderes und Wichtigeres gerüstet 
zu sein jener grosse Italiener sich gerne rühmte, hatte 
man ihn nicht leeren lassen; die Inquisition hatte sich 
ins Mittel gelegt. Was Erasmus nach dieser kritischen 
Seite wagte — und er war hier weniger zaghaft, als in 
anderen Dingen — richtete sich vornehmlich auf latei- 
nische, also spätere Schriftsteller, und wirkte nicht so 
eindringlich, weil er es immer mit angenommener Gleich« 
giltigkeit behandelte, wohl um sieh den schützenden 



7Ö 

Einwand, es seien das lauter Adiaphora, für alle Fälle 
offen zu halten. Noch weniger als die Nonchalance des 
Erasmus war die Hitze der Magdeburger Centuriatoren 
geeignet, reine und feste kritische Resultate zu erzielen; 
auch sie konnten nur wenig thun, um das Dunkel det 
ersten Jahrhunderte aufzuhellen , und überdiess hatte ge- 
gen jeden ihrer protestantischen Trümpfe Baronius einen 
katholischen ausgespielt. Nun giebt freilich bei kirchen- 
geschichtlicheti Fragen die gedruckte Litteratur zu keiner 
Zeit einen durchaus genauen Maasstab för den Fortschritt 
der Meinungen, und gewiss herrschte auch am Schluss 
des sechszehnten Jahrhunderts unter den ürtheilsfahigen 
aller Parteien eine entschiedene, aber stille Ueberein- 
stimmung über Vieles, das in den Büchern noch zart an- 
gefasst 'oder ganz umgangen wurde. Cujacius hatte si- 
cherlich über Urkunden des kanonischen Rechts manches 
bei sich aufs Reine gebracht, das er zu veröffentlichen 
keinen Anlass fand; einem Sarpi mögen Zweifel genug 
aufgestiegen sein, die er laut auszusprechen sich nicht 
berufen glaubte; selbst der Cardinal Du Perron ist im 
vertrauten Gespräch viel ungläubiger gewesen, als man nach 
seinem sonstigen Auftreten vermuthen sollte; des Baro- 
nius •^Tischreden sind leider nicht aufgezeichnet; und auch 
Scaliger hat bei weitem nicht alle seine kritischen Ent- 
deckungen gleich drucken lassen *•). Das verhältniss- 
mässig Wenige jedoch, was Scaliger davon in die zweite 
Ausgabe des Werkes de emendatume temporum und spä- 
ter in die Bearbeitung des Eusebius aufzunehmen sich 
berechtigt hielt, war nun auch gar muthig und entschie- 
den herausgesagt, konnte demnach der allezeit so zahl- 
reichen Klasse von Leuten nicht behagen, welche in 
Sachen jedweder Kritik nur ein unmaassgebliches Ge- 
flüster vertragen mögen ; und insbesondere über kirchen- 
geschichtfiche Kritik wat damals das Öffentliche ürdiefl 

6* 



8« 

tt'och 80 unreif und schwankend, dasa die Jesuiten ihre 
lang verhaltenen Feindseligkeiten gegen Scaliger ohne 
Scheu beginnen durften mit einem Angriff gerade auf 
diejenige seiner kritischen Behauptungen» welche am we- 
nigsten irgend einem vernünftigen Einwände offen stand 
und über die auch heutzutage von keiner Sexte her noch 
ein Zweifel sich hervorwagt. 

Es handelte sich um die Schriftensammlung, deren 
griechisches Original unter dem Namen des Dionysius 
Areopagita ^^) seit dem sechsten Jahrhundert im Orient 
sich verbreitete und deren jämmeriiche lateinische üeber- 
setssung — eine Arbeit des Scotns Erigena — wahrend des 
Mittelalters im Occident dazu gebraucht wurde, um den 
ausgebildetsten Ceremonialkult und die abgestufteste hier- 
archische Verfassung zugleich mit dem nebelhaften Zau- 
ber neuplatonischer Mystik und mit der Autorität apo- 
stolischen Alterthums zu bekleiden. Valla freilich und 
Erasmus hatten ihre Scrupel nicht zurückgehalten; sie 
hatten es sehr wunderbar gefunden, dass Werke von so 
weitgreifender Bedeutung wie die fraglichen ,übeF die 
himmlische < und ,über die kirchliche Rangordnung* 
bei keinem Kirchenschriftsteller der ersten Jahrhun- 
derte sollten erwähnt sein, wenn ihr Verfasser wirk- 
lich jener Rathmann vom athenischen Areshügel gewesen, 
welcher auf Pauli Predigt vom unbekannten Gott gläubig 
geworden. Aber dergleichen allgemeine Zweifelreden 
hatten die Sache nicht erledigt; zu Scaligers Zeit, ein 
halbes Jahrhundert nach Erasmus, konnte Baronius noch 
jene Schriften als echte zu vemutzen wagen und Bell- 
armin gar so weit gehen, die Zweifler für Ketzer oder 
Klüglinge zu erklären. Scaligem schien es daher nicht 
überflüssig, die allgemeinen Gründe durch einen speciel- 
len Beweis der Unechtheit zu verstärken; auf Anlass 
einer längeren Auseinandersetzung über Essener und 



Sl 

Therapeuten hebt er den Grebraucb hervor, welchen die 
areopagitischen Schriften von dem Wort ^Therapeuten* in 
der Bedeutung «christliche Mönche' machen, weist auf die 
Unmöglichkeit hin, dass diess im apostolischen Zeitalter 
habe geschehen können, wo es noch keine christlichen 
Mönche gegeben, und will hiemach dem Fälscher, wel- 
chen er in seiner lebhaften Weise einen ,Äffen< nennt, kein 
höheres Alter zugestehen, als das fünfte Jahrhundert. 

Sehr bald, nachdem diese und die andern kritischen* 
Kühnheiten in das Publicum gedrungen waren, muss in 
den leitenden jesuitischen Kreisen das Signal zur Bekrie« 
gung Scaligers gegeben sein. Den Feldzug eröffiiete im 
ersten Jahr des siebzehnten Jahrhunderts Martinus Delrio, 
welcher lange in Scaligers Nähe zu Löwen und Lüttich 
gelehrt hatte, und eben nach Grätz, einer .der jesuitischen 
Zwingburgen für Deutschland, Versetzt war; am Schiusa 
eines wüsten Folianten »magischer Untersuchungen (Di9^ 
quisüianes Magicae)^ perorirt er gegen Scaliger als einen 
lästerlichen Verhöhner kirchlicher Autorität, weil er die 
Schriften des »würdigen FaulusschülersS Dionysius Areo- 
pagita, aus welchen Delrio die Transsubstantiation er- 
weisen will, für unecht erkläre und der Institution des 
Mönchthums die Apostolicität abspreche. Hierauf wird 
dann Scaligers ganze wissenschaftliche und menschliche 
Persönlichkeit als eine thrasonische geschildert, jedoch 
in einer Weise, die mit dem Beleidigenden gerade so 
viel, gleichsam unwillkürliche, Ausbrüche von Achtung 
und Bewunderung verbindet, dass der Getroffene au£s 
Tiefste verletzt und ihm dabei nicht durch Bohheit des 
Angriffs von vorn herein die Lust zum Antworten be* 
nommen ward. Offenbar hatte man dem Delrio das Ge- 
schäft eines Plänklers zugewiesen; er sollte Scaliger nur 
erst ins Gefecht ziehen. Dazu war aber Deliio allein 
nicht Manns genug; es vergingen mehrere Jahre, und 



82 

Sealiger hatte Boch mit Jceiner Si&e weder auf d»a aceo* 
pagitiseiien noch auf den persönlichen TheU dieser ersten 
jesuitischen Streiferei erwiedert. Um ihn aufzustacheln, 
ward die Polemik auf das günstigere Terrain der hebräi- 
schen Studien hinübergespielt; dass er hier der Yerlok- 
kung zu antworten unterliegen werde, konnten die Ordens- 
väter in ihrer psychologischen Geriebenheit voraussehen. 
Jeder Leser seiner Schriften musste merken, wie er sein 
Hebräisch mit immer steigender Vorliebe betrieb, und 
mit der empfindlichsten Eifersucht seinen Ruf als Orien- 
talist hütete; höchstens den Buxtorf liess er als einen 
besseren Routinier gelten ; sonst aber wollte er, wie be- 
scheiden er sich auch über sein eignes Wissen zu äussern 
liebte, doch unter seinen Zeitgenossen Niemanden über 
oder aixch nur peben sich anerkeimen; jede Versuchung, 
•eine Ueberlegenheit im Hebräischen zu zeigen, war für 
ihn unwiderstehlich. Mit einem solchen hebräischen 
Köder fing ihn nun der Mainzer Jesuit Nicolaus Serarius, 
der seit Maldonat's Tode iiir den besten Hebräer inner- 
halb, des Ordens gehalten wurde; sein 1604 erschienenes 
Buch ,von den drei jüdischen Secten (Trihaeresion/ ist 
nominell gegen den Professor des Hebräischen zu Frane- 
iDer Job. Drusius, einen Bekannten Scaligers, geirichtet, 
aetat es sich aber zur eigentlichen Aufgabe, die Calvini- 
sten insgesammt auf dem Felde biblischer linguistik zu 
befehden, imd verweilt mit merklicher Absichtlichkeit 
bei den einsehlägigen Partien des Werkes de emendcUjtone 
temporuMy ausfuhrliche Widerreden vorbringend beson- 
ders gegen SoaUgers Läugnung eines Mönchthums zuir 
Zeit der Apostel, Persönhches jedoch vorsichtig vermei* 
dend. Obgleich also nur in 2$weiter Reibe und in Ge- 
meinschaft mit vielen Anderu angegiü^iffeaa, Hess sieh 8ca* 
Uger dennoch, da es sich hier um hebräische Dinge 
handelte, zn einer Replik hinreissen. Sie ward, 



das DeclMram zu wahreia, . der Vertbeidigungsschrift 
des vornehmlich betroffenen Drusius angehängt, bildet 
aber durch Titel (ElenchtM Trihcieresü Nicolai SerarU), 
Form und Umfang ein selbständiges Büchlein, welches 
die Hauptsätze der ganzen Serariüs'schen Abhandlung 
Schritt für Schritt bestreitet, auf jeden noch so leisen 
Anstoss Auseinandersetzungen über alt- und neutesta- 
mentliche Antiquitäten einflicht, und mit liebhaberischem 
Behagen Punkte der hebräischen Sprachkunde erörtert 
Da femer die wesentlichste Streitfrage zwischen ihm und 
Serarius immer noch das Alter des Mönchthums geblie* 
ben war, um dessenwillen Delrio zuerst gegen ihn auf-* 
gestanden, so konnte er auch diesem verachteten Wider- 
sacher, ohne sich unmittelbar mit ihm zu verfangen, ge- 
legentliche Züchtigungen ertheilen, welche nun freilich 
hart an die äusserste Grenze des polemischen Cynismus 
streifen. Endlich aber setzte er dem in wenig Tagen zu 
Papier gebrachten Werkchen eine Epistel an Drusiua 
vor, die mit Hutten'schem äumor und mit PascaFscher 
Ironie dem ganzen Orden den Fehdehandschuh hin- 
wirft**). »Bisher* — heisst es dort — ,habe er zu den 
Neckereien und Beleidigungen geschwiegen; in Zukunft 
werde er sich nichts mehr gefallen lassen.' Auf Freund 
und Feind machte diese Epistel den Eindruck einer un- 
widerruflichen Kriegserklärung; zu Heidelberg*®) freute 
man sieh, dass Scaliger eine so entschiedene, keinen 
Rücktritt mehr gestattende Stellung gegen die gemein- 
schaftlichen Gegner eingenommen habe, und die Jesuiten 
Hessen unverzüglich das bisher maskirte grobe Geschütz 
ihr^ Polemik spielen. Noch während des sich hinzö- 
gernden Druckes der Schrift gegen Serarius, von wel- 
chear »e Witterung erhalten hatten, erschien 1605 zu 
Antwerpen aus der Feder des Rectors an dem dortigen 
Jesuitencolleg Carolus Scribanius ein in drei Abschnitte 



84 

getbeiltes Buch unter dem Titel: ,Rundschauplatz der 
Ehre, in welchem den Anschuldigungen der Calvioisten 
gegen die Gesellschaft Jesu der Hals abgeschnitten wird 
{Amphitheatrum Honoris in quo Calvinistarum adverstts ^o- 
cietatem Jesu criminationes iugulataey. Zum Entsetzen aller 
Bessern ward hier zuerst der Ton gemeinen Schimpfens 
und bewusster Lüge angeschlagen, welcher seitdem sich 
hinzieht durch die ganze polemische Litteratur bei den 
verschiedenen Parteien während der Vorperiode des 
dreissigj ährigen Krieges; fast allen hochstehenden Männern 
unter den Reformirten werden aus heiler Haut und ohne 
den Aufwand auch nur eines Scheinbeweises die schmuz- 
zigsten Laster aufgebürdet; gegen Scaliger aber, dessen 
allbekannte Sittenreinheit solcherweise anzutasten fürs 
Erste noch nicht gerathen schien, ward ein vor vielen 
Jahren in Italien umlaufendes und längst verschollenes 
Gerede, welches seine Abstammung von dem veronesi- 
schen Fürstenhause in Zweifel zog, von Neuem auf die 
Bahn gebracht. Schon die erste Auisgabe des Amphi- 
theaters behandelt ihn als einen Eindringling in das 
Geschlecht der della Scala; der wahre Name seines 
ignoblen Ahnherrn sei Burdo (Maulesel). Verschärft 
und weiter ausgedehnt wird dieser Angriff auf seinen 
Stammbaum in der zweiten Ausgabe, welche der Replik 
Scaligers gegen Serarius auf dem Fusse folgte; sie ist 
vermehrt um einen ganzen Abschnitt voll der verschie- 
denartigsten ehrenrührigen Gemeinplätze, denen al« 
lein in Betreff der Adelsfirage etwas mehr als früher ins 
Einzelne gehende Angaben beigemischt sind, aber immer 
noch so wenige, dass man deutlich sieht, es sollte vor- 
läufig nur versucht werden, ob auf dieser genealogischen 
! Fährte das stolze Edelwild mit Erfolg gehetzt werden 
! könnte. Volle Gewissheit hierüber mussten die Jesuiten 
bald gewinnen durch die ihnen abgestatteten Berichte 



85 

über Scaligers muhdlieke Reden, welche gewiss noch 
klarer als die uns vorliegenden, und vielleicht auch ihnen 
nicht ganz unzugänglichen, brieflichen Aeusserungen eine 
verwundete Gereiztheit blicken liessen. So wurde denn 
gleich im Jahre 1606, als eben die zweite Ausgabe des 
Amphitheaters erschienen war, eine noch viel unbarm- 
herzigere Ahnenprobe angedroht; ein eigends hiermiirsich 
beschäftigendes, enthüllungreiches, dickes Buch werde 
ans Licht kommen, um alle bisherigen Andeutungen zu 
belegen und durch neue Mittheilungen noch zu überbieten. 
Schon im folgenden Jahre 1607 erfüllte sich die Dro- 
hung, und ZU' Tage trat ein neunhundertseitiger Quar- 
tant unter dem Titel ,der untergeschobene Scaliger (Sca- 
liger hypoboUmaeiLs)\ verfasst von dem Deutschen Gaspar 
Schoppe (Scioppius) ®^), der damals am römischen Hofe 
lebte. Dem tobendsten Schimpfen wird hier freier Lauf 
gelassen; Gifte jeder Art von Verunglimpfung und Ver- 
dächtigung werden zusammengebraut; und das Ganze 
wird geniessbar gemacht durch Correctheit und muskel- 
kräftige Nacktheit des lateinischen Ausdrucks, sehr zum 
Unterschied von der gedunsenen Schreibweise des »Am- 
phitheaters', welche dem • Schlimmsten, was Lipsius in 
dieser Art verbrochen, nachgeäffifc war und den Leser abr 
schreckte. Eine bessere Feder * als die ins Fleisch 
schneidende des Scioppius hätten die Jesuiten sich nicht 
wünschen können zur Redaction des reichen Schmäh-. 
Stoffes, der aus allen CoUegienhäusern Italiens und 
Deutschlands war herbeigeschafft worden. Scioppius ver- 
hehlt auch seine Verbindung mit den Jesuiten nicht im min- 
desten; er sagt es vielmehr offen heraus, dass Scaligers 
jesmtenfeihdUche Widerlegung des Serarius das Unwetter 
endlich zum Ausbruch gebracht habe, welches seit lange 
über seinem Haupte deshalb versammelt worden, . weil 
seine,, des Calvinisten, ^ungeheure wissenschafUiche Auto« 



86 

litit* immer kirdtengef&hrlicher erschienen sei; ja, (Ane 
Scheu und ohne Hinterhalt setzt Seioppius den Einzel- 
angriff gegen Scaliger zu der allgemeinen Ordenspolitik 
und zu den Vorfiragen des dreissigjährigen Krieges in 
Beziehung, indem er seinem Buche eine ausfuhrlich 
motivirte Bejahung der Frage: ,ob Tödtung der Ketzer 
gebbten sei' einverleibt, uind es nun demjenigen Für- 
sten widmet, von welchem man am ehesten praktische 
Befolgung eines solchen Gebotes erwarten durfte, näm- 
lich dem damaligen Erzherzog, späteren Kaiser Fer- 
dinand IL Bloss durch diese Darlegung ihrer Autriebe 
und Tendenzen verhert die Schrift des Scioppias für den 
jetzigen Beurtheiler jeden Anspruch auf Prüfung der 
Wahrheit ihres Inhalts ; zur Zeit ihres Erscheinens waren 
jedoch die religiösen Kämpfe, in denen sie so entschie- 
den Partei nahm, noch in vollem Gange, und ein Ein- 
druck konnte nicht ausbleiben weder auf die, dem Blut- 
gerichte zugesprochene, Gesammtheit der Niehtkatholiken 
noch auf Scaliger, der als Einzelkämpfer die volle Wudit 
des feindlichen Anpralls auszuhalten hatte. Freilich, was 
zur Besudelung seines sittlichen Charakters vorgebracht 
ward, konnte er einer ernsten Widerlegung nie wür- 
digen wollen, auch nicht in den Augenblicken, w^o ver- 
letzte Eigenliebe die * Oberhand über sein Selbstgefühl 
gewann; aber die Läugnung seiner Standeseigenschaften 
als Edelmann und Fürstensohn war er nicht gesonnen, 
tuhig über sich ei^ehen zu lassen. Die ganze Art seines 
Auftretens in der Welt hatte sich ihm selber durch das 
Bewusstsein bestimmt, als guter Sprossling einem edlen 
Stamme anzugehören; Zeit seines Lebens hatte er seine 
Freunde gewöhnt, seinen Geburtsadel als die andere 
Seite seines Geistes- und Seelenadels zu betraditen; 
wie hätte er nicht auffahren sollen, als man sich an- 
schickte, ihm den Boden seiner gesellschaftlichen Stel- 



87 

iung uatec den Füsaeu wogzuziehen? ■ Hierzu kam, dasa 
die Anklage des Einschleichens in ein fremdes Geschlecht 
ihn selbst nur mittelbar traf; er war ja, wie män- 
nigiich bekannt, von seinem Vater in dem guten Glauben 
an die Verwandtschaft mit den della Scala auferzogen 
worden; Julius Scaligcr hatte keine Gelegenheit ver- 
säumt, um an seinen Stammbaum öffentlich zu erinnern; 
wenn also hier eine windige Aufschneiderei vorlag, so 
war Joseph Scaliger nur das Opfer derselben; ihre 
volle Schuld fiel auf den Vater zurück, da dieser nach 
den gegnerischen Unterstellungen nicht wiederum vcAi 
seinen Eltejrn getauscht sein, sondern gegen besseres 
Wissen sich den Namen Scaliger angemaasst haben 
sollte. Bei dieser Lage der Sache mussten die Ermah- 
nungen von Freunden, welche noch immer zum Schwei- 
gen riethen, iruchtlos bleiben; je widerwärtigere Gestalt 
die Discussion über seinen Grossvater und Urgrossvater 
angenommen hatte, um so lauter schien Scaligem die Soh- 
nespflicht zu gebieten, dass er den Ruf seines Vaters ver- 
iheidige. Möglichst kurz und ruhig that er diess in der 
»Widerlegung des Burdonischen Mährchens (Confutatia 
fabulae Burdontim/^ welche unter durchsichtiger Pseudo-» 
nymität im Jahre 1608 als Anhang*Hein$ius'scher Satiren 
gegen Scioppius erschien^®). QauptsächKch werden dar- 
in die urkundlicihen Beläge entkräftet, auf welche Sciop- 
pius gebaut hatte; von Joseph Scaliger wird nur in den 
unvermeidlichsten Fällen und immer in der dritten Per- 
son gesprochen, dagegen Julius in den hellsten Vor- 
dei|;nmd .geschoben durch gehäufte Lebensnachrichteo 
übet ihn und durch eine den Schluss bildende Sammlung 
sdo^r Denkaprüche. Trotz all dieser Vorsicht machte 
die Schrift dach nur einen sehr kühlen Eindruck auch 
auf die näheren Freuade 3caligers. Man wusste nicht 
seiiiht» war eA eine pißtätsvoUe Vertheidigang desVat^ 



88 

durch den Sohn, oder ein strategischer Rückzug des 
Sohnes hinter die Verantwortlichkeit des Vaters? Oeffent- 
liehe Parteinahme zu Scaligers Gunsten war auch vor 
dem Erscheinen der »Widerlegung* nicht erfolgt, ausser 
yon Seiten des Casaubonus ^^), dessen allbekannte innige 
Beziehungen zu dem Angegriffenen fast das Gewicht 
seines Beistandes aufhoben; selbst brieflicher Zuspruch 
war spärlich, fast immer sehr allgemein, und nicht selten 
im Tone eines leeren Bedauerns gehalten; von hochge- 
stellten Deutschen, früher sehr eifrigen Correspondenten, 
>^ z. B. dem Augsburger Welser, blieben sogar die 
Briefe ganz aus. Die Jesuiten dagegen hatten ihren 
Zweck erreicht. Abermals hatte sich die so oft erprobte 
Taktik bewährt, und es war dahin gekommen, dass ein 
wissenschaftlicher Mann, dem man auch blos wegen sei- 
ner .wissenschaftlichen Bedeutung zu Leibe ging, sich als 
ein auf persönliche Ehre und Schande Angeklagter ver- 
antworten musste, aller wissenschaftUchen Schutzmittel 
heraubt, und verlassen von der öffentlichen Gunst, welche 
einem in Sachen gemeinmenschlicher Geistesfreiheit Ver- 
folgten sonst beizustehen pflegt. Scaligem gegenüber 
hatten die Jesuiten auch noch den grossen Vortheil ge- 
habt, dass sie nicht das Wesen, sondern nur äussere Zu- 
fälligkeiten seiner Person anzugreifen brauchten, um ihm 
gereizte Selbstvertheidigungen zu entlocken, welche nun 
begreiflicherweise bei dem französischen Publicum — und 
auf dieses war zunächst das Absehen der Jesuiten ge- 
stellt — einer vernichtenden Lächerlichkeit anheimfielen. 
Die komische Maske des adelsüchtigen Spiessbürgers 
verbarg von jetzt an, wenigstens vor französischen Blik- 
ken, das ehrfurchtgebietende Anthtz des wissenschaft- 
lichen Forschers und Entdeckers, und dieser Erfolg ent- 
schädigte die Jesuiten hinlänglich für das Misslingen 
einer ganzen Reihe geheimer Intriguen, welche neben d^a 



89 

öffentlichen Angriffen bergegangen waren, alle in der 
Absicht angezettelt, um Scaliger von Holland weg nach 
Paris zu ziehen in eine eben so peinliche Stellung, wie 
Casaubonus sie dort einnahm. Pater Cotton^^), der sich 
bei Heinrich IV. beliebt gemacht hatte, prahlte laut, dass 
ihm dieser Anschlag gelingen werde; der König liess 
auch wirklich durch Jeannin eine Pension von dreitau- 
send Francs Scaligem anbieten, falls er nach Frankreich 
zurückkehren wolle; und noch gegen Ende des Jahres 
1608 musste Jeannin die Krankheit Scaligers benutzen m. 
dem Vorschlage eines Winteraufenthaltes in dem milSe- 
ren französischen Klima. 

Solche stille Versuchungen, die sich von Anfang des 
Jahrhunderts bis zu Scaligers Todesjahr hinziehen, liess 
er allesammt in ruhiger Standhaftigkeit von sich abglei- 
ten, und ebensowenig konnte ihn die laute Polemik, wie 
viel gute Stunden sie auch verdarb, dauernd in der Aus- 
fuhrung seines Hauptwerks, des Thesaurtis Temporum, 
beirren, welchem er sich während jener ganzen Zeit ge- 
widmet hat; ja, die Heiterkeit und den Muth, mit dem 
er allem andringenden Ungemach die Spitze bot, hat er 
vorzüglich aus diesem wissenschaftlichen Unternehmen 
geschöpft. In der That kamen dabei seine vielartigen 
Kräfte in ein so ebenmässig zusammenwirkendes Spiel, 
dass die Lust vollsten geistigen Daseins ihn durchdrin- 
sen musste ; unerwartete litterärische Glücksfalle belohn- 
ten und ermunterten ihn im Verlaufe der langen Arbeit; 
und er konnte sich endlich sagen, dass er durch diese 
Leistung den edelsten und entscheidendsten Sieg, nicht 
über die persönliche Bosheit, aber wohl über das, allef- 
dings besiegensWerthe, böse Princip seiner Gegner er- 
fechten müsse, indem er der Menschheit die Strasse 
ebene zur Weltgeschichte hin, welche den Lebendigen 
ein. Hauch des Lebens ist zum Leben, den Todten aber 



90 

ein Hauch des Todes zum Tode. Das Werk nun, das 
seinem Meister so viel Erhebung und der Nachwelt so 
viel Leitung gewährt hat, verdient wohl, dass es in dem 
stufenweisen Gange seines Entstehens hier betrachtet 
werde. 



Vom Beginn des Mittelalters bis auf Scaliger war 
die Chronologie nur ein Gemenge von Handgriffen zur 
Ibterberechnung und zum Kalendermachen, oder höch- 
stens ein gelegentliches Hilfsmittel fiir biblische Exegese 
und zum Verständniss der gangbarsten lateinischen Klas- 
siker. Er hatte ihr wissenschaftliche Grundlage gegeben 
durch Benutzung der gerade zu seiner Zeit, welche den 
Copernicus und Tycho Brahe sah, so sehr erweiter- 
ten Astronomie; zur Sicherheit wissenschaftlicher Dar- 
stellung hatte er ihr eine feste und klare Terminologie 
ausgeprägt; und stoffliche Universalität hatte er ihr ver- 
liehen, indem er sich nicht auf Hebräisches und Rö- 
misches beschränkte, sondern ausser den vielfaltigen 
griechischen, auch noch alle irgend erkundbaren Zeitrech- 
nungen und Epochen östlicher wie westlicher, der soge- 
nannten barbarischen wie der civilisirten Völker mit der* 
selben Liebe und Sorgfalt behandelte. Denn er sah die Chro- 
nologie und vornehmlich die Epochen nicht, wie es bis- 
her geschehen war, blos als eine Handhabe an, um in 
die schon bekannten Geschichten Ordnung zu bringen; 
auch wo die Kunde der Thatsachen noch mangelte, 
z. B. bei den Mexikanern, achtete er das gesammte chro- 
nologische System für ein an sich bedeutungsvolles kul- 
turhistorisches Factum; und die Epochen galten ihm als 
bewahrende Trägerinnen der folgenreichsten Einzeler- 
eignisse, auf deren Spuren man nach dem dazwischen- 
liegendem Detail forschen solle. Eine solche gegensei- 



91 

tige Durchdringung von Chronologie und eigentlicher 
Historie musste für die alte Geschichte um so frucht- 
barer werden, weil alle alten Völker auch in der Jahres- 
z&hlung von der Herrschaft der nackten Zalü befreit 
waren, welcher die Neuzeit unterworfen und bedürftig 
ist. Aus der lebendigen Mannigfaltigkeit ihrer Thaten 
und Leiden, aus der regelmässigen oder gewaltsam ab« 
gelenkten Reihenfolge ihrer leitenden Männer schufen 
sich die alten Völker ihre Zeitmessung; und ihre chro- 
nologischen Tafeln ^- diess erkannte und nutzte Sca- 
liger — waren der feste Niederschlag ihrer Geschichte. 
So verwandelte sich denn die Chronologie aus einem 
Rubricirungsmittel der vorhandenen Geschichte zu einem 
Entdeckungsmittel der verlorenen ; und von diesem Grund- 
gedanken, dass Chronologie eine historische Heuristik 
sei, ist auch Scaligers mehr systematisches Werk de 
emendaiione temporum schon bei seinem ersten Erscheinen 
im Jahre 1583 durchaus erfallt. In freierer Entfaltung 
und unter mehrseitiger Anwendung verfolgt die zweite 
Bearbeitung vom Jahre 1598 denselben Grundgedanken; 
am meisten vervollständigt sind die Abschnitte über die 
,EpochenS also der allemächst in die thatsächhche Ge- 
schichte übergehende Theil des Systems, und zugleich 
tritt hier ein vielverheissender Ansatz hervor zur Aus- 
fiibrung des ^Planes, der sich aus jenem Grundgedanken 
folgerichtig entwickelt hatte und dahin ging: in An- 
scbluss an die heuristisch gewordene Chronologie, ein 
universales Drkundenbuch zu entwerfen, welches die bis- 
herige Absonderung zwischen BibUschem und Klas- 
sischem, Barbarischem und Hellenischem zur weltge- 
schichtlichen Vereinigung fuhren solle. Am Ende dea 
ganzen Bandes namliöh folgen in der zweiten Ausgabe 
des Werkes de emendatione noch drei Blätter griechisohar 
Text und eimigp fünfzig Seiten Noten unter der unsche^- 



92 

baren Aufschrift: ,Ausgewählte Bruchstücke alter Grie- 
chen (Veterum Graecorum fragmenta selecta)^ und mit der 
Vorbemerkung: ,Diese üeberreste alter Schriften, gleich- 
sam Bretter eines Wracks, sind von uns in ein Büclilein 
zusammengetragen worden, damit sie nicht abermals Schiff- 
bruch leiden, wie es ihnen bis jetzt ergangen ist, da sie 
bei Eusebius und Josephus auseinandergerissen und ver- 
achtet lagen und Niemanden von ihrer Brauchbarkeit 
überzeugen konnten, besonders diejenigen nicht, welche 
bei Behandlung der biblischen Geschichte alle Hilfe nicht 
biblischer Schriften ausser Acht lassen. Die finstern Ur- 
theile solcher Leute werden hinlänglich durch die Wahr- 
haftigkeit dieser üeberreste widerlegt, wie Jedermann er- 
kennen wird, der sie mit unseren Anmerkungen so auf- 
merksam liest, als abgeschmackt jene sie verschmäht 
haben. Weit entfernt, sie als unnütz für die heilige Ge- 
schichte anzusehen, wird man vielmehr urtheilen müssen, 
dass ohne sie keine Epoche der heiligen Geschichte mit 
Sicherheit zu bestimmen sei.* Die Trümmersammlung 
nun, auf welche Scaliger so hohen Werth legt, besteht 
aus Berichten über biblische Hauptereignisse von Bero- 
sus, dem tyrischen Menander, Abydenus — Namen, die 
nach tausendjähriger Vergessenheit hier zum ersten Male 
wieder mit Gewicht genannt werden, um dann immer 
von Neuem und immer nachhaltiger die Aufinerksamkeit 
der Geschichtsforscher zu beschäftigen. Von diesem ur- 
kundlichen Anhange des systematischen Werkes de einen- 
datione ist nur noch ein Schritt bis zu dem grossen ge- 
schichtlichen Archiv des Thesaurus Temporwm. Zunächst 
kam es darauf an, vom fernsten Urbeginn menschlicher 
Tradition bis zum Ausgang der alten Geschichte herab- 
zusteigen an der Hand chronographischer Anzeichnungen, 
d. h. derjenigen historiographischen Form, welche alles 
JBtilistischen Schmuckes beraubt, aber daför auch der 



9a 

Siohtttinke deä ; Varurtheils minder ausgesetzt ist.- Fi&i? 
spleheix Zw.eok bot sich kein taugliclieves 3iitt«l 'dar,- .als 
die von Hieiroayinus herrührende lateinische üebersea-^ 
zung der £u9ebiani9Ghen Chronik; an ihr könnte dieake 
Geschichte auf ihren fac tischen Kern geprüfl * und in 
ihrem weitesten Um&nge durchnuessen werden vom Be- 
ginn de$ assyrischen Beiches bis zum zwanzigsten Jahve 
dei? Conistantin; daa von' Hieronymus Hinzugefügte leitete 
Ins auf den Tod des Kaisers Valens; endlich schlössen 
die- weiteren Fortsetzer, darunter der iii i seinem gr^se-« 
ren Theile von Scaüger zuerst veröffentlicbte Chronist 
Idacius'^"), um die Mitte des sechsten' Jahrhunderts. 
Aber in bedenklibher Weise, und allzu geiahrIioh<'aiioh 
für den Kühnsten musste' dies ganze Gerüst scihwankien^ 
so lange sein wichtigste^r Bestandtheil, das Eu^ebiamsche 
W^rk» nur durch die zweite Hand eines Uebersetfis^s 
zngjinglidh blieb« . obendrein eines so raseh arbeitenden^ 
wie der vielschreibendet oder richtiger, vittdictirendje 
Hi^onymus gewesen ist; uild, was das SeMinüaste wair, 
selbst diese Uebersetzung hatte das bessere' Theil des 
EnsebÄus von vorA herein fallen lassen, oder, wie Sea- 
lig^r .meinte, in Nacht und Nebel des. Mittelalters eSiog^J 
bu«»t; .das. .eitste. Buch mit seinen : Auszügen . aus den 
gfißcbi^ohenSchlifibstellem über orienitalisohe Gresohichte 
wa!rd yon ihsm und wird noch heutigen Tages vermisst. Da 
si^elite siQh denn Se^aliger die lookende Aufgabe einer 
philologisoben, nicht Edition und nicht Beeension^ san-» 
derrt ■ Äestitution im eigentlichsten Sinne . des Worts ; das 
eifntt Bukeh deß Eusebins aoUte- ganz >i von Neuem' und dak 
aiweite in seiner griechisdhen U:^schrift wi^eirgewonnen 
wenden. Für die Rückübeittragüng de» zweiten .Buches 
h&jstß ^oxm Scftligers von früher Jugend her gereifte Fer* 
tijgkeit im ' nachbildenden Uebersetzen. zur Noth allein 
auegereiehtr und beim ersten Auftauchen des Bestituticms^ 

7 . 



94 

planes hat er sich wohl vorzüglich auf diese Doll- 
metscherkunst verlassen, obgleich er schliesslich gar kei- 
nen Gebrauch von derselben machte ^'); nicht einmal in 
denjenigen Fällen, wo aus seinen späteren Hilfsmitteln 
das authentisch Eusebianische Griechisch nicht zu ge- 
winnen war. Jedoch um das gänzlich mangelnde erste 
Buch ersetzen zu können, fehlte jeder Anhalt; blos aus 
sich selber spinnende Divination konnte zu Nichts fuh- 
ren; hier musste zuvörderst der Staff geschickt gesucht, 
glücklich gefunden und dann erst konnte er besonnen 
genutzt werden. Wie man nun auch über die endgiltige 
Benutzung urtheilen mag, Spürtalent und Finderglück 
haben selten eine so glänzende Verbindung in so wich- 
tiger Sache gefeiert, wie bei der Wiedererweckung der 
Chronik des Eusebius durch Scaliger. Um das Jahr 
1601 war er einem ,Mönch Georgius' auf die Spur ge- 
kommen, dessen Chronik ,fast den ganzen Eusebius ent- 
halten' und handschriftlich auf der Pariser Bibliothek zu 
finden sein müsse. Wirklich war in den Sammlungen 
jenes- Mönchs, der jetzt unter seinem kirchlichen Amts- 
titel Syncellus ^^) (Coadjutor) als eine unentbehrliche 
Quelle und ein schweres Kreuz der Aegyptologen be- 
kannt ist, gar Manches aufbewahrt, was auch im Euse- 
bius gestanden hatte und ihm mit vollstem Recht nun 
wieder zugewiesen wurde; aber in der Freude über- d«en 
Fund und bei dem Mangel jedes Correctrvs^ dei^leiohcn 
uns seit einigen Jahrzehnden in der armenischen üeber- 
setzung vorliegt, gerieth Scaliger auf den Fehlschluss, 
dass alles bei Syncellus Befindliche, was, ohne Ver- 
stoss gegen die Natur der Sache, bei Eusebius gestanden 
haben könnte, auch wirklich dort gestanden habe i und 
wieder dorthin zu stellen sei. Wir wissen jet«t, dass 
Syncellus Vieles aus Afirioanus geschöpft ha/t* was der eil- 
fertige Eusebius bei Seite liess. Dennoch werden- unbe- 



95 

fkngene Beurtheiler das Versehen Sealigiers nur t&r ein 
formales erkennen müssen, das die wesentlichen Zwecke 
des Thesaurus nicht beeinträchtigte, und vielleicht ist 
es sogar der Wissenschaft nach anderer Seite hin förder- 
lich gewesen, insofern nun der allzu oft excerpirte ,Mönch* 
sfo sehr die Blicke auf sich zog, däss er bald 'darauf 
ganz an das Tageslicht gebracht und einer Tollständigen 
Ausgabe gewürdigt wurde; wie denn überhaupt Seahger 
durch die nachdrückliche Hinweisung auf Syncellusl 
durch die vielfache Benutzung des Cedrenus, und durch 
seine mit dem Eusebius verbundenen Ausgaben des Chro- 
nicon Paschale und Nikephorus den wirksamsten An- 
stoss zu der Sammlung der Byzantiner gegeben hat. 

Ausser der Aufspürung des Syncellus ward ihm aber 
noch ein anderes, durch keinen Benutzungsfehler ge« 
trübtes Finderglück zu Theil. Schon lagen die zweihun- 
dertundzwölf Folioseiten, welche den griechischen Text 
des Eusebius bilden sollten, fertig gedruckt, als Casau^* 
bonos im Februar 1605 von Paris schrieb, es sei ihm so 
eben auf d^ königlichen Bibliothek ein Miscellen^odex 
anfgestossen, der unter Anderem auch ein. anfangs- und 
titelloses griechisches Schriftstück enthalte, mit gri^chi- 
sohen und nichtgriechischen Königsverzeichnissen und 
einer vollständigen Tafel der Sieger zu Olympia T^) bis 
auf die zweihundertneunundvierzigste Olympiade. Bei 
Empfang des Briefes erkannte Scaiiger alsbald aus der 
Olympiadenzahl^ dass hiermit die, gewiss auch von 
!Eusebius ausgeschriebene, Tafel des Julius Africanus ent* 
deckt sei, welcher seine Chronik eben mit jener Olym* 
piade geschlossen hatte. ,Die übermässige < Freude — 
meldet- er dem Casaubonus — habe ihn fiist wie einen 
Narreln sich geberden lassen; er sei eine /geraume. Weile 
im iZimmto umhergesprungen; um . jeden* . Preis -müsse 
ihnl unVerzäglfch eine Abschrift^- des ganzen' 'Tractats 

7' 



96 

gesandt werdeo, der. sicherlich in allen seinen, Xbeilen 
aus Eupebius geflossen sei.' So verhielt es ßich : wjuck- 
lich; iii der armenischen Uebersetzung haben, sich all die 
Exoerpte tviedergefiinden, welche in dex ersten Scaliger- 
s-cjhen Ausgabe auf vierundzswanzig Folioaeitcn als Nach- 
trag gedruckt wurden; neben den erwähnten Verzeich- 
nissen stehen dort Auch grössere Stücke aus des Philo- 
sophen Porphjrrius' Werk über die Diadochenaeit; Nie- 
huhr hat sie Iroch. gepriesen und ausgebeutet, aber w«^- 
geblich nach der. seit Casaubonus verschollenen Hand* 
schirift gfeforscht; erat vor fünfzehn Jahren h)at sie, der 
Engländer. Cramer zu Paris wiedergefundeÄ^ nachdem 
während drittehalb Jahrhunderten Scaligers Thesaurus 
der einzigb Ort geblieben war, welcher jene wichtigen 
Aktenstücke in vergleichweise authentischer Porm darbot 
Solchen Schatz in.;seinetr Gediegenheit zu heben ivar 
Scaligem noch nicht genug; er wollte ihn nuh . luuoh 
gleich ausmünzen. > Besonders die Olyiapiadenta&l b^ 
stärkte ihn in einiem längst entworfenen PlaineL 'Voik.jeH 
her hatte er für dies6, an die iFeiei: panhfellenischiör 
Kraft und Schönheit . anknüpfende . A era dne i begeisterte 
VdrUebe gehegt; noch kurz vor dem Funde jene» Tafel 
tvar er bei' • Abfassung der Axun^rkungen zu Euaehms 
mitten unter den nüchtfernsten . Untersuchungeil in. die 
Anrufung^*) ausgebrochen : ,Sei mir gegrüsist, ehrwürdige 
Olympiade! :Hüteiin' der .Zeiten^ Hort gesdhiohäifhiet 
Wahrheit! (Sähe ven^anda Ol^mpias, öi^qs- teaatjßQrtof^ 
vindex verkätis kiätöricaejK . Mit Hilfe^ der aeuen Esütddkf 
kung konnten nun viele Ereignisse, für welche der blossb 
Name des Siegers. >zu Olytnpiaiiaub Datum' bei denffiei 
achichtschreibem angegeben war, 'l>e%uem uitter die ^9Uk* 
sprechende Olympiaden zahl gebracht wdrden; und>'Scii'- 
ligeorw wagte demnach den Versuch, auf dieser Gcniidla^ 
4n 'griechischer Sprache Annaäen der rgriedhiacfaeoa 6rf- 



»7 

sammtgeechiobte aufzuführen, in welchener.die EiDtmki- 
kelungsstufen der olympischen Spiel ei^ die ohroneliNgiad» 
bestimmbaren Thatsachen.; der Litteraturgesehichte und 
was voll poUtischen Ereignissen gemciinhellenisabe Be^ 
döutung hatte, tbeils mit den Worten der bezeugenden 
Autoren, theils in freigevrählter Fassung . eiiubrurg« r.ia 
ähnlicher Weise diemten dann die peloponneBiädhen, at^ 
tischen und maeedonischen KönigsVerÄisichDissfe zux'.Aui^ 
reibubg der Specialgesbhicfaten griechischeeSlia-ateii, ujöid 
endhoh wurden die Maiiethonischen DynastSentafehL,: diö 
Reiben' assyrischer, hebräischer, persischer und rölnik^her 
Herrscher mit den Geschitthten der betreffendem jV^öfliet 
ausgefüllt. Üie ganze ziemlich weitläufige Arbeitr Tob 
Soiiliger selbst bescheiden ,0e8Ghichtäammlubg .<Jri^ 
(oyö^y^ -toirojiw^j'beÄanÄt, jetzt bekannter untetp »dem:Son* 
dertitel desHaupttbeils , Olympiaden- Vierzeicimiss (^OinffMf 
müdatv *Ävaf^<x^7i)\ war • ein Efgebniss der reproduieuren-^ 
den Stimmung, in welche ihn die .Besehäftigung. mit 
Eusebius versetzen nmsste; er wollte an einem i^ontihfen 
selbst entworfenen Modell rerdeutlichcn, wie e*wa die 
antike Cresöhichte in antik chronogräphi^chebr £orm äioh 
ausnehme; uildso ^olktändig wusstie erden.anftikejti Tom 
iXk treffen, däss viele Leser, freilich! sehr' gegen». deinen 
Willen und mit unverantwortlichem' Uehlersehea «einet 
ättsdi^ddichein, wiederholten Erktäriingeiv, dos^Wieirktiföt 
(din aus dein Aiterthum! stammendes halten) konnten.- !,:So 
hat ^'denn, noch am Schlüsse seiner Lkufbahn^ fefe den 
italienischen Philologen auch auf demjenigen Felde iu?* 
vorgethan, auf welchem mit ihnen «ich zu messen;' elr 
fiffiher keine Aufforderung gefunden hatte;» Die itahema^h^ 
tmUttUo veterttm war entweder die äusserlieh. stilistische 
der Cic«ronianer, oder die sträflich reale der fatbeibeEnden 
AtlniuB und' Ligoriös; Scaligers , Olympiadea' - Ver^ 
rerehnisir^ zeigt dagegen ein Nacharbeiten auf realem: Gev 



98 

biete in antikem Geist wie in antiker Fom, und ohne 
dm leisesten Makel der Fälschung. 

Mit allem Bisherigen ist jedoch nur der Eine, der 
textuelle, Theil des Thesaurus in seinen weitei|ten Um- 
rissen überblickt. Von jedenfalls ebenso grosser Bedeu- 
tung, wenngleich von viel geringerer Ausdehnung ist der 
zweite Theil, welcher die »Anmerkungen (Animadversiones 
in' Chronologica Eusebii/ enthalt. Sie sollen zuvörderst 
die Anordnung der Eusebianischen Chronik darlegen. 
Hierbei werden aber, hauptsächlich in Folge des schon 
berührten Versehens bezüglich des Syncellus, sehr grosse 
Irrthümer begangen, die jedoch erst in unseren Tagen 
durch die armenische üebersetzung widerlegt wurden, 
wie sie denn, ohne einen solchen urkundlichen Rückhalt, 
in einer oder der anderen Weise wohl unvermeidlich 
waren. Doch dieser jetzt völlig unbrauc:hbare Theü 
nimmt nur einen kleinen Raum ein und schadet nicht im 
mindesten den übrigen, viel wichtigeren Absichten der 
jAnmerkungenS welche keineswegs den Eusebius blo« 
erklären, sondern ihn beaufsichtigen wollen. Demnach 
zielien sie die patristische Engherzigkeit des Bisoho^ ] 

von Cäsarea vor das Forum der unbestochenen Ge- j 

schichte, decken die izuweilen recht zweideutigen Frei- 
heiten auf, welche er sich mit den Zahlen der alten Ur- -' 
künden genommen hat, und berichtigen die sachlichen 
Fehler, in die er aus Unwissenheit oder Eüe verfallen | 
ist. Man sieht leicht, dass bei einem solchen censori- | 
sehen Verfahren die abgelegensten Gegenden klassischer j 
Erudition berührt werden mussten, imd gerade die kitz- 
liehsten Probleme ecclesiastischer Ejritik am wenigsten 
zu umgehen waren. Auch wollte sich Scaliger> der> ecde- 
siastischen Seite seiner Aufgabe gar nicht eintziehen; 
vielmehr hat er, ausser dem Eusebius imd dem Hiero- 
nymus in dessen selbständigen Schriften, noch gele- 



9d 

gentlioh dem Justin und Irenäus und besonders . häufig 
dem Epiphaiiius kritische Sorgfalt und Strafe zu Theü 
werden lassen ^'^). Ueber9ll aber, in den klassischen wie 
in den kirchlichen Abschnitten, herrscht derselbe freie 
Geist hoher, weltförmiger Universalität; mit sichtlicher 
Vorliebe wird die Bibel durch das Ausserbiblische er- 
läutert, und wiederum jeder Anlass benutzt, um die Bin- 
deglieder hellenischer und orientalischer Cultur aufzu- 
zeigen, ein Bestreben, das, ausser den vielartigsten Ein- 
zelbemerkungen, auch noch die Einflechtung der grosse* 
ren Abhandlung ,über die Buchstaben der loner' yeran- 
lasst hat* Dort werden nämlich die occidentalischen 
Schriftarten auf das phönikische Alphabet als auf ihre 
Wurzel zurückgeführt, unter Benutzung der paläogra- 
phischen Data, welche Scaligern aus der fast gleichzei- 
tigen Mitarbeit an der Gruter'schen Inschriftensammlung 
zuflössen; imd man darf wohl sagen, dass den zwölf Sei- 
ten jener dieUribe de lonrnn Utteris in der ganzen philolo- 
gischen Litteratur nur sehr Weniges gleichkommt an 
Tiefe der Absicht, an Sicherheit des combinire&den 
Blickes und an gedrängter Fülle weitgreifender, firfiher 
gänzlich unbekannter Resultate. 

Die Ammad^^rsiones hatten den schon so mächtigen 
Umfang des Bandes um ein Beträchtliches vergrössert, 
und noch immer hatte Scaliger sich nicht genug gethan. 
Wie ihn die systematische Chronologie zu chronogra- 
phischer Geschichte geführt hatte, so sollte nun das hi- 
storisch Ermittelte wieder in die Darstellung, des Sy* 
stems zurüc)cgeleitet werden. Zu diesem Behufe fugte er 
an den Thesaurus ein selbständiges Werk : ,Hauptpunkte 
zur Einleitung in die Chronologie (Isagogici Chronologiae 
Cananes/^ dessen erster Abschnitt ,Chronologische An- 
fangsgründe (Sto^xetoanig XQovoloyix^Y in Definitionen, 



100 

SfttEen, Benvreisen und Betechnu&gstabellen eine «treng 
matliematiscbe Methode befolgt. Der zweite Abschnitt 
enthält, in lateinischer Sprache und mit d«r nöth%en 
AtisrüstuBg zu handlichem praktischen .Gebrauch, die 
chron^graphischen Verzeichnisse aus dem Alteithum 
und eine Auswahl ähnlicher Tabellen für das Mit- 
telalter und die neüorientalische G-eschichte. Der dritte 
endlich giebt einen ,ätiologi3ohen* Comiiientar zu den 
zwei vorhergehenden Abschnitten und' fasst den Haupt* 
inhalt des früheren Werkes de emetidaHoM in- eine 
übersichtlichere Form. Denn in diesem früheren Weapkc 
hatten die Zwecke und Neigungen des Gelehrten doch 
manchmal die Pflichten d^s I^ehrets vergessen lassen; in 
den Ccmpnes dagegen herrscht ein Vortrag, dier vor Allem 
lehren will, möglichst wenig voraussetzt und nur selten 
»ich Abschweifdngfen erlaubt; ohne je iü das trockene 
Döciren zu gerathen, hat Scaliger hier in williger Her- 
ablas8u,ng Elementarunterricht' ertheilt mit jenem gewich- 
tigen und klaren Ernst, wie er dem höheren Alter eigen 
wird, wenn es nach gethanem letzten Sehritt die volle 
Scideütung des ersten sich vergegenwärtigt. 

An seinem fünfundseehszigsten Geburtslage, dem 
5. August 1604, beendigte er das Manuscript der Canones, 
des Schlusstheiles des ganzen Thesaurus, nachdem der 
Druck de^t« Näheren Theile längst begonnen und ihm un- 
auihdrlichen: Aerger bereitet ha^e; Auch iin 'Zeitalter 
dir ' FoBanten war nicht jede Officiri alof Herstellung 
eines fiK)lehen Riesenbuches eingerichtet,: und Sealiger 
war an ein besonders ungeübtes Drudterpersunal ge- 
rathen; der ewigen Zögerungen müde und Alles daran 
setz^Eid, 'damit das Ganze noch beii 'Seinen Lebleiten 
-irgendwie. zu Stande komme, übefftmger die rersc^ie- 
denen Theile des Werks verschiedene Öffieinen zu 
gleichzeitigem Druck, und begnügte sich mit einer ein- 



10 r 

zigen eotreötür,' Wölchte natth^licli' das viele Grifeehiseh 
und dre vemtekeltectiZitMehtabellen sieht iil> gemügfenidi» 
Verfttssun^ «ietkett' konnte. Aid difaet im Sominev 1608 
die Frucht siebenjähriger Mfiben endlieh den Freunäen 
und der Welt dargeteieht wenden * Rollte, hatte ScaKg« 
eine ,angehieure t;^poth^tiiich'e'Calamitftt*'2u beklageil; mA 
matn^he eigene Uebetei}angen ein'^ttgiesteheiri Für äed 
Aag9(nblick suchte er nothdürftig bsu helfen durch Nach* 
tragen der dringendarten Vetbeilserüngefi; aber ^s' yivmt 
ihm ein drückendes Gefühl,' gerade isein Hauptwerk in 
so mangelhaftem Zustande hinterlassen zu sollen; Kaära 
waren also die Errata der ersten Ausgabe 4u» dei* Prdsae 
hervorgegangen« so legte er sshoni Hand an («ine neue 
Bearbeitung ^*), und mit jugendlicher Rüstigkeit voII>ei> 
dete er während der zwei ihm iidch beschiedenen Le>bebs>« 
jähre das Manuscript derselben ; ausisi^r der Bervcfatiguisk^ 
der begangenen Versehen wurden ' datin die Aifmta<i9er'' 
»iones um ein gutes Drittheil vermehrt, • und'isein' Liehf» 
lingsstüok, das* Olympiadenverzeichniss, rervoUstlündigt' 
Der' Herausgabe dieser zweiten ^Bearbestung' seihst 
vorstehen zu köimen, hatte, er irie gebp^. Grleieb naefa-^ 
dem er mit dem erstmaligen-: Erscheinen des Tbesaunis 
dafi^ Ziel seiner sbfariftstelleribcheh WirksieLmkeit'erreioHt 
sih, hielt ei* autsh sein Lebensziel f&rhaihe, uiiddbgleich 
weder Krankheit- noch- auffallende 'Altenaohwi/dhe ihn 
mahnte^ bereitete er . ) mit der ' > Siirgfait ' eines bühig 
SeHeidenden ' Alles : z^ucm : iAutbrvuih von' Geged' * i Ende 
des Jihres 1607 entwwf er :eS« «ndgiltigesJ Testamen*?^?), 
und verfugte . darin« ■ über - sein j . mütterliches • Erbgut i m 
Ounsten einer Scbtt^eeiterv^vonseihem Utterdrüscfceil^Nachi' 
läse überwieb er «die hand!90h^iftliohe"nea-e' Bearbeüang 
deis Tfaeiauitiis und Zusätze' KU i>8! «mmrfä^uom^/ MvuniKtR^ 
Catull zuverlAsÄigen iVeiinden kur« Heorausgajbei nbr'die 
Catullianischen Zusätze sind verloren oder noch irgend- 



102 

wo tevsteckt; dag Uebrige ist früher oder später g^^ 
druckt worden. Dag^en sollten alle unvollendeten Auf- 
$i^e und Papiere in der Leydener Bibliothek aufbewahrt 
und Nichts davon veröffentlicht werden — eine Bestim- 
mung, die Wohl hauptsächlich durch den Streit mit den 
Jesuiten veranlasst war und vernünftigerweise in einzelnen, 
leider nur zu wenigen, Fallen später übertreten wurde. 
Ausserdem waren noch seine näheren Frieunde jeder mit 
einem kleinen Andenken bedacht, wie er es aus keineswegs 
reichen Mitteln bieten konnte. ,Er wolle lieber — 
schreibt er an Casaubonus — sich wegen der Armselig- 
keit seines Testaments belachen lassen, als den eioes 
Biedermanns unwürdigen Schein erregen, im Leben den 
Tod vei^s^en zu haben.* Dieselbe ruhig ordnende Ab- 
schiedsstimmung zeigt sich in seinem ganzen Thun und 
Lassen, wäharend des letzten Jahres. Was ein weitver- 
zweigter Briefwechsel, * die strengeren wissensciiaftiBchen 
Arbeiten und die fortdauernde Polemik ihm von Müsse 
übrig liess, verwendete er auf Abschreiben orientalischer, 
besonders ■■ arabischer und persischer, Manuscripte und 
bestimmte die Copien der Leydner Bibliothek; er wollte 
der Nachwelt auch noch durch eine , Handarbeit^ nützed, 
für welche damals, b^ei der so geringen Verbreitung 
orieutalisöher Studien, hur sehr wenige taugliche Häicde 
zu finden waren. Längst hatte er so in jeder Rücksicht 
auf das Stidrbeil sich eingerichtet, als im October : I(>OS 
Anzeichen einer Krankheit eintraten, über deren Aus- 
gang er sich keinen Augenblick tauachte; die nächstfol* 
genden Monate litt er nur unter allgemeiner Unbehag* 
lichkeit, welche an leichteren Beschäftigungen nicht hin«- 
derte; eine verbessernde Durchsicht des Polybius konnte 
er noch vornehmen T^; gegen Ende, des Jahres. hatte sich 
eine Hydrc^sie entwickelt, und am 2L Januar 1609, um 



die vierte;, Morgßnstpndev e|itsch];UiBmerte ; er in den Ar- 
men seinea LiebUngsscbülers Daniel Heinsius. . 



In der Kraft des Mannesalters ward Scaliger von 
seinen Zeitgenossen als ein Höherer angestaunt, den sie 
niit ihren^ Maasstabe nicht messen dürften; auch seine 
Leb.en^neige und sein Sterbßn bilden eine Ausnahme von 
dem Schicksal, das im sechszehnten wie in anderen 
umwälzenden Jahrhundertein die verdientesten Männer 
betroffißu hat. Nur Wenige gelangten unversehrt an 
das Ziel.. Meistens war die Kraft untergegangen, das 
Gtoi^se klein geworden, lange noch bevor der Tod den 
Leib entseelte. Von solchem Schicksal blieben auch die 
Scaligern am nächsten stehenden Männer nicht verschont. 
Cujacius' Lebensabend ward durch häusliches und vater- 
ländisches Trübsal verdüstert; Henricus Stephanus war 
im Spital gc^torbe^; . als Muret des Goldßs und, der 
Ehren satt wurde, hat er durch Bigotterie seinem ver* 
waschenen Gemüth eine Farbe zu geben und seine Ju* 
gendsünden zu verdecken gesucht; Lipsius schleppte sein 
Greisenalvter Jb^in in einer entehrenden geistigen Knecht- 
schaft, die er aus Charakterschwäche g^uf sich geladen 
hatte; i:^nd den. Qasaubonus drückten zuletzt die schwe- 
ren, wenn auch, versill^erten Ketten des englischen 
Jacob I. Aber Nichts dergleichen, kein Abfall von -sicjh 
selber, kein von aussen her . überwältigendes Missgeschiok 
trübte Scaligers letzte Lebensjahre; nach allen Seiten 
gewähren, sie das,, selteite JBeispiel, dass ein grosser 
Mensch in edler Gesetzmässigkeit seine Laufbahn be* 
schliesst. An der Schwelle des siebzigsten Jahres ste- 
hend, schied er aus einem rastlos thätigen Leben mit fast 
ungeschwächter Körperkraft und mit einer Geistesklarheit, 
welche auch der letzte Augenbhck nicht verdunkelte; in 



104 

einer aufgewühlten Zeit, die für so Viele di6 * Grenz- 
zeichen des Guten und Schlechten verschüttete, hatte er 
sich vor jedem das Gemüth verwirrenden Fehltritt zu 
bewahren gewusst. Stets sich selber treu, in stolzer Ge- 
schlossenheit keiner Verlockung unterliegend und um 
Nichts, sich bewerbend, verlor er doch nie die kraftige 
tust am Dasein der Dinge und die Freude an der Ge- 
sellschaft gilter und bedeutender Menschen. Mochte 
seine äussere Lage, die ja zu keiner Zeit glSnzend ge- 
wesen, ist, zuweilen noch so schwierig werden — sein 
warmer Muih und die Fürsorge seiner Freunde hoben 
ihn über Alles hinweg, und nie trat an ihn die Noth in 
ihrer' nackten Gestalt 'heran, in welcher sie auch die 
Siolzesten zu bandigen versteht. Einer der Letztcfn aus 
dem Geschlecht, das im sechszehiiten Jalirhundert die 
Fahne europäischer Freiheit und Bildung erhöben hatte, 
musste er von Trauer und Zorn erfüllt werden; als die 
Verhälinisse der Staaten und der Wähn dir Einzelnen 
jene höhen Menschheitsgutei* auf das Spiril'eines gi^äss- 
liehen Entscheidungsk^pfes zu setzen drohten. Aber 
wie vieles er auch in seinen späteren Jahren 'beklagt, 
gescholten und geliassthat^^), nie hat er sich gleichgültig 
von der "Mitweli abgewendet; sein stolzer ün\^e wurde 
nie ejnsiedleriscli', und seih Hass blieb stets von ICälte 
irei; bis an seinö* Sterbestunde lebte er als Lebendiger, 
ih'eilnehmend an der Gegenwart 'wie sie nun geworden, 
äätei weit* ziirückschaüeiid iii die Vergangenheit,^ und 
getragen von aem Hochgefühl' einer Zukunft,* -Rir die er 
gearbeitet hatte und von der er seinen Lohn erwartete. 



l! L\'i' 



Belege^ 






Mit den Belegstellen bin ich im Folgenden so verfahren, dass sie 
nun vielleicht als eine kleine Anthologie aus Scaligers Briefen und den 
nicht streng gelehrten Partien seiner Schriften dienen können. Ab- 
sichtlich sind die Versstücke etwas reichlich eingestreut worden, weil 
unter Allem, was Scaliger geschrieben hat, seine metrischen Sachen 
jetzt am meisten vergessen sind, unverdienter Weise, selbst wenn 
Bentley's Lobspruch, der Scaliger a ven/ great poet nennt (app, ed. 
Ltps, p. 155), allgemeine Zustimmung nicht finden sollte. 



1. Abstammung und Geburtsjahr. 
(Zu SeU;e 31.) 

Für d,en allgemein verbreiteten Glauben an die Ver- 
wandtschafb mit den veronesischen della Seala lässt sich 
ein weder der Leichtgläubigkeit, noch, wie man sieht, 
eines übermässigen Wohlwollens verdächtiger Zeuge an- 
führen. Rabelais schreibt von Lyon 30. November 1532 an 
Salignac (bei Regis, Rabelais Bd. ü. S. XXXIX f.) : Nv^er re 
scwi ex Hüario Berthdphoy quo hie utor familiarüsime, te nescio 
quid ,moliri ofihersue calunmaa Hiercanymh Aleopdri, quem stufpi- 
caris sub pereona J^acHUi cuvus^am Sealigeri adves^sumie acripme^ 
Non pafior tedtutivs a^imi pendere atque hac tuck suspieiane /cdli* 
Nam Madiger, ipse Verfmmsiß est ex - üla \ Sccdigerorum exmdufh 
famüia, exstd, eH ipse; 0iine vero medicuin agit apud 4^g^imides'^ 
vir mihi hene notus od (la xov Jla BidoKifiQtc^'slir < Jau XQivv¥ 
diißoXog imtvoe, ms avvsXovti q>Avcti, ra (ihv iatQi%a ovn ävsnir 
atrifimv, taXXa Ss navtrj yteivtmg a^to^, obg ov% aXXog namots ovSslg. 
Eius lihrum nondum mdere crmHgU^ nee huc tot iam men- 
gUfus dehtum'^ eef ex^mpla¥'fMuni'^ aitfüs adeö^ mppressum puto ah 
iis qu( LuieHae hene t^it^ltok ^ Di^ im Text folgenden Pei*- 
äonalängaben über Jüliü^ und Joseph Scaliger h'At Letzterer 
selbst niitgetheltt in defr iti^t 1594 geditickten episiotd d^ ve^ 
fMtOe ii^lendore gäntis Scaligeräe (epiet ed, Äfhst 1627 p. 1-^58). 
Auf die dort (p» 50) angezeigte Geburts stunde? ist das Ha^ 
röskop gestellt,- welches sich p* 143 der ersten Ausgabe des 



lOS 

Manilius vom Jahre 1579 findet; es ist also Scaligers eigenes. 
In der zweiten, nach Veröflentlichung jener epistola, im Jahre 
1600 erschienen Ausgabe hat er es weggelassen. — Sein Ge- 
burtsjahr, sagt er (epp. p, 50^, sei ausgezeichnet gewesen ar- 
dentissimia (testibtis et vtndemia solibus exitsta, und Janus Rutger- 
sius hat dies Motiv zu einem recht artigen Epigramm ver- 
wendet, welches Scaligers chronologische Leistungen feiert (in 
Ueinsius' Leichenreden auf Scaliger p. 90): 

Cum primum iUuxit lasephus ScaUger orhi 
'' ik didicit teUus sidera posse pati, 
ObfiupuU Fhoebus, Vaieemtqusei currus et Aether, 
Qui lucem (dixit) conferat, edier erit 
• ' ^ 3!)mi pdtjet tk lumen ventuhiin Äofc invidet oetHe; 

.' • yJEaddenUki'ireptddflimniMiaramünu, 

. : ,; . Deflexiß curpfs^ dolui^^e itiaendia ^B^wtdusi 

jßt opeH damnvm sensit a^k^etajCer^^. 
Nunc qupque ne metuas, genitor radiate diei, 

üt possint soles sidera ferre duos, 
Non petit hie currus^ 'aedquos dum'nascifur iUe 
Nbn hene flectebäs iif*e docebit eijiuos, ' 
Von grösserem EinflaSs jedoch tils dfe ungewöhnliche 
Hitse war ^u£ Scaligers Leben ein anderes £reignis8 seines Qe^ 
bftrljsjahrs 1540, nämlich die Bestätigung des Jesuitenordens 
durch Pap«t PatÜ HI. Soiiderbai<^6i^ Weike miicht auch sein 
Tt)dtflj«br 1609 in. der Öisiensgeschicfrte Epoche durch die 
Seiigsprechuiig des Ignatius. 

,, . . 2. Buchaaaip^ 

,.. (ZinS.3U) / 

,. ^.Es ,g^ei<^t den. Schotten mpht zur Ehre, dass sie 
i^ pc^org ,$uch8nanyj i)>iiem al^^. .9istofi]^m PQUtijker.ua^ 
HjUm^isjt gjjeichsehr, vor^treflich^, Li^pdspawwii: »o^h. imi^ißr 
niphjK,* den. ^^ejp^i^u'^d^n. LoJtm ß^^fJ^ fw^digen Besehreibung 
^^iies, vieljb^iir^gl^en L^ep«. ^ntriphte^t J^abi^. Jbxx naiph seiiier 
I]^jis^onflgri^hi^fhen«>ui>d. ij^ ßedeirtuijg wj , .zeichiw», 

]»»iL. in etgter.AfHQerkiUDgnichl^ einmal .v|e;r9W^bt ;nnd die Ver- 



109 

theidigung seines Charakters nach poli^scher Seite darf um so 
fuglicher unterlassen werden, da seit Mignet's Buch über Maria 
Stuart wohl Niemand mehr die hergebrachten Beschuldigungen 
erheben wird. Als Humanist vereinigt er caledonische Gedie- 
genheit mit der Grazie der Franzosen, unter denen er sei«ie 
Bildungsjahre verlebte. Seine lateinischen Dichtungen wurden 
von dem einstimmigen Urtheil des Zeitalters hoch über alle 
italienischen Leistungen auf diesem Felde gestellt, denen sie 
an Formgewandtheit gleich und an poetischem Mark überlegen 
sind. In der That lesen sich die oft sehr ausgelassenen Ele- 
gien und Jamben wie wenn ihr Verfasser das Latein als 
Muttersprache gelernt hätte, und diese Stücke bewähren seinen 
Dichterberuf für alle Zeiten. Auf das sechszehnte Jahrhundert 
jedoch wirkte vorzüglich seine Uebertragung der Psalmen in 
klassische Metra; denn sie lieferte ein anschauliches und all- 
gemein zugängliches Beispiel jener Vereinigung von honae lit- 
terae und res sacrae, auf welche das Streben aller ernsten 
Männer unter den Reformirten damals gerichtet war. Als 
schöner Ausdruck solcher Gesinnung wird diese Nachdichtung 
der Davidischen Gesänge auch immer Anerkennung finden, 
wenngleich sich nicht leugnen lässt, dass die, gerade in den 
Psalmen sehr gelungene, prosaische Vulgata ganz anders als 
Buchanan's sapphische und alcäische Strophen das Gemüth 
trifft, und obgleich wahr bleibt, was neulich ein geistreicher 
Mann behauptet hat, dass alle versificirten Psalmen eben nur 
verdorbene Psalmen seien. — Wie Scaliger über Buchanan 
dachte, sieht man aus Soaligerana I, s. v.: Buchananus unus est 
in tota Europa omnes post se relinquens in latina poesi, und aus 
dem Epitaph, welches auch seine staatsmännischeü Verdienste 
kurz berührt (poefnatay ed. Scriver. p, 104^: 

Posiquam laude tua patriam, meriiis^ beasH, 

Buchanane, tuis Solis tUrumque hthu: 
Contemtis opibus, spreUe popularibua auris, 

Ventoeaeque fitgax ambUionis, ohis; 

8 



HO 

Praemia quina quater Fiseae functus oUvae 

Et linquem animi pignora rara tut: 
In quihus haud tibi se ante/erent quos Itala vates 

Terra dedit; nee quos Gallia mater alit 
Aequahunt genium felicis carminis et quae 

Orbis habet famae conacia signa tua^, 
Namque ad supremum perducta poetica cuhnen 

In te staty nee quo progedkitur habet. 
Imperii fiierat Romani Scotia linier: 

Romani eloquii Scotia ßnia erit. 

3. Metrik. 
(Zu S. 32.) 
Bentley's (Menand, p, 67^ mit vorsichtiger Relativität 
ausgesprochenes Lob: Nemo in arte, metrica Scaligero perU 
tior gilt ohne Ausnahme für Scaligers Verhältniss zu Vor- 
gangem und Nachfolgern bis auf Bentley; unter den 
Zeitgenossen hätte vielleicht Wilh. Canter auf einen höheren 
Platz Anspruch. Dass Scaliger bei alledem von vielen damals 
eingewurzelten metrischen Iirthiimern nicht frei ist, wusste Nie- 
mand so gut wie Bentley; an zwei Stellen hebt er (opp> ed. 
Lips. p. 225^ 474) es hervor, dass Scaligern so Sehr wie dem 
Buchanan und Grotius die Continuität der anapästischen Sy- 
steme unbekannt war. — Nicht minder vorsichtig ist Lob und 
Tadel abgewogen in RitschPs (praef, in Plauti Persam p, XIII) 
Aeusserung: maior in Scaligero recentioris fuit quam veteris artis 
metricae latinae peritia, 

4. Stil 
(Zu S. 32.) 
. -Seine stilistischen Grundsätze hat Scaliger in Jamben 
(poentatt, ed. Scriv, p. IdJ ausgesprochen, welche er dem 
Daniel Heinsius ins Stammbuch schrieb. Sie gehören, 
besonders in dem Schlusstheil, zu dem Besten, was er in die- 
ser Art gemacht hat, und die von Scioppius (Scalig. hypoholim. 
p. 202^ aufgestöberten Reminiscenzen aus Seneca thun ihrem 
Werthe keinen Abbruch: 



111 

De stilo et chaxactere. 

SentenÜarum quum supellex hiäa sU, 
Sermania ingem sit polUi copia 
Penes Latinos, quas vetustas aurea 
Catos magistros ehquentiae extuUtj 
5 Quorum e sctUebris hauriendum sU tibi 
Verborum acumen, di8«erendi amoenitas: 
Quid est, hquendi quod runmm modum ac ffenus 
Incude ioUe» fabvicaa iuatäHf 
Rerum magister et tyrannus omnium 
10 Sermonis u&us arüfex vemctcuU est, 
Ojui tot loquelae, quot suas, rotat vice», 
At dictionis splendidae perUiam 
Latus Uhrorum conditam in sacrariis 
Non sandft usus, sed vetusta auctoritas 
15 Virum Laiinae principum eloquenüae, 
Sed insolens hunc raneidi Situs sapor, 
ütut loquaiur, irwidentem ifUeüigi, 
Morosittuque paseit insani stUi 
Promens ab ima verba casca origine 
20 Vix vel Cethegis gnara cinctutis prius. 
Diversus alius bMo ab hoc flsctens iter, 
Inusitata dum timet, sordes amat. 
Et nie totus pdUs et totus macror, 
Arena calcem non Habens, nugae merae, 
25 Inanitaie plenus et satur fame 
leiuna verba tümit exüi sono. 
Pruritus alium tangit urticae novae, 
Licenter audax et procul tralaiio. 
Teporis tue et lentitudinis metu 
30 Profundit acer entheato spiritu 
InfUxta verba rore non Achaico. 
Stolide faceta dudt hunc vemüitas 
Linguale elegantis perperam affedans sales» 
Alius hquendi Jigere ignarus modum 
35 Orationem admittit extra terminos, 
Quem non habenis Circus effusis capit, 
Sic incolendi perdit omnem gratiam 
In lasitatem ruris excurrens domus, 

8' 



112 

Offendit alios planitas aequahUis 
40 QuamjGciesar olim, quam colebat TuUiwi: 

Constriciae in arctum quoa iuvarU argtUiae, 

QucLe per salebras saUitarU non ambulant. 

Et dum legeniis haeret exepedatio, 

Intelligendum quam legmdum plus ferunt. 
45 Quae deUcata vuU morari lumina 

Ei linquere anmis quod reportetur domum, 

Sit succulenta, non obesa oratio, 

lüustris, apia, nobüis, eeae efferen» 

Non mole camia aed iorosis artubus. 
50 Sermonia ista sanUae ut corporis; 

Non Sana iantum metnbra verum aUi^ria. 

Sit aureorum luce verborum Uta, 

Sit compta naiiva indole et non squalidae 

Antiquitatis obsokta sord^ms. 
55 Sic cuncta variet, constet ut simiUs sibi: 

SimUis sibi sie constet ut varie iuvet. 

Quem pasdt a/ddum masculi succus stili 

Semper recente postulat refid dape. 

Et audiendo vel hgendo frivola, 
60 Conviva ianquam languido stomac/io oscitans 

Si nil iacentem recreaverit famem, 

Risum in qutbusdam, somnum in aliis vix tenet, 

17 invidentem intelligi] Senec, ep. 114, 4: «t [MateenagJ non vitasset itiUUigi. 

22 Vid. Senec. Und, 13 : Qttidam contra dum niMl nigi trihtm et untatum vokint, in 

sordes ineidunt. 
24 Arena ealeem non habensj Sueton, CaUg. 53 : Senecam. , . arenam «ts« sine eaiee 

[dixit Caligula.] 
81 Vid. Virgil. Catak VII, 1 .* Ite kine, inanet rhetorum manipli, Injlata rore non 

Ächaieo iurba. 

38 Vid. Senee. ep. 114, 9; in ipeas domue impenditur eura, ut in laxitatem rurii er- 
currant. 

39 Dass von hier an vorzüglich Lipsius und seine Nachahmer gemeint sind, un- 
terliegt keinem Zweifel, and ^ese Eine Randbemerkung ^8 Sciopphis ist rich- 
tig. Die anderen, tu V, 16, wo er Palmeritu, und tu V. 34, wo er Douxa 
Pater an den Rand schreibt, sind unsicher, und die letctere noch obendrein 
malitiös, da Douza ein intimer Freund Scaligers war. 

44 Vid. Senee. ibid. 1 : abruptae tentenüae et suspicioeae, in quibue plus intelUgen- 
dum esset ftusm audiendum. 



113 

5, Julius Scaliger. 
(ZuS..33.) 
Keine von den vielen Wunderlichkeiten seines Vaters 
war Joseph Scaligem unangenehmer, als die ungeschickte 
Petulanz, mit der er auf Erasmus, wegen dessen unver- 
gleichlich feinen Dialog Ciceronianus , losgefahren war in 
zwei Invectiv - Reden, die von Maussacus zusammen mit dem 
Erasmischen Dialog herausgegeben sind (Tolosae 1621. 4). Jo- 
seph that alles Mögliche, um die Verbreitung besonders der 
zweiten Rede zu hindern und sagt rundheraus in Scaligercma JL 
(s, V, Erasme): Man Pere aMaqua Erasme en soldat, Depuis^ apres 
avoir estudii^ ü vit qu' Erasme estoit un yrand personnage, Peut- 
esire man Pere n'aoait pas leu ou n'entendoit pas Erasme . . '. . . . 
Encore que man Pere ait escrit contre Erasme^ si fais je grand 

cos c^ Erasme^ c^estoü im grand homme poeniimt pair&n ad" 

versus älum scripsisse; ü vit sa faiite. — üeber die Poetik, 
Julius Scaligers bekanntestes und am nächsten die Philologie 
berührendes Werk, wird man Lessings (Anonym, d. Nevelet 
§ 3) Worte unterschreiben müssen, dass es ,eben so viel 
scharfe und gesunde, als schiefe und abgeschmackte Ürtheile' 
enthalte; die letzteren entspringen vorzüglich aus verkehrter 
Vorliebe ftir das Rhetorische und Pointirte. Nicht blps dem 
Virgil giebt er die Palme vor allen griechischen Dichtern, 
sondern er setzt auch den Verfasser des, immerhin sehr lieb- 
lichen, Gedichts von Hero und Leander weit über den Homer, 
obendrein in dem festen Vertrauen, jener Musäus sei der ur- 
alte Zeitgenosse des Orpheus (Poetic. l F. c. 2), In Bezug 
hierauf sagt Joseph in Scaligerana 11. /.». v. Musaeus): Mm 
Pere a plus faU d'estai de Musaeus qu^ü ne /cUlait; ü le prefere 
ä Homere, 11 ne s'eniendoit pas bien ä la ppesie Grecqm^ xmd in 
dem an Salmasius gerichteten Ueberblick der griecbiscfi^n Llt- 
teratur (epp p. b3l): Parcior et casOgatior quidem Musaeus sed 
qui, cum ülorum veterum /rugalitate comporjotuSf prodigus videaif^. 
Neque in hoc sequhnur optitni parenHs nostri iudidum, qttem acun 



114 

mina iUa et flores declamatorii Ha ceperunt, ut tum dubUarU eum 
Homero profi/erre, — Den lateinischen Versen Julius Scaligers 
m^rkt man, trotz manchmal hervorbrechenden Feuers, doch 
sehr an, dass sie als regelmässige Pensa producirt worden; 
ein Paar Monate vor seinem Tode schreibt er (Ttdii Scaligeri 
epütolae^ Hanoviae, 1603, 12*"*' p. 230^.' ülud fortasse non muUis 
[mecum commtme]^ vespere post expedita diuma negoiia ud sexa- 
ginta versus commentum esse, demde coenasse etc.y und Joseph (epp, 
p* 43J erzählt, nicht ohne einen Anflug gutmüthiger Ironie: 
^iwties arihrUis ei usum scrihenJi adimebat, tunc, ut JEnnius lo- 
quüur, poetabatur, et quotcunqiie versus noctu conceperaty Tnane si 
per frequetUiam eorum, qui illum constdebant aut officii caussa in- 
visebant, liceret^ svfi owtem, vespere postquam omnis turba Ula di- 
lapsa esset dictabat Ac tanta erat memoriae felicitas etiam in ex- 
tvema sjenectutey ut ducentos versus in Vivestano praedio mihi dt- 
ctaritj . quos die priore conceptos propter visüatorum officium recir 
tare distulerat — Den vortheilhaftesten Eindruck unter allen 
seinen Werken machen die Arbeiten über Aristoteles und 
das in engem Anschluss an die Peripatetiker philosophirende 
Buch De SubtÜitate^ aus welchem der nichtsverachtende Leibnitz 
Einiges bilhgend anführt, z. B. in den jüngst veröffentlichten 
Bemerkungei^ über Spinoza (p. 36) : memini luL Scaligerum dt- 
cere res produci non ex potentta passiva materiae sed ex potentla 
activa. Dei, Et hoc ego de formis affirmo dctivis vel entelecUis, 
Diess bezieht sich auf de subtüiU VI, 5, welches Capitel Leib- 
nitz auch sonst (Philosophie Chinoise § XIIL) bespricht. 

6. Naturwissenschaften. 
(Zu S. 33.) 
Scaligers anatomische Kenntnisse treten besonders hervor 
in den Anmerkungen zu Hippokrates' Schrift nt^l HttpoX^g 
xQtopbitwv, Dass er das Naturahencabinet seines Vaters nicht 
unbenutzt Hess, beweist Qmiectan. p. 36 (Varroed, Steph. 1581J.* 
Ifbs tidimw apud pairem noatmm ^nBlstov hippocampi admodum 



115 

eieganiem (sio) neque %8 exc^bat irtenkdem magnUitdinem^ cum od dih 
dranialem pervenire velint qmdom. — Noch öiter geht ep auf bo* 
tanische Untersuchungen ein, z. B. in der Schrift über Pa* 
pyrus (opusce. p, 1 — 52), in Briefen an Vertunianus (epp^ 
p. 103 — 127), und in einer grösseren Abhandlung über ctüous 
und nardus nach Plinias {XXI, 6), welche in die Secdifferana L 
3. V. Croeua aufgenommen ist. Mit denselben Pflanzen besehäf- 
tigt sich eine sehr umfangreiche Anmerkung zu Pi^operz F, 74, 
schon in der ersten Ausgabe p. 241 ; sie machte ein solches 
Aufsehen, dass Scioppius, dreissig Jahre darauf, einen zünf- 
tigen Botaniker anstiftete, sie in einer besonderen 6ehrift 
(loarmis Bamberffensis mecUci Romani de nardo et epiänymo ädoer* 
8US lüsephum Scdtigerum) zu widerlegen ; der Botaniker hat aber 
wohl nur das Material geliefert; in der Abfeussuag erkaint man 
die unveikennbare Feder des Scioppius, zu desseü Scaliger 
hypobolimaeue die Schrift den Anhang bildet. — » Den Aerzten, 
welche Scaliger in seiner letzten Krankheit behandelten, wur- 
den seine medicinischen und botanischen Kenntnisse zuweilen 
lästig; Daniel Heinsias erzählt es in dem Briefb Üb6r isemen 
Tod, welcher der Briefisammlung angehängt ist ^.832): iüi 
guibus commiasa scdus ekis erat nihil esse difficüiue quam vir^tam 
muUarum rerum gnaro aUquid praeecribere nan eemd inter 8e4Mm^ 
querebantur. JSfiam praeterquam quad et nomina J^erba^rum et tiree 
ex'/requenti x&v ^lotofitov lectione ad ttnguem didioerat, €ipiime de 
m&rbo euo iudioabat 

7. Selbstschilderung. 
{Zu S. 34.) 

Scaligers Selbstschilderung stammt aus seinem vieroadfitnf^ 
zigsten Lebensjahre (1594) und steht am Schlnss der Sj'107 
erwähnten epistola de vetustate gentis Scaligerae; sie ist so be* 
zeichnend für den Mann und ward ihm von Gegnern so 
oft als Beweis unbändiger Prahlsucht voi^haHen, dass ihi^ 
Mittheilung hier nicht umgangen werden darf f<^p. p. 56): Et 
pro/ecto Beo Optima Maxmo gratias ago quod virtue quidem 



116 

inimicos mihi pep&rit sed eadem lange fdures amicos quaeswiL Toi 
enim egr^i gmere, moribus, litteris omnium ordinum viri ntps 
antänij ui horum genetis humani retritnenhrum raüo nobis habenda 
non eit Conveniant omnes furiosi, sophistae, arefahgi et operaa 
mukuu sibi tradant Ne minimam quid^m partem eorum praestf- 
terini, quae präestitirnus ipsi; et sudabunt pius eaHe» Quid mihi 
ohücere poeguni praeter virtutem, quam tkon habentf NobüHms nch 
tales.suos ioetanHbus htibemus quam nibOeiamus tfetuetatem generis 
miäe ei dücentorttm annorumy eamque nuUis fabtiÜB t^ff^tatam sed 
audaritatidus anüquorum monümentörum aesertäm. LiteraHe ei in 
atiqüibus probam me aiiquid scire, culpa vaco si in alüe idem non 
praeetiii; et quie hoc sibi promittere patestf De moribus etiam 
inimicos meos • iudices /ero. Nullius mihi conscius sum, cmus me 
apttd homines pudere debeaX, neque quod aut ejMimaiionem sini- 
ström posteriiati aut corpus effoetum tradat senedAti; cum conti' 
neniia anteadae vitae ad hanc usque aetatem eam artuum et mem- 
brorum firmOudmem mihi asseruertt^ qua nee meliorem iumorea 
opta/re possunt Begibus, princ^xbus et proceribue noH eumus, Qa- 
rissuni et iUusirissimi sumus, Literairvm amantissimi sumus^ Ab 
omni\ ambükme et invidia remoii sumus. Mendacium tarn 
a natura quam a patris instituto*) capitaliter odimus, Rum-- 
patur invidia. Non possumus esse dissimiles nostri. Omnes 
uUmici nostri tirtutem non vitium in nobis hactenus insectati sunt 
Eequaenam feHdtas hmc par esse potestt Man wird bei Beur- 
theilung dieser Stelle ihren wesentlich polemischen Zusammen^ 
hang nicht ausser Acht lassen dürfen. Das rückhaltlose 
SelbsÜob ist hier nur eine, allerdings nicht für Jedermann an- 
wendbare und vielleicht £ur Niemanden gerathene Form, um 
die vollständigste Verachtung der Gegner auszudrücken. ,£ia 
billiger Leser — meint Bentley (opp, p, 143) — wird der- 
gleichen Ausbrüche von Hitze und Leidenschaft verzeihen und 
sagen: Sume superbiam quaesitam meritis (Hör, Od, III^ 30^ 14j.* 



*) Epp, p. 4S: Numquam memini nos pueros coram eo sisti quin 
primwin iüud praecq>tum inctUcaret: Non mentiri. 



UT 

8. Personalien. 
(Zu S, 34.) 
Eine Beschreibung von Scaligers körperlicher Constitution 
bat i. J. 1576 sein Freund Vertunianus, ein gelehrter Arzt, 
aufgezeichnet und in die SccUigerana L s, v. Seidiger aufge- 
nommen. Nach einigen, für Aerzte vielleicht interessanten, Be- 
merkungen über ungewöhnliche Fiebererscheinungen, welche 
Vertunianus an ihm beobachtete, heisst es dort: Ä prima pue- 
riiia ad vigesimum us(fue armum singvliß noctibus insomniis 
igniüs /ulffurum adeo vexobatur ut saepissime excüaretur ex in- 
samnii vehementia, adeo ut pater et maier iUius vererentur maxime 
ne in tpQivlxUia incideret Quin et media de nocte expergefacto 
tanto splendore micabant octdi ut posset sine lumine et spondaa 
lecti videre et maiusculis litteris scripta legere, quod et patri luL 
Caes. Scaligero mülies accidisse ait*) .... Hoc amplius ah eo 
didid, ei a puero ad patris ttsqtte mortem, quae conOgit ülo 1 8 OMt 
19 annum agente*'), fluxam lubricamque alvum fuisse, ab eo 
vero tempore, c^Jm per 18 dies nihil ipsa reddidisset ob in^ 
gentem moerorem, semper adstrictam fuisse, ab eodemque tem- 
pore non nisi aquas et flumina in somnis [wohl : aomnüs] ha- 
buisse, Caeterfim ut ei provectior aetas multa incommoda ita et 
nonnuUa commoda attulit* Incommoda sunt varii morbi et rheu- 
mata, quibus prius obnoxius non fuerat, et minus prompiaßrmaque 
memoria; haec vero commoda: sedatum ingenium c^im temperantia 
ac continentia, non quod ita natus sit, sed religionis et pietatis 
ergoj item amor incredibilis religionis et litter arum: nam certe ze- 
lus domus Dei ipsum comedit, et nunquam studendo defatigatur, 



. *) Vergl. epp, p, 45 : Oeu^ fuit (luUus Seal.) caeruleia düutioribuey 
quibus interdum nodu viddtat, ut in crepusculo solemus, quod et mihi ooi^ 
tigit a pueriUa ad vicesimum tertium annum. Zahh'eiche Beispiele dersel- 
ben Erscheinung aus alter und neuer Zeit hat Scaliger selbst in der 
confutatio fabulae Burdonum, opuscc.p, 195 und Fabricius zu Sextus Enipiri- 
cus |7. 14 gesammelt. 

*•) Jul, Scaliger starb am 21. October 1558 s. epp. p. 47; Joseph 
stand also im Anfang seines 19. Jahres. 



IIS 

quinimo a atudiis redit eemper (dacrior^ maxime vero a tods d^i'- 
cüiorihusy a quibus nunquam qffenditur, BeligiOy inquam^ et Musae 
duo sunt illius amares. Hoc anno Domini 1576 agii ille annum 
aetoHs 36. — In Frankreich ging er oft auf die Jagd, wie er 
selbst erzählt in der 1578 erschienenen Pseudonymen epistola 
Vincentii p, 8 ; meliorem partem otii literis impendii, ita tarnen tU 
non raro venatu exerceat se, und Ruhnken freute sich, seine 
eigene Jagdliebhaberei durch eine so glänzende philologische 
Parallele belegen zu können (Wyttenh. opp. I^ 785^. — Für 
einen etwaigen neuen Herausgeber des Jöcher'schen Lexikons 
sei hier noch bemerkt, dass Scaliger ein leidenschaftlicher Me- 
lonenesser gewesen zu sein scheint nach seinen Worten in Ca- 
talecta ed. Lindenbr. p» 286/ Melo non est meto noster^ praestan- 
tissimus fructiiSy qui veteribus omnino ignotus /uit. Nam melones 
veterum sunt in genertbus cucumerum et onerosos stomackö scrtbit 
Flinius. Ni/iil eorum quae veteribus [leg,: veter es tribuuntj 
melonibus et peponibus suis convenit melonibus nostris, quüms et 
omnis ambrosia et nectar cedat licet, — Schliesslich darf die 
Schilderung nicht übergangen werden, welche Daniel Heinsins 
von seiner äusseren Erscheinung in der späteren holländischen 
Zeit entwirft (in dem S. 115 angefahrten Briefe j». 842): For- 
ma eximia fuit nisi quod collapsa tempora ac cava saepe materiem 
iocandi Uli darent. Statura non tam alta ac procera quam rhedio- 
cri ac hahiliy quod non nisi ex astantis alicuius qui procerus esset 
comparatione deprehenddxitur, Oculis sagacibus^ et qui illum animi 
vigorem prae se ferrent, acutis autem adeo ut vel minimos quosque 
ductuSy minima quaeque ac morosissima Orientis puncta atque apices, 
qui.... aut qffendunt vehementer oculos out /ugiunt, ad mortem uS' 
que assequeretur. Mundiciarum in cultu summam semper rationem 
habuit, ab omni illuvie et squallore ad supremam vsque aetatem 
cdienissimus^ ut ne sordem quidem ullam aut capillum eminentem 
/erret, Barbam in Bataoia sub senectutem tantum aluit; quae et re- 
Hqua non pairum commendabaL Nam in Gallia, quod optime amici 
eius meminerunty strictius tondebat; iaterim et radebatur. Valetudine 



119 

Jkaud parun* fitmn eüam hio ^isus es^ nisi quod de duritate alvi ac 
morosUate saepius conquerereßur, ui non äliam morüß tibi causam 
fore apud me non eemel ouffurcOus sit. Interdum ccftourho, nonnun: 
quam et dolore coli tentabatwr. Benies, cum cetera constarent, ra^ 
TOS habuit, aliquamdiu ante obitum prope nullos; ut panem sili- 
gneumy quo solo uH cogebatur, aegre eonßceret, interdum viip confer 
ctum in stomachum demitteret Sobrietatem et abstinentiam in eictu, 
quo cum amicis exquisUo sed frugali utebatuir, ■ solus cum esset nir 
miam plerumque adhtbuit; ut in coena saepissime postquam diem 
integrum in studiis fuisset, quod inprimis in conficiendo nobilissimo 
Inscriptionum Indice evenisse Uli saepius recordor, nihil praeter 
paucas passulas et exiguum diluti gustaret, plenmque Batavorum 
aqua tenuiier cum ß-ugibus eocta ex more huius populi contentus; 
quod non duinto quin siomacho senili, hominis praesertim Galli, 
plurimum nocueriU 

9. Studien zu Paris. 
(Zu S. 35.) 

Die Notizen über seine Pariser Studien hai Scaliger $elb3t 
(^, p. b\) gegeben. — Beendigung des Homer in drei Wei- 
chen ist dem Bischof Hueüus (commentarius de rehus ad eum 
pertmentibus, Amstd. 1718 p^ 38) als ein inane ScaUgeranae osten- 
Ustionis ^pecimen erschienen, jedoch nur desshalb,. weil ihn), d«m 
Huetius, ein ähnliches Experiment misslang. Bescheidener sagt 
Gibbon (life, hy Mibnan jp. 96 ed, Ba/udry) : ,Scaliger durchlief 
die Oias in einundzwanzig Tagen, und ich war mit lAeinem 
Fleiss zufrieden, als ich in einer gleichen Anzahl .von Wochen 
dasselbe zu Stande brachte.^ — Eine eingehende Leetüre der 
drei griechischen Tragiker fällt auch schon in. diese frühe Pa- 
riser Zeit, Scaligerana IL s. v, Sophock: Lorsque favois . 18 
ou 20 ans, foDois fort bien leu mes trois Tragiqves. — Dagegea 
Vksst sich weder aus diesen noch aus späteren Jiüu*en ein erpstes 
Stadium des Plato nachweisen. Die von Scaliger selbst immer 
mit besonderer Sorgfalt angekgtea Stellenregister ergeben das 



IfiO 

Resultat, dass in allen seinen Schlitten xuaamoiengeaommen 
nicht über zwanzig platonische Citate anzutreffen > sind, und 
diese immer nur aus den kleineren Dialogen oder aus deai 
Gastmal, Tlmaus und den Gesetzen ; von den Gesetzen gesteht 
er überdiess zu Easebius N, 765, dass ,es lange her sei« seit« 
dem er sie gelesen'; und aus <^. p, 577 ist zu erke&nen, dass 
er in der Abneigung gegen philosophische Speculation Nie- 
buhrn wenig nachgab. 

10. Uebersetzungen, 
(Zu S. 35.) 

Die Uebersetzungen in das Griechische « sind gesammelt 
als Abtheilung der oben S. 18 erwähnten Poemaia omnia mit 
dem Separattitel Jos. Scaliyeri Jul, Caes, F, Poemata Graeca versa 
ex Lot, Jtal, et OalL Petrus Scrwerius publicabat, LB. 1615. 
Darunter finden sich Stücke aus Horaz und den drei f^iegikem 
mit den Jahreszahlen 1561 — 1565 bezeichnet. Der grössere 
Theil der Sammlung fallt jedoch in die spätere Leydner Zeit. 
Die Auswahl aus Martial, in welcher do la Monnoye (zu den 
Menagiana IIL p, 227 — 241 ed, Ämst, 1716) einzelne Versehen 
aufgezeigt hat, ist eine Frucht schlafloser Nächte seines Greisen- 
alters. In der besten Stimmung verfasst und > am meisten voll- 
endet scheinen die Uebersetzungen der CatonischeA Disdchea 
und der Sentenzen des Publius Syrus. — Auf die griechische 
Sammlung folgen dann bei Scriverius mit ähnlichem Separat* 
eitel: Poemata Latina versa e Graeco, worunter die Uebersetzun- 
gen der orphischen Hymnen und des Lykophron jetzt die be-^ 
kanntesten sind. Die erstere liegt uns noch ganz in dem Zu- 
stande vor, wie sie von Scaliger in. frühen Jüngling^jaht*en in- 
nerhalb fünf Tagen hingeworfen wurde; er nennt sie selbst in 
einem Briefe an Casaubonus (epp, p. 179) ein mendom»^ opus. 
Dagegen hat er den Lykophron, welcher zuerst hinter Canter'S 
Ausgabe des griechischen Textes (Basel 1566) erschien., von 



m 

Neuan filr die Ausgabe des Meursuis (lÄ 1597; durchgesehen. 
Ein Paar begrfiddete Ausstellungen gegen willkührhche Wörter- 
bildung und Wörtergebrauch in dieser üebersetzung inacht 
Scioppius (Scalig. hypobol p. 200); vergl. ßitschl zu Plautus* 
Mercator v. 690. — Heber Gebühr vergessen ist heutzutage 
die üebersetzung des sophokleischen Aias, die Scaliger zuerst 
1574 als Anhang zu den Gedichten seines Vaters erscheinen 
Hess. Wie viel er sich damals gerade mit dieser Arbeit wusste, 
erbellt aus ScaligercMa L (s, v, NuUus): Nullius est in tota Gallia 
qüi versioni» meae styU Sophoelensis ittdieium ferre possit; adeo 
infeUces sumus; nulhas enim hodie studet; unum Aurctkmi excipio. 
Kleinlauter klingt die, wohl um dreissig Jahre spätere, Aeusse* 
rung in Scaligerana IL (s, v. Mutet): qm Mutet a mesdtt de 
mon Aiax Lorariusf il ^en est tant mocque; <festoit vn grand 
komme; il favi bien quil y ait veu quelque chose que je vCy aipas 
veu. Wahrscheinlich fand Muret an Scaligers Verwendung der 
aMateinischen Wörter Manches auszusetzen, obgleich sie im 
Aias viel massiger imd besonnener ist, als im Orpheus und 
Lykophron. Die in gleichem archaisirenden Ton gehaltene 
Üebersetzung der Eumeniden des Aeschylus, welche unter dem 
Titel Dirae dem Florens Christianus zugesandt worden (^. p, 
136), konnte Casauboniis, als er Scaligers kleine Schriften 
sammelte (praef, in opp. SoaL p. 16 ed» Francf.)^ schon nicht 
mehr auMnden. Da von dem Aias sicherlich dasselbe gilt, 
was für die Eumeniden ausdrücklich gesagt wird {epp.p. 136): 
si quaedäm ^ pcmoa is^o sunt — inveneris quae tun videantur a 
Qraeoa iectiane dissentirey scito ex nostra correctione id esse, so 
wäre es wohl der Mühe werth, dass Herausgeber des sopho-« 
kleischen Stackes aus Scaligers Latein die von ihm befolgten^, 
griechischeä Lesarten zu ermittlen suchten. Ausser diesem kri- 
tischen Nutzen hat aber der Aias und die anderen gleichartigen 
Arbeiten noch den allgemeinen Werth, das« sie über Sprach- 
niittel und' Wirkung des poetischeii Altlatein» einen zusftmm'en'-^ 
hängendem Ueberblick gew&hren, als sich aus vereinzelter Be^^> 



122 

trachtung der überlieferten Diehterfragmente gewinnen lässt. -- 
Uebersetzungen in lateinische Prosa liegen nicht vor; ob Da- 
niel Ileinsius (aratt, p. 49 ed. LB. 1627), der von Scaliger sagt: 
Hippoeratis apkorismos imitaius Cehum in Latinum canwrtit ser- 
mün0m. Gedrucktes oder Handschriftliches im Auge habe, muss 
Ich weiterer Nachforschung überlassen. 

11. Zu S. 35. 

Die Wendung: »Verwegenheit des Lernens* gebrauche 
Daniel Uelnsius in der Dedication der Leichenreden auf 
Soallger: Nemo tanta vel diacendi audacia umquam exHtU ai 
(am multa tentaret^ vel felicitaie ut cum simul plurima aperareiy 
plu» coneequeretur quam optaseet. 

12. Postellus. Orientalische Studien. 
(Zu S. 35.) 

Colomesius (opp, ed. Fabric, p, 59) hat Nachrichten über 
den närrisch oonsequenten Ketzer Postellus zu^ammenge- 
Htellt« In seiner eifrigen Lerubegierde Hess sich Scaliger so- 
gar die Stuben« und Bettgenossenschaft dieses Menschen ge- 
fallen (epp, p. 706; Scaligerana L s, v. lingua). Bei aller Achf 
tung voc. seinem orientalischen Wissen erklärt er ihn jedoch 
fflr recht eigentlich verrückt in der Schilderung Scaligera/na L 
a, V,: Postellus excellens philosophue, cosmographua, mathematicua, 
hiatoricua, atultua, linguarum non ignarua, aed nullius ad unguem 
periiua, Invideo tili Arabicam linguam, und noch deutlicher in 
Soaligerana IL a. f>,: Poatellum S^frua dotmt^ neminem vidi qm 
Poatello melius acriberet (at/riacef); fuüt vere atultua, nam aliogui 
ßidaaei comhuatua; il couroü lea ruea, Fecit Ubrum debere fmwnaa 
per femmam aahaiti ut viroa per Chriatum. -- In Leyden hat 
Scaliger noch als Sechzigjahriger unter Anleitung eines getauf- 
ten Juden, Philipp Ferdinand, des Talmudisoben Idioms Herr 
zu werden versucht. In einem Briefe aa Druaiaa beklagt er 
dea frühen Tod dieses Ferdinand und si^ in sachverständiger 



123 

Bescbeidcaheit (^. p, 594)/ Mira eius et quanta non nisi in \ 

homifiem Ivdaeum earwjjue a puero informaium potest cadere in Tal- j 

mudicis exerciiatio erat, Quae certe /rustra Christiani nostri co- \ 

nantWTy qui nihil illarum literarum sine praesidio hominis ludaei 
et Ittdaice instiiuti per/ecte tenere possunt Hoc ego et mihi semper i 

persuasi et f>erum esse re ipsa sum expertus. Ebenso bescheiden 
äussert er sich über sein Arabisch und missbiligt zugleich die 
Aufgeblasenheit Anderer, wohl vorzuglich des Franciscus Ju- 
nius, in Betreff des Hebräischen (epp, p. 208).- Ego, mi Casau- 
bofie, multa volumina Arabica versavi, magnam siltjam verhorum 
mihi ex illa lectione comparavi. Nihil tarnen aut parum me prae- 
stOisse sentio, Adhtio tiro sum. Et tarnen videas qui ex lectione 
vnius Uöri nihil sibi putant reliquum 'esse ad aösolutam illius ser- 
monis cognitionem. Quantus est tvq>og illoru/n qui ne latine qui' 
dem sckmt! Sed iis qui Hebraismum degustojrunt, in aditu hlandi' 
tur illa lingua propter cognationem; cum vero intus remissus (intro- 
missus?) fueris, commendatitiae accipiendae sunt, quia longinquum 
iter instiiuendum. De Hebraismo idem dico, Nam nemo est hodie 
qui sola lectione Bibliorum sacrorum se ipsts ludaeis cognitione 
Bebraismi praestare non putet; imo ludaeos nihil scire asseoerant. 
Quo hominum genere nihil vidi imperitius et in quibus ntagis sen- 
sum hwnaniorum literarum desideres. Im Gegensatz zu solchen 
Verachtern hat Scaliger das Gute in den judischen Schriften 
wohl zu schätzen gewusst, Scaligerana IL (s. v, ludaei): ludaei 
hodie cum disputant sunt subtiles, lusiinus Martyr quam misere 
contra Tryphon^m scripsit, et Tertulliantts [contra Judaeos]. Debet 
esse valde peritus ludaismi qui ludaeos volet reprehe/ndere et reju- 
tare,,, ils exposent bien subtilement PEscriture; il fait beau lire leurs 
IvifreSy il y a beaucoup d'esprit. Mit den Juden zu Avignon stand 
er in freundlichen Beziehungen; sie machten ihn auf Versehen 
aufmerksam, welche er in der ersten Ausgabe des Werkes de 
emendatione temporum bezüglich der jüdischen Zeitrechnung be- 
gangen hatte, und er erkennt dies dankbar an in der Dedica^ 
tion zu seiner Bearbeitung des hippolytischen Kanon (LB. 1595). 



Sogar während seines römischen Aufenthaltes fand er Zeit und 
Lust, um mit den Bewohnern des Ghetto gutartige Disputatio- 
nen zu fahren und gewandte CoAiph'mente über sein Hebräisch- 
sprechen von ihnen entgegenzunehmen. Er erzählt (Scalige- 
rana IL s, v. ludaei): ^Pay dispute a Rome et ailleurs cnoec les 
Juifs; ils m'aymoient et estoient fort estofines que je parlois fort 
bien Hebreu et me disoient que je parlois rHebreu de la Btble et 
que paucissimi ex Ulis ita loqu^antur sed lingua maiorum Robbt- 
norurn loquebcmtuVy Rabotenu Zicronam, — Das Urtheil, welches 
ich im Text über Scaligers hebräisches Wissen aussprechen 
musste, ist aus Prüfung besonders der Schrift gegen Serarius 
und der betreffenden Partien von de emendatioTie temporum und 
Eusebius hervorgegangen. In welcherlei Schnitzer er auch 
dann noch, als er schon des Ferdinand Unterricht genossen, 
verfallen konnte, sehen Kenner hinlänglich aus folgendem Einen 
Beispiel im siebenten Capitel der Schrift gegen Serarius: Tu- 
daearum sapierites vitabant plebeiorum contactum VD D^ÄDH ^TÄ^'H 

D''tr;nD^ urro y^^t\ cy nn pn^r^iro wozu er, wie immer 

bei hebräischen Citaten, eine griechische, jedoch wohl mit 
blosser Hilfe des Lexikons zu Stande gekommene Uebersez- 
zung giebt: ol Zocpol TtattaoßocQivovto tav Örifiotivovtcav ßdBXvtto- 
fiivoi avToifg tial ovn ioävtsg rcQoa'ifjavöai, avrcSf', natu to Örj vg> 
'^(iciv Xiyofit^vov, xa t&v drifiotiTioiv ifiatux •Ktttanatriiia töiv 
davLovvzonv ut citat R. Abraham Zakuth in libro luhasin. Das Lä- 
cherliche dieses Tiatanatrina lässt sich einem untalmudischen 
Leser ohne Weitläufigkeit nicht deutlich machen. — Wie Vor- 
treffliches er hinwieder zu leisten vermochte, wenn er seine 
Kräfte zusammennahm, zeigt die am Schluss der zweiten Aus- 
gabe von de emend, temp, befindliche Abhandlung über die 
Ephemerien (n^llSt^D) und ihre Benutzung zu chronologischen 
Zwecken. 



125 

13. Religiöses. 

(Zu S. 37.) 

Scaligerana IL (V. v. Scaliger): II avait 22 ans quand il ßU 
catechise par Monsieur de Chandieu et par Monsieur Viret,,,, Ce 
fut le frere de Monsiewr de Buzenvalj qui est maintenant Papiste^ qui 
me mena au presche durant les premiers troubles» — Zahlreiche 
Urtheile über Scaliger von Wohl- und Uebelwollenden hat Co- 
lomesius (opera p, 118 — 144) zusammengetragen. Die maass- 
gebende Rücksicht auf die confessionellen Verhältnisse ist nir-^ 
gends zu verkennen, wenngleich sie nicht immer so offen her- 
vortritt wie in der naiven Clausel eines Doctors der Sorbonne 
Bulengerus (Colom. p, 131^.* si pie de fide Catholica sensisset 
(Scaliger)^ nuUum a Varrone et lulio Caesare feliciuß aut omnium 
literarum capacius ingenntm fuisse pronunciarem. Eine kräftige 
Ermahnung, dass man bei Urtheilen über Männer wie Scaliger 
und Salmasius immer die Religionspai*tei des Urtheilenden in 
Anschlag bringen müsse, hat Bentley in der Vorrede zu Pha- 
laris (works ed. Dyce I. p. LXV, = opp. ed, Lips, p. 143) er- 
lassen. Ich übersetze das englische Original: ,pie grösste Ver- 
folgung mussten jene Männer um der Religion willen erleiden. 
Sie waren die Zierde der Reformation, und verliehen ihr durch 
Beispiel und Einfluss einen solchen wissenschafUichea Geist, 
dass sie über ihre Feinde siegte, welche sonst damals den 
Ruf der Gelehrsamkeit in Beschlag genommen und auf ihre 
eigene Partei beschränkt hätten. Sie wurden daher herabge- 
setzt und durchgezogen von eben denselben Leuten, welche 
sie, wären sie Mitglieder ihrer Glaubensgenossenschaft gewe- 
sen, beinahe angebetet hätten. Protestanten sollten also sorg- 
sam und vorsichtig zusehen, aus welchen Händen sie Schilde- 
rungen jener grossen Männer empfangen.' — Cpnfessioneild 
Engherzigkeit nun, wie er selbst sie so oft erfuhr, hat Scaliger 
sich bei der Beurtheilung Anderer nie zu Schulden kommen 
lassen; wohl aber ist ihm die religiöse Gesinnung ein wich- 

9 



126 

tiges Moment auch für die Abschätzung wissenschaiUichen 
Werthes. Zwei Kemspröche seines spä.teren Alters verdienen 
in dieser Hinsicht besondere Hervorhebung, Scaligerana IL (s. 
V. Apostat): Jamais apostcU n'a rien fait qvi vaille puis apres, 
von welcher Regel er nur seinen durch Zwang zum Uebertritt 
gedrängten Freund Pierre Pithou ausnimmt. Und (übid, s. v, 
Superstitieitx): Superstitieux jamais ne ßtt docte, eine Bemerkung, 
die er durch das Beispiel seines Correspondenten, des Augs- 
burget Welser, belegte (ibid, s. v. Rhenanus): Velserum super- 
stUio fnulta sdre et plura quam seit praepedit Hieran reihen sich 
passend die Jamben über das Verhältniss von Wissen und sur 
perstitio, welche gewiss aus der Zeit von Scaligers kirchenge- 
schichtlichen Forschungen stammen. Sie bilden den Anfang 
der lambi ,gnomici (poematt, ed, Scriv. p* HS): 

Postquam suboria criminum Hcentia 

Labefecit almae Verikttis moenia, 

Quae numen ipsum condidit verbo suo: 

Pdlam imperatus et receptus legibus ' 
5 Aagustus error^ sanctaque ignorantiä 

Defensa paulatim impudentiae ausibus 

Ü8U iyranno nada v&n sdentiae 

Hominum supinas cansciersHoB' ligat 

Vocum numeUis, cassibus sophimuUum. 
10 . Iniuriosa deinde pietas in Deum, 

Quem metuit horrens et profanans quem colit: 

Tum, quae imperitis sola velamenta sunt, 

Falsi vetustas atque culpae auctoritas, 

Lenocinantur mentis aegrae samniis 
Ib Et tarn labantem parietem incUnant fnagis. 
. Stu^ae Su/adae splendide fallax amor, 

Vanis in animis qui cuniculos agit 

Ut Veritatis subruat constantiam, i 

Tum fortuiti ßcta maiestas sacri 
20 Fraudi colorem castimoniae illinunt. 

Est semp'er aliquid quod re/ert mendadii 

In claritatem dubia stuHorum ßdes. 



127 

V. 15 habe ich sp geschrieben, wie Scaliger selbst in einem 
Brief an Labbäus (epp, p, 680) ihn verbessert In den Aus- 
gaben steht der Druckfehler labante parlete, — Wie all6 Men- 
schen, die sich einen gleichmassigen Fortschritt ihrer wissen- 
schaftlichen und religiösen Entwickelung zu erhalten verstehen, 
legte auch Scaliger in reiferen Jahren manche Starrgläubigkei- 
ten seiner Jugend ab. Die oft sehr widersprechenden Aeusse- 
rungen in den früheren und späteren Sealigerana £nden hier- 
durch ihre Erklärung. Man vei^leiche z. B. die Artikel über 
die Apokalypse in beiden Sammlungen. Auch war er zuletzt 
von Vielem, was innerhalb seiner eigenen Heligionspartei vor- 
ging, sehr wenipj erbaut. Vorzüglich eiTegten diejenigen Re- 
formirten seinen Zorn, welche in fanatischem Puritanismus je- 
des nicht aus dem Buchstaben der Bibel herfliessende Wissen 
als profan vernachlässigten und anfeindeten. Bei Gelegenheit 
seines Eusebius schreibt er hierüber an Casaub<5nus (epp.p. 319): 
Ceterum qttalecumque est quod damus (in Eusehio), meum non est 
hidicare quo loco futurum sit apud bonos malosque. Hoc unum 
sciOf tneigmim invidiae incendium mihi ex hoc imminere tarn ex Lo' 
iolitis^ ^uod non mimbor ^ quam a nostris; quia — quod vix crc'- 
dere posÜs — plus nobis metuendum est a lolio quod sttccrescit se- 
getibus nostris, quam ab incendio quod hostes tferitatis frugihus 
nostris minantur. Narft, a nobis prodienmt prophetae et ^o^agol^ 
quod genus hominum cuiusmodi sit ex Prolegomenis in Canones 
Isagogicos discere poteris. In diesen Frolegomena nämlich er- 
klart er sich mit heftigem Nachdruck gegen alle Versuche, das 
Studium der Bibel von dem der klassischen Litteratur zu tren- 
nen : Hodiernis prophetis ta/nto in odio est historia exotica, uty qmim 
Chronologia saera instruenda est, eam maxime inquinari putent si 
ad tempora historiae^ ut ipsi loquuntur, pro/anae referatur, Iccirco 
Chronologicas diatribas suas vocare solent /jpus ex puris sacrae 
scrycfturae foniibus denvatum^ (der Ge^er Professor Matthäus Be- 
roaldus und der Heidelberger David Pareus sind gemeint). 
Quare nos inde non Tnale eos Y.a^aqQV£ vocavimus, quo nomine di- 

9* 



126 

cti quidam in veteri ecclesia haeretici fuerunt Puros sane scri- 
pturae /onies nan minus quam ipsi esse et quaienus sint melius 
quam iidem scimus ei /atemur et prae nobis /erimus. Sed quaa 
ipsi stercore suo conspurcartmty eos non soUim puros sed etiam, a 
striptüra esse negamus. Ah his homintbus maius periculum immi- 
net bonis literis quam ab aretah^, qui eos aperto Marte impu- 
gnant Nulla maior pestis hoc prcphetarum pkbeculay nutli quos 
magis rei publicae literariae intersit neque unquam scripsisse nsque 
eorum scripta a iuventute tangi» Nach solchen und ahnlichen 
Protesten gegen Verkehrtheiten der Reformirten kann es nicht 
Wunder nehmen, dass Scaliger nicht von allen seinen Glau- 
bensgenossen fiir ein völlig gesundes Kirchenglied gehalten 
wurde. Casaubonus {epp» p. 332 ed. Almelov.) schreibt hier- 
ober noch in dem Todesjahre Scaligers an Daniel Heinsius : 
Vidi qui negarent de omnibus cum vulgo nostrorum Uli convenisse, 
sed pro sua pietate et prudentia abstinuisse ab earum rerum trada- 
tione; quod cuiusmödi sit, si fas e^set, scire vellem, eo magis quod 
vw^tm summum istic esse audimus qui de nonnullis alloq>(fOPBiy 
quem mirifice quum alii tum ipse Scaliger nobis commendarunt. 
Unter diesem nicht wie die Andern glaubt nden und von Sca- 
liger empfohlenen^ vir summus ist ohne Zweifel Armifiius ver- 
standen. In der That heisst es über ihn in Scaligerana IL («. 
t;.) mit gewichtiger Kürze: Arminitis est vir maximus, w&hrend 
dem Gegner desselben, dem Gomai*us, eine weitläufigere aber 
keineswegs günstige Charakleristik zu Theil wird, die folgen- 
dermaassen schliesst (ibid, s, v. Gomarus) : II pense estre le plus 
scaoant Theologien de tous. II s^entend ä la Chronologie comme 
moi ä faire de la fomsse monnaye, Aehnlich s, v. Scaliger: ce 
grand docteur de Gomarus, ""qui veut parier de knU ce qiiil n'entend 
pas etc. Der Dortrechter •S3'node hatte Scaliger also wahr- 
scheinlich nicht zugestimmt, und schwerlich waren ihm in ir- 
gend einer Kircheogemeinschaft die Ehren der Strenggläubig- 
keit zuerkannt worden. Doch blieb er bei all seinen Hetero- 
doxien selbst im höhereA Alter, das ja so oft nicht blos ge« 



129 

gen Menscheiji misstrauisch wird, stets von dem reinsten und 
innigsten Gottvertrauen erföllt. Mit ein Paar' ergreifenden 
Aeusserungen solchen Inhalts will ich diese Bemerkungen be- 
schüessen. Im October 1604, als die. Pest zu Leyden wü- 
thete, schreibt er an Casaubonus, der för den nächsten Früh- 
ling seinen Besuch angekündigt hatte {epp. p, 268) : Me quidem 
undique /unesk^ domue drcumstant solis parietibua ah mterüu re- 
moktm, Jnter haec eapectQ quid de me statuat müerioors Deus, qui 
me a pueriHa ueque ad hanc dtem, non sine summa admiraiione 
meoy quatiescunque cogiio^ hominem incauium a summis pericuHs^ 
remm omnium egenum ab egestate vindicavit. Nam qmd Spiro ad- 
hucy quod hella dvilia GcUliae me non abstuUarunty qmd sine ulla 
te famiUari eommode mxiy quod in angusta re tarnen vitam toleroy 
hoc mihi maiori mtracuh est quam videre homines Romae a sordi- 
bu8 ad rerum culmen provehi quoties voluit Fortuna iocari 
[luoenal, Uly 40/. Q^tiod si optimus maximus et clementissimus 
nie parensy qui me sokts ality eo dies meos producat ut vere pro- 
ximo te hie possim amplectiy siquidem ammum de pro/ectione non 
muiaoeriSy ilicet heatum vne cui videre contigerit quod me sperare 
muita quae non dicam non sinebant. Und im Jahre 1606, als die 
politische Lage Hollands ihm sehr misslich und seine eigene 
Stellung gefährdet schien, schreibt er an denselben Casaubonus 
{epp. p. 327): Deus Opt, Maxim, misericors et iustus non semel 
ex summis difficukatibus me eripuüy quum per aetcUem poteram 
. mihi consukre et rebus meis. Quo magis confidoy in hoc senectute 
eum magis mei misertum iri. Sene vagoy etiam dtmtCy quid magis 
ridtctdum f quid paupere miserius f Omnis mea spes in eius inex- 
hctusta homtate reposita est. • 

14. De la Rociiepozay. 

(Zu S. 38.) 

Anfang und Art der Verbindung mit Rochepozay hatte 
Scaliger in der epistokt de vetustate gentis Scaligerae (epp, p. 62)» 



wo er sich über seine früheren schnftstellerisehen Arbeilen 
ausliessy kurz so bezeichnet: In qmbus auctorihis si erudiüs le- 
ckh'ibus nan satisfecimus, id qvod nos non fugit: excusaterit totum 
^rws vitae meum desuUorittm et otiiy quo mavime studia cdwUur^pe- 
nwia, Nam ab anna cio. lo. LXJiif ex quo in conhAernio ge*- 
nerosi Ludovici Castanei Rt^ipozaei esse coepi ad hanc uaqm di&m 
nulknn tempus mihi a/ui a peregrima^jUmibus out ab animi perturba- 
tionibus vaemtm ßiisse memni. Da Scioppius \SeMg, hypob, 
p, 218) in diesen, allerdings etwas zu scharf betonten, Klagen 
über Mangel an Müsse eine undankbare Verkennung der Wohi- 
thaten des Roohepozay entdecken wollte, so kommt Scaliger 
in der canfuiatio fabuh» Burdonum (opuscc, p, 1 68) auf das Ver- 
hältniss zurück: losephum [dicit Scioppius] tiiginta annos in 
domo Ludooici Bupipozei egisse^ qui in tribus iniervaUis longe alio 
ab alio inier se distaniibus vix dimidium illius temporis apud eum 
expleoerit. Et ponamtts Lavemionem [Sdoppium] hie oblitum sui 
/uisse^ hoc est non mentitnm fuisse^ quid hoc ad Burdonesf Ecquod 
flagitium iltud esty manere in domOy in quam ten a dommo voea^ts 
fverity qui eutn semper fratris loco habwerit^ Dass Scaliger in der 
That wie ein Bruder behandelt worden^ zeigt der ganze Ton* 
in- den französischen Briefen des Rochepozay bei de Eeves 
(p. 52^56, 226, 376). — Unter den gebilde^teren französischen , 
Grossen bestand^ damals die bei den englischen Adligen noch 
l)is in das vorige Jahrhundei*t fortdauernde Sitte, bedeutende 
Gelehrte zu freier Haus- und Reisegenossenschaft an sich zu 
ziehen. Der Diplomat Paul de Foix z. B. hatte sich zum Ge- 
sellschafter einen Schüler des Cujacius, den später so berühm- 
ten Kardinal d'Ossat gewählt, und de Thou hat in unterhaltender 
Ausführlichkeit das Zusammenleben dieser beiden Männer ge- 
schildert, wie er« es auf einer italienisichen Gesandtschailsreise 
des de Foix beobachtete (Thua/nus, de vita sua Hb, L p. 1289^ 
ed, Francof. 1621); Tunc Platonem Foxio interpretabatur Ossatus 
et fpjboniwm dvnna illius scripta, quantumvis fiarida uberiate arri" 
deof^, prooemiis vcsrOs, crdms interrogationibus, longe petitis rfi- 



.131 

gressionibus ac fabulosis plerumque narratumibus, ut §st natura dia- 
logi, intersecta sunt, Foxiua Penpateticae sectae addictuSy quae alia 
raiione progredihar ^ omissis his amnibus rem iangit, diffusa haee 
in artum eogi et sub aspectwn distincte poni cupUhat, Qua in re 
Ossati industria utebatur, qui . inter equitandum patentibus campis 
jauffnmam docirinae Plmtonicae dialogie comprehensae ediaserebat, et 
üU quae ab Ossato aceqterat postea vunssim memoriter repet^Mi, 
Man kann sich hierbei der Betrachtung nicht erwehren, dass 
die Diplomaten im sechszehnten Jahrhundert, dem Blüthenalter 
der Diplomatie, sehr von ihren späteren, um Plato eben nicht 
bekümmerten, Zunftgenossea verschieden waren. Höchlich zu be- 
dauern aber ist, dass d'Ossat's Resumes platonischer Diidoge 
nicht sind aufbewahrt worden ; sie wären gewiss den argumenta 
unserer platonischen Ausgaben weit vorzuziehen; denn mit 
welcher Meisterschaft d'Ossat den Faden verwickelter Dialoge 
bloszulegen verstand, beweisen die Depechen, welche er ab 
Gesandter Heinrichs IV. am römischen Hofe geschrieben hat; 
sie enthalten meistens Berichte über seine sehr kitztichen Un- 
terredungen mit den Päpsten. — Aehnlich nun wie d'Ossat den 
Plato inter equitandum dem Diplomaten de Foix auslegte, hat 
Scaliger seinem mehr militärischen Gönner de la Bochepozay 
den Polybius ebenfalls auf Reisen zu Pferde interpretirt, wie 
er selbst dem Casaubonus erzählt (q^, p, 352): Inter equitan- 
dum de locis Polybianis ego et Lud, Castanaeus verba aliquando fe- 
eimuSf quae ipse in haepitio ad libri sui annotabat marginem. Auch 
eine eingehende Leetüre des Properz und Statius in Gemein- 
schaft mit Rochepozay erwähnt Scaliger zu Properz II, 2, 12. 



15. Kömischer Aufenthalt. Muret. . 

(Zu S. 39.) 

Secdigerana IL s, v. Scaliger: J'ay este deux fois a Harne 
ayant 25 (^ 26 ane^ deux am Vun aprhs Vaiuire. ' Muret war der 
regehsaassige Führer der französischen Giesj^nndiei) uod b^i feier- 



13-2 

liehen GelegeBfaeiten ihr Sprecher. ScaUger und die Familie 
Rochepozay besuchten unter seiner Leitung die römischen Mu- 
seen (Sealtj/erana IL 8, v. Ahin)', und wie Muret, nach Roche- 
pozay's Erzählung {Scaligerana L s. v. Muretus), Scaligers Wis- 
sen anstaunte und nicht von seiner Seite wich, so ward auch 
Scaliger durch dieses Zusammensein von einer Bewunderung 
för Murets Wesen und Talente erfüllt, die in der Entfernung 
und in spätei^n Jahren immer höher stieg. Während er den 
Lipsius innerlich geringschätzte, den Casaubonus nur hochach- 
tete, hat er fiir Muret, obwohl er seine grossen Fehler sich 
nicht verhehlte, doch stets die wärmste Zuneigung empfunden. 
Er vergleicht ihn einmal mit Lipsius (Scaligerana s. v, Muni): 
Mureto nullua fuit pasi Ciceronem qui expeditius loqueretur ei scri- 
heret Romane, Lipsius nihil prae illo,., En ce mestier ego possum 
disHnguere quid hie vel ille poseit; fuerai pedant (d. h. Muret sei 
ursprünglich Schullehrer gewesen) et plerumque non emergunt; 
nisi habea/ntanimum non pedanticumy ut Mwetus^ qui vere regius 
erat. Sogar wo er ihn tadelt, mischt sich unwillkührlich Nei- 
gung und Bewunderung ein, Scaligerana I, (s, v. Muretus): Pauci 
sunt in mundo Muretiy qui si tarn hene crederet in Deum . quam 
opiime perguaderet esse credendum^ bonus esset Christianus, Trotz 
dieser Vorliebe wird der Name Murets sehr selten in Scaligers 
Druckschriften erwähnt, weil die beiderseitigen Arbeiten nicht 
viele Berührungspunkte boten und weil Scaliger nach Murets 
schon 1586 erfolgtem Tode ihn ohne Noth öffentlich nicht lo- 
ben mochte, da die Jesuiten mit dem Eintritt dieses modernen 
Cicero in ihren Orden so sehr prunkten. Andererseits ging 
sein Zartgefühl so weit, dass er in der zweiten Ausgabe des 
Catull, deren Zusätze häufig gegen Murets Commentar gerich- 
tet sind, ihn nie namentlich, sondern unter umschreibenden Be- 
zeichnungen, wie vir diserttssimus^ eloquentissimus und dergl., wi- 
derlegt. Dass dies eben aus Zartgefühl gegen den Verst9rbe- 
nen geschieht, lehrt die Aeusserung in Scaligerana I, (s. v, Mu- 
retus): Doleo obiisse Muretum^ de cuius morte wi me scripsit Gw 



133 

iacnts. Animus erat efum reprehendere in muUia quae peroptabam 
ab eo videri. — Unter den Begegnungen mit anderen römischen 
Gelehrten hat besonders die mit Onuphrius Panvinius einen 
dauernden Eindruck bei Scaliger zurückgelassen. Vierzig Jahre 
später, als* Scioppius die Bekanntschaft Scaligers mit diesem 
Antiquar geläugnet hatte, schildert Scaliger ' in der confuJUUiio 
Jabulae Burdonum sein Zusammentreffen mit ihm aufs Umständ- 
lichste {(^, p, 178); Anno 1565 mense Octobri Mureiua Onu/rio 
losephum videre ctqnenH horam et diem condixit ad FalaHum mon- 
tis Icrdaniy quo qmm losephum ignarum harum rerum omniuim 
deduxissety venu ad constiMum Onufrius et sahi4ato losepho vix m- 
ier 86 paeuca verba commuktvercmi, quum losephus nihil moraius 
statim quis esset divinamt Neque vero quis causseiur ex indutu 
Augustinianorum Eremitarum id eum coniecisse. Obvolutus enim 
erat longa et talari penula, galero autem tectus propter imbrenh illius 
diei, qui mtdtus /uerat^ ita ut nullum vestigium monachi appareret. 
Tum ille losephwrn amplexatus felicem diem dixit, quo reliquias 
gentis Scaligerae sibi videre contigisset etc. Auch in dem Schluss- 
wort zu den Notae in Graeca Eusebii rühmt er sich dieser Be- 
kanntschaft mit einer bei ihm unge>vöhnlichen Feierlichkeit: 
pater historiae Onvphrius Panvinius amicus noster etc. — Bei sei- 
ner Abreise hat Scaliger der Stadt Rom und ihren Bewohnern 
Valet gesagt in Skazonten von so archilochischer Bitterkeit, 
dass ich es nicht für gut erachten kann, sie hier aufzuneh- 
men. Man findet, sie bei Colomesius {opp. p. 508) und Fabn- 
cius {BMiographia antiquaria c. 6^ § 1^ p. 212^ ed. HamB. 1760;; 
sie sollen auch in der .ersten Ausgabe des Symmachus von Ju- 
ret zu /. 24 angeführt, in den späteren Ausgaben jedoch weg- 
gelassen sein. Es sind dieselben, von denen Scaligerana IL 
gesagt wird {s. v. Qilloty wo des Maizeaux auch die Verse 
selbst giebt): II y a long temps que le Sieur de Silkry me recita 
des vers contre Rome, lesquels on m^attribue; je ne me souviens pas 
de les avoir faiits. Möglich, dass er als Sechzigjähriger sich 
wirklich ^cht mehr der wenigen Verse erinnerte, die er als 



134 

SechsundzwanzigjUbriger und offenbar in einer sehr aufgeregten 
Stunde verfasst hatte. Wahrscheinlicher jedoch, dass er bei 
der inzwischen so sehr veränderten Weltlage es nicht gerathen 
fand, vor Jedermann seine Autorschaft zu bekennen, die er ja 
übrigens in jenen Worten nicht geradezu läugnet und an der 
ich nicht den mindesten Zweifel hegen kann. 



16. Reisen in Italien. Venedig, 
(Zu S. 39.) 

Die Angaben über Scaligers Reisen in Italien sind entnommen • 
aus Scaligerana IL (s. v. Scaliger): Scaliger a este ä Veronne sed alio 
nomine^ nam esset occisvs .... Le plus hin qtie faye este, (fest 
Naples et Escosse, Dass er in Venedig gewesen, geht hervor 
aus confut. /ab, Burd. {opp. p, 155), und auch dort so gut wie 
in Verona beobachtete er, auf Rath des Aldus Manutius {^id. 
p. 175), die Vorsicht, seinen Namen nicht zu nennen; von den 
Venetianem, den damaligen Besitzern Verona's, welche das 
Scaligersche Geschlecht für längst erloschen erklärten, glaubte 
er sich des Schlimmsten versehen zu müssen. Seinem jugend- 
lichen Hass gegen die Lagunenstadt gab er Ausdruck in einem 
Gedicht, über Verona, zu welchem er durch den Anblick der 
dortigen Scaligerschen Bauwerke begeistert wurde. Der darin 
enthaltene Ausfall gegen Venedig ist sehr bemerkenswerth durcli 
Heftigkeit des Gefühls und eine strotzende Kraft der Sprache, 
welche au die fast, gleichzeitigen Skazonten gegen Rom er- 
innert (poemm, p. 25): 

Oeelle <mundi, sidus Hau coeU 

Flo» urUvan, flos carcidumque amoenarum, 

Quot sunt, eruntoe, quot ßiere, Verona: 

Brennt smaraffde, transpadane beryÜe,- 

Gallorum iaspis, margarite Benagt, 

Apex stipremus elegantiae rerum, 

Ei meta summa, daedalaeque naturae. 



135 

Qua/n fronie prona fwcibuaque aubmissig 

ürbes ndorent, et lubenter agnoacant 

Sublime niaiesfatis arduae lumen, 

Nisi orba lucis viveres aalutisque 

Iniuriosa Servitute praedonum, 

Qui nidulaniur Adriaticis gtagnis 

Et inde semper imminent navcte praedacy 

Thetidia nepotes et Salaciae cives, 

Heu Spartacorum traduces venenati! 

Ileu trans/uffarum tot propagines aacrae 

Et perditorum aegea adulta latronum ! 

Queia aumma laua est poaaidere de rapto, 

Pectäium feciaae de malo, viriua; 

Quorum urba ab atria quantacufnque, quaecumque est, 

Isaurica- aodalitate, piratia 

Conflata, ab atria> aucta, fota piratia. 

Äuget fovetque nunc amica pirataa, 

Taherna aceleria, offidna Cychpum 

Intua recondena copiam improbae mercia 

Dolique acervoa flagitiiqtie theaauroa; 

Ergaatulum cruoria et venenorum; 

Ubi maxima mercede aanguinum aervit 

Propola toxici, inatitor 7nali aucci: 

Tum quiaquia et clam non palam nefas audet 

Sicariusque qui palam nefaa audet; 

Nam lidor audax publicuaque graaaator, 

Cumque horrido laniata apiculatore, 

Turpifide auctoraiua et aacramento, 

Stipendiorum ape auperbit et aumit 

A crimine animoa, a licentia ferrum; 

Ubi peierator atque funerum mancepa 

Sociique capitia atque aanguinia aector 

Civia auorum triste praestinat letum 

Quocunque pretio, quot Hcent, amicorum; 

Oui mäta iuato urba Marte ceaaii aut bello, 

Sed quaU ahena dauatra moliehaiur 

Arte et seraa Philippua urbium et vectea. 

Hoc propter ipao eat in mari aita, ut magnas 

Piacetur urbea undique aureo reti. 



136 

In späteren Jahren scheint sich diese Wuth gegen Venedig ein 
wenig gelegt zu haben. In Scaligerana IL («. v. Veneti) heisst 
es: Les VeniHens n'ont rien que de pillage, mais il fönt bien de 
se maintener en liberte .... Veneti habent praesiantissimas leges, — 
Seine Ansicht von dem italienischen Charakter überhaupt, wie 
sie sich seit seinen Reisen bei ihm festsetzte, ist kurz ausge- 
sprochen in Scaligerana IL {s, v, Italiens) : II ne se faut point 
ßer a Fltalien, car il est sans religion; il n'est chrestien que pour 

sa commaditS omnes Itali athei^ eine Meinung, die, wie 

ungerecht oder gerecht sie sein mag, auf jeden Fall ihn auch 
in seinem wissenschafUichen Auftreten gegen die Italiener be- 
stärkte. Dass nicht Scaliger allein dergleichen Eindrücke von 
itidienischer Religiosität empfangen, beweist das Wort eines 
Engländers, welches Hegel (Encyclopädie § 71 Anm.) anfuhrt. 

17. Inschriften. 
(Zu S. 39.) 

An Pithöus schreibt Scaliger (epp. p, 142): qngrammatum 
multam silvam Bamae et in aliis Italiae oppidis vidi, und an Gruter (p. 
7b3): Ingens volumen veterum inscriptionum, quae passim in Europa 
reperitmtur, a Smetiö praetermi^sarum Commelino dederam, quas 
partim in ipsis locis leg er am, partim a libris, reliquas ah ami- 
cts hahebam. Die zahlreichen Anflhrungen von Inschriften in 
Scaligers Werken verdienen also Beachtung, da sie oft auf 
eigenen Abschriften beruhen; sie bieten manchmal nicht unwe- 
sentliche Ergänzungen zu den Gruterschen Angaben; z. B. 
Grut. 683, 7 hat blos die Beischrift Romas in aedilms Maphaea- 
nis, E schedis Scaligeri; Scaliger selbst hatte das Stück , früher 
mitgetheilt CatalecUt p, 242 ed, Lindenbr,: Adponam etiam Epi- 
gramma quod Romae aliquando in pervetusto ac pene corroso mar- 
more vix me legere posse memini, in aedilms Maffaeorumy worauf 
zwei griechische Distichen in gewöhnlicher .Schrift folgen, die 
fast ohne Anstoss lesbar, also, da der Stein so sehr verwittert 



m 

war, wohl durch viele Conjecturen zurechtgemacht sind. Nach- 
träglich wurde auch noch im letzten Pentameter iioiq&v des er- 
sten Abdrucks in das bei Gruter stehende (lovamv verbessert. 
Femefr lautet dieser Pentameter überall^ wo er in 'Minuskel 
später umgeschrieben wurde, auch noch in C- L Gr. 6295: 
O-aipE Tf xal Movß&v eiviv ^©-i^x* ä^triig, was der Scaliger- 
schen Lesung idifi na^erijg gewiss nicht vorzuziehen * ist. — Ein 
noch schlagenderes Beispiel, wie sehr die Anfuhrungen Sca- 
ligers einer genauen Erwägung würdig sind, giebt C. L Gr, 
6705. Diese Inschrift hat Franz, den Einfallen Letronne's fol- 
gend, folgendermaassen misshandelt: ^HSvS ßiog rb ^^v yXvTiif tb 
d'avsiv vnb [<p]ia[Xtov], während in allen Abschriften das End- 
wort TIIOWIA deutlich vorlag und ylvnv aus den Varianten 
als unsicher zu. erkennen war. Nauck hat nun neulich (Philo- 
logus IX. p. 177) die nöthige Interpunction und vnoijfla gefun- 
den: 'Hdvs ßlog* tb f^rjv ylvHv' rb ^civtiv vnotffia' Hierdurch 
wird aber yXvnv bis zur Unerträglichkeit tautologisch. Bereits 
seit dem Jahre 1574 hätte man das Richtige lesen können in 
Scaligers Lectiones Ausonümae IL c. 26; in tricHnio marmoreo 
Lateranensi^ tmo versiculo senario: 'HSvg ßlog* tb f^ttv taxv' to 
^avfip vnotplec' quo significatur vioendum esse, nam vitam prcpe- 
rarey mortem imminere. ,SenarS sagt Scaliger, weil er voraus- 
setzt, dass man die beiden tb nicht auf den ursprünglichen 
Verfasser zurückführe. 



18. England., 
(Zu S. 39.) 

Die Zeit von Scaligers Aufenthalt in Grossbritannien habe 
ich bestimmt nach dem auch sonst mittheilensWerthen Artikel 
in Scaligerana IL: Marie Stuard Beyne ePEscosse aooit im beau 
mari et delectaibaiyr turpüms aduUeris .... lors que fy estois, eile 
estoit en manwais mssnage anec son maary a cause de lä mort de ce 
Daoid. L'Histoire de Buchanan est tres-vraye; eile ne parhit point 



138 

arÄC san marf; . . , c^estoit une belle creature. — Die schottischen 
Balladen eregten seine Aufmerksamkeit, Lectionn, Atisonn, IL 
11.* vidhnfis nos in ScoHa nutricukts miras harum nugamm (es 
war von Naeniae die Rede) orHfices ad conciliandos puerü 
somnos^ ut easaucHre non mvenustum mihi aypoaficc fuerit; und 
das Wunder der Steinkohlen beschreibt er Catalect, p; \yii 
memini me in Svoüa videre fossiles carhaneSy qttihus omnis ea natio 
tiütur in ttsum ligni, per se paulatim accendi minimo ignis adiu- 
mentOy sufflatione vero nihil profici, '— Den Dank der schotti- 
schen Nation glaubte er sich zu verdienen, indem er ihr ein 
über das bisher bekannte Slteste Zeugniss ihres Bestehens 
(Clatidian. la/ud, Stil IL 254) weit hinaus liegendes verschaffte 
in dem ludus de morte CUmdH 12^ r. 30 seqq., wp er, statt der 
auch jetzt noch gangbaren Vulgata: Ille (Claudius) Britannos 
UUra noH LHora ponti Ei caeruleos Scuta Brigantas Dave Bo- 
muleis (hlla catenis lussit, ein Compositum Scotpbrigantas lesen 
will. Diese Conjectur begleitete er bei ihrer ersten Veröifent- 
lichung in der ersten Ausgabe des Propei-z p. 159 mit dem 
anspruchsvollen Ausruf: Scott hanc gentis suae anüquitaiem mihi 
d^)enty qui primus ilhtm locum emendaviy quum ipsi hactetius suae 
gentis testem Claudiar^q cmtiquiorem non haberent^ und forderte da- 
durch vielfachen Widerspruch, auch von Freunden wie Camb- 
den (BrOannia s. v, Seoti)^ heraus, gegen welchen er in späte- 
ren Jahren seine Scotobrigantes verficht, erstlich in einem Zu- 
satz zu Properz in der zweiten Ausgabe j9. 181 und dann noch 
zu Eusebius No. 2060 in einer Anmerkung, die fast zu einer 
Abhandlung anschwillt und zuerst die seitdem verbreitete Mei- 
nung ausspricht, dass Scott kein Eigennamen, sondern ein Ap- 
pellativum sei, das Rauber bedeute. Die gereizten Schluss- 
worte dieser Anmerkung lauten: Dicunt quidam nos exclamasse 
in nostris Propertiainis notis quod Seotorum nomen e tenebris enti^ 
mus; qteamquam illud puerorum est aut parum sobrwrum hominvm^ 
tarnen modo verum dixerimus, ut certe diximus, ita esto, Qui a 
nobis locum Senecae recte emmdatum negare auckbunt^ et meridie 



189 

lucere'per nos quidem negent Ostendani nöbis quotnodo tarn ine- 
ptam Senecae lectionem aut tuen possint aui corrigenda9n putent 
lam vocalius exclamamu^, nos primos aperuisse^ Scotorum nomen 
non proprium sed appelUUioum esse, — In ScaUgers Charakteri- 
stik der Schotten (Scaligerana ILs. v, Scotus) ist der Ausspruch : 
les Escossois sont bons philosophes für das Volk Duns' und Hu- 
me's bezeichnend; während das Dictum über die Engländer 
(ihid, s, V. Angleterre): Angli plerique sunt /anaticiy tales mukös 
novi wohl hauptsächlich durch die zu jener Zeit aufstrebenden 
Puritaner veranlasst wurde, obgleich er auch den nicht puri- 
tanischen Engländern wenig hold war. Als Casaubonus im 
Jahre 1603 einen, damals noch folgenlosen, Antrag nach Eng- 
land erhielt, schrieb ihm Scaliger (^. p, 24tl): esset tibi res 
cum gente quae natQonagidotov habet Gallos odisse, und (p. 253).- 
Noli incerta certis praeferre. Nam ri dianovttos dnoSiipLla na (f ans- 
Titvdvvsvfievfi Tial nagaßoXos' quid aliud ttbi attulisset^ quam ut 
praeter impenscts et sumptus ludibrium Ulis cercopibus deberes f quo- 
rum xaxoij^fiav non pauds verbis ttbi narrare possem, quam inho- 
spitaleSy quanto nostri avito odio ardeant^ quam inexpiabili intndia. 
Si in /atis est ut eo pertrdhariSy noli urgere /ata tua, '— Die ge- 
ringe Meinung, welche in ScaUgerana IL {s, v. Angleterre und 
Oxoniensi^ von dem Werth der englischen Bibliotheken über'- 
haupt und besonders der damaligen Bodiejana ausgesprochen 
ist, wird aus Höflichkeitsrücksichten etwas verdeckt in einen 
Brief an Thomson {epp. p, 502); aber auch, hier kann Scaliger 
sich einen Seitenblick auf die mühelos lebenden Fellows nicht 
versagen: Habetis Origenem in Gelsum aiiosque esimios Graecos 
nondum editosy quos pwrum vexari ab iis puto^ qui in Ulis Coüe* 
giis degwUy 

19. Religionskriege. 
(Zu S. 40.) 

Für ScaUgers Theilnahme an den Religionskriegen als' 
wirklicher Soldat habe ich bis jetzt nur folgendes einzige aber 



140 

ganz ausreichende Zeugniss gefunden. Er schreibt um das 
«lahr 1571 -von Valence aus an Petrus Pithöus über die Ca- 
talecta {<^» p» 140): in meo exilio a/iä in militia quamdiu 
fui, puiam peniius interddisse illa (Catalecta). Wahrscheinlich 
bezieht sich auch 'auf diese Soldatenzeit das Gedicht mit der 
Ueberschrift : inter arma non esse Musis locum^ worin er seinem 
Feuerzeug und seiner Studirlampe vorlaufig Lebewohl sagt 
(poematt. p. 38): 

Arma suo attritu excudendis igntbus apta 
Quodque terit ferrum qui teriturque silex 



Taque mihi vigilui studiiyrum conscia curae 

lüu^trans noctes parca lucerna meas, 
Ite procul: vestri ttsus erit vel maximus olim, 

Si neque bellorum, si neque Martis erit 

Klagen über Plünderung seines Erbgutes durch die Bürger von 
Agen erhebt er epp, p, hl und 139. 

20. Cujacius. 
(Zu S. 40.) 

Ueber seine Aufnahme bei Cujacius schreibt Scaliger an 
Pitliöus, nachdem er seine Schicksale während der Bürger- 
kriege geschildert hatte {epp. p, 139); Veni e^ illa {Aginnaüum 
urbe) Valentiam^ hoc est ex turbulentissimis ßwsühus in tranquilUs- 
simum omnium virtutum et humanarum literarum portum, lac. Cu- 
iaciuim, gui me ex illa navi (dvilt) iam nauseantem omni bonorum 
Studiorum gustu refecit languentemque recreavit et iam prope deph- 
ratwn imo et mihi -meisque rebus omnibus diffidentem ad lucem 
Herum revooaoit Fast dieselben Worte finden sich wieder in 
dem Artikel Ci\jacius der SoaUgerana L Dort steht auch der 
prachtige Lobspruch: Cuiacius est Margarita luriseonsuUorum. 
Scr^f>sit sibi et doctis tantum. Ein noch begeisterteres Enkomiuni, 
welches in der ersten Ausgabe des Manilius (zu IVy 174 dul- 
cAus usuris) stand: Ita hunc locum exponit divinus plane fnr. 



141 

anwia iuris civilis et lex legum lofi. CuiaciuSy^ ist in den spateren 
Ausgaben weggefaUen, jedoch nur in Folge der sachlichen Ver- 
änderungen, welche jene ganze Note erfuhr. Ihn und Auratus 
allein erkennt Scaliger als wahrhafte Textesverbesserer an in 
Scaligerana L (s, v, Auetores): Non omnänts datumy etiam äoctiSy 
sed rarae cuiusdäm /elicitatis est bonos cmctores corrigere et szuxe 
dignitati atque nitori restituere^ nee quemquam kodie fwvi qui id 
praestare possit praeter Dom, Cuiacium et Dom, Auratum^ womit 
jedoch die einschränkende Aeusserung in Scaligerana IL (s, v, 
Cuiäcvus) zu verbinden ist: Ckms rapportoit tout ä son droit, — 
Scioppius erzählt oder lügt von einem irgendeinmal eingetrete- 
nen Bruch der Freundschaft (Scalig, hypqbol, p, 22 1// TvM 
(Scaliger wird angeredet) literae quas ad Cuiacium rabiosissimas 
dedisti adhuc extcmt^ in quibus quam te Cuiaeii x(fs(o<pstXst7iv esse 
pudeat manifesto prodis neque aliam ob causam amicitiam ei re- 
nuncias quam quod alicubi inter amicos de te dixerat^ si itein ut 
secum contumaciter et arroganter cma aliis acturus esses^ cekriter 
te non modo omnium amicorum benevolentiam effusurum sed gror 
vissima etiam et iustissima promisoue omnium odia in te concita- 
turtum videri. Ich habe nirgends sonst eine Spur von derglei- 
chen Absagebriefe auffinden können. Vielmehr lässt sich so* 
gar aus dem so sehr dürftigen biographischen Material für die 
Jahre 1580 — 1590 deutlich die Fortdauer der Freundschaft 
erkennen. Am 27. December 1581 schreibt Cujacius, noch in 
frischer Trauer über den Verlust seinem Sohnes, von Bourges 
aus an Loisel (bei Spangenberg Ciyas^ S. 48): tPai eeans Mr. 
de la Sccdoy de qui la douce compagnie m^a tirS du sepulchre ou 
fetais misdrablenieM tombd et nCa essu^S ime pasüe de mes piteuses 
larmes; in Cujacius' Brief an Lectius, August 1582 (Fhilologicarum 
ipietolarwa centuria e hibliotheca Goldasti No» 75) wird Sealiger 
freimdschafitlicb erwähnt; und weim Ci^acius brieflieh Scaii* 
getn den Tod Mdrets (Oct. 1586) anzeigte (s. oben S. 1^3), 
80 müssen sie 1587, d. b. drei , Jahre yor Cujacias' Tode, 
■och in Briefwechsel gestanden haben. . 

10 



142 



21. Juristische Professur. 

(Zu S. 40.) 

Den Antrag einer juristischen Professur jmuss Scaliger 
um 1578, das achte Jahr seiner Bekanntschaft mit Cujacius, er- 
halten haben. Denn in diesem. Jahre ist die, oben S. 118. er- 
wähnte, Pseudonyme epistola Vincenüi gedruckt, wo es p. 24 
heisst: quid st Uli (Martino) dicam^ Scaligerum illum, cui tU Vi- 
deo parum ^si noto more canum (^IcUrat, etiam IwriaconsttUum 
esse adßo non obscurum ut lacobtis Cuiacvus L C. nostri seculi 
princeps eum stbi collegam asciscere superioribus tnensihus 
voluerity quod ip^ Cuiacii ad Scaligerum litteris tibi trihario con- 
ßrmare possim, — Anhalt zur Beurtheilung seines juristischen 
Wissens giebt der Brief an Irland us epp, p, 414. Dass ihm 
übrigens das Corpus Iuris in seinem jetzigen Zustande nicht 
sehr ans Herz gewachsen war, zeigt Scaligerana I. (s. v. Cato): 
Praestaret nos amisisse totum ius civile, ut hodie habetur sine tn- 
tegris ouctortbus^ quam Catonem et Varronem, und (IL s, v. 
Qraeci), wo er unsem griechischen mit dem lateinischen Bü- 
chervorrath vergleicht : Potir les livres, nous en avons an^ottrcPhu^ 
de meilkfurs Grecs que de Latins, si non en Theologie, Nous aoons 
toutes les sciences en Grec; ces beaux livres c^Hippocrate, Ocdien, 
Dioscoride, Aristote, Euclide^ Piaton, Ptolem^e. Les Laiins ont le 
Droit, Ce n'est pas grand cos cFestre mieux foumy de chioanerie 
que les autres. 

22. Cujacianische Handschriften. 
(Zu S. 40.) 

Scaligerana IL {s, v. Cuiaeius) : Monsieur Cuias disoit que fa» 
vois depueellS les Manuscr^ts; je m'en suis bien servi enmon 
CatuUe, Ausser dem berühmten Tibullischen Fragment, welches 
mit Illy 4 begann, hatte 8caliger von Ci\jaciu8 noch einen G«« 
sammtcodex der drei Elegiker erhalten, über welchen VertU'- 



143 

nianus folgende, wie es scheint, bisher übersehene Notiz giebt 
in Scaligercma L (s, v, lAngua): Nullus est in veterum Itbrorum 
collaiione losepho Scaligero expeditior ac prompthr^ ut m codice 
Catulli Tibulli Propertii mamiscripto illique a Domino Cuiacio 
misso obsermm^ quem intra duos aut ires ad summtmi dies cum 
suis contulit. Hoc autem exemplair descriptum erat anno Domini 
1469 Nema^sique a Dom. Cuiacio inventum est *- Andere Hand> 
Schriften von Bedeutung, . welche Scaliger bei Cujacius ab« 
schrieb oder benutzte, sind: 

a) Petronius^ Scaligerana II, (s, v. Cuiacius): il avoit prestS „„ 
son Petrone,,. ä moy.,, Cest le premier Petrone que nous 
ayons eu. Jh fo^ copie sur cet exemplaire/ je Vaime mieux 
qtirni imfprimi,' 
h) MartialiSy epp, p. 769.* ego.,. integrq Guiadano (codice 
MarOalis) et praeterea excerptis veterihus illius poetae, quae 
penes ipsum Cuiacium erant, usus sum, 

c) Priscianus, Scaligerana IL (s, v.): Cuiacius hab^mt,.. ex- 
emplar^ quod nunc est Pithoei. 

d) Dositheus, Scaligerana IL (s, v,): Dositheum vidi Jlf.^ 8. 
apud Cuiacium. ' C'est Vexemplaire de Saint Galy qui a 
este chez Monsieur Cuias. 

e) Victorinus, Scaligerana IL {s. v.)-: Victorini periodum Cu- 
iacius habehät praestantissime scriptam; vergl. epp. p. 863. 

/) Lex Deiy s. Blume's Vorrede p, XXV, 

Im Fall er kinderlos sterbe, hatte Cujacius seine Hand- 
schriften, wiie Masson (Cuiacii mta vor den Werken des Cuja- 
cius) erzählt, oder gar sein ganzes Vennögen, wie in den 
Thouana (s, v: Cuias ed. Colon, p. 412^ zu lesen is^ 
Scaligern vermachen wollen. Das Vorhandensein der berüch- 
tigten Mamsell Cigas Hess aber die Clausel der Kinderlosigkeit 
unerfüllt, und Scatiger scheint nicht einmal von dem bedin- 
gungsweisen Vorhaben etwas gewusst zu haben; er sagt Sca- 
ligerana n. {s, V, Masson) : Masson a mis dans la vie de Monsieur 
Cuias qu^'il nia fait heritier de ses livres; je ne scay d^ou vient 

10* 



144 

cela^ je n'en ai rien fseu. Masson estoU bien mon amy, mais ü est 
un peu fai. Nicht bloss erbte Scaliger Nicbts, so weit ich 
ennittlen kann, er hat obendrein Handschriften verloren, 
die er dem Cujacius geliehen und hei dessen Tode noch. nicht 
anirückgefordert hatte, unter Anderm eine Handschrift tironi- 
scher Noten, deren Verlust er beklagt epp. p, 774, zu Euse- 
bius Nr. 2012 und zu Manilius p, 403 ed. tert: Pgregius No- 
tarum liber cum cdüs quibusdam vetustis Ctmcio a nohis eommo- 
datus staHm posi eins mortem furio sublatus est a /elibus librariia, 
qui negant se mihi resOtuturos. Die Worte /eltbus l^nrariis über- 
setzt ein naiver Deutscher am Rande meines Manilius : ,welche 
die Bücher mausen' und gemeint ist mit diesem aus Plautus 
{Persa 751 /des mrginarid) entlehnten Scheltwort Franciscus, 
der Bruder des Pjetrus Pithöus, der sich Ctyacianisehe Manu- 
Scripte zugeeignet hatte (Scaligercma U, s. 9. Ciiiacius) und 
auch einen von Scaliger entlehnten Friscian erst auf viele Dro- 
hungen wieder herausgab (epp. p. 20 1, 217). 



23. Zwölftafel-Gesetze. 

(Zu S. 41.) 

Cuiacius ParatiÜ. in Digest 47^ 3/ In XU. tob. scriptum 
opinor: jTignwm iimctmn äedibus vineaeque töncaptum ne sol- 
vitö^ vd poHus ut docOssimus loSephus Seidiger censet, a qm pu- 
det dissentire ^concapes^. Scaliger hatte diese Gonjectur zu Fe- 
stus s, V. tignum auf die - ihm vorliegende, Angeblich hand* 
schriftliche Lesart bei Augusti^nu? coneapet gestützt. Da nun spä- 
trer in der Ausgabe desUrsinus eonceipit als die ha^dschriftUcbe 
Ueberlieferung erschien, fasste C^jacius wieder Muth, von 
Scaliger abzuweichen, und schreibt Obaerwttt. 23^ 19.* pkh 
cet magis hodie quod et placuit olim in l, XII. tob. JM tigno tu»* 
eto qme his verbis in authentico sehedarum Festi persoripta 'est 

TtBNVM, IVNCTVM, AjBDIBVS, ViNSAS. Vb, Et. CONCAPIT. Nm. 

SoLVixo pro et eoneapit legere et concapitum, id e^t conee^ 



145 

pinm cognüumque, ui glo$aae veterum Concapito mi&rprekmhir 
concipito, Dass die Stelle ia den Observationen die dfvie^t 
tfqövti^n zu der früheren in den Pai^atitla enthalte^ wird aus 
blosser' Erwägung der Worte placei magis hodie deutlich, auch 
\venn man sich nicht erinnert, dass die Paratitla zu den Di- 
galten schon 1570 und zum zweiten Mal 1576, .das dreiund« 
zwanzigste Buch der Observationen aber erst 1585 erschien. 
Huschke (ad legem de tigno iuncto p. 4), de> im Wesentlichen 
der zweiten Meinung des Cujacius beitritt, ' hat sich versehen, 
wenn er die Scaliger belobende Stelle in den Paratitla för die 
später geschriebene hält und sich nun wundert, Ouiacium^ tcut- 
tum virum, specie Scaligeranae doctrinae deceptum, postea grana 
3ua discipuli paleis permuiasse, id quod /ecü ParaüÜ. ad Fand. 
47^ 3. — Dass Scahger gerade über die zwölf Tafeln viel mit 
Cujacius verhandelte, ist Scaligerana L {s» v. Ouiadus) gesagt: 
NuUus est qui de legibus XII Tabul. qtncquam docere me passU, 
ne (Juiacius quidem^ qui non inficiabHur me ilU muUa de iü indi- 
ewfsey quae hactenus ülum latuermU, 

24. De Thou. 
(Zu S. 41.) 

In seiner Autobiographie hat Thuanus {de vita sua, VoL 
Vp p. 1283 ed. Francof, 8.) sich über die Unannehmlichkeiten ge- 
äussert, welche er wegen seiner Freundschaft fär Scaliger von 
den Jesuiten zu erfahren hatte: Valenüam Segalatmorum -— nam 
Caoarum Avenio TnetropoUs*) est — venu Tkuanus annum fere ante 
tumuUum Parisiensem ubi Guiacius Papinianum suurn interpretabatw 
et cum eo prqfitebatur Fr, Rocddesius et Emmundus Bonefidius. Hie 
Uli primum cum Josepho Scaligero contracta amicitia, qui Cuiacii 



*) Der ,6esetzgeber für die Latinisitoing moderner Nainen' — so 
nennt Wolf Anal. 11. 292 den Thuanus — erklärt sich hierdurch ge- 
gen das damals gebräuchliche und auch von Scaliger gebrauchte Vo- 
lentia Caioarvm für Valeac«. 



146 

videndi caussa ab- ipso invitahu iUac ante venerat cum Litd, Mon- 
tiasia et Georgio Bwrgo, quem Urne amsuetudme et postea dum It" 
cuit conmdu et in ahsenüa per litteras mcredihüi studio et affeotu 
per XXX V 111 annos indeeinenter coluUy eaque re^ quam sibi ab im- 
probte hoTninibus exprohrari et vitio verti inteUexü^ in sinu ,gaudet 
et pcdam gloriatur tantaque ex reeordatione sius nunc etiam volu- 
ptate per/unditur, ut contumeliae conoitia calumniae et pericula et 
incommoda ab iniusto ülorum odlo ei Deo < plac^ ob id pro/ecta, st 
detur optio^ tarn dulcie et horhestae tamqm eruditae eonsuetudinis 
amiseione nolit. redimere. Et hoc ietie pro omni ad ülorum viru- 
lentiam responsione dictum cupit In seinem grossen Geschicbts» 
werk, das zugleich ein Walhalla für die Gelehrten des sechs* 
zehnten Jahrhunderts ist, konnte er Scaligern keinen beson- 
dem Platz geben, weil es mit dem Jahre 1607, also vor Sca- 
ligers Tode, schliesst, und die Enkoipia, gemäss dem annali- 
stischen Plane des Werkes, in das jedesmalige Todesjahr ge^ 
s^Ut sind. Er begnügt sich daher mit folgender kurzen und 
fast bis zur Andacht innigen Erwähnung am Schluss der Cha- 
rakteristik Julius Scaligers (B. XXI. z. J. 1558, p. 949): E 
hdii Scdligeri liberis vlHmua hodie superat losephus Ittstus Scaliger, 
qui secundum patrem nunc ifUer litter atos et in're litter aria prin^ 
cipem sine controversia locum tenet, vere eruditorum Phqebus, ut 
polUissimi vir ingenii eum indigitavit*). De hoc ut plura dicam nee 
pudor eius patitur nSc per ingentia ipsius erga me merita licet, 
qtcamquam minime vereor ne propterea minus vera de eo praedicare 
videar, cum quicquid dixero opinione omnium vero minus sü, Sed 
potius est ut, tanti viri nomen per transennam appellasse contenti, 
cuUum quo divinum eius ingenktm cum rara morum probitate con- 
iuuctum pro iure amicitiae quae mihi cum illo intercedit prosequi- 
mur venerabüi süentio ut in sacris ßeri amat obsignemus. Ausser- 
dem zieht er, wo sich nur eine schickHche Gelegenheit bietet, 
den Namen Scaligers in die eigentliche Geschichtserzälilung 



') Dübartas, semaine aeconde, nannte ihn: k soleü des SQOoans. 



147 

bitfeio, z. B. bei der Sendung Monluc's nach Polen (%, J. 1572 
p. 1085), bei der Einführung des gregorianischen Kalenders 
(z. J. 1582 p. 704;, bei der Charakteristik des Mathematikers 
Vieta (z. J. 1603 p, 911). — Um öffentlich zu bekunden, wie 
hohen Werth er auf die Freundschaft dieses Mannes lege, 
widmete Scaliger ihm sein Hauptwerk, den Eusebius, für wel- 
chen Thuanus' Einfluss die • Ausbeutung der Pariser Bibliothek 
erleichtert hatte, SccUigerana IL (s, v. Thuarvus): Je dedieray mon 
Eusebe ä mon hon amy Morisieur de Thou qui m*a faU avoir des^ 
Uwes du Roy, ny ä Roy ny ä Prince ny ä Republique* — Der 
langjährige Briefwechsel zwischen beiden Männern würde ge- 
wiss viele Lücken in Scaligers Biographie ausfüllen. Leider 
sind aber nur einige französische Briefe des Thuanus, über- 
diess aus späteren Jahren, gedruckt (bei de Revesjj. 182 — 185; 
326 — 333; 501 — 514), und von den Scaligerschen, meines 
Wissens, kein einziger* 

25. Leben zu Valence. 
(Zu S. 41.) 

Die heitere Müsse zu Valence, sowie die vorausgehenden 
Schrecken der Bürgerkriege und die folgenden der Bartholo- 
mäusnacht berührt Scaliger in einem Gedicht, das er von Genf 
aus. an Paulus Melissus sandte (poemm, p. 29): 

Poeiquam proceltis eqae iripUciflucbi 

Civilis aesius delicatus et Itber 

Excepit almae me ValerUiae porius, 

Ut iuri» acri sancta me Themis cuUu 
30 Artifi4si8 expoUret ungue Cuiaci, 

InexpitUae post cruenta Bellonae 

Pugnaia coelo beüa semper irato, 

Tunc, Hunc poekt, timc Apoüini carus 

Vixi; Cameni8 tunc amicwf audivi; 
35 Nee uUa surdo pleetra movimus Phoebo, 

At nunc doloso flamma Martis insani 

Supposüa cineri, qmmque paci9 armatae 



US 

FaUax cMat vuUus, ut prius siuUü 

Spea suggerebai Suada credulas GalliSn 
40 ExsuscUata fuiaü, lUcet magnam 

Inapina cun^is urhiims dedit stragem, 

TJnde administrat saeva Erinnys ardentes 

Incendiorum civico faces hello. 

Quart metu deiectus, obsitus ludu, 
45 ÄtrahiSj exspea in tuum ainumßigi, 

Geneva, quae me patriae exulem terrae 

Bhmda atgue amica caritaie favisti. 

Ergo üle primus ardor, iUe cognatus 

Nitor obsolevit mentie ad metue illos, 
50' Melisse, qualis ad Caniculae tabem 

Omnis silet flos; ei iamen tuis scriptis 

Vires recepit, qualis imbribus seris 

Seges renidet aegra^ quae diu^ languens 

Frustra cohni spem sagacis elusU. 
Statt Qeneva V. 46 steht in der mir vorliegenden Ausgabe des 
Scnverius C1615^ eine Reihe von Punkten und ein kleines a* 
Eine ähnliche, aus den damaligen Arminianischen Streitigkeiten 
erklärliche Scheu den Namen Genfs und der Genfer gerade 
heraus zu nennen, tritt in dieser Ausgabe auch sonst hervor. 
Z. B. wird p. 105 der Name des Tbeodorus Beza unter Adeo- 
datus Seba versteckt, und p. 107 Venega geschrieben statt 
Cteneoa, 

26. Diplomatische Sendung. 
(Zu S. 41.) 

Meine Darstellung steht in direktem Widerspruche zu St. 
Prix (Spangenberg, Ctgas p, 34, 153 — 158). Dieser kommt 
nach einer, durch sachwalterisches Numeriren von Gründen 
sehr verwirrten, Beweisführung zu dem Resultat, dass Scaliger 
in der Bartholomäusnacht noch in Valence gewesen und dort 
ihm Oujacius das Leben gerettet habe« De Thou's Erzählung 
(lib. LIU, z. J. 1572 p. 1085), welcher ich in Allem, was den 
Monluc angeht, bis ins Einzelne gelbigt bin, ist für die Sca- 



149 

liger betreffende Frage nicht entscheidend. Ueber diese giebt 
jedoch der Verfasser der Jüenwires de Pestai de France soue 
Charles IX. (L p, 690^ bei Golomesius opp. p. 138J genügende 
Auskunfi;, ganz in Uebereinstimmung mit Scaligers eigenen 
Aeusserungen und mit dem Entschuldigungsbriefe Monluc's. In 
der Widmungsepistel der Catalecta nämlich, welche von Lyon 
den 22. August datirt und an Cujacius gerichtet, ist, sagt Sca- 
liger: Sci$ mUnny ut ho die repenHno nuntio in Germaniam prqfi- 
ciscendi mihi necessOßs imposita ait^ und in Scaügerana IL (e, e. 
Scaliger) : tPestms ä Lauzanne loraque U massacre fut fait et le 
sceus ä Strasbowrg, d'ou je tm^s incorUinent ä Geneoe; er trat also 
am 22. August von Lyon die Beise durch die Schweiz an, 
befand sich in den letzten Augusttagen in Lausanne, erfuhr die 
Nachricht von der Bartholomäusnacht zu Strassburg in den 
ersten Tagen des September, und begab sich darauf unver- 
züglich nach Genf, da ein anderes bedeutendes Mitglied der 
Gesandtschaft, Monluc's Neffe, der Abbe de St. Buffy ihm ein 
längeres Warten als vergeblich dargestellt hatte, was Monluc 
selbst bezeugt zu Anfang seines Briefes (1)ei de Reves p. 293) : 
Monsieur de VEscaie^ le Sire Henry. EsHenne, que je vis a Franc- 
yort ä mon voyage de Pologne, ne vous aura pas celSy comme je 
croy, le regret que j'avois que je ne fasse venu ä temps powr vous 
trouver ä Strasbourg et rejectois toute la faulte surce que favois 
esU retenu prisonnier ä Verdun et sur la timiditS et predpitation 
de VAhhe de Sainct Ruffy, qui vous avait contrainet de vous en re- 
tourner^ ainsi que hien amplement m'avoit fait entendre Monsiet^ 
Sturme, qui me donna teile asseurance de vostre honm volenti que 
Je vous en suis et seray tousi&urs ollige. — Solche authentische 
Zeugnisse der betheiligten Hauptpersonen können nicht ent- 
kräftet werden durch ,Chorier's (JI^ 649)^ Diir im Original lei- 
der unzugängliche, Worte, auf welche allein St. Prix sich 
stutzt, dass ,C!\jaQius dem jScaliger das Leben gerettet habe^^ 
zumal da diese Worte nicht nothwendig die Anwesenheit Sca- 
ligers lu Valence während der Blixtbochzeit einschliesae% son- 



ISO 

dem recht wohl einen mit dem wahren Sachverhaltniss ver- 
träglichen . Sinn zulassen. Denn es war auf Cujacius' Empfeh- 
lung geschehen, dass Monluc de^i Scaliger zu seinem Begleiter 
gewählt hatte, wie der Verfasser der memoires sous Charles IX. 
ausdrücklich sagt; und weil nun Scaliger, ohne diese Gesandt- 
schaftsreise, am 24. August in Frankreich gewesen und dort 
schwerlich den Bartholomäusmördern entronnen wäre, so kann 
Cujacius immerhin als sein mittelbarer Lebensretter einmal an- 
gesehen worden sein. 

27. Coligny. 
(Zu S. 42.) 

Scaligerana L &, v. Colignius: Non sunt edita nonnulla mea 
carmina de Gasparis Golignii morte et sicspendio^ idque T, B, F*. 
negligenHa, Voleham ülos intelliffere, dwm suis caedtbus occupaban- 
htr nos solos tum non fuisse oHosos nee dormitasse. Die loitia- 
lien hat des Maizeaux richtig durch Theodori Bezae Vezelii auf- 
gelöst und ich habe mir erlaubt, dem Beza ein wahrscheinli- 
cheres Motiv als blosse negligenHa beizulegen. — Gedruckt 
wurden, meines Wissens, diese Verse auch später nie, eben 
so wenig wie die Inschrift für Coligny's Grab, welche er 
auf Verlangen von dessen Tochter Louise, Prinzessin Wilhelm 
von Oranien, .im Jahre 1606 verfasste. Selbst diese Grab- 
scbrift, obgleich über dreissig Jahre nach dem Ereigniss ent- 
worfen, war noch so heftig, dass Pariser Freunde daran än- 
derten powr Vaecommoder ä ta prudejiee de ce siecle^ wie die Prin- 
zessin an Scaliger schreibt (bei de Reves p. 192). 

28. Genfer Professur. Gifanius. 
(Zu S. 43.) . 

Das unzweifelhafte Factum von Scaligers Genfer Professur 
war schon um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts so vei^ 
schollen^ das Sarravius zu Scaligerana H» s. v. Scaliger Folgen- 



151 

des anmerke konnte: Monsieur Menage nou» du <pse Monsieur 
Je Saumaise luy avoit du ei asseure que Scaliger, avoii autresfoiä 
enseigne et montS en chäire ä Qeneve: amplius inquirendum; de 
hoc enim in eius operibus niuüum vestigium. Allerdings findet sich 
in Scaligers Druckwerken keine Spur davon. Wohl aber er- 
zählt Vertunianus in Scaiigerana L (s, t?. auctores): Geneoensibus 
se dixisse ait Scaligery cum iUum proßteri publice Philosophiam 
rogaruni, se non conceptae de se opinioni responsurum nee satis 
commode id praesHiurum muneris ad quod vocabatur. Assiduus 
tarnen in Organi AristoteUs lecHone Juii integro anno, hocque proe^ 
senti [sc, anno 1574/ Physica erat agressurus, nisi ad maiora ü- 
lum Dens vocasset Und ebendaselbst: Si vitam losepho Soaligero 
Deus longiorem concesserit, nuUus auctor fuJtwrus est — priinarios 
dico — quem non emendaiurus sit; ad id enim aptus naius est non 
ä caqueter en chaire et pedanter. Dominus enim Scaliger 
non discurrit, ut dicebant Germani Genevae, sed bene interpretatur 
auctoris mentem. — Femer spielt Scaliger selbst auf seine Gen- 
fer Professur an in einem an Casaubonus nach Genf geschrie- 
benen Briefe vom 31. August 1594 (^. p, 150); omnes vete- 
res amicos nostros scduta, in quo r um collegium uti olim ego 
adoptarer tarn indignus fui propter imperOiam quam Lucumo 
Lausanensis propter levitatem, ne quid asperius, id est verius, di- 
cam. Dass hierunter das Genfer ProfessorencoUegium gemeint 
sei, erhellt aus der ironischen Vergleichung mit dem Lucumo 
Lausanensis, welches Scheltwort (v. Paullus ex Festo s, v. Luco- 
mones) sich auf Bonaventura Cornelius Bertramus bezieht^ der 
erst in G>enf und dann in Lausanne eine Professur bekleidete 
(Colomes. opp. p. 12) ; Scaliger war auf ihn böse, weil er gegen 
seine chronologischen und cyklometrischen Schriften Opposition 
machte in handschrifüichen Aufsätzen, die er unter gemein- 
schafUichen Freunden umlaufen liess (de Reves p. 67); Eine 
ebenfalls handschriftliche Replik Scaligers gegen seine Ein- 
würfe hatte Simon Gpulart (de Reves p^ 117) bei Beza gese- 
hen; sie ist also vielleicht noch in Genf aufzufinden. — £nd- 



153 

lieh aber wird jeder Zweifel beseitigt durch zwei Briefe des 
Obertus Gifanius an Scaliger, welche in die Genfer Zeit fallen 
(Burman. syü. IL 306->30d;. Der firfihere, postridie id. Decembr. 
[\bl2] geschrieben (p. 307, 8), beglückwünscht Scaliger we- 
gen seiner Erwählnng zum Lehrer der Philosophie: Tibi v&ro 
ei [vd] reipuMicae vestrae poHus gratuhr quae te Phiiosophiae Do- 
ehrem ddegerit^ in quo munera quam praeclare dtiia aatisfotcia» 
sdoj quicquid tu. i»$ liiteris ad me doHa excüses. Weiterhin 
schreibt Gifanius: audio te versari,in explicandia Finibua Bono- 
rum Ciceronis; und auf die Adresse des nächsten, VII Id. Febr. 
/1574/ geschriebenen, Briefes setzt er: losepho Scidigero PhUo- 
Sophias Profsssori Publica. — Der auch in diesen Dingen leicht- 
fertige Burmann hat über Scaligers Genfer Professur nichts er- 
kunden können, ordnet die Briefe des Gifanius verkehrt, und 
.vermuthet aus unhaltbaren Gründen, sie seien um das Jahr 
1578 geschrieben. Zum Gegenbeweis genügen die Schluss- 
worte des zweiten Briefes: D. Bonefidio V. D. et humanü- 
simo salutem a me dices quam officiosisaime. Dieser berühmte 
Jurist, welchen Gifanius, nach Burmanns Annahme, im Jahre 
1578 grüssen liesse, war schon vier Jahre vorher in Genf ver- 
storben, wohin er sich von Valence nach der Bartholomäus- 
nacht begeben hatte, Thuama l. MX p, 88.* Eoden$ anno [157 4J 
VI Eid Febr. Genevae cum tantum XXXVHI annos sxegissei for 
to /unctus est Enimtmdus Bonefidius. v Hingegen kann der nicht 
einmal wunderliche Umstand, dass Gifanius von Strassburg aus 
in einem am 7. Februar geschriebenen Brief» den Tages da- 
rauf zu Genf Gestorbenen grüsst, wohl nicht, geltend gemacht 
werden gegen die von mir, aus hier nicht weiter auszuführen- 
den Gründen, gewählte Jahreszahl 1574 für den zweiten Brief 
des Gifanius. -— Dass gerade während Scaligers Aufenthalt 
zu Geaf der Briefwechsel zwischen ihm und Gifanius sehr 
lebhaft gewesen, sagen die Scaligerana IL (s. t>, Qtfanius): fai 
perdu heaueoup de lettres qus ötfanim w^escrivoit a Oensce. Un- 
mittelbar vorher heisst es dort: Gifamussstoksikonmssts komme 



153 

em France, und nur filr diese Zeit seines französischen Aufent- 
halts gilt die Freundschaftsbezeigung Scaligers in Catakctt. 
p. 259 .' Obertus Gifanius vir erudiHssimus mihique oh raras exceU 
lenÜMimi ingenii dotes carissimus. Später hatte ihn Scalig^r in 
Verdacht groben litterarischen Unterscbleifs, Secdigeraina IL (a, 
V,): Crifanius estoit docte; son Lucrece est free hon. Je luy ay eh' 
voye depuis qtielque chose de hon sur Lucrece qt^il a garde et dU 
qu'il n*a rien receu ei sen veut prevaloir. Dasselbe in viel schär- 
feren Ausdrücken schreibt Scaliger, 7. März 1605, an Scipio 
Gentilis (bei Burmann, epistolae Oudii p, 356).* Audio Gifcmium 
testamento suo opuscula et hieubraiiones Riitershimo legasae ea con- 
ditione ut ab eo edereniur. Memini me ante hiennium Uli Umgarn 
epietolam scripsisse, in qua non solum locos Lucretii de quibua con- 
suhterat me explicabam, sed et muUa alia adieceram qtnbus ediiio- 
nem Jjueretianam exornaret. Quam tamefei aceeipiaset, tarnen tanta 
/f$U eiue impudentia ut negaret ad se perwniese. Idque eemper so- 
MkU facere ut ethi attribueret ea quae ab aliis didicerai, et si quis 
plagii ewn ^osttdare vellet, haheret avoloYUtv paratom, se nullas Ut-* 
teras accepisse. Bis terve ausus est apud amieos nostros queri, se 
nihil litterarum a nobis accepisse, qui omnes quas Uli seripsi reete 
Qccqtit, Sed eum hominem nunffuam fuisse putOy qui in Ulis sor* 
(Obus quas omnes nonmt vixit, et nuHlum amicum sihi quaesioit, et 
qui hene de illo meriti erant, Ulis se quoque nihil debere profit^bafont. 
Interest tarnen Beip. litterariae, ekis lucubraiiones edL Fuit mim 
doctior quam probior, et nos eius doctrinam prohamus, mores exse* 
eramur. Vielleicht wurde Scaliger jedoch später mit Gifanius 
wieder ausgesöhnt, als er erfuhr, was der Rostocker Pro- 
fessor Ignatius Hanniel folgendermaassen erzählt {Con/. /ab, 
Burd,, opp, p, 177); Eramus Ingolstadii in eonvioio apud nobÜis- 
simwn Dom. loh, Bredomum equitem Marchioum, vbi eontenHone 
de praestantibus reformaiae religionUms wris exarta, quum Acade- 
miae tum pro tempore rector, homo Logolitid instituHj omnem s^ 
Udae erudiiionis laudem hominibus Powtificiae Eeclesiae tindicarei 
eiusque sectatores cehbriores omnibus aUis supereilio Lc^oliHco ei 



154 

arrogantia paedagogica praeferrety iratus Oifanius ^Ecclesial Eccle- 
sial inquit. Tu semper de Eccksia, Europa hodie non höhet do' 
'ctiorem Scaligerc/ , . . Ormiibus qui aderant silentmm tenenttbtts et 
Gifanio tadte assentientibus^ os isH lesuitae itd ohstructum fuit ut 
ne verbulum quidem deinceps facere cmsus fuerit, 

29. Arbeiten in Genf. Groulart's Uebersetzung 

des Lysias. 

(Zu S. 43.) 

Von kleineren Arbeiten in Genf sind zu erwähnen die 
Noten zu Euripides' Cyklops {opuscc, • IL p, 381). Scaliger 
schickte sie dem Casaubonus^ als dieser im Anhang zu seinem 
Buche de sätyrica poesi die lateinische Uebersetzung dieses 
Drama's von Florens Christianus veröffentlichte» und schreibt 
darüber epp. p, 302/ Non sohm conten^us fui ledione libri tut de 
Satyra, sed etiam tit honorem haberem manüyus et memoriae Floren^ . 
tis nostri, Cyclopem Graecum revisr, Quae olim qmim Genevae es- 
semus in ora libri annotavimus et quae praeterea nunc inter legen- 
dum succurrenmt in schedi&n conieci. — Femer leitete er zu 

7 % Genf des Claude Groulart spätbegonnene griechische Studien, 

und half ihm bei Uebersetzungen aus griechischen Rednern. 
Was Groulart über Scaligers Art zu arbeiten erzählte, ist be- 
merkenswerth , Thuana {s. r. Groulart): A la Saint Barthekmg 
Groula/rt ee retira ä Geneoe avec Monsieur Scaliger ^ ou il/ttt qtänze 
mois et dtüdia sous hii incessament si bien qt^en ce temps lä il se 

V rendit fort docte^ apprit la langue Grecque fort bien et toutes les 

ßnesseSy et escrivait en Latin tres facilement et ehgammeni, Teile- 
ment qiieeiant de retour il me fit voir quelques Oraisons des ora-^ 
teurs GrecSy qt/a d^mi^ imprimS. H, Etienne^ qiiü ax>oit traduites 
qui sont tres bien *— M. Scaliger y avoit passS la niain — et me 
dit^ qfiil en faisoit plus en un mois avec M. Scaliger qt/cwec d^au- 
tres en un am,y ä cause que rien ne Varrestoit et ne faisoit rien 
dPinuiile. — Demnach gebührt Scäligern ein gewiss beträcht- 



155 

lieber Antheil an dem Lobe, welcbes dem Claude Groulart 
vielfach gespendet ist für seine allerdings sehr vortreffllicben 
lateiniscben Uebersetzungen dreier Reden des Lysias, der 
gegen Eratostbenes, der ersten gegen Alkibiades, und der ge- 
gen die Kombändier (bei Sitphan. OraU. veterr. ed. Ib7b, 
p. 162—178). Andere Genfer Arbeiten Groulart's, die wobl 
aueb ,durcb Scaligers Hände gegangen' waren, möcbten viel- 
leicbt in Ronen aufzufinden sein, Wo Groulart später Parla- 
mentspräsident wurde. — Briefe «von ibm an Scaliger giebt de 
Beves p. 269, 449. 

30. Anhänglichkeit an Südfrankreich. 
(Zu S. 43.) 

Die Wprte, in denen sieb Scaliger mit südfranzösiscbem 
Patriotismus gegen das Ueb ergreifen ^ des nordfranzösischen 
Clements ausspritbt, lauten: (^uMdam esse qväms hie poeta 
[Ausonwa] non phcet, id vero ammvm nostrwn exercere nan de- 
bei. Stent enim Odern qui dicunt Grorumnam ßuMolvm esse, Bur- 
' digalam opptdukm, Aquitaniam ipsam non mai/oitem esse quam sunt 
dllae praqfasi^arae quae tmo tantum Episeopatu cntt dioecesi conti' 
nentur: Ha ut senatus ipse Bwdigcdensis eorym s^rmone sit tantum 
una decuria senatuli munieipalis. Cum eos ita loquentes audis, rt- 
sum potes abstineref Et non riddns, cum Äusonium honwn poetam 
negantf Et tarnen non a pW)e haec audias sed ab Ulis qui hono- 
rtbus amplissimis fungui^tur, qui in luce hominum persantio', qui 
in litteris aliqui videri vohtnt. Nam nohilitati Gallicae^ quae putat 
in GalUa nihil esse honi praeter eum tractum aut regionem quam 
JFranciam vooamus, et tuttentuH Francicae, quae eodem morho Idborat 
in illo praecipiti calore aetoHs qui illis aciem mentis perstringit, et 
pkbiy quam postulare stqpere est cum ratione insamre, /adle ignosco, 
At mos mapnos viros hoc dicere quis poterit paüf Nos qui nequ» 
acuH neque adeo hebete$ in üs rdms sumus eos ampUssmos viroSf 
si quid de stgaercilio r^mittere velint, possumus doeere et quid sit 



1S6 

Aquitania et quid sH in Httetis CriHcum esse. AHter mim de Itt- 
teris Ate apud nos ac de negoHis in aula disputaiur,^ Nach der 
ganzen. Fassung dieser Worte ist es unzweifelhaft, dass sie 
eine sehr bestimmte und f^ Zeitgenossen ' gewiss voll- 
kommen verständliche' Beziehung haben auf geringschätzige 
Aeusserungen über Südfrankreicb, welche von hochstehenden 
Pariser Parlamentsmitgliedern oder Hofieuten nicht lange vor- 
her Öffentlich gethan Waren. Näheres zu ermittlen, ist mir je- 
doch bis jetzt nicht gelnnge|i. — ^ Die fruhgefasste Vorliebe 
fÖr den französischen Süden verstärkte sich bei Scaliger unter 
holländischem Nebelhimmel, wo er ,die Nachtigallen nie schla- 
gen hörte/ Als Casaubonus von Genf nach Montpellier gezo- 
gen war, schreibt er ihm, 11. Februar 1597, e^. p. 157: Ille 
ierrarum mihi praeter omnes Änguhis ridet . . . Utinam liceret mihi 
res meas componere ex eententia mea, Uman cioem donarem Mo- 
gakmenstbuä vestris . . . Ärecamicos Athbrogtbvs praetulisti^ dyu^ 
tvzj. Ego intetea hie ^fitoQBvovtag' ßatgaxovglkidiam dam te per- 
strepemt lusciniae. Nam illais Ikmliadea nunqmm in hone ptdae- 
Strom adoolartmt hactenus, Quare triennmm solidum [seit 1593, 
wo er Frankreich verliess] Hierum querelas desideramus. Ms 
nubila hie intra pariet^ swnmovent: te in media hieme sudum 
aeris et emoena eampcrum obleeteAunt. Quid quaerisf Inßoideo tän. 
Aehnliche Ausbrüche von Sehnsucht nach den Ufern der Ga- 
ronne epp, p. 156, 187. 

31. M o n 1 u c. ' 

(Zu S. 44.) 

Der schon oben 8. 149 erwähnte Brief Monluc's über den 
Fumester steht bei de Reves p. 292 — 294. . Er dient zu be* 
släligeAder Ergänsimg der Angaben in &tvigny's Aufimtz ,über 
die Lebensgeschiehte de$ Cujas^ (Sehrifken IV, 109)^ und ich 
habe das Wes^tliehe des Inhahs meinem Texte einverleibt. — 
IMe Widmung des Festus an Monluc i^rt ein wahres Muster 



1S7 

wSrdigen Dedicationsscbreibess. Sie hegUint mit einer durch 
die Epitome des Paulus veranlassteu Sehilderuug der njittelalr 
terlicben liUerärischen Zustände und sagt unter Anderem: Cou' 
sidera qyaeao ante hos cftntum plus mmua annos a GvUicis ^tsgue 
tempoT^HiSy in tanta vasiitate litterarum et omnis bumanittUis. ac pa- 
lUiorü cultus neglectu, quam male cum mortalium genete agehatur: 
quos vel hoc nomine infeHcea censere-debemus quod ipei infeUcee se 
esse ignorabani. Von Scaligers persönlichen Beziehungen zu 
dem Diplomaten wird gar nichts erwähnt und zum Lob des 
hohen Gönners am Schluss und in der Kürze folgendes ehr- 
.lieh Gemeinte gesagt: omnes virtuUs ac bonorum litemmm ama- 
toreSf quod giBf*us homanum ego valde vener or, vix aliter animum 
suum inducturos, intelligo quam bona esse quae tibi dipamuSy cum 
abiy homini scilicet graoiisimo atque eloquentissimoy- uberrima lit&- 
ramm cogniHone instructissimo, verum nostrae Gälliae intelligenüs^ 
siino ac toi legationibus sub quoMuor'regibus felicisaime functo opeU 
lam nostram ac mgilias pkumsse animadoertent. Die Beredsam» 
keit Monluc's wird auch in Scaligerana I. bewundert («. v, 
Episcopus): Episcopus Valentiae inter Vascones disertissimus et 
mesme un des plus diserts homm^ de France; und mit einem 
Zusatz über sein Benehmen gegen die Reformirten, Scalige- 
rana IL {s. V, Monluc): Monsieur de Monluc^ meschant contre ceux 
de la Beligion^ estoit eloquent en Gascon et haranguoit magmfique- 
ment eomme un Ciceron, 



32. Reisen; Unterhalt. 
(Zu S. 45.) 

Den Öfteren Wechsel seines Aufenthaltsorts hat Scaliger 
in der Subscription der ersten Ausgabe des Werkes de emen- 
datione angedeutet: opus de emendatione temporum in Biturigibus 
instituHmiy in Lemotidbus affectum^ in Pictonibus ad exitum per^ 
duM. Ende 158J war er* bei Cujacius in Bourges zu einem 
Condolenzbesttch (oben S» 141), 1583 in Nerac zur Audienz 

11 



ISS 

bei Heinrich IV. (Coiom. opp. 247), 1584 wurde er zugleich 
mit Cujacius in Paris erwartet (Bunnan. sylL L ITO), und aus 
epp. p, 759 ergebt sich, dass er um 1586 in der Provence 
lebte. A'ttsserdem zeigen die Briefdatirungen, dass er zwischen 
den im südlichen Frankreich zerstreuten Besitzungen der Fa- 
milie Roohepozay hin und her gereist ist. Nimmt man hierzu 
die frühere grosse Reise nach Italien und England und . die 
spätere Uebersiedelung nach Holland, so können die oben 
S. 130 erwähnten Klagen über allzu häufige, seine Studien un-. 
terbrechende, Orts Veränderung nicht £iir ganz grundlos gelten. 
— Seinen Unterhalt fand er während dieser ganzen Zeit wohl 
vorzüglich durch die Freigebigkeit . des de la Rochepozay, und 
darauf bezieht sich wohl auch das mit edler Offenheit gespro- 
chene Wort in Scaligerana IL {s, v. Scaliger): Magna est Provi- 
dentia Dei in rebus meis. Ego ab obitu Patris semper eleemasynis 
vixi. Sein mütterliches Vermögen, über das er in Leyden te- 
stirte (^pp. p, 183), mag nicht ausgereicht haben, und von dem 
väterlichen hatte er fast Nichts bekommen {ibid, p, 184). 

33. Widmung des Manilius; Pension. 
(Zu S. 45.) 

Das Widmungsgedicht au Heinrich 111. . steht nur in der 
ersten, jetzt selten gewordenen Ausgabe des Manilius (1579); 
in den späteren Ausgaben wurde es weggelassen, wahrschein- 
lich weil das Urtheil über den letzten Valois seitdem in hu- 
genottischen Kreisen sehr ungünstig geworden war. Scaliger 
selbst freilich hat immer Anhänglichkeit für ihn bewahrt und 
manche seiner Vorzüge in seinem Nachfolger, 'dem ersten 
Bourbon, vermis;3t, Scaligerana IL (s» v. Henri^.IV,): Le Roy 
Henry III, aooit plus de sonplesse que ce Boy {Henry IV.), qui a 
tme grande promptUude; ä cause de cela it estoit mesprise;si' aooit 
il plus d'esprit *et plus de vertus royalles que ce Roy. Le Roy 
Henry IIL se mtisdit ä soy-mesme^ mais celuy-ci et ä soy et ä son 



IS» 

Estat, — Das wohlgerathene Gedicht verdient hier mitgetheilt zu 
werden, weil es selten und durch den Umstand merkwürdig ist, 
dass Scaliger noch auf seinem Todtenbett daran feilte. Die 
Muse Urania wird redend eingeführt und das Ganze ist im 
Ton eines Prologs gebalten (poemm. p, 33) : 

Christianissimo Franconun et PolonoTum {legi Henrico III. 
Urania Musa. 

Princeps sororum^ quae heßta setessw 

Vireta celebrant inier Äonum morUes, 

Urankt, quanwia me reposta caelorum 

Species moratur musidgue cancentua 
. 5 Mundi volantis, conacias tarnen faU 

Coeli choreoB tutricas et Erranum 

Septem reliqui spatia, qtios ciUa biffis 

Curricula Circi magTfia semper exercent- 

Üt hvnc ministreni fccta rdme humanis, . 
10. Momenta varHent üc reciprocos casus 

Vohant reoohant. . JSamque me piu$ »fenUe 

IncessU ardar, tMojgne Rex, tU hunc nosiyae 

Gentie dieniem, quem recenter a nigris 

Ldi tenebris imminentiSj a dircte 
15 Oblivionis vindicaioimug fato, 

Tuas ad aras ad tuumque pufvinar 

Sul)Ume siatam, ei novis ei paeeim 

Modie hmwrea comparare dknnog, ' 

Quoa dia ^pirai aura nominie vestri 
20 Solioque ßUgens eminente maieetas, 

Spes est, tuo ut favore foius et nido 

liUo receptus, nee UcenHam indodae 

Plebis, nee uüum tUgma Chrammatistarum, 
' * Nee inquinakt menda, pec veiustatem 
25 Senfire porro, nee ^aivem sitmn possit. \ 

At unioerei rector orbis ^uguetue 

Praeetare non id quivit ut suus vates, 

Qui sese in eius tradidii cUentelam^ 

Non vim severae mortis eaperiretur, 
. 30 Neque iUe mendis atque paedapOfforu»n 



160 

Contaiminßbita obsokio^ret nugü. < 

Tu, quum € ienelfris, e »ilefUio kti 

Illustre Victor efferens caput, sese 

Dedat tibi poeta — nam tuo riutu 
35 Videre iücem ae fateiur — Augustum 

Maiore laude Vincis ac suum iandem 

Itti anferendo vindicas tibi vatem. 

Nam bene mereri vaite de suo, quem nee 

Servare potuH, iure nan ppiest uUo, 
40 Tuus Poeta est igitur optimo iure. 

Quid quod vagantum nasse eiderum cursus, 

Solis labores, spatia menstruae lunae 

Annumque gressus in sfws relabentem, 

Indigna non est rege maxirno euraf 
45 Testis Necepso qui Canapici regni 

Teneifs habenoß, nocte consukns caehm, 

Quaecunque Umes antra signifer portat 

Radio notaivit. Quid vetustus eiusdem 

Tyrannus aulae ierque nmximus, Nili 
50 Regnator, Hermes- qui logisticis puncHs 

Coüegit astra, eadici penetralis 

Reaeraoit adyta, venit ad Deos ipsos 

Caelo potitus sie per qstra captioof 

Quid priscus Atlas, rector Africae, qui non 
55 Gervice, verum mente pertulit caelumf 

Quid nie, canae quem loquentur aetates, 

Astrorum cUumnus, pignus aureum codi, 

Casteüae amoenae rex vetustus Alfonsus: 

Aliique, quos nee expUcaverim, reges, 
60 Dioina qui per scripta regtbus magnis 

Magnisque tantam ducibus asaerunt artem? 

Ars ista -sie, Rex magne, regibus non est 

Indigna, quae tot vindices habet reges, 

Quod si et cUentem hunc recipis:, o qtuUer felix, 
65 Quem sie tueniur, saeculis commendant 

Regale studiu^'.ttt^ue maximus regum. 

Ueber die auf dem Tadtenbett angegebene Verbesserung zu 
F. 58 berichtet Daniel Heinsius (Anhang zu epp. p. 835) : Ali- 
quot diebus ante summum ac fatale tempus .... cum ad mum ac^ 



m 

cessissem .... de vers'iculis quibusdam mUs^ cum antea ne menHo- 
nem quident eius rei ferret — h§mo enim magis, stta. coniemn^fai 
— tUrum eos editums essem perfunciorie qvaeswit. Cum facttarum 
medixissemy Scasontemy inquity qumdam qyi praetermäUndus non 
erü primae Mtmilii edUioni praefi$mii), irw^ies, Memini tarnen me 
aiicubi memoria kpsum esse, Igitur pro ilh Rex CeltHerae 
Tarraconis Alfonsüe [so steht wirkUch vor dem ManiUus 
gedruckt] T£pon0iuff» er^ ilie Castellae amoenae rex vetustua 
A I/o usus. Haec ooulis languentibu» ii^ ßractis rnorbo Mribns^ tTt- 
oiniLS ut- tum quidem videbatur mortis iniegerrimis tarnen sensUms 
diceJnU. — Dass Heiörich III.^ der wie alle Kinder der in^di- 
caischen Catharine astrologischem Wahne ergeben war, die 
Widmung des Manilius hesQuders wohlgefällig aufgenommen 
und mit Aussetzung eines Jahrgeldes belohnt habe^ berichtet 
Andreas Schottus in. einem Briefe an Lipsius, und befurchtet 
zugleich, dass die Aussetzung nicht zur Auszahlung fuhren 
w^erde (vor Pitiscus' Ausgabe des Aui^elius* Victor und bei Cre* 
nius an4mädd, phiL III^ 58).' rex Gallorum SeaUgeri Manilium 
gerate acc^it et annuam pensionem bis miile Franeicorum dedit, 
Bene res se habet si solvitur fide non Gallica sed Graeca vel oou- 
lata manu [Plaut, Asin, I, 3, 47, 50.7 "" ^^^^ Befürchtung, die 
nur zu sehr sich als gegründet auswies. Im Jahre 1594 kann 
de la Rochepozay in einem nach Leyden geschriebenen Briefe 
(bei de Reves p. 56) nur. versprechen, er werde die Auszah- 
lung betreiben Vors qi/il sera ä pfopos^ und Sogar Jeannin 
konnte in unmittelbarer Verhandlung mit Heinrich IV. und 
SuUy im Jahre 1608 nichts weiter erwirken, als dass Scaligers 
Name für das folgende Jahr auf diä Liste der wirklich auszu- 
zahlenden Pensionen kommen sollte (de Reves p. ^3). Das 
Jahr 1 609 ward nun aber sein Todesjahr. 



I«3 



34. Elegiker; Geburtsort des Properz* 
(Zu S. 46.) 

Im Jahre der Herausgabe des Manilius 1579 richtete Sca- 
liger an den Mathematiker Joannes Stadius einen offenen Brief, 
worin er seine bisherigen Arbeiten Überblickt und die Auf- 
nahme bespricht, welche ihnen diesseits und jenseits der Al- 
pen zu Theil geworden. Es bildet dieser Brief mit. seiner 
scharfen Zurückweisung italienischer Anmaassungen gleichsam 
das Vorspiel zu dem 1586 erschienenen Yvo Villiomarus. Zu- 
gleich wird auch einigen Professoren des Pariser Gymnasiums 
die Polemik, welche sie vom Katheder herab besonders gegen 
den Scaligerschen Catull geführt hatten, mit lustiger Derbheit 
vergolten. Man wird die einschlagende Stelle hier gern lesen 
(<5jt)p. p. Gl): Nota trium poetarum^ guos ntßper emisi, editio Ita- 
hrum atqu^ nöstratum cmimos quawkmi novitate rei percussüf 
Ipsam %Qiv HesiocH in orhem terrarum nUaisse visus sum, Atjug 
tä illo3 Cisalpinos omittam, itä forvm magistrorum Partsiensknn 
excandefecimus ut freqtientes coirent et de magna re publica delibe^ 
rarent Dicebantier sententiae graves, Parum abfuU quin ad illud 
^tremum decuareretwr : Viderefti magistraitis^ r i ([md detrimenii res-» 
publica^dip^'^is&hu^^ «•«'• ^^ «»^'^ mentiri 

festes stmt non söUim gramssimi viriy amici mei^ qtd haec mihi nOn 
sine risu retulmmt, sed et boni adolescentes^ qtd qmtidie stmiUach- 
chmantes magistros, a/udire solent. Qian et popinae ipsae LfOetidnae, 
post^uam doctarwn Criticonm venae generosö flore meri incaherant, 
conviciis ae contttmeliosis dictis totae perstrepebanL Eo enim sqepe 
condic&re solent Jlomulidae, ut satnri inter pocula quaerant, quid dia 
po&mata narrent [Pers. I, 30/: Nee temere aliud magis vulgare 
hodie in gymnasio regio iaetetri audias quam fahunnias ac sophis- 

nuUOy quibus quotidie nomen meum insectaniur doctissifni viri 

Unum me sdlieet hostem sibi proposuere quem debellarent, de quo 
irnmpharent. • Qratum est qtiod me dignum censent quem secum 
componänt atque committänt Bgo tarnen phme .certamen d^ecto' 



16a 

Impar sttm ei pugnae, Goparum nai locxMfoicmliS(ov convieia num- 
quam dUdid. Ilhbsiri generi progtuUus sum; liberaliter instihOus 
fui, Scholasticas illas contenttones numquam amaioi. Hoc unutn tan' 
tum a Deo Opt Max, peto, ut in traciandis literis mihi liceat cum ali- 
quo studiosae itweniutis' fntciu atque publico commodo versari. Nam 
ghriolam ex nescio quarum vocularum commutationibtts imcupariy 
angusti est animi; cui tamen rei valde siudent homines Ciealpini 
[s. S. 164]^ quibus eüam dolet hominem Transa^pinum ea tractare, 
quae tanium ad ItcUos pertinent Nam patriam Properiii indicare 
fwn nostrum est, qui Celtae Vascones Aquitani sumus, sei eorum 
ianium qui in Italia noH sunt, qui tarnen iure suo sibi permittunt, 
Ameriam nchiliasimum municipmm in ,Franciscanorum sodalium 
metropolim*) trans/erre, Nosirates vero doctissimos viros quid tan- 
iopere urat, non video, Non ego sum Galhte ut Uli f. Cur adeo 
veritaiem oderunt ut non patiantur adolescentes cum*cUiquo Jruciu 
ex Vfuditorio exiref Quid ad teneram illam aetatem, bene an male 
aliquid caetigarim aut interpretatus sim? Quid hoc est nisi ut nos 



*) Diess bezieht sich auf die Streitfrage über die Vaterstadt des 
Properz, ^v welche schon damals, nach Prop, V, \, 125 acandenUsque 
Asisi conswrgit vetüce murusy Asisium gehatten wurde. Scaltger wollte 
jedoch in der damals gangbaren Lesart Asis lieber axis ^it der Bedeu- 
tung jHügel* erkennen, als den Geburtsort des h. Franciacus auch fQr 
den des Dichters gelten lassen. Er sucht durch sehr verschlungene 
Combinationen die Wiege des Properz nach Ameria zu versetzen, was 
ihm natürlich die Asisianer und Franciscaner sehr verdachten, während 
Cujactus in einer 1576, also gerade um die Zeit der ersten Ausgabe 
des Properz, gehaltenen Rede öffentlich der Scaligerschen Meinung zu- 
stimmte (Cuiacii opj^. VIII, 1100 ed, Neap.)r S. Franciscus Umher, ex 
Asisio oppido, quam quidam faho autumant Propertü fuisse patriam, cum 
Amerinus fuerit non Asisinas^ — Den Zeitverhältnissen nach, ist es mög- 
lich, dass Scaligers Ansicht die unschuldige Veranlassung gegeben hat 
zu den Fälschungen amerinischer Ihschriften mit dem Namen Proper- 
tius, von welchen 'Haupt' und Moromsen gehandelt haben (Beriehte 
der sächsischen Gesellschaft /, 260—276). 



164 

mfra poaitos splendore suo praegavare videanturf Non pudei illos 
quod me tmcunt, ut de Pkihmone dicebai Menanderf 



35. Miscellen. 

(Zu S. 46.) 

Die Miscellenschriftstellerei war seit Politiau unter den 
Italienern heimisch geworden und auch Transalpiner wie Tun- 
nebtts, Müret und Lipsius hatten dieser Manier gehuldigt. 
Scaligars organisatorischer Sinn erkannte früh, dass man auf 
diesem Wege einer schädlichen Zersplitterung des Stoffes und 
der Klüfte entgegenging. Er hat zu keiner Zeit sich zu sol- 
cher Sammelei herbeigelassen und gelegentlich auch Einspruch 
dagegen erhoben, besonders im Yvo und in der oben S. 162 
angeführten Stelle; seine eigene Weise, die Autoreu im Zu- 
sammenhange zu behändlen, stellt er jenem Schnitzelkräuseln 
gegenüber epp. p. 52.* Multa in auctores täriusque linguae obser- 
vammus ex quibus immanes parttts nasci possent Variarum^ AnH- 
quarum Lectionumy Mtscellanearum et- aliorum huiuscemodi quibus 
hodk PhilologoruM ambitio lascimre solei. Non quod eiusmodi 
^cripHonis gemts inutüe ptitem azU in tUlo scriptore haec reprehendam 
— non enim ita ineanimus — sed quia talia ah aliis edi quam a 
nobis malumus, Ut tarnen nobis vigiliarum nostrarum fi'uchts con- 
Btceretf interpretandos et emacukmdos auctores integros suscepimus, 

36. Plaut US. 
(Zu S. 47.) 

Bereits um 1571 *hatte Lambin durch Cujacius erfahren, 
dass Scaliger des cboses merveilleusement belles et bonnes zu Plau- 
tus vorräthig habe; er bat brieflich (de Reves p, 284) um de- 
ren Mittheilung flä^*seine Ausgabe und knüpfte an diese Bitte 
^demHtii kleinliche Cautelen zur Wahrung des beiderseitigen 
Eigenthumsrecbts auf etwa unabhängig von einander gemachte 



16S 

Conjectaren. Scaliger scheint diesen Brief übel vermerkt zu 
haben; denn Ende Mäns 1572 (de Reves ^7. . 1 33) beklagt sich 
Lambin über ausgebliebene Antwort und ersucht im demüthig- 
sten Tone um une dottsaine an bien une demie douaaine de corre- 
eÜonSf dass er seine Ausgabe nur wenigstens mit Scaligers Na- 
men schmücken könne. Durch Lambin's bald darauf erfolgten 
Tod zerschlug sich jedoch jede Aussicht auf ein gemeinschaft- 
liches Veröffentlichen ihrer Funde, und noch um 1574 muss 
Scaliger den Plan einer selbständigen Ausgabe gehegt haben. 
'So theilt er in seinem Commentar zu Festus mehre plautinische 
Emendationen mit, deren Begründung er in editione Plauüna ei 
Deus /averit zu geben verspricht, s. v. Adsectaia (Rud, H 4^ 5)/ 
s. r. Hiilum (Glossarium sine (ispiroHone Illum vetif^iwg vo ivz6%, 
Ei Ha in Plaitto ut osiendemus aMquando si Deus /aoerii);^ s, t?« 
Suirium (Cos, III, J, 9); s. «. Thomices (Merc. 192>\ Aber 
schon drei Jahre später fordert er in einem Briefe, Februar 
1577, den Lipsius auf, sich des Komikers anzunehmen, der 
unter der eben postum erschienenen Commentarlast des Lam- 
bin erliege; er selbst habe die Sache für immer -aufgegeben, 
epp. p> 87: Phutum Lambini si vidisH non admiraris; cerio scio. 
Bsi enim germanus plane illius Horatii Lambiniomf qui commenla- 
riarum mole lo^orai . . ; . Tu nofns ei Phutum et Ntmium ^ alias 
examatos dabis, Neque est quod a me exspectes. Wirklich schei- 
nen bei Weitem die meisten der seitdem gedruckten Mai^inal- 
riocen Scaligers aus den frühen Jahren von 1560 -^ 1574 zu 
stammen, woraus sich denn manches Verwunderliche und von 
der späteren Reife gar zu sehr Abstechende erklärt (Ritscfal, 
prolL LIV,; PlBrs.. XIII,; Baceh. VIIL), besonders dergleichen 
Urtheile über die untergeschobenen Scenen, wie sie zu Merc. 
829 au^ einer Marginalnote angefahrt werden, und über den 
Prolog zu Bacchides in - der ersten Ausgabe der Catalecta stan- 
den, zaCcpa 25; Inprohgio triMaU et ine^ sed o&ts np^v ovtB 
%9ig facto, guad prapasitum. est BaceMdibks PlauH etc. In der 
zweiten Ausgabe hat .er diesen gaasen Passus gestridieii. Aber 



166 

noch im Jahre 1595 schreibt er in ahnlicher Weise an Taab- 
mann, der sieh Rathschllge för seinen Plautus erbeten hatte 
epp, p, 796 ; Ego contextum ipsum purum nuUis in ora notis ad-^ 
posiüs edi cuperem ut vulgo fit^ sed quomodo rede olim unicus 
Plauti Aesculapius popularis tuus loachimus Camerariu^ edidii^ qui 
pwo et emendato proximum nobis dedit. Quae non sunt Plauti^ 
qualia illa olim Amphitruoni in/ulia^ prolopus Bacchi- 
dum et reliqua non recentioris sed sequioris tarnen aevi 
in privatum locum coniic i debent Fraffmenta praeterea omnia 
sedulo ad caleem ponenda et illustranda. Diese Scaligerschen « 
Worte über die Supposiia hat sich Taubmann am Scfaluss sei- 
ner Vorrede (p. VIIL ed. 1605) angeeignet, dagegen die Er- 
. raahnnng hinsichtlicti der Fragmente in der ersten Ausgabe 
gar nicht, und in der zweiten, nachdem Scaliger von Neuem 
ermahnt hatte, nur in sehr dürftiger Weise befolgt. 

37. M a n i 1 i u s. 
(Zu S. 47.) 

Schon in dem oben S. 152 erwähnten Briefe vom 
Jahre 1574 hatte Gifanius sich erboten, die Vergleichung des 
Gemblacenser Codex von Jacobus Susius zu verschaffen (Burm. 
syll IL p. 306). In der ersten Ausgabe de.s Mänilius 1579 
machte Scaliger jedoch keinen Gebrauch von diesem Anerbie- 
ten utfd wandte kein anderes kritisches Hilfsmittel an als 
Wortconjecturen und Umstellungen, letztere überdiess in sol- 
chem, Alles was er im Tibull nach ^eser Seite gewagt so 
sehr übersteigenden Maasse, dass er sich veranlasst sah, sie 
gleich auf dem Titel zu erwähnen: losephus Secdij/er recensuit 
ac pristino ordini suo restituif. Für die zweite Ausgabe hat er 
keine andere Vergleichung benutzt, als eben jene des Susius 
(prolegom. p, • 6 und in einem Briefe an Lipsius Burm, sylL I, 
242); den Codex selbst hat er nie. gesehen« Die Verändenm- 
gen, welche nun, neben einzelnen glänzenden Bestätigungen der 



16T 

früheren Conjecturen , durch diesen Codex im Text der zwei- 
ten Ausgabe nöthig wur4en, sind so bedeutend, dass sie eben- 
falls auf dem Titel bezeichnet werden; Mamfii Astranomicon, a 
lasepho ScaUgero ex vefusto codice Gemblacensi mfiniiis mendis re^ 
puirgahim, ^ 

38. Kalenderstreit. 

(Zu S. 48.) 

In der Widmungsepistel des Werkes de emendoHane imter- 
Jässt Scaliger jede Erwähnung des Kalenderstreits, • und wirk- 
lich gab schön die blosse, Widmung an sich deutlich genug 
die Absicht zu erkennen, Velche denn auch Harlay nicht miss- 
verstanden hat. Dieser schreibt in seinem Danksagungsbriefe (bei 
d^ Reves j7. 453): Je /eray mettre ^vostre oworage en lieu C(u il 
äera bien reamlly et le feray cnoancer de crainte qt^un Legat mes- 
mes Padre Toledo^ qui est de la sainct econgregation^ ne soit vostre 
i%evrilg, und dass er sich als Parlamentspräsident der Abstim- 
mung enthielt, also wohl ebenso wie . s.ein Vorgänger in 
der Präsidentschaft, de Thou's Vater, der neuen Jahresrech- 
nung nicht geneigt war, erzählt de. Thou (1. LXXVI z. J. 1582, 
p. 726). — Auch bei . den Genfer Theologen suchte Scaliger 
durch Briefe und handschriftliche 'iufsätze gegen Annahme des 
neuen Jahres zu wirken; die Worte des Cornelius Bertramus 
(bei de Reves p. 64) fuhren darauf. — Zusammengefasst hat 
Scaliger seine Einwürfe in Elenchus et castigatio Änni Qregoria^i 
(hinter Hippolyti Ccmon, LB. 1595^ A,); sie werden beurtheilt 
und zum Theil gebilligt von Ideler^ Handb. d. Chrono!. II, 
p. 604. 

39. De emendatione tempoxum. 

. (Zu S. 48.) \ 

Die im Text gegebene* feierliche Bezeichnung des Zwek« 
lices, den Scaliger in dem Werke de emendatione iemparwn ver* 
folgte, ist den einleitenden Worten zom fünften. Buch (de ^po- 



16^ 

chis temporum) entlehnt, p, 197 der ersten Ausgabe Lutet, 1583 
=s j9. 357 der d)ritten Colon. Alhbr. 1629: Hactema quaUuor 
libris omnivm naOonum awnoa et tenipora dvilia non solum descri- 
psimuSf quäntum quidem ea [ea quidem ed, prj aeterno oblioioms 
silentio obruta in lucem eruere potuimus: sed etiam viam qtiondam 
mtmwimus^ qua illarum . gentium [nationum ed, pr.] .raiiones cum 
lulianis et civilihus diebus nostris congrttere et cofnparari apte pos- 
sint. Stqfh'est nunc^ ut Chronölogum toto orbe peregrinantem et 
retro omnem t&mporum antiquitatem e^ origines pervagantem erran- 
temque tanquam ko^item, aliqua methodo duce primt^m quasi do- 
mum dedttcamus; ut cum veterum actct^ Annales^ Fastös legeritypos- 
sit aliquando fqui et add. ed. prJ uoi sit cqgnoscere^ deinde ut 
hac copiä Fastorum tnstructum eius- animum in specula omnium 
[retro oM, ed, prJ temporum colhcemus: Aehnlichen . SteUeo, 
in denen sich des Verfassers Bewusstsein von der Grösse sei- 
ner Leistung ausspncht, begegnet man in diesem Werke njcht 
selten.. Gleich die Anfangsworte des ersten Baches Sind von 
einer stillen Migestät des Ausdrucks gehoben: &i verum est quod 
sciscit fscivit ed, pr,J Stoicorum sckola^ Tempus esse normam 
rerüm et custodiam^ quia veritatis index atque examen est et rerum 
gestarum memoriam ac diuturnitaiem posteritati tttetur^ ii non vul- 
' gari laude digni sunt qui temporum rationes conscriöere atque ßsgi- 
tivam antiquitatem retrahere conantur. Nicht minder deutlich 
äussert sich sein allumfassender, jedwedes Alterthum würdigen- 
der Sinn, z. B. in der Abhandlung über den altsachsischen 
Mondcyklus p, 112 = 171: Non omnis sapientia penes- Chaldaeos 
et Ofientem fuit, Etiam Occidentis et Sepientrionis homines fue- 
runt Xoytxtt {[oia. Ueberhaupt muss man sich bei Scaliger vor 
dem irrthümlichen Glauben hüten, er habe unbewusst oder 
unter andern, weniger hohen Gesichtspunkten als die imsrigen 
das geschaffen, was wir jetzt von unserer Höhe aus nutzen 
und bewundem können. Man veirföUt leicjht in diesen Lrrihum, 
weil in den letzten Jahrhunderten auch die besseren Sdurift- 
steiler ihre Werke immer im vollsten Licht ihrer ideaUfften^AI^ 



160 

sichten dem Leser vorzoföhren pflegen, während manche unter 
den grossen Männern des . sechszehnten Jahrhunderts noch et- 
was* von jener antiken Züchtigkeit besasseh, welche die Ab- 
sicht hinter dem Werke verbii^. Und Scaliger zumal hat es 
verschmäht oder vielleicht auch, bei dem grossen Abstand 
zwischen ihm und seinen Zeitgenossen, nicht ftir zweckdienlich 
erachtet, sich in- ausführlicher Darlegung seiner schriftstellerischen 
Endabsichten zu ergehen. Wie Viele mögen seinen- Eusebius 
Debst den aniinadixersiones so aufgenommen haben, als hätte er 
eben nur einen * Text wie hundert andere herausgegeben und 
Noten dazu gi^schrieben. Im Werke selbst ist durch ausdrück* 
liebes Reden wenig geschehen, .um dergleichen Leser aus ihrer 
Jsfaivetät aufzurütteln. In einem Briefe an Thomson sagt Sca- 
Iiger jedoch (epp, p, 502)^ Vere possum dicers^ me illum scnpto- 
rem (Eusebmm) ab inferis excitaase; quanquam propter insignia er- 
raia (pdhus saepius sese obUffot^ indigntts erat cui tofUt^n studii im- 
penderem, Sed antequam illum aggrederer, alium ßftem proposui 
quam merUmn scriptoriSy und in Scaligertma IL (s, v, ScaUger): 
Je fay fhistoire de huit milk ans, selon les Payens. 

40. Verhältiiiss zu Lipsius. 
(Zu S. 50.) 

Das Verhältniss zwischen Scaliger und Lipsius zieht sich 
während dreissig Jaibre (1576 — 1606) hin; ohne je mehr als 
ein äusserlicbes zu werden. Daran war nicht blos der Um- 
stand schuld» dass sie sich, obgleich ihre Wohnorte nicht weit 
Auseinander lagen, dach nie von Angesicht zu Angesicht be« 
gegoeten. Auch Casaubonus' Bemühungen, na«h Ley:den zu 
kommen und ScaJiger zu sehto, blieben ;stets erfolglos, und 
'doch litt ihre Freundschaft nicht darunter. Aber das klare 
XJrtbeil Scaligers ko^nte unmüglich dem Lipsius die wissen* 
sehaftUohe Bedeutung beilegen, welche diesem verWöhkitel» 
Manne sc^ist von allen Seiten zugestanden wurde, und die 



170 

Schwächlichkeit seines Charakters, wie sie sich besonders in 
dem mehrmaligen Ueberlanfen von einer Religion^partei zur 
anderen verrieth, hat Scaliger freilich nicht mit derselben 
Harte wie so manche Verdammmigssüchtige beurtheilt; er 
brach darum das Verhältniss nicht ab ; aber er, der felsenfeste 
Hugenott, konnte ein solches religiöses Chamäleon doch höch- 
stens nur bedauern und nimmer- innerlich achten. Lipsius hin- 
gegen hat Scaligem gegenüber nie die heimliche Furcht los- 
werden können, von welcher die ScheingrÖsse in Berührung 
mit wahrer Grösse sich ergriffen zu fahlen pflegt. Er suchte 
diese nie beschwichtigte Furcht unter den maas'slosesten Lob- 
spruchen vor sich selber und vor Anderen zu verstecken. Eine 
kleine Sammlung solcher Lipsianischen Enkomia auf Scal%er 
hat Daniel Heinsius vor den Scaligerschen Leichenreden ange- 
legt, und aquila in nubibus wurde schon oben (S. 19« N. 4) er- 
wäimt. Aufs Schlagendste wird ausserdem jene lobende Zu- 
dringUchkeit des Lipsms . und Scaligers sprödes Zurückweisen 
durch die Verhandlung bezeichnet, welche sich wegen CahtlL 
LXI. 171 (aspice intus ut accubans) «zwischen ihnen entspann. 
Dort hatte .Scaliger inius conjicirt, wogegen Lipsius, übrigens 
mit Recht, inhts vertheidigt zu Tac, Annall XI^ 27.* Non reete 
magnus ilk.eensor^ quem unum aemulor mirorquSf adspice imus 
emendami. In der zweiten Ausgabe des Catull ^. 61 behält 
Sealiger jedoch seine frohere Meinung bei und fertigt den Wi- 
derspruch folgendeiinaassen ab: quod quare cuidam docto viro 
displicuerü satts mirari non passum, Itajue melius mukwerit s^n- 
tentiam, Nam praeter ius iniquus est huic emendationi. Ein ähn- 
licher Unterschied im beiderseitigen Benehmen lässt sich durch 
den ganzen Briefwechsel (q>p. p. 86—91 und Burm, syli, L 
p, 2377-252) verfolgen, der nie recht in Zug kommen wollte 
und öfters ganz stockte, besonders in den letzten Jahren» da 
Lipsius den Jesuiten verfallen war, und sich in seinen 
Büchern Diva Ekdensis und Sichemensis bis zu rhetorischem 
Aufputzen von Heiligen- und Wundergeschichten vergass. Nach 



171 

dem ErsfSheinen dieser Schriften riss Scaligem auch die Ge- 
duld, und im Gespräch mit Freunden hielt er seinen Unwillen 
nicht zurück. Die bitterste Aeusserung darüber, die uns auf- 
behalten worden, steht Scaligerana IL (^. v. Lipsius): Lipsium 
Sealiger credit credere quae scripsit in Virgine Haiensi; und Lip-. 
sius konnte sich sogar des Verdachts nicht erwehren, dass 
spottende Epigramme, welche gegen seipe Divae in Umlauf ge- 
setzt wurden, von Scaliger heirührten. Er beschwert sich 
deshalb bei BaudiiLS, ihrem gemeinschaftlichen Freunde, in 
einem Briefe, der folgende echt Lipsianische, aber seine Stel- 
lung zu Scaliger schwer verkennende Antithese enthält {Burm, 
aylL I, 255) .* ego Mum virum [ScaUgerum] magnum habeo et ma- 
gnum fed — fton solummagni — meis scriptis» Das Epigramm 
jedoch, das Menagiana 11/ 382 mitgetheilt wird, trägt keines- 
wegs Scaligers Stempel, wie denn auch Baudius sowohl als 
Scaliger selbst dem Lipsius betheuerten (Burm. syü. Z, p, 247^ 
257), dass er sich in dem Verfasser jener Spottgedichte ge- 
irrt habe. Nach diesem Zwischenfall kam kurz vor Lipsiüs' 
Tode das Yerhältniss wieder in. das alte Geleise; Scaliger hat 
auf ihn eines seiner schönsten Epicedia {poemm, p. 97) ver- 
fasst; und als zelotische Hugenotten sich darüber aufhielten, 
schrieb er an Casaubonus (epp, p, 317).* Lipsium, a me kmdatum 
fmßSßy aliquos aegre kUuros tarn mihi constabat dum illos ver»u8 
scriberem quam re ^sa expertus svm postquam litteras Labhaei le- 
gimus. Mxror tudicia hominum^ ne quid asperius dicam, qui me 
jmerum putani et minimo minus tutares esse volunt Nescnmt, ne- 
sduntf mi Casaiubone, quare id a me factum Sit. Quod si scireiit, 
neque tarn puerum me esse putarent tU ita de me iudicarent neque 
iantf^ cmimi constantia essent ut hoc mihi obiicere mderent. Hoc 
äebdHMt cogitare^ qMüd hominem iaiudarin^, muUas easque iustissimas 
omtssäs fuisse, neque me tarn temerarium, fuisse ut, si qua infamia in 
laiudando lApsio in me. redufida/ret, illam aleam subiissem quam 
iacendo declinare. poteram. Sed nemo seit caussas huius scriptionis 
[es mögen wohl nur ethische Gründe gewesen sein]. Nonpla- 



172 

cet mihi haeo xorxoifdner. Talium cdnsultorwn opus non habeo, — 
Scaligers Gesammturtheil über Lipsius als Grelehrtea geben die 
Scaligerana IL {s. t?.).* Lipsius n'est Qrec que powr sa pnmsioii, 
Ego scio quid iudicandum sit de Idpsio et in qtdbus kmdandus est 
et m quibus non; non est semper laudabiiis sed quaedam opera 
[TaciiuSy Electa, Satumalia] . docent esse doctum. Male scränt. 



41. Berufung nach Leyden. 
' (Zu S. 53,) 

Für die Angaben Ober Scaligers Berufung nach Leyden 
habe ich benutzt: die Sammlung von Aktenstücken, welche 
den Scaligerschen Briefen angehängt ist (epp. p. 864 — 887); 
die Brie&ammlung des Baudius, ^m«/. 1660, 12; einen Brief des 
Du Plessis Mornay an die Generalstaaten in MSmoires ef Cor- 
respondance de Dt^lessis Mornay^ Baris 1824^ T. V. />. 523^ firü- 
her bei Chlomes. opp, p, 137/ Scaligerana II, (s, v, Momaeus): 
Monsieur du Plessis pensoit faire heaueoup pour moy et ne faisM 
rieuy quand il procura pour me ßrire estre Precepteur du petit 
Brince de Condd: vgl. oben S. 24—27; zwei lateinische Briefe 
des Florens €hristianas an Douza, Burm, sylL 11^ p. 322 — 324 ; 
einen französischen desselben Ghristianus an Scaliger bei' de 
Reves p, 386 — 388; und die des Rochepozay ibid p, 52 — 54. 

42. Bibliothek; Rochepozay. 
(Zu S. 5&) 

Noch im Jahre 1597, also vier Jahre nach seiner An** 
kunft in Holland, befanden sich Scaligers Büeh^ and Papiere 
in Frankreicb, und er hat die zweite Bearbeitung des Werkes 
ie t mm i. temp, ohne dieselben beendigt, p. 104 («dL Art).* mo* 
numemia quae w kanc materiam eongesseramus ommia in Gaüi.rS" 
U qu m u S y iM^w nMscmn kmc /w BataviamJ Ma siudionim praesi" 
dMi attmUmus, Darauf bezieht sich auch die Klage in einem 



173 

Brief an Casaubonus vom Februar 1597 (^. p. 157).* quid de 
illo hamine ktdkare debes gut in Nitiobrigtbm [Ägen] praedia aua 
habet, in TuTonihus lihros, in Batavis larem, nainlich auf des 
Rochepozay Schloss PreuiUy in der Touraine, wie aus de 
Reves p. 53 hervorgeht. — Das andere Band jedoch, welches 
ihn, ausser den zurückgelassenen Büchern, mit Frankreich yer- 
knüpfen sollte, hatte Scaliger schon viel früher gelockert, in- 
dem er .1594 dem alteren Rochepozay schrieb, sein Sohn 
Henry Louis habe freilich bei ihm das Jahr über die Studien 
fortgesetzt, könne aber in Holland keine Gelegenheit finden de 
s^exercer , ä. monier ä cheval et ^ tvcer des armes, welche Uebun- 
gen doch dem juhgen Menschen bei seiner Corpulenz sehr 
. nöthig seien ; darauf nahmen die Eltern ihn zurück und schick- 
ten ihn nach Italien (de Reves p, 54). Sein weiterer Lebenslauf 
ist oben S. 23 berührt worden. 



43. Leydener Urtheile. 
(Zu S. 59.) 

Dex: ältere Raphelengius schreibt an Lipsius gleich nach 
Scaligers Ankunft in Leyden, als die Frage über seine Vorle- 
sungen noch verhandelt wurde, September 1593 (Burm. syll I, 
p, 195): Quod hactenus ad te, mi Lipsi, non scripserim in causa 
faxt D, Scalifferi adventus, quem in dies exspectabamtts, nam nulhm 
argumentum videbam mihi offerri od scrtbendum aptius nee cppor- 
tunius quam ut tibi nunciarem quid de eo iudicarem, Itaque cum 
Jmc sakms advenerit, non possum inficiari quin vir sit praestcmtis- 
simus ac ainguiari erudiiione praeditus; hoc unicum in eo laudo^ 
quod kumanus sit et liberalis in communicandis iis quae habet cum 
quolibet, . , . De eius honorario [Scioppius Sc. hypcb, p. 296 giebt 
octingentoS awreos als Honorar an] nihil scriho nee de professione 
quam r^ugit, aperte confitens se ' imparem muneri qtiod cum laude 
dnisti. Nondum enim inter eos transactum est negotium, Operam 
interim 3uam Academiae promittit, si qua in re ei possit esse et 

12 



174 

admmento ei omamento. Schon Anfangs 1595 hatte man in 
Leyden jede Hoffnung angegeben, dass Scaliger ein Katheder 
besteigen werde und Raphelengius schreibt im April dieses 
Jahres (ihid. p. 198).' multia dolet ScaUgerum non prqfiieri publice 
eoy quorum est peritissimus. — Interessant ist es,, mit dem obi- 
gen besonnenen Urtheil des älteren Raphelengius eine Schilde- 
rung zu vergleichen, welche dessen Sohn von Scaliger macht 
in einem ebenfaUs an Lipsius gerichteten Briefe, November 
1595 (Burm, syU, Lp. 208).- De viro isto fScaligeroJ iudicium 
brevuis and vertue pronunciare tum posse videor quam tanhtm ei tu- 
dicii deesse quantum abundat ingenio. Hoc mira passet s'il avait 
l'esprit autant posS comme il Va bizarre. Omnia scienti- 
arum genera lustravit et cum primo iniuiiu quid aspexii, illico rem 
totam^ se cancepisse sibi persuadet, Veget et volat »ei adsiduo ani- 
mus; flamma potius, quam ignis. Laudator out contemptar vehe- 
mens ac saepe eiusdem viri aut rei. Q^i hodie Maraus, Asnes, 
Bestes^ Ignorants etc. alias iidem erunt Galant-hommes, 
DocteSy Sgavants etc. Atque utrumque, laudes et vituperia, non 
celat: adeo ut plures offenderet nisi tarn inciperet ludibrio potius 
esse quam odio. Ridicula multa narrare possem^ nisi credidissem 
fraJtrem narrasse coram. Die theilweise Wahrheit dieser Schil- 
derung ist ebenso unverkennbar wie die feindselige Gesinnung, 
aus der sie hervorging, und das Bestreben, dem Lipsius durch 
ein solches Portrait seines Nachfolgers eine angenehme Stunde 
zu bereiten. Das Urtheil über das V^erhaltniss von Scaligers 
iudicium zu seinem ingenium hat überdiess eine auffallende 
Aehnlichkeit mit der Aeusserung des Jesuiten Heribertus Ros- 
weydus, der 1598 an Th. Canter schrieb (bei Matthaeus, AI- 
ciati ep. et syll. epp. LB. 1695 p, 88); Equidem de principtbus 
Orüicis ita statuo, ingemum Scaligeri supra iudiciutn esse, iudicium 
Lipsio supra ingenium. Also hat wohl der jüngere Raphelen- 
gius jene Antithese in jesuitischen Kreisen aufgelesen. Eine 
gewisse Berechtigung geht ihr ja übrigens nicht ab, imd auf 
jeden Fall ist sie treffender als die ganz schiefe Vergleichung, 



175 

welche der Cardinal Du Perron zwischen Julias und Joseph 
Scaliger anstellt (Perroniana, s. v. Scaliger): Jules Scaliger avait 
plus ePesprit que dtetude^ tout le coniraire de son ßls, qui avait plus 
cP^tude et de trtwail que d^esprit. 



44. JDiplomaten; Politik. 
(Zu S. 60.) 

Die französischen Briefe Buzanvals an Scaliger sin4 
voll von aufschlussreichen politischen Notizen, und von Er- 
mui^terupgen, dass Scaliger auf dem Felde der ecclesiastischen 
Litteratur aufräumen möge (de Reves p, 39), auf welchem 
eigene Forschungen anzustellen, dieser Staatsmann Lust und 
Zeit fand; so* arbeitete er z. B. über den Lysanias bei Lue, 
III, 1 eine Abhandlung aus und machte dazu eifrige Studien 
im Josephus (de Reves p, 212; vergl. Scaliger zu Eusebius 
Nr. 2021). — Er starb im Haag am 9. September 1607, als 
er schon seinen Wagen hatte vorfahren lassen, um sich nach 
Leyden zu begeben und . bei Scaliger zu erholen, wie dieser an 
Casaubonus schreibt (epp, p, 335). — Jeannin's besondere 
Freundschaft für Scaliger geht hervor aus de Reves p, 133, 
aus Daniel Heinsius' Dedication der Scaligerschen Leichenre- 
den, und aus Scaligers eigenen Worten in einem Briefe an 
Salmasius (Oudii epist p, Ibb), — Was von Prinz Moritz und 
den anderen holländischen Grossen im Text gesagt wird, 
ist dem Artikel Maurice in Scaligerana IL (cf. Ostende) und aus 
epp, p, 127, 707, 711 entnommen. — Trotz, oder vielleicht in 
Folge, so vielfacher Berührung mit hochstehenden Politikern 
enthielt sich Scaliger. aufs Strengste jeder politischen Schrift- 
steUerei, und als Lipsius sich darin verfing, sagte er (Scalige^ 
rana IL s, v,) : Lipsius neque est Politicus nec^ potest quicquam in 
Politia; nihil possunt pedantes in Ulis rebus; nee ego nee alius do' 
ctus possemus scrihere in Politieis. Dennoch verfolgte er den 
Gang der Dinge mit der gespanntesten Aufmerksamkeit, und da 

12* 



176 

3eine Verbindungen ihm so manchen Blick hinter die Coulissen 
verstatteten, so konnte er auch weiter als gewöhnliche Zu- 
sQ)iauer in die Zukunft sehen. Vor Allem merkwürdig ist, 
wie er in einem Briefe an den Pfalzer Rath Lingelsheim, März 
1608, die protestantische Union und den daraus folgenden 
dreissigjährigen Krieg voraussagt (epp, p, 623); Hoc unuin scio, 
hunc cmmm, aliquod monsirum pariturum, Ita res ad magnam mu- 
tationem spectare videtur^ quae non ad tmvm angulum Europae sed 
ad totam Europam prope pertinebit Ego rempublicam non tractOy 
sed Video quae /ortasse peritiores /ugiunt^ qui menies tarn diviserunL 
Neqve quicquam magis optem, quam me decipi, 

45. Douza; Grotius; Rutgersius. 
(Zu S. 61.) 

Scaligerana IL {s, v. Douza): Le pauvre Janus estoit si hon 
et simple. Je pleuray huit jours durant comme une vieille lors 
qxiil fut mort II mourui hefique. Er starb im Januar 1597 
(epp. p. 158). Am meisten hat ihn Scaliger bei der Fragment- 
sammlung des Lucilius unterstützt. — Von Hugo Grotius heisst 
es in Scaligerana IL (ä. v, Grotius): erit aliquando Pensionarius 
alicuius urhis; est prudens Politicus^ optimus Graecus^ lurisconsul- 
tus modestuSy praestantissimus in Epigrammatihus ; und als der 
fünfzehnjährige Knabe mit der Ausgabe des Martianus Capeila 
vor die Welt trat, sagte Scaliger von ihm in den vorgesetzten 
Versen (poemm, p, 52)/ Qui limina nondum tetigit puheris aevi 
Sed mente senili teneros praevenit annos Magnum meditans, Gro- 
tius wiederum ha* in Gedichten Scaliger so laut und so innig 
gefeiert, wie nur irgend ein Anderer; besonders bezeichnend 
und schön ist das Epitaph mit folgendem Eingang (Grotii 
poemm. LB. 1617^ p, 388)/ 

Unica lux saecli, genitoris gloria, nemo 
Quem puerum, nemo credidit esse senem: 

Tarn sibi par semper quam cunctia celsiar unus. 
Et qui se totum d^it ipse sibi, 



177 

Exsuperans fama quos aeqitat aanguine rege8, 

Sceptrigeris maius nomen adeptus avis, 
Hie iacet ille capax immenei Scaliger aevi, 

Nee stbi mors unquam plus licuisse putet. 
Quid querimur raptum? mens est qua vivitur: annos 

Ille tot exegit mente, quot orbis habet. 

In den prosaischen Schriften des Grotius, vorzüglich den theo- 
logischen, muss ein aufinerksamer Le^er jedoch eine sehr be- 
wusste Scheu vor der namentlichen Erwähnung Scaligers be- 
merken. Dieser Name hatte damals noch eitlen zu kriegerischen 
Klang, als dass der Ireniker Grotius sich desselben gern be- 
dient hatte. — Welch tiefen Eindruck Scaligers Umgang bei 
Janus Rutgersius hinterlassen, beweisen die Variae Lectiones 
dieses, im besten Sinne des Worts, eleganten Mannes, öegen 
Niemanden polemisirt er so oft wie gegen Scaliger, aber nie 
ohne den Ausdruck der aufrichtigsten Verehrung, z. B. III^ 2, 
wo er Senec. Phoeniss, 125 — 129 gegen Scaligers Athetese in 
Schutz nimmt: Nimirum generosus ille animus et impellens quic- 
quid sibi ad summa properanti ohstitisset, nodum quem non poterat 
extricando sohere, eludere scindendo maluit 

46. Daniel Heinsius. 
(Zu S. 62.) 

Das Schreiben an van der Mylen, worin Scaliger die 
durch Merula's Tod erledigte BibliothekarsteHe für Heinsius 
verlangt, steht epp. p. 715. Aus dem zuversichtlichen Tone 
dieser Empfehlung, so wie aus einem ähnlichen -Schreiben in 
BetreiF eines Pedellen (ibid.), sieht man, welche Alleinherr- 
schaft Scaliger zu Leyden ausübte. — Noch bei Lebzeiten 
Scaligers hat Heinsius einen Panegyrikus auf ihn verfasst 
(Z>. Heinsii oratt. LB. 1627^ p. 455 — 470), scheint jedoch da- 
durch die von ihm selbst (ibid. p. 50) erwähnte Bemerkung 
hervorgerufen zu haben: ut ipse Scaliger iudicabat, invmodestk 
aliorum h/udibm improhofum virus ae maleoolentiam mereri coepii. 



178 

— Unter Heinsius' unzähligen Hyperbeln finden sich auch 
manchmal schöne und wahre Aussprüche, wie z. B. folgende 
zwei (p. 634).' cum una aliqua in vrhe nattcs ac edtictus esset Sca- 
liger ^ orhis universi civis videbatur und p. 46/ Immortalitatis stu- 
diosa menSy omnium scierUiarum capax ingenium^ noctes atqtte dies 
inquies, amore aeternitatis angebatur. 



47. Cambden; Thomson; Jacob I. 
(Zu S. 62.) 

Seine Hochachtung für Cambden, ,den britischen Strabo*, 
spricht Scaliger ^pp. p. 813 aus, und die Britannia desselben 
nennt er p, 500 : opus eximium xal navtog tpQ'ovov KQstttov, — 
Scaligers Briefe an Thomson (epp. p, 500 — 520) behandeln vor- 
nehmlich theologische Fragen; unter Anderem findet sich dort 
seine berühmte und von Grotius angenommene Erklärung des 
ßamlj^aa&ai vnsQ ttav vstiq&v (p, 505, 8). — Dass er durch 
Thomson das handschriftliche Lexikon des Photius erhalten, 
ergiebt sich aus p, 503. — Ebenfalls in einem Briefe an 
Thomson (p. bl2) wird der Lord mit unverständlichem Latein 
erwähnt. — König Jacob's L französisches Schreiben an Sca- 
liger vom Jahre 1597, worin ein Sieur de la Jessee empfohlen 
wird, steht bei de Reves p, 189. Eine Antwort darauf ist mir 
nicht bekannt. Wenig ehrerbietig lautet jedoch die Aeusse- 
rung in Scaligerana IL (s. v. Angleterre): Ce que k Boy d^ Angle- 
terre se nomme Boy de France male facity quia creatus est Bex 
Qcdliae Parisiis per tumultum Henricus Anglus, Bex Jacobus L 
dixit Domino de Bosny: ^Ego intelligo me solum esse Beyern Gal- 
liae^, Cest une grande /atuitS. Dass Drusius diesem /at die ge- 
meinschaftlichen Streitschriften gegen Serarius dedicirte, ge- 
schah ohne Scaligers Vorwissen und zu seinem grossen Aer- 
ger, der sich in einem Briefe an Casaubonus in folgender 
Weise Luft macht (epp. p, 282).- Mollius cum adversario {Se- 
rario) agit amicus noster (Drusius) et sane, ne quid dissimulem. 



179 

msQOQQVst et non contentus Örji^v tb (tivsiv ksvsos ts ' vhad'cci Regt 
magno ausas est opus suum dedicare^ quod Ute non pluris /aciet 
quam peniculum qui extergentur haxeae [Haut, Menaech, 3917* 
Sed quo nofi progressa est fiducia^ quae etiam meas nugas eidem 
Offerte ausa est? — Sarpi's wundersame Verehrung für Jacob J. 
ist ausgesprochen am Schluss eines Briefes an Casaubonus vom 
Juni 1612 (Casauh. epistt. ed. Almel, p, 472): Quod sapienOssimi 
Regis henevolenÜa fruariSf tibi gratulor ex animo. In eo — ra- 
mm — cumulatae sunt virtutes Principü et Viri, Regum idea est, 
ad quam /orte anteactis seculis nemo formatus fuit, Si ego eius 
protectione dignus essem, nihil mihi deesse putarem ad mortalis vi- 
tae felidtatem. Wer den Stil des Verfassers der Geschichte des 
tridentinischen Concils kennte wird zugeben, dass diese Aus- 
drücke zu stark sind, um blos aus politischer Absicht erklärt 
werden zu können. Sie mag mit vorhanden gewesen sein, 
und sie verräth' sich auch ziemlich deutlich in dem letzten 
Satz. Aber nicht minder deutlich tritt der zu Grunde liegende 
psychologische Irrthum hervor. 



48. L y d i a t. 
(Zu S. 63.) 

Bayle hat einen etwas zu kurzen Artikel über den Rector 
von Alkerton (bei Oxford), Thomas Lydiat, welcher in dem- 
selben Jahre 1605 eine den Aristoteles bekämpfende Schrift, 
Praslectio Astronondca de natura coeli, erscheinen Hess und eine 
gegen Scaligers de emendatione temporum gerichtete; unter dem . 
Titel: Tractatus de variis annorum formis — quo passim JUustris- 
simi Viri losephi Scaligeri Ms de rebus opiniones minus probaMes .. , 
redarguuntur, Londini in officina Nortoniana, 12. Nachdem 
Scaliger das Büchlein gelesen, schrieb er an Thomson epp, 
p, 517; Non est similis morio in orbe terrßrum, Paucis asinita- 
tem ems perstringam, ut lector rideat. Nam in tarn prodigiose im- 
peritum scarabeum scribere, neqtce nostrae dignüatis est neque otii. 



180 

Ridebit lector. certo seio. Und in der That kommt man aus dem 
Lachen nicht heraus beim Lesen der Prolegomena zn den ca- 
nones isagogioiy welche eine ziemlich lange Besprechung des 
Lydiatschen Buchs enthalten mit folgendem, durch 'die Notie 
von einer englischen Schauspielertruppe in Leyden um das 
Jahr 1604, merkwürdigem Eingang: Quando eius {LydiaH) li- 
hrum accepi^ erat Mo mercaius atäumnalis et panegyris annioersaria, 
quo tempore multi histriones in urbem confluunt^ in quitms tune so- 
lertissimus Anglicanorum artificum grex erat. Ad quorttm spectacuia 
quamvis onmis pene dmtas 'et multi praeterea extrariiy qui panegy- 
reos frequentandae caussa huc convenerant^ agminatim curr^ni, 
tarnen ego omnes histriones Anglicos uni Anglo posthabui, Tanta 
dulcedo unius theatri me ceperat, ut non solum spectaculis interesse 
sed etiam ciöum pene sumere ohlitus sim, Quae enim voluptas ul- 
lorum thymelicorum cum üla comparari potest quam ex tarn lepidi 
scripti lectione percepi^ in quo nihil mdgare, nihil trüum^ omnia 
nova, supra doctiorum captum^ supra naturae iura^ ipsis sider^uSy 
ipsi caelOf soli, lunae ignotaf Und* so wird dann mehrere Sei- 
ten hindurch in allen Tonarten gelacht bis zu folgendem poe- 
tischen Ausbruch: Simii arhores celsas scandendo sperant ad al^ 
tiora eniti posse, Fostquam ad cap^imen perventum est, nihil quam 
glabras nates spectantibus ostendunt. Et sane nescio quis Genius, 
dum haeo scriberemus, his versictdis hoc nohis insusurravit: 

^kißavov natä divSgov dvsQQixctto nl&rpiog 
alnxfv iitsioßalvsiv ovqavov iXn^ofievog, 

8Q0i^d(iBVog d^uTiQOio Tial ovk ininstva n^osJJd'cov 
total &Baaafi8V0Lg ngcoKtov ^det^s (lovov*). 



*) Eine lateinische metrische Uebersetzung dieses Epigramms 
hatte Scaliger an den Ran^ seines Handexemplars geschrieben» aus 
welchem der spatere Besitzer desselben, G. I. Vossius» {de scientiis mar 
them<xtici8 c. 41 § 19^ die Verse mittheilt: 

Arboris excelsae scandebat Simia tractus. 
In coeli meditans miltere iempla pedem, 
üi summum tefigit, procedere nee datur tdtra, 
Spectandas populo praebuit üla nates. 



181 

An de propheia /s. pben «S. 1277 epigramruatian mteUigitf 
equidem nescio, Nunquam enim aniea tidi, Sane ^uia sub manum 
fuUum ffidetur^ Pix est ut alüer crediderim. Et quid dissimulamusf 
Omnia Thamae Lydiat canveniunt Zum Schluss wird folgende 
Rechtfertigung der Polemik gegen einen so wenig Ebenbürtigen 
für nöthig erachtet: Qui etomachari' simul et ridere et dwersis 
iiffectäfus eodem momento nioveri et h^ignia xaxoi^dc^aff, cof^denOae 
et tmperüiae exempla videre vclet, legat iUum dioxet^ lütrum, Piura 
sine dubio reperieL Noe enim saUuatim haec decerpeimus, qu^un 
trientem quidem eorum portentorum percurrere nohia negue voluntas 
neque otium /uerit, Scio non solum quid dolebit amids nostris^ sed 
etiam quid ohtrectatorea ohiicere poesunt^ quorum cUteri hommem 
tonH eseenegaburUy ut eius ratio haberi debuerity cdteri, nisi amln- 
tiosus eesem, de tarn humili argumenio Iri nuiav canere non debuisse 
damabunt: quasi nobis cum leonihus^ tiqribus ac lupis res taaräimn 
sit ac non ettam muscaSy culices^ pulices ac pediouios iftfestos ha- 
heamus et non operam dare debeamusy ut ab utroque genere nos 
defendamus, ab istis, ne noceant, ab Ulis, ne molesti sint. Fraeterea 
tantus est hodie obtrectationis /avor, ut homines portentosis potius 
scriptis et maledicis quam bonae frugis ei mode^is delecteniur. 
Quare non piuris nostra interest, validos hostes prq/Ugare, quam 
canes in trivOs aUairantes a nobis obigere* 



49. Calvisius. 
' (Zu S. 64.) 

Calvisius' opus chronologicum fuhrt, so wie Scaliger am 
Sebluss der Prolegomena zu de emend, temp, ed, sec. es verlangt 
hatte, in der Form universalhistorischer Zeittafeln dessen ehro- 
ndlogische Theorie durch. Als ScaHger Ende 1505 ein Exem- 
plar von Calvisius zugesandt erhielt, theilte er gleich die frohe 
Kachricht an Casaubonus mit, hohe Befriedigung von dem In- 
halt des Werks und ein fast kindliches Behagen sogar an dem 
Einband äussernd (epp, p, 303); Sohts desäi megari ignoratus 



1S2 

haetenus Seihus Calvisius, hämo Oermanus, qui accuraüssimum Chro^ 
nican edidit^ Hostrarum raüonum munimefUis msistens, tU ne Uxtum 
quidem ungtiem ah Ulis discedcU. Eum lihrum propterea qiwd ad 
nundinas dtkUus non est videre non potuisti; quem vero ego habeo 
ipmue auctoris- Itberalüate ad me missus est^ eleganter, ut captus 
Qermanoruni est, compactus, deawaius, pumicahis. Tamdiu ego 
miseUus in sterquilinio deliiui^ donec repertus est iste honus et do^ 
ctus vvTy qui raüones nostras in lucem proferret, earumque fructum 
huic seculo ßaQßafflf;ovti proponeret. Vivet ille liber. Noch leb- 
hafter zeigt sich seine Freude, endlich nach so ' langem Pre- 
digen in der Wüste doch wenigstens Einen Apostel gefunden 
zu haben, in dem Danksagungsschreiben an Calvisius selbst 
(epp. p, 610—614) und den Prolegomena zu den Canones Isa- 
gogici gegen Ende: Quum viderem docirinam nostram a prophetis 
interpolar i^ ab imperiOs negligi, a- scurris derideri, a simiolis dissi- 
mulariy tarnen lahorum praemium satis id magnum fore constitue- 
harn, si vd unus tantum reperiri posset, qui nostra legeret, intdli- 
gerety inteHecta in lucem pro/erref. Deum opt misertum est tarn 
nostrij qui tarn ingrato saeculo studuimus^ quam iUorum qui in- 
sdtia potms quam malitia a nostrorum lihrorum lectione deterreniur, 
et hominem e mediis inoidiae ßammis, ex ipso obtrectationum stre- 
pOu excüavU proUssimum, .doctissimum^ aecuratissimum Sbtrvm 
Calvisjvm virum priscae ülius Germanorum ingenuiic^is et fidei^ 
quarum mriutum notae hodie in maiori parte hominum^ qui istic 
litteras tractant^ ohsoluerunt. Is ex doctrina nostra luculentissimas 
praeceptiones Chronologicas et eximium Chronicon instruxit, quod 
non solum superiorum Chronohgiarum luminibus ohstruit sed et 
quod ekismodi est ut praeter illud nuüum vere Chronicon dici pos- 
Sil — Eine zweite Ausgabe des Calvisius'schen Werkes, wel- 
chem der im Jahre 1615 verstorbene Verfasser die Ergebnisse 
des Scaligerschen Eusebius noch hatte einverleiben können, er- 
schien 1620, und eine dritte aus dem Jahre 1629 (Francfurt, 4) 
liegt mir vor. Dass die erste Ausgabe bald vergriffen sein 
werdCj hatte Sealiger (^, p. 613) vorhergesagt. 



183 



50. Höschel; Rhodoma.ii; Taubmann. 
(Zu S. 65.) 

Als Höscbel die Bibliothek des Photias herausgab, sah 
Scaliger die Druckbogen durch (^. p, 730, 735 ; ^lotii In- 
blio^ ed. Hoesch, p. 919 und 984^; seine zalilreichen Verbes- 
serungen und Bemerkungen bilden den wesentlichsten Theil 
der Höscherschen Noten, wo sie mit den Initialien 7. S. be- 
zeichnet sind; zum Procop gab er seinen Codex her (epp,p. 731, 
741^; für den Phrynichus ertheilte er Rathschläge (p. 734, 736^ 
und schickte nachträglich Noten, welche zum Theil gegen 
Ueb,ersetzung und Gommentiu* des Spaniers Nunnesius gerichtet 
waren. Scaliger, wollte sie nicht unter seinem Namen gedruckt 
wissen (epp. p, 740^, und sie erschienen daher unter folgen- 
dem Titel: Ad Phrynichum et ems Interpretern Viri Blustris No- 
tae, A Davide Hoeschdio Augustano editae Aufftistae VmdeHcorum^ 
1603 (11 SS. 4). Jetzt findet man sie bei Lobeck, der sonst 
die Noten der früheren Commentatoren kürzt, die Scaligerschcn 
aber ganz beibehalten hat, ,nam Sccdigeri quidem nuUam unam 
literam perire fas duco^ ^aef. p. LXXV). In der That hat 
Scaliger hier zuweilen mit zwei Worten die umfassendsten 
Sprachgesetze ausgesprochen, die vor ihüi nicht entdeckt oder 
nicht formulirt waren und erst lange nach ihm in ihrer Be- 
deutung erkannt wurden, z. B. das Gesetz über Composition 
der Verba s, v. B'&wyysU^oiioti — Ueber Hhodomanus heisst es 
in dem gleichnamigen Artikel der Scaligerana Il.j dessen Ver- 
wirrungen den Aufzeichnern der Scaligerschcn Worte und 
nicht, wie Bayle (Rhodoman^ not ß.) thut, Scaligem selbst zu- 
zuschreiben sind: «Tay tcmt escrit touchant Bhodamanus en Ale- 
magne, que les lettres ont estd monstrdes au Duc de Saxe qui Va v 
appdle d'une escoUe triviale de Pomeranie (Stralsund) ä Wittern- 
herg, Ueber seinen Diodor schreibt ihm Scaliger (epp.p. 747), 
unter Uebersendung eines enkomiastischen Epigramms, nach 
Wittenberg und freut sich, dass Hhodomanus nicht länger in 



184 

illo angtdo Pomeraniae sich zu verkriechen brauche. — Von 
Taubmann wird SccHigerana U, (s, o.) gesagt: Taubmann est un 
foUy un pauvre prestre, son Piaute ne sera pas grand cos. Ziem- 
lich verlegen klingt auch Scallgers Dankschreiben (epp'p. 860) 
f&r die Dedication, durch welche Taubmann die oben S». 166 
erwähnten Bathschlage vergüten wollte. 



51. Lingelsheim; Freherus. 
' (Zu S. 66.) 

Der Briefwechsel zwischen Sealiger und dem Pfälzer Hath 
Lingelsheim {qfp, p. 621 — 627; Burm, syll II, 359 — 362J ist 
vorwiegend politischen Inhalts, während in den Briefen an den 
Juristen und Antiquar Marquardus Freherus, ebenfalls einen 
PflUzer Kath, nur litterarische Gegenstände besprochen werden 
{epp, p, 471 —488). Aus diesen Briefen an Freherus (epp. p. 
474— .481) ist die Abhandlung in opuscc, p, 141 genommen, 
welche Bahn bricht auf dem damals fast noch ganz unwegsa- 
men Felde christlicher Antiquitäten und Symbolik. — Frehers 
Frau, Margarita Bockin von GuttmaqnsdorflP, schickte ScaK- 
ligern folgende Jamben, die ihr Mann wohl durchgesehen 
halte (bei Mattbaus, syU, epp. p, 330): 

lambi puri. 
Genus Deorum, amate Scaliger Deis, 
Novelle Varro, Socratea, Cato, Craies, 
Monarcha summe litterariae rei, 
Quia hamus, eaca quae, quid ülicis l^—J 
Tenacis aut veneni inest libris fuisf 
JJbnmum cmarus üU gurgea, hfüuo 
' Freherus, Ettdio Ule iemparis catus 

Et aere et auro eos hians [^—J emit 
ParcU, hgit, revolvit impigerrime; 
In his morcUur omnis, haud tarnen satur 
Diesque degit intus atque vesperas, 
Vet ista quae superba fama nominis? 



J 



180 

Virorum amafar ille, euUor opUmus 
Celebrium, aestimator integerrimus 
Freherus, unum in omnibu8 caput tuum 
Petit, requirit, optat intuerier: 
Iter paratus omne decorare eo 
Per urbium aique flum^um ambüus vagos. 
Josephe mctgne Inste, magne Scaliger, v 

Vicissim amare si, favere si viro 
Putabis esse f OS, volente me quidem 
Freherum amahis. Hisce, summe vir, vale. 
Scaliger antwortet darauf, März 1606, an Freherus (epp, p, 487).* 
Miratus sum tarn tibi Pieridem nupsisse^ quam puros ab ea iam- 
los pro/ectos esse, Quominus a me par mtmtcs accipiat, duo ex- 
cusaverint^ tum morbus^ tum qtwd senes ut omnium munerum ita 
et Poetices vacationem habent. Ad ülud tarnen qtwd scribit, scripta 
mea omnia a te conquiri^ versibus scdbiosis^ Senium et morbum re- 
dolefitibus respondeo, und wendet sich dann mit französischer 
Galanterie an Margarita: 

Margari, cui dotes animi si doda Theano, 
Blanda vel Erinne comparat ipsa suas, 
Utraqice jam prono submittet verfice fasces, 

Ista tuo ingenio, vers&ms iUa tuis: 
Quidnam Marquardo vigili quaeHta labore 
ScaUgeri prosunt scripta notata manu? 
■ Poma nee Alcinous vicinis captat ab hortis. 
In fontes ipsos nee cadit ulla sitis. 
Aut Marquardus habet cunctos in pecfore libros, 
Cunctorum aut Uli Margaris instar erit 

52. Sylburg; Gruter; Salmasius. 
(Zu S. 66.) 

Der Sylburgsche Brief an Scaliger steht Burni. sylL 11^ 
p. 316^ und Scaligerana II. {s. v, Sylburgifus) heisst es: Les edi- 
tums de Sylburgius et de Commelin seront recherchdes, — Aus den 
Briefeji an Gruter (epp. p, 752 — 795^ gebe ich hier die im 
Text berührten Hauptpunkte an: Uebersendung der Scaliger- 



186 

sehen Sammlung p, 752, vgl^ Scaligerana IL (s, v. Inscriptions): 
nPawAs recueiUy un aussi gros livre c^ Inscriptions qu'estoit cduy de 
Smetius: je le vovlois dedier a VAhhe d^Mhene; GnUer les a eues; 
je les luy ay envoyüs, et ü en avoit eu quelques unes dPaiUeurs, 
teUement que edles qu^il cite, H les atme mieux euer d'autrui que de 
mot; je ne scay pourquoi on me'/ait ordinairement cela. — Cor- 
rectur der griechischen Inschriften, p, 772. — Abfassung der 
Noten, '|7. 767^ 768 und an Casaubonus p, 254: scito annotaüo- 
nes guae post indicem adiunctae sunt^ correctiones^ animadoersiones 
in plus quam CCCL Inscriptiones perperam ab operis repetitas^ ea, 
inquamy omnia nostra esse, -— Ausscheidung der Falsa p. 758^ 
760, 761. — Einen sehr beträchtlichen Antheil an den still- 
schweigenden Verbesserungen der aus früheren Publicationen 
wiederholten Inschriften schreibt Gruter selbst Scaligem zu, 
am Schluss der Noten.* diver ti saepüts ab lectione librorum tarn 
editorum .... tarnen pudenter et cum modo^ veritus ne semper aspi- 
raret /artuna; quam in potestate sua semper habuit illustris Scaliger. 
Itaque mille amplius loca invenies hactenus desperatae valetudinis, 
unkts alteriusve apids iransformcUione felicissime manu ipsius per- 
Sonata. — Die genaue Zeitbestimmung für die Abfassung der In- 
dices habe ich aus dem IV. Id. Maii 1602 an Velser geschrie- 
benen Briefe Scaligers entnommen, p. 381: decem menses labor 
indicis Inscriptionwm totum me occupatum habuit. Cui heri cum 
Deo supremam manum admovi. — Aufforderungen an Gruter zu 
einem ConMnentar über die Indices, p. 767, 774, 778, 779, 
782, vgl. Scaligerana IL (s. v. Inscriptions): tPay escrit a Gruter 
qiiil fasse un Commentaire comme Pancirolle sur la noiice fnotitia 
dignitaiumj; il /aui estre bon Juris^Consulte et grand komme pour 
le fair bien; il m'a escrit q%^il le feroit. — Abmahnung von Her- 
ausgabe der Taktiker, p. 11^^ 111 j 780. — Aufforderung zur 
Herausgabe der Anthologie, p. 789, 791 und an Salmasius p, 
525 — 536; Gudii epistt. p. 154. — Scaligers Briefe an den drei- 
zehnjährigen Salmasius gehören zu den inhaltsreichsten und 
sorgfiUtigst geschriebenen in der ganzen Sammlung, sei es nun, 



187 

dass er die Regel maxima reverenüa debetur puero befolgen, oder 
sich wirklich in Positi^r setzen wollte vor diesem Jünglinge, 
der ihm später so oft, aber so sehr über Verdienst, an die 
Seite gestellt wurde* 

53. Lindenbrog u. A. 

. (Zu S. 70.) 

Briefe an die Lindenbrogs und. Wouwern epp. p. 452 — 
469; 716—722. Scalig^ana IL (s, v, Lindenbruch): Lindenbruch 

est un /at et plagiaire Lindenbruch et Waveren grands pla- 

giaires, — Die ermahnende Epistel an Elmenhorst, der in einem 
an Scaliger gerichteten Dedicationsschreiben seiner observatianes 
in Arnobium Ungeschicktheiteu begangen hatte, steht ^p.^. 858 
mit der von des Herausgebers Aengstlichkeit herrührenden, 
verhüllenden Aufschrift: Amico cuidam. 



54. Julius Scaliger über Deutschland. 

tZu S. 70.) 

Julius Scaligers Lobrede auf Deutschland führt die Ueber- 
schrift: Epitaphium eorum qui fa, 15297 ^ Viehndm pro liber" 
tote Christiana bello Turdco ceciderunt (luL Seal, epistolae et ora- 
tioneSy Hanoviae 1603^ p. 312 — 358).- Von der deutschen 
Sprache wird gesagt (jp. 341J: hac Ungua puto naturae gentum 
suis in consiliis colloqui secum. Und über die Erfindungen des 
Bücherdrucks, der Uhren und des Pulvers (p. 343): Nam^ per 
Deos immortales, qymm tria instrumentorum vestrorum veniimt in 
mentem mihi, sane non fit verisimilel tametsi quotidie sub oculis 
subiecta sunt, vel unquam exstitisse vel non a natura ipsa /c^ricata 
esse. lUud primum dico an ultimum, quod ut fortasse minoris 
operae sü, ita. tum ob utiliiatem tncomparabilem tum propter aetemi-^ 
tatis imitationem dimmtatem qucmdam sapit, hoc inquam, quo tot 
versvnmi millia tot exemplis pauds horis describimusf Aut quo loco 



188 

orationis meae ponam perpetuas roicUumesf Aetemitatem illa de- 
scrihendi arte imitctti sumuSy horologiis etiarn aeternitatis auctores 
coeloß aemuhtu Effugimus illa memoriae interitum ac iemporis in- 
iuriam, horologio etiam tempus ipsum dedimtis. Quid praeterea, 
aut dicam aitt sikam ? Aeternas res fecimuSy aeternitoHs auctorem 
dedimus. Quid amplitis restat invicto animo Germano faciundumf 
Face tua dicam, lupiter, etiam fulmina commenti sumtis; non tinni- 
tu8, dementiam Salmonei cuitcsdam Graeciili vanam, neqiee sonitum 
potius, quanquam et hunc ipsum quoque, sed vim illam terrificam, 
impetum, impressionem, disiectionem, denique^ txistationem non tarn 
imitati sumtis quam eocpressimus, idque etiam^ sereno coelo, Age, 
coge nuhes ut tonare queas; nos etiam, te tranquillo, iratum regnum^ 
tuum /ademus. Diese Rede meint Joseph Scaliger Scaligerana II. 
(s, V, Allemands), welcher Artikel aus der späteren, schon ge- 
^en die Deutschen gereizten Stimmung geflossen ist: Les AI- < 
kmands regardent h monde de iravers,., Mon pere ä /ait im orai- 
son a la louange des Allemands; il les loue trop, et ces gros Alle-- 
mands ne le reconnoissent ny ne sen soucient et ne la lisent pas„, 
Helvetii et Germani habuerunt magrws viros, Meh/nchthonem, Gla- 
reanum, Camerarium, Gesnerum, sed praecipue Vadianum et Agrico- 
lam... Germani hodie vahk fatui sunt et indocti. Und in Scali^ 
gerana L (s, v," Allemans): Les Allemans ne se soudent pas quel 
vin ils boiüenty pourveu qua ce soit vm, ni quel Latin ils parkni, 
pourveu que ce soit Latin. 



55. Gang der Philologie. Cyclömetrica. 
(Zu S. 71.) 

Eilten Ueberbliek über den Gang der Philologie in Europa 
bat Scaliger gegeben in dem Widmungsbriefe zu dem zweiten 
Tbeil folgender Schrift: losephi Scaligeri lul, Caes. F. Cyclome'^ 
triea elemmUa duo. Ad Illustre» NohHiss, Ampliss, Hollandiae, 
Westfrisiae ei Zeelandiae ardines, Lugduni Batacorum, ex offtetnO' 
Pkmtinianaj Apud Franciscum Baphelengium. cio.io.xciVi foh 



180 

(122 SS. und 6 ünpaginirte Blatter). Als zweiler Theil mit be- 
sonderer Paginirung und Specialtitel : losephi Scaligeri lul. Caes. 
F. Mesolalnum [d. h., nach Scaligers eigenen Worten, eine An- 
weisung dtias medias continue proportionales inter duas datas (p. 9) 
zu finden] Ad Nobiies Äcademiae Lugdunensis Batavorum Cttrato^ 
res Ei Magnificos eiusdem civüatis Consules, Lugduni Batavorum, 
ex offijcina Plantinianaj Apud Franciscum Raphelengium, cio,iD,xciy, 
Dieser Versuch zur Quadratur des Zirkels erschien gleich nach 
Scaligers Ankunft in Holland und erhielt das Ansehen eines 
Programms für seine neue Stellung durch ungewöhnliche Pracht 
der typographischen Ausstattung und den sehr feierlichen Ton 
der Dedicationen. Der hier folgende vollständige Abdruck der 
Dedi^ation zum zweiten Theil wird bei der Seltenheit des, 
obendrein mathematischen, Buches jedem Philologen willkommen 
sein. Nachdem die bisherige Entwickelung der Philologie ge- 
schildert worden, spricht Scaliger von ihrem nahe bevorste- 
henden Verfall, der im siebzehnten Jahrhundert nur zu bald 
eingetreten ist, und wirft verständliche Seitenblicke auf die Je- 
suiten und ihre in das Mittelalter zurückführende scholastische 
Eristik und Sophistik: 

Nobilibus Äcademiae Lugdunensis Batavorum Curatoribus 
Et Magnificis Eiusdem Civitatis Consulibus losephus 
Scaliger Iiil. Caes. F. . 

Quotiescunque, viri nobiles ac magnifici, mihi in mentem venit hör- • 
rendae iUius lilerarum solitudinis, quae in nostris Europae tractibus a Got^ 
thorum utque temporibus (td m&moriam proavorum nostrorum obtinuit: ne^ 
scio, iUorum potius saeculorum condiiianem' miserftri, an nos beatos prae^ 
dicare debeamus, ^ibus posiea surnnm Bei dementia humaniomm studio^ 
rum ciarificam facem aUuxit. Neque vero tonge repelenda est tarn memO" 
rabilis beneficii velusfas, Nuperum enim est ei novitium: atgue adeo 
a eapta Constantinopoli in nostras regiones traducta potius quam propa-' 
gata sunt iiterarum semina: cum doctissimi guiqne viri ex Graeda profugi 
et laribus suis eversi ad nostros homines indoclissimos ea iranssererent^ ut 
tarnen in Hlorum incultis animis vix radices primo agerenty ut solet qui" 
busdam peregrinis stirpibus evenire, qune in solo alieno et a natalibus suis 

13 



190 

Umginquo depositae rix cum illo eoaletcere possmtt, nisi tractu temporU 
novo coelo assuetae paulUitim milescere et ingenio sali sese familturiter 
appHciire institwmhtr, Primi igitur omnium Itali Graecos et profugos ex* 
ceperunt et tnagistros avdierunt: ei non solum mugislrog ipsos superarunt^ 
cum maiora essent ea quae ipsi inveniebant qmtm quae acceperant: sed 
etiam ut reliquae mUiones idetH- facerent, Uli ipsis viam praeiverunt. Nnm, 
certum estj omnui fere ingenia, quae lucem bonis studiit attuheruni, timc 
ntUa fuisse, et quidem omnium prtiestantissinut in Italia, Qunre si tunc 
flonUsset Graeciaj htibuissent Itnii, Gttlli, Germani, quod Uli aut oppone- 
reut aut praeferrent: qunnquam ante Philelphum de nullo tanquam Graeci 
sermonis perito et aliis bonis literis ea-culto memoria prodttum est, Pe- 
trarcha enim in hunc censum venire potenUy si non inde eum arcerent 
duo communes morbi sui saeculi, literarum Graecamm contemptus et 
ignoratio» Hominum ergo ingeniis ad has meliores Uterus admiltendfis 
pauUatim subactis, liberalium urtium et linguamm laudi honot ab omnibus 
habiius ckirum doctorum hominum nomen reddidit. ■ Itaque quod et apud 
summos principes vel magistratus literae in pretio et afmd populum in ho- 
nore erant, proinde inrredibite quantum hominum afserunt studia ut ucri- 
ter et summa contentione disciplinas iam pridem sepultas e situ emerent, 
Quod quanta felicitate praestiterint, in Theologia^ adhihitis in amsilimm 
literis Hehrnicis, in medicina, in iure cirili, in mathematicis, in oraioribtts 
et poetisj nemo literis paullo tinctior ignorare polest, cum et ad ipsos quo- 
que literarum ignaros nullus (nullos?) non aliquis literarum fruclus perve- 
nerit, Vidisses non solum celeberrimas Academias sed etiam ignobilia et 
obscurn Athenäen doctis viris ßorere: infinitum in ittis numerum non iam 
librorum tarn priscorum quam recentium sed et tgpographiwrum, Vidisses 
uberrimum proventum et foeturam operum quotidie in lucem prodeuntium. 
Sed eheu quam exiguo tempore haec obsoleverunt ! Quam celeriler unius 
aut alterius lustri curriculum haec mutavit, vel potius aboletit! Quotidie 
ingenia decrescunt, lila nbstulit citilium beUorum aestus, haec Pruritus 
nequitiae transformnt^ dlia oblinunt malt mores^ alia Sophistice defarmatj 
migratis noctis finibus^ quibus non multo antea relegata et damnata erat, 
Praemiis literarum sublatis, fotum certamen ad tpiXcevtiaVy ad fktrias, ad 
nBffnqylttv ac futiles et vanidicas quaestiones iterum translatum est^ quippe 
quae sola nunc et quaestu et honore rigent, Hinc fastus vilissimorum 
mancipiorum, quae se istis artibus vulgo aulicorum adque adeo Prindpibus 
ipsis renditant Hinc via summi rorum progressus, Hodie tota vita hth- 
minis est disputare, non diseere. Itaque bonae artes, quae vix nuper ei 
memoria proavorum renatae erant, inier initia et in ipso processu extinetae 
sunty transversa in illos incurrente fatorum invidia. Binc factum^ ut ce>- 



191 

$tmU iauta bono, quo nulluni maius n Deo opt. mtix. mortalihus conces- 
sum erat, omnes nunc tor^tere et omnia honesta stuUia abdicare incipiant» 
Alias quippe voluntas^ alios ingenium suum deserit, Sed peiores, quos 
roluntas, Nam atleri misericordia potius quam odio digui^ utpote qui 
cum antea literis gloriose uti didicerint, nunc quomodo Ulis cum aliquo 
fruetu aut publica aut suo utantur non reperiunt, nisi fortasse contunMr 
ciores fHCti cum fortmut sua rixari volunL Quin igitur luxus et Sophi-' 
stice uc mtUitrum rerum industria et bonarum insectatio ita hominum oc- 
cupavit animos ut in Ulis malus locus sit virtuti uc'bonis literis reliquus: 
nemo miretur «(, ubi iilae florebant, ibi earum sil mira vastitas et soli- 
tudo. Quare illae exnles et inopia omnis patrocinii pessime acceptae fa- 
tniliaria et nota loca deserunt et ad vos confugiunt* viri nobites et magni~ 
fieif «t in hoc terrnrum angttlo nberiores fntclus producant, quam haclenus 
in reliqua Europa fecerintr Omnes igitnr virtutis amatores sibi gratulari 
debentj quod antequam in bonarum artium atque adeo totius humanitatis 
Perpetuum noctem deneniamus, soli hominum Batavi reperti sint, qui iacen- 
tes et depositas litertis ex imminenti interifu ad aspiciendam lucem revo- 
carunt, Testis huius rei florentissima haec Academia: ingens virornm do- 
ctorum in ea multitudo: uberrimi partus ercultissimorum ingeniomm, qui 
quofidie in lucem edunfur: honos et praemia opima Ulis et aliis proposita, 
Üt vere quis dixerit Athenas Atticas huc immigrasse. Cum igitur huc de^ 
crelo summorum Hollandiae, West - Frisiae, Zeelandiae Ordinum accitus ~ 
sim: gratiter me peccare intelligo, si in tarn nobüi ingenuarum artium 
theafro solits deses sim, ubi nullius industriam cessare video, Quia vero 
in änimo habebam afiquid nomini vestro dicare, inter lucubrationes autem 
nostras nullum opus habettm quod vobis dignius visum sit quam hoc quod 
nunc vobis »ffero: oro vos, nobiles et magnifiei viri, ut ipsum e« animo 
accipiatis quo literas et Uteralos amplectimini, Perexiguum quidem illud 
est, fateor: sed tamen tanti ut non verear illud non sdtum cum magno 
sed etium cum summo quovis conferre: non quod illud t<de effectum esse 
labore ac cultura nostra promittimus, quamvis sine arrogantia facere pote- 
ramus: sed quia haec materia tot lantosque viros olim exercuit et diversis 
ipsorum studiis agitata est, ut ipsa merueril non studia duntitxat aliorum 
atque animos morari sed et non nisi Uberalibus, honestis et cultis viris, 
quales vos estis, communicari. Quo nomine eam vobis offero, quia non 
nisi ttUibus offerenda fuit, Vestrae autem humanitati adeo confidimus, ut 
speremus, etiam si operis ratio habenda non esset, tamen vos grati mei 
in vos animi habituros, Valete nobiles et magnifiei viri, Lugduni Batü" 
vorum, Kälend, lunii cio.io.xcini. 



13' 



193 

Ausser den Dedicationen müssen noch die Prolegomena zu 
beiden Theilen dieser Schrift die Aufmerksamkeit des Philo- 
logen erregen; sie enthalten Erörterungen über Geschichte der 
Mathematik bei den Griechen und bezeugen wenigstens Scali- 
gers Belesenheit auch in diesen abgelegenen Schriften, deren 
technische Ausdrucke ihm so geläufig geworden waren, das« er 
seine mathematischen Sätze in griechischer Sprache aufstellt 
und die lateinische Fassung erst als üebersetzung folgen lässt. 
Je reichere philologische Pracht nun aber auf diesen Lösungs- 
versuch eines sprichwörtlich hoffnungslosen Problems war ge- 
wendet worden, desto peinlicher musste Scaliger die allge- 
meine Missbilligung empfinden, welche die Schrift in mathe- 
matischen Kreisen erfuhr. Einige grobe Versehen, die jedoch, 
wie er behauptet, das Wesentliche seiner Ausfuhrungen nicht 
berühren, gesteht er ein und sucht sie zu verbessern in der noch 
in demselben Jahre erschienenen losephi Scaligeri lul, (Joes. F. 
Appendix ad Cyclometrica sua: In qua asserUur QtiodraHo circuii 
contra oblatraiiones quorundam et castigantur quaedam errcUa in de- 
monstrationtbus Cyolometrids. Lugduni Batavorum Ex Ojffunna 
Plantinianay Ajpud Franciscum Raphelengium cid,io,xciv,/oL 20 SS. 
Die von X Kai, Decembris datirte Vorrede ist in einem ver- 
gleichweise sehr gedämpften Tone gehalten und das Gefühl, 
sich eine Blosse gegeben zu haben, redet aus folgenden Jam- 
ben, die auf der letzten Seite dieser Schrift stehen, von wo sie 
in die Sammlung seiner lambi gnomici (poemm, p. 120) überge- 
gangen sind: 

Famae, beatus, qui supervixit suae 
lUisque meruU inieresse laudibus, 
Qtuu vüa non dat, fimus ac cinis darent. 
Bonia liceret, si Uceret per maios, 
Vivis Tiegata gloria vwis frui, 
Sed si bonorum iudicia de me mei 
Tardavit aevi livor ac malignitas, 
Meam loquentes gloriam nepotibus 
Iniuriam horum non tacebunt posteri. 



193 

In der spateren Sammlung lautet der letzte 'Vers: 
Horum furorem non tacehunt posteri. 
Die Beschämung über das so rasche und so utglückliche 
Unternehmen hat ihn, im eigentlichen Sinne des Worts, bis ins 
Grab verfolgt. Noch in seinem Todeiy'ahre, da inzwischen der 
Streit zwischen ihm und den Jesuiten lauter und bitterer ge- 
worden, griff ihn wegen dieses verjährten Fehltritts der be- 
kannte Mathematiker und Jesuit .Clavius an in Re/tUatio Cyclo- 
metriae losephi Scaligeri, Atictare Christophoro Clavio Bambergensi, 
e Societate lern. Permissu superiorvm Moguntiiie, Excudebat Joan- 
nes AWinus, cum gratia et privilegio 'Sacrae Caesareae. Maiestatis, 
Anno Domini MDCIX, 4. 84 SS. Als Pröbchen der feineren 
Sprte von Polemik, die hier herrscht, mag Folgendes dienen aus 
einer den Schluss bildenden Ermahnung an Scaliger: Agnosce quam 
muUis in rebus quam foedum in modum labaris atque Mathematici 
noJnen tuis veluti viribus impar onus, vergente iam ad interitum 
ctetaiBf sapientior /actus d^one. Kenner der damals gebräuch- 
lichen Bosheiten und der Vorliebe, mit welcher man sich in 
menschenfreundlichen Vermuthungen über den jenseitigen Zu- 
stand des Gegners zu ergehen pflegte, werden die Absicht- 
lichkeit zu würdigen wissen, die den Clavius, statt des ein- 
fachen ,Todes*, das vernichtungsvolle Synonymum interitus 
wählen lässt. — Wie nun Scaligers Feinde immer von Neuem 
ihm den begangenen Missgriff vorrückten, so haben dagegen 
seine Freunde das Vertuschen bis zur Unvernunft getrieben. 
Daniel Heinsius geht in seinem Verhüllungseifer so weit, dass 
er. in der Ausgabe von Scaligers eigenen Briefen besternte 
Lücken setzt, wo dieser cyclometrische Handel erwähnt war, 
z. B. epp, p. 134, 135, 

56. Belästigungen. 
(Zw S. 71.) 

Wie sehr Scaliger von den Eifersüchteleien zwischen 
Wouwern und Elmenhorst behelligt wurde, ersieht man aus 



194 

epp. p. 548. — Eine deutsche Baronsfamilie liess unbekannter 
Weise Scaliger durch Gruter um ein Gedicht zu Ehren des 
verstorbenen Herrn Barons ersuchen; Scaliger antwortet an 
Gruter (epp. p, 784) .• In posteriorihus tuis [litteris] me de edendo 
epitaphio in Baronem qttendam ignotum mihi rogas. Gerte etiam 
si poeta essem^ nollem tarnen in pago pollinctus fscr, tarnen pago 
polluctus coli. PUmt. Rud, II, 4, 11/ esse ut omnihus mea 
opera pateret Nihil est quod tua causa nolim, Sed ut incivile est, 
ab homine ignoto aliquid petere, ita ignotis negare nulla lex cimli- 
tatis vetat. A me quicquid libuerit, summe amicwum, pete, hoc uno 
excepto^ ne aliis mea opera prostituatur. 



57. Unmuth über Deutschland. 
(Zu S. 72.) 

Scaligers damalige Gereiztheit gegen Deutschland und die 
Deutschen bricht auch bei geringfögigen Anlassen durch. In 
einem Briefe an Jungermann (bei Crenius, animadverss, V. p. 14) 
schilt er, übrigens mit vollem Recht, darüber, dass in dem Va- 
terlande der Buchdruckerkunst das schlimme Beispiel des 
Drucks auf Löschpapier zuerst gegeben worden: Fidelissima to- 
tius Europa Germanorum natio fidem decoxit in edendis libris, 
Princeps illa aliis viam praeivit male de Itonis auctorilms merendiy 
quum omni pudore posfthabito in libris. excudendis ^ charta utan- 
tuTy qua n£C ad sua salsämenta involvenda cetarii uti t?o- 
lent. Hoc incivile exemplum omnis Europa nunc sequUvr proßber 
Belgium et Lutetiam. In Ulis locis supersunt adhnc vestigia veteris 
pudoris et reverentiae litterarum. Weitergreifend und viel heftiger 
ist der Ausfdl in einem Briefe an Welser aus dem Jahre 1607 
{epp. p. 407^; Vestra Germania, mi Velsere, quae tot eruditos olim 
viros protulity solum hoc spectare videtur, ut nulla alia gens praeter 
86 sanctissimum litterarum ministertum in latrocinium convertisse 
videatur* Illa sane portenta mea Gallia non produciU A vobis 
prodeunt omnivm venemorum germina, Nam quae aliae getOes edere 



195 

nolunt ea ad vos miüuntur, JJt nullum sit tarn vile mercimonium 
cuius isHc nnndinatio non sit Nam quod idem faciunt Antver- 
piensesy haöent vestros quos imitentur, Ipsi *[Germani] qtwque pari 
ßarore ei in me et in alios effusis habenis feruntwr; quorum latra- 
tus non phtris facio quam hubomim uluUUus, Quos quia scripta 
nosfra male wrunty quod mallent a se quam a me edita esse^ faciam 
profecto ut per me non stet quin suspendia coyitent; tot et tanta 
dare possumus^ quae eos ad insaniam adigere possint, lam de lit- 
teris non solum sed et de pudore actum est, , , , Tu solus isthic bo- 
norum ingeniorum fautor, litterarum vindex, innocentum patronus 
es, ünum doko, quod summa virtus tua neminem a fiirore de- 
terret. Ungefähr aus derselben Zeit mit diesen Briefen stammen 
die Öffentlichen Klagen über die Deutschen in den Vorreden 
zum Eusebius. .Eine derartige Stelle aus den Prolegomena zu 
den canones ist oben (S, 182) mitgetheilt. Die andere, aus- 
führlichere steht gegen den Sohluss der prolegomena ad Thuor 
num. Nachdem er dort einige Versehen des Hieronymus be- 
sprochen, sagt er: haec proponenda /uerunt ut ne quis^ exemplo 
tanti viriy ingenio et memoriae nimis confidcU et quum meminerit 
magnos etiemi viros labi^ possit lapsihus minorum ignoscere^ non 
autem Gyclopeorum librorufn portentosis titulis nundinas Francqfur- 
tenses onerare: ut a Qerjnania, quae olim lectissimorum ingeniorum 
aUrix fuit, hodie nihil aliud expectandum sit, quam plaustra orimi" 
naiionum^ sycophantiarum centones, contumeliarum /arragines^ qua- 
tum etiam mlissimas meretrices puderet. Dicamus sane audacter, 
non lÄbyam sed GermafHam aliquid novi quotidie parere [Anspie- 
lung auf den griechischen Spruch: ccbI Atßvii ti^ata tpvn]. Hoc 
cacoethes adeo serpsit ut quemadmodum gangraena non toUitur ^ ni^i 
memhro abseisso, ita haec inhumana licentia nof^ nisi ipea ^uctorum 
morte comprimi passe videatur, Neque tarnen ideo finis fuerit, 
Nam succisis huius hydrae capitihus^ alia suborientur longe deteriora 
atqite insolentiora. Und etwas weiterhin: quum desperandum non 
sit posse adkuc aliquot minuta fragmenta Eusebiana erui, qui unum 
cmt ^tUerum repererit is n^n solum novae ediUonis sed etiam calu* 



196 

mniarum occasionem nactus fuerit Nam huic generi homtnum^ 
qtwties animum obtrectandi ad cUieni operis lectionemadferuntf nun- 
quam deest quod reprehendant Minima re cöntenti sunt ad calu- 
inniandum, Non me fallit animus, Haec effugere non potero, lam 
classicum cecinit Sycophantia, lam sonus ipse awres percutit. Ilicet 
actum de nobis. De messe nostra ideo nil percipiemus, quod pf>st 
illam aliquod spicum famelicis reliquerimus ; non cogitabunt unius 
non esse omnia qbsolvere. Non illius sententiae Xenophanis Ulis in 
mentem veniet [Stob, Sermm, 29, 41 J : 

Ovtoi an uQxris nawa 9^ol Qvrfcotg dnideiiav, 
'AHot X90V(p friüOvvtBg itpivgißxovöiv aiisivov. 

Hoc tarnen nihil nos iuverit. Nam si vel minima novae editionis 
eis caussa aut occasio praMta /uerit, quia nihil afferre poterunt 
quo animos eruditorum morari possint, non male operam se coilo- 
casse putabunt, si contumeliis in nos perorando otiosa ingenia oble- 
ctare possint — Angelo Mai, den deutsche Aehrenleser mit 
ganz anderem Fug als einen Scaliger belastigten, hat sich die- 
ses Scaligersche Schelten zu Nutz machen wollen» und* die zu- 
letzt angefuhi^te Stelle in seiner Vorrede zur Mailander Aus- 
gabe des Eusebius ausgeschrieben.* Mit Beziehung darauf sagt 
Niebuhr (Kl. Sehr. I, 184): ,Scaliger äussert sich unmuthvoU 
über feindselige Angriffe deutscher Gelehrten, welche seinem 
chronographischen Werke Unvollständigkelt vorwarfen, weil 
sich dazu noch Zusätze sammeln Hessen. Diese Stelle, die aus 
der Feder eines ausserordentlichen Mannes, der im Alter in 
Grämlichkeit und Trübsinn versunken war, Wehmuth - erregt, 
ist in eine Anmerkung der Mailänder Vorrede eingeruckt. £s 
ist mir nicht klar, welche deutsche Zeitgenossen sich gegen 
den grossen Scaliger vergingen; ich bin aber fest überzeugt, 
dass die deutschen Philologen unserer Tage, einem so hervor- 
ragenden ausländischen Mitbruder freudig huldigen würden, 
und zwar wie die keiner anderen Nation.* Hier wird nationale 
Schroffheit als Gnmd dessen angesehen, was lediglich Folge 
confessioneller Gegensätze war, und dieses Eine grosse Miss- 



197 

verstlAdniss hat den auch in diesen Dingen sonst so genauen 
Niehuhr zu einer Beihe kleinerer Versehen geföbrt, die im 
Einzelnen zu berichtigen unnöthig ist. Dass Niebuhr'n die reli- 
giöse Parteistellung Scaligers nicht klar geworden, erglebt sich 
auch aus folgenden Worten, deren Schlussfrage man eine seltsame 
nennen darf (R. G. /. A. 660): ,Scaliger stand auf dem Gipfel 
universaler lebendiger philologischer Gelehrsamkeit, wie keiner 
nach ihm : und so hoch in Wissenschaft jeder Art, dass er 
mit eignem Urtheil, was ihm auch vorkommen mochte, fassen, 
nutzen und richten konnte. Was ist gegen ihn der buchge- 
lehrte Salmasius? Und warum nennt Frankreich nicht Scaliger 
gegen Leibniz?^ Auf diese letzte Frage kann etwa so geant- 
wortet werden: Frankreich, wie es seit dem siebzehnten Jahr- 
hundert geworden, nennt Scaliger nicht gegen Leibnitz aus eben 
demselben Grunde, wesshaib im neunzehnten Jahrhundert mit 
LeibnitzeHs Systema Theologwum viel mehr ^ Wichtigthuerei in 
Frankreich getrieben wird, als in Deutschland. — Ganz wir- 
kungslos ist übrigens Niebuhr's Parallele nicht geblieben. 
Eine Nennung Scaligers, wenn auch nicht gegen, so doch ne- 
ben Leibnitz, findet sich in den Berichten der sächsischen Ge- 
sellschaft II, 92. 



58. Lipsius, Muret und Bencius. 
(Zu S. 74.) 

Dass Lipsius die neue Ausgabe seiner PoliHca im Jahre 
1593 vor dem Drjuck nach Rom sandte und freiwillig der Cen- 
sur des Bencius und Bellarmin unterwarf, beweisen die Briefe 
dieser zwei Ordensväter an ihn (Bwm, syll, I, 78^ 657). Dem 
Bencius'schen Briefe ist ein Verzeichniss der zu Born ge- 
wünschten Aenderungen beigegeben; aus welchem Geiste diese 
hervorgiÄgen, mag folgendes Beispiel lehren: Lipsius hatte die 
Ueberschrift zu lib. IV. c. 4 so. abgefasst: An [dissentimtes in 
rdigume] puniendi singtdi et quieüf itemque ßn exirahendi et per^ 



198 

quirendif Neutrum^ st mteräe quidem fiat^ ex tisu videri» Doct&re 
primum hie opttSy non tnrtore. In diesem letzten S&tzchen scbien 
das schreckliche primum noch nicht deutlich genug, und Ben- 
cius schreibt daher: In epigrapke Doctore primum his opus, 
non tortore malebat [Beilarminusjy quod si Dactor non per- 
euaaity deinde tortore cfut talequid. -^ Murets Verherrlichung 
des Bencius ist zu lesen in der Dedication zur Ueben^etzung 
der aristotelischen Rhetorik {MureU opp, JIJ, 618 Ruhnk): Tu 
[Benei] me primus tanto adolescentior tanto seniorem humana con- 
temnere et pleno gradu ad ditfina properare docuisti, cum in ipso 
vemantis aetatis ßore, posthabitis vok^tattfmsy amhitione deposüa, 
reiectis aliis omntbus curis, in istam te sanetissimam et orbi terrct^ 
rt^rn .fructuosissimam hominum oultui dknno mancipatorum sodati- 
totem contuiisti, cum in suscepto semel conaiUo tarn consttinter per- 
stiHsti neque cessieti illorum voctbus, qui cum in collegiis ve$iris 
educati essent et illic didicissent istud nescio quid quod iadant Ut- 
tertxrum, a quo ipsi ordine ßagUiose deecwerant, in cum ne nomen 
dares absterrere te conabantur. In quem tu semel admissue Ha t^- 
tcbm institinsti ut/acile decktraveris, -non illum caecum quendam, ut 
^si mentiebantur, ac temerarium impetum sed divini numinis in-' 
stinctum" atque afflatum. fuisse ; et, ut ad ea redeam quae ad me 
proprie pertinent, nunquam ex illo consiliis,^ praeceptis, cohortatio^ 
nibus iuvare me ac stimulos animo meo ad pietatem subdere desti- 
tisti. Dass die von Bencius angewandten Stimuli den Muret 
endlich nicht blos in die pietas, sondern auch in jene sanctiS' 
sima .sodalittts hineingetrieben haben, ist bekannt genug. 



59. Sirmond; Petavius. 
(Zu S. 76.) 

Ich lasse Gibbon {H/e, by Mihurn 'p. 87) reden: ,Patcr 
Sirmond, ein gelehrter Jesuit, rieth einem jungen Freunde, das 
rcifSe Alter von fönfrag Jalven abzuwarten, bevor er seine Per- 
son oder seine Schriften Tor das Publicum bringe (Olwi, Ei- 



199 

stoire de VAcaddmie Frangoise, tom, 11^ p. 143). Der Rath war 
seltsam, aber noch seltsamer ist, dass er wirklich durch das 
Beispiel des Hathgebers unterstützt wurde. Sirmond war selbst 
funfundfunfzig Jahr alt, als er im Jahre 1614 sein erstes Werk, 
veröffentlichte, eine Ausgabe des Sidonius Apollinaris mit vie- 
len werth vollen Anmerkungen (siehe sein Leben vor der gros- 
sen Ausgabe seiner Werke in fünf Foliobanden, Paris 1696 « 
Ti/pographia regid),^ — Erfreulich ist es, dass Sirmond» der 
seine hugenottischen Gegner Gothofredus und Salmasius in 
ehrlichem -Kampfe besiegte, auch Scaligem gegenüber eine 
würdige Ausnahme von dem üblichen Benehmen seiner Ordens- 
brüder machte. Er erwähnt Scaligern zu öfteren Malen, nie 
mit ausdrücklichem Lobe, aber auch nie schimpfend, und stets 
mit verhaltener Anerkennung. Scaligers Yvo Villiomarus hatte er 
immer auf seinem Arbeitstische liegen, wie Menagkis erzählt 
{Menagicma ly p. 172). — Ueber Petavius' Ausfälle gegen 
Scaliger genügt es, den Bischof Huejtius, einen gewiss unver- 
dächtigen Zeugen, zu vernehmen. 'Das 50. Capitel der Httetmna 
ist überschrieben : Motif de Vaigrewr du P. Petau contre Scaliger 
und lautet: J^ai autrefois reproche au PSre Petau son achamement 
contre Scaliger ^ komme c?W rare savoir et de qui il n'oüait jamais 
regu OMCune offense. II s'excusoit sur ce qu'il s^etoit revoltS contre 
la Religion Gatholiquey dans laquelle il etoit ne et que ks HereH- 
ques tiroient trop d'atjantage de sa revolte^ lui donnant des louanges 
otUrees /ort au delä de son merite. II est vrai que les P^es .de 
rEglise ne traitoient pas plus humainement les ennemis de la relv- 
gion chretienne. Saint Gregoire de Nazianze doms ses Steliteutiques 
et Saint Ci/rille dxms ses livree contre Julien ont repanda toute 
Vamertume de lew hile contre cet emperear. Le PM-e Patau pou^ 
voit alleguer encore une autre raison de son dSchainementy qm le 
touöhoit de prhs, CPest que Scaliger via perdu auctme oecasumäane 
ses Berits de maUraiter ses confrbres [Jesmtes] SerarvuSy GioßiuSy 
Deirio et pktsieur^ autres et de le^ dsfigwrer de ses plus nmrs 
coul/mrs. 



200 



60. Pyramideninschrift. 
(Zu S. 76.) 

Das Nähere Qber die Errichtung der Pyramide auf dem 
Platze, wo ChasteFs elterliches Haus gestanden hatte, giebt 
Thuanus z. J. 1594 p, 97 und die Histoire de la compagnie de 
Jesus 7, p, 220. In Betreff der Inschrift lieisst es in Scalige- 
rana IL {s, v, Jesuitae) : putant me autorem esse illius inscriptionis 
in Pyramide contra Je^uitaSy ideo tarn male mihi volunt Ganz 
grundlos war der Verdacht der Jesuiten in keinem Falle. Der 
Parlamentspräsident Achille de Harlay hatte Scaliger zu Ein- 
sendung eines Entwurfs folgendermaassen aufgeforäert (bei de 
Reves p. \2Z): Vous avezy long temps a, entendu que la inaison 
du pere, duquel le fils avoit aitentS' ä la personne du Boy, a este 
desmolie par arrest et que la place demeurant publique y sera dres- 
See une pyramide, en la quelle sera insculpe Tarrest et quelque 
auUres manuments en dete^tation d^un acte st meschant ei prodi- 
toire. Je vous supplie^ Monsieur, sgachant qt^il ne peut rien venir 
de vous que tres-rare et tres-singulier, m'enooyer oü une inscription 
ou des vers tels quil vous plaira; je les feray mettre en Heu signaU. 
Es versteht sich von selbst, dass Scaliger einem solchen, offi- 
ciell' an ihn ergangenen, Wunsch nachgekommen ist, und zwei- 
felhaft bleibt nur, ob sein Entwurf schliesslich benutzt wurde. 

61. Cusanus; Valla. 
(Zu S. 78.) 

Des G US an US verwerfendes Urtheil über die Decretalen 
steht bekanntlich de concord, cathoL II, c. 2 exir. (in Schardü 
sy9Uagm, de imperiali iurisdictüme, Argentar, 1609 p, 358). — 
Valla' s Invectiv-Rede^ In -Constaniini donaüonem Deciamatio 
(Scktardius L L p. 401—426), wagte Niemand aus ärem hand- 
schrifüichen Dunkel hervorzuziehen, bis sie Hütten im Jahre 
der Thesen zu Basel drucken Hess mit einer ironischen Wid- 



201 

mung an Leo X.; sie gehört zu denjenigen Schriften, welche 
nicht besprochen, sondern gelesen sein wollen; aus Zumpt's 
Bemerkungen (Schmidt, Zisch, . f. Gesch. IV.) wird man 
sich schwerhch den richtigen Begriff von ihr bilden; wie denn 
ilberhaupt die Zumpt'schen Zusammenstellungen wenig geeig<- 
net sind, das Feuer, die nervige Kraft und die gladiatorische 
Gelenkigkeit dieses italienischen Lessing auch nur ahnen zu 
lassen. Leibnitz hat seine philosophische Bedeutung gewür* 
digt und einen Auszug seines Dialogs de lihero arhürio in die 
Theodicee (§ 409) aufgenommen; durch das geschichtliche 
Werk de rebus gestis Ferdinandi tritt er in die vorderste Reihe 
der modernen Historiker Italiens; und seine Noten zum neuen 
Testament, welche zuerst die Vulgata nach dem. griechischen 
Text zu verificiren wagten, haben am £nde noch grösseren^ 
wenn auch mittelbaren und stillen, Einfluss auf Philologie und 
Kritik geübt, als die jetzt fast allein gekannten Eleganüae, 



62. Du Perron; Sarpi über Baronius. 
(Zu S. 79.) 

Was über Du Perron im Text gesagt ist, wird genug* 
sam belegt durch folgende zwei Artik^ der Perroniana, s, v. 
Constantih: Sa donatian est une pure imposture; il n'tf a Hen de 
si pisible que ce menson^., cor ni les dates ni les oonsuls ne 
rdpondent point au temps, Baronius Wen dit guere contre/" encore 
en ch-t-il trop dit, et V(m vouloü sans moi, qui Pempdchcnf, censurer 
cette partie, de son histaire ou il en est parle, J'en demsay unjaur 
a/cec le Pope et il ne me rSpondä autre chose qtie che voletef 
Canonici la tengono; il le disoit en riant,... La donation 
de Constantin et les miracles de Sylvestre sont des rSveries. Und 
s, V, Dionyshis Areopagita: ' le livre de Dionysius Arecpagita est 
incertain; il g a des argumens pour et contre; je ne inen voudrois 
point sermr. — lieber Baronius theile ich ein, wie es scheint, 
wenig gekanntes Urtheil Sarpi' s mit aus einem Briefe vom 



302 

Jttni 1612 an Oasaubonns, der damals die tlxercitoHones in Ba- 
rofdi Annales vorbereitete. Man wird in den Worten des Ser- 
viten seine grossen, vielgerübmten . Eigenschaften wiederfinden, 
die hohe Ruhe, die durchdringende Feinheit und die wehmü- 
thige Verachtung des Nichtigen. Mit dem Blick eines Men- 
schenkenners vertheidigt er die Redlichkeit des Baronius auf 
Kosten seiner Selbständigkeit; und wer sich Sarpi's eigene 
Stellung vergegenwärtigt, wird die Aeusserungen über den 
,Schicksalsbecher^ und die ,purpurnen Schlingen' nicht ohne 
tiefe Bewegung lesen können (Casaub, epp. ed. Almel, p, 472).- 
Quod in Baronvim scribere paraSy gandeo et pergere hartor^ licet ü- 
tum antaganistam dignum te non putem . . . Saepe ipse meeum txh 
kaaoif quid causae esset cur in magna existimatione apud pierosque 
sü absque ullo stto merito, ne dicam absque ulla culpa, cum quid 
in tarn magno opere ktudandum /oret videre nequirem, Nulla pars 
est quae con/utari non possit solo adminiculo eorum quae ab eo* 
dem prqferuntur. Nullus est magni vel parm nominis historicus 
quem non saepe commendet, et saqnus con/utef, Miito adulterina et 
detorta testimonia, prolixitatem maxime fastidiosam et iudicia per- 
versa ac insulsa^ quae nemo in Historia ferre potest Paedagogiam 
in lectores petulantar exeroet, quos singulis passibus intempestioe 
sistere iubeL Dhinae prooidentiae eonsilia in bonis distribuendis et 
maus infligendis ad solius Pe^patus rationes adsiringit, BeUquumy 
Video /ortunam bofaam HU /avorem conciliasse, quae adkuc illum se- 
qmiur cum iu ilUus scripta impugnar$ in^ituis; nam magni Aeneae 
däxira cadeL Cedet tarnen m jpublicam uHlitatem opus iuum procul 
dubuK Verum quod illun^ ß%nidis et doli mali convincere parasy 
vereor an probaiurus eis iis qui morum hominis gnarißtemnt. Vel- 
lern poüus levitatis ei temerHaÜs aeeusares. Ego iUum Romae noci 
anisquam konoribus matwm darei et prurigine scribendi teniateitutj 
cmi\ eoUms animi tranquiliiMi ei puritaü conseieniiae darei operam, 
Nunquam bominem vidi simplicioremy quem uno verbo tibi expri- 
mamc Nullas hebebai opiniones proprias sed eas e convereanübus 
sine deheiu sumebai, quas Urnen quasi proprias ei bene perspectas 



901 

pertmaciter defendäxU, donec alias iussus poHus /uisset quam edo- 
ctus. Si muUi prudentes et cardati^ ßUali poculo Mnto^ ^piritu 
vertiginis circumacti swit, minirm mirum si miser tmictis pürpureis 
laqueis commune malum effugere non potuit. A dolo mah ahfuisse 
credideHm, a levüate et temeritate minime, Haec ut ad amicum li* 
beritts et ultra epistolii modvm scripsi. Tu veniam dabis. 



63. Ecclesiastische Kritik. 

(Zu S. 70.) 

Es wäre eioe lohnende Aufgabe, für einen kritischen Theo- 
logen, die Ausführungen über ecclesiastische Gegenstände in 
Scaligers Druckschriften und seine andeutenden Winke in den 
Gesprächen und Briefen zusammenzustellen. Hier möge einiges 
allgemein Charakteristische folgen, Scaligerana IL (s, v. Josephe): 
II y a plus de hO additions ou mutations au Nouveau Testament et 
aux Eoangiles; dest chose estrange, je Vkose Ja dire/ si destoit un 
auteur profane^ fen parlerois anetrement, Ibid, (s, v. Testament) : 
Quant aux vieux livres du Nouvemt Testament ä la main^ je ne m'y 
vfmdrois tenir, tont vieux soient-üs^ carils sont tres corrompus; il 
vofut mieux se rapporter aux Peres qui citent VEscriturcy et qm äe 
sont serms de meilleurs exemplaires. In einem Briefe an Ca^u- 
bonus überblickt er die pseudepigraphische Litteratur'und sagt 
zum Schluss (epp. p, 303).* Qudd Pseudosibyllina oracula^ qua» 
Christiani Gentibus obüci^ant, quum tarnen e Christianorum offidna 
prodiissent, in Gentium autem hMiotheds non nperirenhtrf Adeo 
verbum Bei ine/ficax» esse censuerunt, ut regnum Christi sine men^ 
daeiis promoveri passe diffiderent. Atque utinam Uli primi mentiri 
eoepissent. In einem Briefe an van Lact, nachdem er die Schwie- 
rigkeit des Verses Marc, IX, 49 auf einen uralten Uebersez^- 
zungfifehler zurückgeführt, |ahrt er fort (epp, p. 808).- Sunt et 
aMa passim in textum Evangelioum . ab ultima vetustate vitia admissa 
qrne nemo praeter me indica/oerit, und diese Worte hat Valcke- 
naor im Auge (oratt. p. 301^ ; Ulcera in libris JV. T. nonnulla re^ 



204 

periri a se solo perscmanda ingenita animi moffnikidine commotus 
adseverabat ceteris istius ctevi hominibtis Umge erttditior Soaliger, — 
Thuanus drang oft (de Reves p. 185, 327, 333) in Scaliger, 
dass er seine Bemerkungen i}ber das Neue Testament veröf- 
fentlichen möge. Endlich gab Scaliger eine für immer ableh- 
nende Antwort in folgenden Versen {poemm. p. 33) : 

lacobo Augusto Thuano Notas in Novum Testamentum 
e£Qagitanti. 
Musas et nae parili complexus amore, 

Musarum et noatrum dulce, Thua/ne, decus. 
Pro quo non dubitem totas ex ordine noctes 

Noctibus et totos continuare dies; 
Quid me divini veh summota süenti 

Legis ApostoUcae tätigere sacra iubetf 
Ecce profanorum maculaa abolere parantem 

Impatiens veri non tulit inoidia, 
ScUicet in vero verum patienter amabunt 

Qui verum in nugis non potuere pati. 
lUorum si luce sua pereiringit oceUos 

Sol meuSf uret eoa so^ mens igne wo. 

Dasselbe sagt er in ungebundener Rede und mit grösserem 
I^acbdruck dem Theologen zu Franeker Martinus Lyjdius (qip, 
p, 576).' De NoHs in Novum Testameniumy quod ut a me edantur 
peHs, prius illud tfidendum esset, an präeskare id possim, deinde ilr 
lud difficilws occurrity an debeam. AUerum non est ingenioli no- 
stri, alterum isti saeculo non convenit, in quo phres quotidte ort- 
uniur qui docere quam qui discere malunt. Taeeo eorum qui li- 
teras tractant procaciam, qui nulbtm aliud quam maledicendi argu- 
mentum norunt. Quamvis autem animus excelaus contemnere haec 
debet, tarnen extra culpam non est qui literas, rerum dimnarum mi- 
nistras, improborum maledicentiae obiicit, quam modestq silentio ab 
hoc periculo tutas praestare illas possit. Ego, mi Lydi, sacra illa 
tangere non aiudeo, ne traducere ea vid&tr si plus aut minus dixisse 
videar. Nam in utram partem peecem, satis kabebunt veritatis ho- 
stes, quo eorum prowcetur protervia. ttaque a tarn perioulosa alea 



2eii 

no8 contmemtiSy qui ne in ludicris quidem illarum fartarearum 
animarum viruhnHam effugere potumus, — Die Noten Scaligers, 
welche der Ausgabe des N. T. Londini apud Whütakemm 1633^ 
4. p, ^11 — 389 beigegeben sind, röhren in dieser Fassung 
schwerlich von ihm her^ sondern scheinen aus seinen Briefen 
und Unterredungen zusammengestellt. Sie erschienen zuerst 
nach Scaligers Tode in einer Genfer Ausgabe der Bibel vom 
Jahre 1620, wie Crenius {animadverss, phUoL XVI , 80) angiebt. 



64. Areopagitika. 
(Zu S. 80.) 

Das Material zur areopagitischen Frage ist gesammelt in 
loannis Dallaei de scriptis qnae sub Dionysii Areopagitae et Ignatii 
Antiocheni nominibus circumfenm^wr, Genevae 1666. 4. Scaligers 
Argument wird dort ly c. 28 aufgeführt, seine Worte aber 
nicht mitgetheilt. Sie stehen de emend, tenvp, L VI p. 539 
ed. tert: Incertum est utrum tanquam &8^anEvtas &f8 an tanqtiam 
^eQcensvzag xair voctov acceperit ille, gut nomine Dtant/sii Areopa- 
gitae Ui^Q%t%cc scripsit post tempora ValenHniani, Is ut affectet 
antiquitatem fwvaxovg Ttoivoßlvg vocat ^s^anevtag, Monachos cmtem 
(lovoßlitg vocat kvialovg^ ne videretvr 'vocibus sm saeculi uti. Nam 
quos vocat kvtcciovg intelligii i^rKilvag, Tioivoßlsg avitem (lavö^itag. 
Sane mandrae nomine agmen hestiarum vocatum /uisse^ nemo paullo 
doctior ignorat Cur suos monachos eo nomine dictos voluerint^ 
ipsi viderint Nam ego nesdo» Ergo iste Simius cum scribit r«%> 
^eganevt^ intelligit (Mxvdi^lty aut fiovax^ w>ivoßloo, quia legerat apud 
ßus^ium thg (lova^ovtag %mv X^iettccv&v vocatos ^Bffansvrag, Euse- 
hius autem id hariolatus est ex Philone. — Ausser dem Angriff 
in den Magicae Disquisitiones (Mogunt, 1603 ed. sec. Hb. VI^ c. % 
p, 233^ hat Dehio noch eine besondere Schrift gegen diese 
Scaligersche Kritik gerichtet, Vindiciae Areopagiticae Martini 
Delrio Societatis lesu Saeerdotis et TTieologiae Doetoris, contra lo-^ 
sephum Scäligerum lulii'F. Antverpiae 1607. 8. Oeffentlich hat 

14 



306 

Scaliger dagegen nur ein paar allgemein zurechtweisende 
Worte fallen lassen in der Confidatio fabulae Burdonum (opp, 
p, 148); und an Casaubonus schreibt er darüber (epp, p, 335); 
Lutum et stercus ffeneris humani Martinus Delrio librum in me 
Apologetieum pro Dionysio Areopagita edit; quasi ego solus oculos 
habeam ei non alii ante me partum vnoßoUfMitov esse viderint Sedy 
quod praecipuum est^ nemo ntgl ^eganevtav animadvertit, quo no- 
mine ex Eusebii somnio de Essenorwn monachismo monackum de- 
signari ille ineptus ^svdaQtionayiri^g arhitratus est, — Endlich hat 
Deliio noch Scaligers Widerlegung des Serarius in folgender 
Pseudonymen Schrift bekämpft : Peniculus Foriarum Elenchi Sca- 
ligerumi pro Societate lesu, Maldonato, Delrio. Auetore Ltberio 
Sanga Verino Cantabro ad darum Bonarscwm Belgam. Metelh- 
hurgi Mattiacorum ap, hered. MatthianoSj 1609^ 12. Der Leser 
wird so wenig wie ich begierig sein, von dieser Schrift mehr 
als den mephitiscben Titel zu erfahren, welchen ich aus Catal 
Bunav. I, 2, p, 1583 entnommen habe. Scaliger hatte von 
diesem Titel gehört, noch bevor das Buch erschien; er sagt 
in der Confutatio (opp. p. 149^: Eiusdem summi novitü Theologi 
foetus..,. expectatur^ eui iiiulum /ecit ^Peniculus Foriarum Scali- 
geri^. Qui in Hierarchia defendenda tarn ridiculum sese ostendit, 
quid faciet in /oriisf 

65. Eleuchus Serarii. 
(Zu S. 83.) 

D^r erste Druck des Elenehus hat folgenden Titel: Jbsepki 
Scaligeri lul. Caes. F. Menchas Trihaeresii Nicolai Serarii. Eius 
in ipsum Scaiigerum animadversiones confutaiae. Eiusdem ddirium 
fanatieum ei impudeniissimum mendaeium, quo Essenos Monaehos 
Christianos ßiisse eonienditf vaiidissimis argumenüs duaum, Frch 
nekerae excudduit Aegidius Bmdaeus Ordinum Frisiae Tgpographus 
MDCV; er ist besonders paginirt, aber zu Einem Bande ver- 
einigt mit L Drusi de iribus seeOs ludaeorum lAbri Quolttor, qui 
Apologiam eonüneni libelli de Easidaeis, Eiusdem Spidlegium Tri- 



207 

haeresii Nkölai Serarii, Franekerae, 8, Druek und Jahr wie 
oben. Dazu hat dann noch Drusius^ ohne Scahgei*s Vorwissen 
(s, oben S. 178 und epp, p. 276, 280), einen Gesanmittitel 
(1. Dtusü responsio ad Serarium; Accessit L Scalig, Elench. iV. 
Serar,) und eine Dedication an Jacob I. drucken lassen. — 
Der Abstand zwischen Scaligers schriftstellerischer Weise und 
dem Fassungsgrad schon des nächstfolgenden Geschlechts wird 
recht schlagend dadurch bezeichnet, dass Drusius' Nachfolger 
in der Franekerschen hebräischen Professur, Sixtinus Amama, 
als er im Jahr 1619 die Aktenstücke des Streites in einem 
Quartband sammelte, sich veranlasst sah, Scaligers griechische 
Citate und Embleme mit einer lateinischen Uebersetzung zu 
verseben. Auf dem Titel preist er diese Bequemlichkeit an: 
Qraeca, quae Graece minus gnaros tardare potuissent, LaüM verHt; 
er besass aber noch Anstandsgefühl genug, um die Eselsbrücke 
wenigstens an einem Abort am Schluss des Bandes zu ver- 
stecken. Zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts war auch 
dies schon zu unbequem; und in des Jacobus Triglandius 
Sammlung, Trium Scriptorum lUustrium de tribus ludaeorum Se- 
cHs Syntagma, Delphis 1709^ 4, ist das Amama'sche Latein ohne 
irgend eine Andeutung in den Scaligerschen Text einge- 
schwärzt und so derselbe aufs Unerträglichste verunziert wor- 
den. Ich gebe also hier die Epistel an Drusius nicht nach 
dem interpolirten Text des Triglandius, sondern nach dem er- 
sten Druck, aus welchem sie in epp, p. 596 — 600 überge- 
gangen ist: 

losephus Scaliger I. Drusio S. 

Franekeram Frisonum. 

Quotiea mihi in mentem venit sermonum, quos inter nos habuimus 
•nttper, qwtm tu et Heinsiu» noster me domi canvemsttM, non possum facere 
quin tuis oceupationibuB irasear, per quiis factum ut reditum tuum fruätra 
ea^pectaverim. Poatridie enim eins diei mihi e Nundinis Trihaeresion Ni~ 
coL Serarii ällatum est, quod fuerat sermonum nostrorum unicum argu- 
mentum, quum ex Catalogo nobi* tüiquu eins 9pe9 facta esset: quanquam 

14* 



208 

tnagna et.pratdara mknmtes Uli Catalogi num raro conmm detuduut hutn" 
lern: tum /quin s<tepenumero libri promisai ntm sfatim sed in sequentes 
Nundinas, aliqwindo etittm post nnnum,prodire sojent: tum etiam quiapro 
speciosis titulis cenfones, stercoreas Disquisitiones Mngicas, pluustra farra- 
ginum, temulenlarum Furiarum noUiiLna ßayixsvfiata uccipimus, 

UoXkol yciQ ßoayiovzcCL iv Ev^anr] nolvcpvXq} 

BißhccKol xciQmittetL dniigita drjQLOanreBg 

Stqr^evg iv zalagois*} . 
Sed heneest quod per auctoris mexhaustoßn diligetUittm nan Hcuit 
nohis diufius tarn o^Hatne luciibnilionis fructu mrere, Quamvis non soleo 
neque possum libros nisi compactos legere**)^ tarnen^ quae mea fuit prae- 
ter solilum imputientia, non potui a foliis ita ul soluti erant oculos ahsti- 
nere. Ergo in aditu iltius sacrarii rem incredibilem didici, paucis diehus 
tarn iongum opus' absolutum fuisse, causam componendi et edendi unum 
Drusiam^ allegarL Post nundinas autumußles conceptum, ante vemtUet na- 
tum* Obstnpui, fatebor enim, et de iUis Pafribvs^ excidit mihi exclamare: 

; Oloi nkmfwtai zol 8h onial dlaaovai, 
ißutmtum enim est Nopntorum^ qnos ipse vocut***}, non potuisset biennio 
dedolare, quod Hie duobus mensibus aut fortasse paucioribus diebus ex- 
asciatum dedit, ut nemo glocituntem gallinam aiidiverit, quum illud ovum 
poneret, Tantum vero opus, tot scriptorum teslimoniis instructumy tanta 
lihtorum impensa farctum^ tarn etriguo tempore dbsolvi potiiisse idque eo 



*J Drusius hatte dieses Griechisch nicht verstanden und Scaliger erkl&rt es ihm 
in einem Briefe vom 21. December 1604'folgendermaassen (epp. p. 595J.' StQTpfBVg hf 
ta'h&qQig tst ZtqifPOvg iv taXaQOig. Patodia estsx lUnonis SiÜis f Athen. I, p. 22, 
W.0 Aiyvinip7sokv(p,' und Movascov iv taX,] qvi (lovcslov xSv 'AfiBißPÖQianf 
T^lXcc^OV, voeatf qualum, quastUunif cifiusmpdi in quo galKna^ ponunt ova aut ineubant. 
Quia gallinis incubantibus large cibus obsipari solet, inde to fiovOslov poeta ille mor- 
dax tolXoiQOV vocavit, in quo Sophistae, Grammatici, poetae et id genus komines opimis 
honorarüs, quae a Ptolemaeis percipiebant, alebantur. Ita ego, quia isH et bene in suis 
farciuntur collegiis et nunquan» malecUveniiores sunt quam Itbitjßi^ti seribunt, et versus 
Timonis usurpavi Uli hominum generi convenientissimos et eorum collegia VCÜJXQOVg 
vocavi, ne ab eius versibus discederem. 

**) Scaliger an Lipsins, 20. Aug. 1003, (Burmanni syUog. I, p. ^4ß) : Vestalia tua 
aceepif in Ulis non languörem illum. animi tui agnovi^ quem tu quereris in eorporef legi^ 
soluta adhuc praeter morem meum, qui libris nisi compactis operam serio dare non pos- 
sum. — Scaligerana IL (s. v. Turr^ebus) : Turnebus n'a [n'avaiif] pas beaucoup de livres 
et quasi tous en blanc^ ils se gastent ainsi ou se perdent. 

***) So sagt Seraritts gleich im ersten Capitel .• veritati visum patrocinari neque in 
minutula etiam re pati ut gloriari merito possit Novator [Drusius]. 



909 

tänium nominef ut pro tut/« vocula Ueöraismi*) ' mnie a se interpretiHa 
supplicium de Mhrusiö mmeret, hituä Mio' an isHs Nowtionbu* per^uaderi 
possiL Non enim sunt ' t^xwca^Vis* Itnque^ ini Drüsig hoc tibi debent 
Studiosi quod propier te soMn ilie libet et conceptus et in lucem editus 
estj tjuum tarnen aliquis vüfer Novtkior suspicnri possei a longo tempore 
provisam fuisse ilUnn argumentorum copium: neminem sine pennis voUare 
posse : tantum aedißeium sine tempore non potuisse ejaedißcari: forte for- 
tunute Cutulum**) intervenisse qui illud Copiiolium dedicttres, .Sed bona 
verba* Pntmm no» est mentiri, praeserHm ubi tu Notatores decUummdum 
est. Est enim hominum geinus modestissimumy innocentissimum nc minime 
ttynafpctwinopy quod me tucente diel» et script« eorrnn testantw: Ttmto 
igüur miracnio ebrius pergo, et quin in solo pronao unius miraaUi auru 
adeo off latus fui, non dubitasi quin etiam in opisthodomo viderem quod 
magis mentem meam affieeret» Non me fefelUt opüUo. Miriftcum tnvblema 
uUro ocuUs ineurrit: An D ms ins sit haereticus***), Minimo minus 
auelori irasd coepi, qui Ubro nomen feeit Trihueresion, non Tetrahaeresion, 
Quid verbis opus estf Patieniiae meae> vim feoL Ulterius feror, Quum 
nihil praeter miraaUa a fronte et a tergo piderem, sgUogismum nesdd in 
qua figura coepi confieeref): Si prindpium, si finis talioj ergo et medium 
quoque Plenum miraculorum esse, Reseratis.adytis, quantum folia soluta 
patiebantur, huc iUuc ocuiis ac mente vagans ut Aeneas aeris in campis,ff)f 
Video heroas Meianektkonemy Wolfium, G^eniumfMunsterum, alios, haere^ 
ticorum appeUatione, benefioü Idco an honoris caussa^ a JSerario. affecioe, 
Caussam cömminisci non possum^ nisi forte eü Mt, et ea profeeto estr quOd 
ex iUis alii Bebraiee aiü Graece. doeiissimi fuevunl: praedare de poste^ 
riiate meritumm Serarium si bac terribiU et saera appeUatione eos numero 
doetorum eiimaty qui Umtum nomen in litteris meruerunt*. Scaliger vero, 
quem homuncionem et •Thrasonem quidam Martinus Delriofff) ex eopi- 



*) Serarias im eraten Oapitel: Et tpna non tnagna tU re stäpatne toia frtprt' 
kefyaiaj de uitico losephi Gorioniäae verbulo deque ayUabw unius scripHuncula erat, ti\ 
lentio videbatur dissimulan'da neqtte Reprehensori [DrusioJ laureolae invidendum musta- 
eeolutn. 

"J S. zu Tacitus Bist. Illr 72. 

"V So ist das letzte Capitel des Serarius'schen Baches überschrieben. 

•\J Verspottung des Serarius, der besonders in seinen "Widerreden gegen Sca- 
liger (Trihaeree. III, 10> die bei den Jetuiten damals beliebte Fonn dürr logischer 
Syllogismen gdl>rattchi hatte. 
tfrJ Vir^iL Aea, VI, 888. 

ff\J Distiuis», mag. VI, 3 e«/r.: OcoaUitimus ad sünües PjfrgopoliiUeis NiUabrigit 
[ScaUgeriJ Thrasonismos. — Licuit homundoni [ScaligeroJ in divinum JJionyaktm [Areo^ 
pagiUmJ petulanter: cur mihi non lieetU pro Dioo constanterf 



210 

»trino vomt, hämo netcio an hellua an poUm iuivm stercore maeeraiwm*), 
iUe, inquam, BaOiger dum nimis eurwsis oaüU omnia awupmiur^ 
8e qiwffue prineipibiu permiitum agnovit AchivU**). 
Nan pulabam unquam me hoc debiturum Serario, quod me eomiiem äiis 
addiderit, quos iUe nm odUsei nisi priu» ipsia invidUtet. Hinc iUae lacrimae. 
Saiis iustu caussa odii esi upud PiUre», si tüiqvü aliqrtid tcire videatur. Te qui 
plutqwtm XXV annos Uteras Bebraicas docuwii^ quem nemo, nisi aut sU- 
pe» aut malignu» $ii, eins lingwie Optimum üUerftretem esse negaire audeai, 
te, inquam, suis luminibus officere indignatur, et quum vir prknis He» 
braismi rudimentis tinctus sü, quod quidem ipsius scripta ostendunt, in 
uno verbulo se a te iure eastigatum impatienter ferens tantum abest ut 
cutpam deprecetutf ut nitro erpostulatum veniat, Uaec sunt compendia 
Khetorices illius Sckolae: quictfuid in buccam venerit, qua iure qua iniuria, 
defendere. Non te diutius detinebe, JDicam quid fet&rim. Non vaeamt 
mihi, omnia eins percurrere. Melius Koros mens coüocare possum, et prae^ 
terea habes tu quoque quod kie apas^ imo tuum est negotium, Quae tan* 
tum subeisivo post coenam tempore aliud paene agens sublegere potui, ea 
in capitula quaedam conieci, ne aut impune nos reprehenderit (quod aequo 
animo ferremus si non morbo animi et instituto iUius famHiae sed vero 
amore hoc faceret) aut tot errores inultos (erat* Quantum enim pecca» 
verit, si ab ipso confessionem non expresseroysat est si eruditis probavero, 
Equidem hactenus ab omni eontentioso genere scripti alienus fui^ mmc 
fdius esse coepi. Certum est quoties dassieum ament, me c aiumnias non 
dissimulaturum» Si conmeOs tantum agitur, aut ea diuimulabimus, aut 
modesto responso efudemus, XfowUores sumus: ipsi sunto Veteratores, ne^» 
que profecto aliter a me voeubuntur, Baeretiei sumus: ipsi ZeHatae di- 
cuntor: f}hp tov filov, ntxttuXqt tov TtavtaXov, Literas, rem sanctissimam, 
malignitatis ministras habere nostrum non est, et si nostra interesse putU" 
remus, ipsi hoc iam occuparunt et sui iuris fecerunt, Sed quid fadasf 
Jidysiv pkp aiciqov %al cuamfiou, ßa^, NuUa iniuria me affecit, neque si 
afecisset, ad me pertinere putarem, non magis quam quae illius famäiae 



') Zur Ehre Scallgers sei angemerkt, dass diese ausgeklügelt cynische Schimpf- 
rede nicht ganz von seiner eigenen Erfindung« sondern nachgebildet ist dem Vfjßjoq 
atfiMXl %B(pVQ(iivog, womit Tibenus (Suei. Hb. 57/ und Nero (Suiä. 'AUicofSifOs 
AlyttXoq und Nkffmf) verglichen worden. Der öffentliche Geschmaek des damaligon 
Zeitalters muss sich durch dergleichen cloacinische Scheltworte nicht allzusehr verlettt 
gefühlt haben ; der Altorfer Jurist Conrad Rittershusius spricht die scaligersehe Re- 
dewendung nach in einem polemischen Briefe, der bei Crenitu (ammadvv, VII,SBJ ab- 
gedruckt ist 

••; Virgil Aen. I, 488. 



211 

JhtemofUäenB Delrio, reirimentum intciUue et stenfMÜndum ailumn&imm, 
meretricm et plus4iwim ZeloticH impudentm in hob evpmuit, tguttecuuque 
scilicetjivor ei J^f/Lownla Uli nsino dictavik Ad iUius ituftniam auti~ 
gandum cttmifice opus est^ non responso, IIa boni et modesti Uli Patret 
bene quotidie de MnctUsimo illo cognomento merentur, quod sibi vindica- 
runt, in quo locum non habet itlud og loi8oQOVfiivog ov% ivtsXoidoffet*). 
Oecasione» maledieendi caittant. Neminem eminentinm mrtutum sine eon^ 
tiuneliu nppellant» Ut eanes loea mundiora vestigant ubi imminpunt, itm 
isti non temere in uUum genus ^hommum maledicam linguam sohmnt aut 
virulentum stüum strüiguntj nisi in quibus aliquid invidiosum esse suspi- 
caniur, Nam alias non morantuu Baec ego olim ridens potitis quam in- 
digntins, postremo imperavi mihi Ulis respondere et ab hoc homine inci" 
pere, Tuas partes tibi non praeripio^ quae ad te spectant^ tuum est Hin 
curare* Tuus enim eampus est. Quid dicam aut quomodo disputationem 
mernn insOtuam, equidem nescio. Hoc tantum sdoj iUum in iis, in quibns 
nos perstringit, parum candidum, in Graecis puerum,' m Hebraids infan^ 
tem^ in historia harum haereseon nullius iudiciiy in appeüandis viris longe 
Ulo melioribus nullius pndoris esse, Quicquid ex hac disputatione orietur, 
tibi decrevi mittete, Multa enim eiusmodi a nobis habent amici, etiam 
quaedam quae a me profecta esse fortnsse non memiuerim si ostendant 
mihi. Quo in loeo apud te futura sint, non magnopere laboro, 8at est si 
semel legeris. Vale. Lugduni Batmor. VJL Eid* luml Juliani cxoxociv, 

66. Lingelsheim, Amphitheater. 
(Zu S. 83.) 

Nachdem er den Elenchus gelesen, schreibt Lingelsbeim 
an Bongars von Heidelberg, 15. April 1605 (Bongani et Lianr 
geUhemi epigtolae, Argentorati 1660^ 12. p. 194).* Quam gaudeo 
Scaligerum in aream processiase adeersus morkdium impudentisH' 
mam sectam; postquam iam cdea (acta est^ pedem re/erre parro non 
poierit *- Carolus Scribanius versteckte auf dem Titel beider 
Ausgaben des Amphitheaters seinen Namen in dem Anagramm 
Clarus Bonarscius, Dass man dasselbe alsbald richtig auflöste, 
und welche Bewegung die Schrift in Paris hervorgerufen habe, 
erzählt Casaubonus in einem offenen Briefe, den er im Jahre 



212 

1611 an den Jesuiten Fronto Duoaus richtete gegen Bellarmins 
Apologie des Ordens {epp. ed. Almehv. p. 390).- -Bind ego non 
concoquo et homine Candida indignum mdico, qttod dissimtdat Apo- 
logista scire se Ciarum Bonarscium per anagrammaHsmum esse 
ipsissimum Carolum Scrihanium, Ai quid Uli sciunt qui hoc ne- 
sciuntf an vero est aiiquis vestrorum in Bepublica literaria adeo 
hospes et peregrinua ui hoc ignoretf Statim ut in lueem xigceg iliud 
prodiit, jactatus est Lutetiae Parisiorum liber musteus tum una ex 
causa: docti prodigiosum dicendi genug mirari: magni viri^ qui ad 
clavum sedent reipuhlicae, doctrinam Principibus perniciosam dete- 
stari: omnes auctorem velle cognoscere et qtuierere. Quaesäus est et 
nuUo negotio statim inventus^ neque duöitavit postmodum quisquam^ 
scr^um esse librum xs^dattov a Carolo Scribanio^ CoUegii lesuitici 
in inclita Anttoerpia Rectore. 



67. S c i o p p i u s. 

(Zu S. 85.) 

Die Schrift des Scioppius fahrt folgenden Titel, der zu- 
gleich als Inhaltsangabe dienen mag: Gasp. ScioppU Scaliger 
hypoholimaeuSy hoc est Elenchus Epistolae losephi Burdonis Pseudo- 
scaligeri De Vetustate et splendore gentis Scaligerae [s. S. 107]. 
Quo praeter' crimen falsi et corruptarum litterarum Regiarum^ quod 
Thrasoni isti impingHur^ instar quingenta emsdem mendacia dete- 
guntur et coarguuntur. Moguräiae Apud lohawnem Mbmum. Da- 
zu als Motto zwei Bibelverse, erstlich 4 Reg, 5 [\1] Obsecro 
eoncede mihi servo tuo^ ut toUam onus duorum Bvrdonvm de terra, 
welchen Vers man in seinem unschuldigeu Zusammenhange 
lesen muss, um die Malice zu würdigen, die ihn auf die bei- 
den Scaliger anwendet. Der zweite Vers 1 Reg. 17 [26 mit 
kleinen Aenderungen] Vadam et auferam opproVrium populi, gruis 
enim est iste Phüistaeus inciroumcisus [Goliath] , qui ausus est mcde- 
dicere exercitui Dei vioentis soll dem Leser gleich an der 
Schwelle sagen, dass der philologische Riese hauptsachlich als 



213 

Ketzer und Jesuitenfeind angegriffen wird. Ganz ofEen ist das- 
selbe ausgesproc];ien in der Widmung an den Erzherzog: Ca- 
iholicae ßdei verikUem contra hominis deterrimi si non argumenkty 
summam ceirie et nun paucis, quod ex famUiari Brotestaniium quo^ 
rundam usu didiciy plus quam cuiusquam argumenta noxiam ac pe- 
stiferam auctoritatem, maximae cuiusdam nobüitatis et ingenii ac 
liierarum opinume coUectam^ Über Mc meus sustinere dc de/endere 
conatur. Und weiterhin: (juingenta admodum mendacia eiusdem 
detexi, yksiurumque adeo cw^do ut ingens iUa auctoritas, qua eum 
mduerat . Zeig te wttaxd'ovtog nai inaivri Ilepasqfovetu, nemini dewr 
ceps fraudi esse possit. Eben so deutlich wird Scaligers Schrift 
gegen Serarius als die eigentliche Veranlassung der Scioppius'r 
schen angegeben, p, 300 ^ , wo Scaiiger so angeredet ist: 
Quoad inira inepHas et magnifica verha te tenuisti, tU te /erremus 
animum ifiduximus. Nunc quoniam te alium esse /actum in libro 
adversus Serarium prqfiteris [s. S. 210]^ tuaque ista (latgla 
adsXqiri tijg novrnflag et cum fraude ac damna reipublicae connmcta 
esse deprehendiiur, merito inexpiabile bellum et inimicitias aaxovBot^ 
vopung tecum gerendas suse^imus- Von dem, bald Lachen bald 
Entsetzen erregenden, Ton der Schrift kann man sich eine an- 
nähernde Vorstellung daraus machen, dass p. 362^* etwaige 
stilistische Mängel folgendermaassen entschuldigt werden; quin 
aliqua ammadnerti possint quae minus rationiet exemplis Latinorum 
soriptorum cangruenter scripsisse vidsar, mdlus dubito. Nam et 
Typographo acriter per amicos instanti mara mea damnum afferrt 
tnetuens et de te [Scaligero] ipso, tarn capuhri homine, utque aetas 
et virtus tua est, Acheronti iam diu dMiOy ne qua te miki subdu- 
ceres priusque morereris : qucm^ a me pro quingenüs mendadis tapur 
lasses, magnopere sollidtus, nihü mihi ad commentandi celeritatem 
reliqui /ed, ita ut vix librarü mendas perspicere ac.toUeref.spatiis 
exduaus iniquis, potuerim. Zum Schluss (p. 365^) wird ScaUgem 
angerathen, in ein Kloster zu ^gehen, und dann so perorirt; 
Quod nisi/eeeris, non moleste patiar, te documento ceteris esse^ne quid 
tak deinceps üudeant, ut tarn proterve Ecdesiae Bei mvenOs et 



214 

opHmo cuiqne insultßnty neque me id offere dissimulabo^ ut vd in 
hac vita aetemae tuae damnatümds prineipium persentiscas tuique 
isti cani per me poiissimum cum dolore ad in/eros dedueantur^ — 
Die Abhandlung haereüci cur occidendi beginnt p. 323^. 



68. Confutatio Fabulae Burdqnum. 
(Zu S. 87.) 

Dass Scaliger selbst der Verfasser der CtmßOaHo sei, wird, 
ausser den schon allein genügenden inneren Gründen^ noch 
dinrch sein eigenes Zeugniss über allen Zweifel erhoben. Juni 
1608 entschuldigt er sich bei Lingelsheim wegen unterlassenen 
Briefschreibens mit seinen vielen Beschäftigungen (epp.p. 624).* 
Quamm foccupaHofiumJ, ut alias taceam^ praecipua est, quae Mum 
m€ a melioribua sludiis ad ignobüiorem commentationem abripuU^ 
CkmfuiaHonis Burdonianae fabulae medikUio, Quamvis enim yra^ 
mssimos homines auctores habeam ut duobus laboribus parcerem, 
tanti mendadi canfutandiy cm nemq probus ßdem habet, et Uli te^ 
nebrumi respondendi, cui.pro responso restis debektr, tarnen amid 
partim predbus partim ralundbus nostrum labefactaruni propoeiium, 
Qüum horum prsces deelinare non poseem, illorum vero auctorHaie 
mowrer, uirisque saüs/eci ut et^-quod tau volebant, responderim, et, 
quod Uli noMant, non meo sed alieno notnine id fecerim. Aehn- 
lieh und, wo möglich, noch deutlicher schreibt er, Juni 1608, 
an Gruter {epp. p, 793): OccupäÜasimus hos diee fui in eoripto 
quod adioersus Burdonistas euiomo» Nomen non apponam neque 
meum qm scripei^ neque eiue quem anon^mum huiua auctorem /acio. 
In der Ueberschrift heisst es nämlich: Confutatio stuUiseimae 
Burdonum fabulae Auetore L iL Batavo hsrie Studiaeo, worunter 
wohl Janus Rutgersius gemeint ist. — Die Schrift, ist abge- 
druckt in der zweiten Abtheilung der Franktoter Ausgabe von 
ScaHgers opusoida, nach welcher ich.citirt, aber die Fehler die- 
ses sehr nachlässigen Abdrucks stillschwfogend nach einem 
Originaldruck (LB. 1609> berichtigt habe. ^ Sdoppius repli- 



215 

cirte, zwei Jabre nach Scaügers Tode» in den ebenfalls Pseu- 
donymen Oparini Grubinii AmphoHdes Seioppianae, Parisiis Ißllf 
8.^ welche unter Anderem eine Responsio ad (Jon/idaiionem 
fabvlae Burdonum enthalten. Das auffallend verspätete Erschei- 
nen dieser Antwort soll gleich auf dem Titel entschuldigt wer» 
den durch den Beisatz : Dolo Ccdvinistarum suppressa et nunc Ja- 
mum m Ittcen^ ediia. 

69. Casaubonus; Welser. 

(Zu S. 88.) 

Casaubonus' ermunternde Ansprache erfolgte bald nach 
dem Erscheinen des Amphitheaters in einem offenen Briefe, 
welchen er seiner Ausgabe von Scaligers griechischen Ueber- 
tragungen aus dem Martial (Parisiis 1607) vorsetzte (Casavh, 
epp, ed, Almdov. p. 292). — Von Welser heisst es Scaligerana IL 
s. V. : II sera /asche de ce que fai escrit contre ks Jesuües. II ne 
m'escrit pltts. 

70. Verlockungen zur Rückkehr nach 

Frankreich. 

(Zu S. 89.) 

Scaligerana IL s. v. Coäon: Pere GoUon se vante de me Hrer 
cPioy (von Holland weg) et de me faire venir ä Paris et que lä 
je n'auray Vhonneur que je penserais y mowr .... B n'y a Boi 
ny Empereur qui me tire €picy: quand bien mesme les Estats m'o^ 
steraient man honoraire et me chasseroient hors de kur pays^ si 
n'irais je pas ä Paris, Die Gewährsmänner für die Aeusseron» 
gen Cotton's und zugleich den Grund, weshalb die Jesuiten 
gerade damals dergleichen Pläne verfolgten, giebt Vertunianos 
Scaligem an in einem Briefe, December 1604, (bei de Reves 
p. 352).* Monsieur, ce mot ne sera que pour vous reiterer la jo: 
ctanee que faict le Psre Cotton de vous gagmr paßt vaines promesses 
et attirer ä Paris pour vous faire reooiUery aimi que fdowt appris 



216 

Messieurs du Fiessis Momay, de la Noue/'St Germain deputd des 
Eglises pres du Roj/^ et d^Auhigny^ qui me prierent , , . de vous en 
advertir, et que (festoit la crainte qu^ävot/ent les Jesuites qne vostre 
Eusebe descouvre le pot aux roses. Ebenscr schreibt Casaubonus an 
Vertunianus, Juni 1605, {epp,p. 241 ed,' Almelov,) : TJn des Lojolites 
vint ä moyy il y a plus &mi an, me dity qi/il avoit proposS a sa 
Mo^estS de rappeller mon dit Sieur [Scaliger] et qu'il estoit /(Zcile, 
pourveu qi/il creut conseil et concltcst se faire Chrestien. Haec sunt 
tov ^tiqIov ^T^fiatety ad quae obstupui n^que dissirmdavi quid de tanta 
insolentia sentirem. — Jeaqnin!s, offenbar mit Wissen Hein- 
rich's IV. geschehene, Versuche, Scaliger nach Frankreich zu- 
rückzuführen, ergeben sich aus seinen Briefen (bei de Reves 
p, 282): Sa Majeste a monstre vous vouloir gratifier de la pension 
de d&ax mille livres [s. S. 161] demovrant en ce pays [Holland], 
QU de trois mille si retournez en France et semble qi/elle desire 
plus le dernier. Und am 19. September 1608, als Scaligers 
Krankheit eingetreten war, schreibt Jeannin {p, 133): Je crains 
que Vair humide de ce pays ne vous y [zu genesen] soit contraire.» 
je n'arresteray guieres ä prendre le chemin de la France, ou si vo- 
stre dispvsition vous permet de passer Phyver, je vous emmeneray et 
logerai commodement Et suis certain que n^en sortirez point qt^a- 
vec contentement du Roy, Von demselben Jeannin erzählt Daniel 
Heinsius in der Leichenrede auf Scaliger (orait. p, bZ): Nävi- 
mus plerique qui hie sumus, quidam etiam viderunt, cum illttstris 
nobilissimusque vir. Petrus Janniwus Divi&nensis. Senä^us princeps, 
regi Gallorum a consilüs et 4id Beigas hodk legaius, vertm^ togae 
decutS et Musarum patronus, mtignam ilH [Scaligero] mm pecuM- 
arum frustra bis offerri.vussisset, tandem in hanc urbem [Leyden] 
aliquot ante, eitcs ., mortem, diebtis venisse ißt, auctoritateni suam mu- 
neri.adeHdisse äc preces, neque tarnen impetrasse . ut quod alii o^we 
söhnt, senexr noster vel rogatus admitteret. Scaliger mag seine 
gutqü Gründe gehabt haben, gerade von solcher Seita Nichts 
anzunehmen. Dass er. arglose Geldhilfe seiner Freunde nicht 
grundsätzlich verschmähtei ist ohen S, 158. aus semen eigenen 



217 

Aeusserungen nachgewiesen. — Die politischen und 4*eligidsen 
Uebelstände, welche den Gedanken an eine Bückkehr in sein 
französisches Vaterland bei Scaliger nicht aufkommen liessen, 
hat er kurz und kräftig in einem Briefe an Gasaubonus be- 
zeichnet (epp, p. 18 6).* In Gallia pisces mintäos magnus comesty 
T/iagistrattts miserorum scmguine farduniur; et) quo nihil exituHnlms 
/ore pptO) in tanta veritatis luce tenebrae mendacii homines prvd^fh- 
tes ac videntes occupant 



70^. Idacius; Marcellinus; Barbaras. 
(Zu S. 93.) 

Den Idacius veröffentlichte Scaliger in der ersten Ausgabe 
des Thesaurus nach einer Abschrift, welche Friedrich Linden- 
brog ' von einem Codex des Franciscus PithÖus genommen 
hatte (Butm, syll IL p, 349>. Im Jahre 1619 gab Sirmond 
eine vollständigeren Text dieses Chronisten {Sirmondi opp, 11^ 
292), und Alexander Morus, welcher der zweiten Ausgabe des 
Scaligerschen Thesaurus vorstand, bat den Sirmond'schen Text 
abdrucken lassen. Für die Lesarten des Pithöanus wäre man 
also auf die erste Ausgabe des Thesaurus angewiesen. — Den 
Marcellinus Comes hat Scaliger ha der ersten Ausgabe nach 
Onuphrius Panvinius (hinter diess^en Fasten, Heidelberg 1688) 
gegeben («Rp. i>. 311). Auch von diekem Chronisten erschien, 
ebenfalls im Jahre 1619, eine Sirmond'sche Edition {opp, IL 
p. 350), welcher dann Morus folgte. — Dagegen ist kein Un- 
terschied zwischen der ersten und zweiten Ausgabe des The- 
saurus in Betreff des Textes der merkwürdigen ,barbarischen 
Excerpte*, welchef ' Scaliger mit folgender, zugleich schimpfen- 
den und preisenden, Aufschrift versehen hat : Excerpta tOilissima 
ex priore liöro chronalogico Busebii et Africomo et aliis^ iatme con- 
versa ab komine barbaro, inepto^ Hellenismi et Latinitatis imperitis- 
skno. Auf die Wichtigkeit dieses Stückes hat noch neulich 
Mommseu ^Abhandlungen der sächsischen Gesellschaft ITy 



218 

596, 2) hingewiesen, und da es bisher nirgends als bei Sca- 
liger zu finden ist, so werden einige Notizen über sein Vei- 
fahren mit demselben willkommen sein. Er hat sie zum Theil 
selbst gegeben auf einem unpa^nirten Blatte, welches, jedoch 
nur in der ersten Ausgabe, zwischen den Anmerkungen zum 
lateinischen imd denen zum griechischen Eusebius eingefiSgt 
ist. Dort sagt er, die minder Wichtigen unter den Fortsetzern 
des Hieronymus habe er bei Seite gelassen, Ühitts tanfum itv- 
mvviiov Excerpta deUgimus^ ex Graecis A/ricard, Eusebii et aliorum 
primae notae Ghronologorum veterum in Latinum sermonem con- 
versa; quae st ex captu interpretis aestimentur^ omnino operam lu- 
sisse videbimur qui eins scriptoris rationem kabuerimus^ in quo k- 
gendo nesdo plus patientiae a lectote exigendum sU quam fructus 
lectari 6x eo sperandum, Tania fuii in homine et Graeci et Laiini 
sermonis imperitia, Sed si qui$ res quae Ulis Excerpiis continen- 
tvTy quae ne alibi qüidem legimus^ et auctares unde de^sumptae sunt 
consideraverity tantum äbesty tit illum librum reiioiendum esse pro- 
pter harbariem interpretis iudieaioeritj ut ultro vüio nohis vertere de- 
buerit^ si tantarum rerum cognitione lectorem diu oarere passi esse- 
mtiS» Nam ut alia taceam^ divisio terraru^ et provinciarum nlri- 
Qovila inter posteros Nioae Patriarckae, quae in prioris libri Euse^ 
Uam Graecis tractatur [v, not. in Graec, Eusdb, p. 410^ ed, sec. 
p. 2^49^ ed.prjy ibi ßisius ei hxius expomtur, et Septem sacerdotes 
ApoUinis Karnii^ qui ab Hieronofmo omissi sunt, et alia praeclara 
referumiwr; detiique Augustalium Aegypti nomina ei corisulmn Bo- 
manorum noii pa^/ca paria ibidem conOnentuTf quae proprium com' 
mentarium occupare possunt, Hunc autem librum maiusculis Utteris, 
quod argumentum vetustatis est non infimae, consoriptum Claudius 
PuteantiSf nondum in amplissimum ordinem [Pariser Parlament] 
cooptatusy ante amtos XXIX nobis Lutetiae communicaverat. Nuper 
autem ipsum archet^/pum a Itberis ewLS, paierwjmim tdriuium here- 
dibus, accepimus, ut ex eo si quid in editione nostra a/ui omissum 
out peccatum est in integrum restituatur; quicquid igiiur ßructus ex 
eins ketione in rem publicam literariam redundaoerit^ id omne cm- 



219 

pUssimi, integerrimi et erudüissimi Senaioris et lecÜ^mnorum eiuB 
liberarum immortali benefieio acc^tum referaiur. Was hiernach 
etwa noch dunkel bleiben könnte, wird aafgeklärt durch einen 
Brief Scaligers an Carolus Labbäus, März 1605, {epp, p, ßbl): 
Chronicon^ quod a Puteanis mihi utendum impetrasti, accepi. Jlhtd 
ante XXX annos mihi Claudius PiUeanus eorum paier commoda- 
veraiy atgue adeo in calce Latini Ckronici Eusebiani edi iamdudum 
ctarcmmus, Si qmd in editione pecoatum sity id ut ex archetypo 
castigetuT curabimus. Also, um das Jahr 1574 hatte sich Sca<> 
liger den Codex des Puteanus abgeschrieben; nach der Copie 
ist der Abdruck gemacht worden; und erst als dieser längst 
fertig war, erhielt Scaliger, Anfangs 1605, den Codex selbst 
von den Puteanischen Söhnen. Mit Hilfe desselben wollte 
er füLr die zweite Ausgabe des Thesaurus den Text der Ex- 
cerpte revidiren, ist aber nicht dazu gekommen, oder Monis 
hat von solcher Revision keinen Cebrauch gemacht; wenig- 
stens habe ich zwischen den beiden Ausgab&i keine Verschie- 
denheit entdecken können. Ein zukünftiger Bearbeiter der 
Excerpte hätte sich also nach der M^uskeihandschrift des Pa- 
teanus umzusehen, wohl auf französischen Bibliotheken, da die 
Worte librum Puieanorum remisi in einem Briefe an Labbäus 
(epp. p. 675^y Juli 1606^ sich doch wahrscheinlich auf den 
Barbarus beziehen. — Sachliche Bemerkungen zu diesem Bar^ 
barus hat Scaliger nur gelegentlicb mitgetheilt, z. B. in den 
Notae ad Graeca Eusebii p. 250*> ed. pr.:=^p. 411^ ed. eec) Can. 
Isag. p. 335 ed. pr. 344 ed. see., jedoch hat er den Sinn der 
meisten unverständlichen Stellen dadurch deutlich gemacht, dass 
er das Griechisch, welches jener Barbar verwelscht, gleich am 
Bande des Textes hinzufugt entweder aus dem Cedrenus oder 
indem er es durch eigene Rückübertragung gewinnt. Ein 
Paar Beispiele der letzteren Art mögen zur Probe dienen. Der 
Barbar schreibt (p. 62 ed. pr.=i7ß ed. sec.): Latinorum autem^ 
qui et Romoffiorum^ regnum fortiorem Assyriorum et Aegyptiorum, 
et Argiorum^ seu et Sioyoniorum, quem et Qraecortmy et Athine- 



220 

orum in kUtoria invenmius memorankiny et nos quidem sequi pedes 

Bommörum quem et LaHnorum, fempora diapanimus. Sca- 

ligers Griechisch lautet : Acnivtov dky z&v xcel ^Ptojji^ximv, ßaailulav 
laxvQtuTSQav z&v *Aa6i>Qlmv kal Afyvictlcov wxl 'AQysUov ij xcrl I^iTtva- 
vLtaVy x&v xal 'EXirivoaVy xal *Ad"rivaL(ov iv lavo^Ltf, svifOfisv (ivfifto- 
vsvd'sieav' ^al '^(isVg fiev, äiioXovd'ovvrsß narä noda, ^PüifittCy)v, t&» 
nal AaxCvtov^ XQovovg <stoixsiov[isv. Gleich darauf folgt: Latino- 
rum atttem regnum ab Eraclio quidem et Telepho, qui et Latinus 
vocatur^ conam/w in quibus praescripimus dicendo» Scaliger über- 
setzt: AoLTlvmv ds ßaeiXsi^ dnh -Hifuxliovg ßsv wxl TriXitpov, tov 
Acttlvov %aXov(iivov, imxsiQovfitv, otg nQosy^atpuiisv 6vXX8yaPveg, 



71. Eückübertragungen. 
(Zu S. 94.) 

ScaHger selbst hat es ausdrücklich gesagt, dass er alles 
Griechisch, was er als zweities Buch des Eusebius giebt, bei 
einem oder dem andern Schriflisteller gefunden, dass er sich 
keine blosse Rückübertragung erlaubt, und dass er es vorge- 
zogen habe, die Theile, for welche das Griechisch sich nir- 
gends darbot, lieber ganz wegzulassen. Gleich zu dem Titel 
des zweiten Buches bemerkt er (Nbtae in Grdeca Eusehiip, 263^ 
ed, pr, = 42b^ ed, sec,): SdmU cnäem benevoli lectöfes, me nihil 
Jdc posuisse quod non scriptum invenerim: multa esse, gtsae sine 
vUo codice divinari passunt*), tU Aeqinetae mare obtinent 
f Hieron, MDVIIIJ, Afyivijtat d'otXaeeo'n^atovai etiam si non inve^ 
nissem soHptuan, poteram tarnen iisdem verbis quibus ab Eusebio 
conceptum /uit ditmare. Verum hoc nobis noluimus licere; ui ni- 



*) So steht in der ersten Ausgabe; offenbar richtig, wie der ganze 
Zusammenhang ausweist. In der zweiten Ausgabe heisst es durch ein 
Versehen, sei es Scaligers oder des Morus, multa esse, quae sine inte- 
griore codice divinari non possunt, was mit dem Folgenden unverein- 
bar ist 



m 

kung seiner Interpretenkuost h«t sieb Sealiger jedp^ i^ur üür 
den Ettsebianischen Text auferlegt; ia den> Notep zum 
H ie ? o D y m u s lasst er kerne Qeleg^nbeil vcM*übergeben, um durcb 
BöckübertragQQg in da» Griecbiscbe den ßi^n des Cu3qbiu$ »u 
ennitüen und die Febler des Hieronymus zu yerbessem. £jiQ 
au$gewat)lte9 Vera^eiobmss soldier Ue^bersetzersünd^n def Q|e? 
ronymus b4^ Scaliger gegen den Scblus^ d^v .Prolegom^m ge? 
geben; aucb in dem Index eur er^tep Ausgabe ^, v, Hier^yp»^^ 
hi^t er dergleichen zusammengestellt. Mehrere gi^ö^sere . Ab.r 
schnitte, die durch Hieronymus' Fahrlässigkeit gar zm sehr misst 
handelt -waren, bat Scaliger ganz vpn Ncuein übersetzt, z. Q, 
das Froömium» soweit er dessen griechisches Original bei Syn- 
ceüus ip. ßb) fand. Er leitet seine eigene Uebe^ßetzung so 
ein (Änimiielveres. p. W): Qtsia. nmlta reliquU in J\oc proaemk^ 
multa aeguius interpretatus est, multum deniqt^e sibi permiait^ Hierp- 
nj/muSf qtufd conüngere necesse est in iis qufi^ dtctantif, . n^ q^ 
a wAis scribuntuT' prino^pi^m hmus prpo^mii ex ipsis iEm^ü 
Crraeeis pingui Minarva et ßdelius quam amfiitiosiu^ Laiif^ re^Out» 
hie posuimus, ut quid ob Uteranymo mutatum aut relictum sit lector 
aninmhertm'e possU, Nam sane si quis ^odi^ ita ut /ecit m&ra- 
n^fmus ßrcfeca vetteret, nan dico ab afiefiiß sed, ut Actqeon, a suis 
cßnUms mordicus discerperetur. 



72. Syncellus. 
(Zu S. 94.) 

Die erste Erwähnung des Syncellus findet sich in einem 
Briefe an Casaübonos, August 1601, {^pp, p. 191^.' Mßh te pi- 
dere quam audire, quid Eusehio pro/uerimus, Oraeoa meliarempar' 
fem ex oblünone media excitaoimus, et omnia sine ulla exceptione 
reddidissemus, si nobis cuiusdam ttbri, qui in Bibliotheca regia est, 
copia ßeret. Sed frustra semper [d. h. so lange Gösselin Biblio- 
thekar war] illius Bibliothecae opem imphravi, Nam qui debdtat 

15 



in 

hömini näUH [Qostelino] imperarey is veto iiii cuourbiiae obnoxws 
est, amplissimus et laudaHssimus amieus nöster [Thuanus], Itaque 
tum est tanti tota ilia Bibliatheca et qukquid uspiam pulverulento- 
rum Ubrorvm est, ut ScaHger vel ulU monarchae eupplex sit Diess 
stolze Verzichten auf die ^bestaubten Bücher' hielt aber nicht 
lange Vor. Er bestürmte den Tlmanus mit Briefen; Casaubo- 
nus' Bemühungen waren unermüdlich; und so wurde der mür- 
rische Gosselin endlich gezwungen, den Codex herauszugeben. 
Jidi 1602 hatte Scaliger ihn erhalten (epp, p, 218). — Goarus, 
welcher seine Ausgabe des Syncellus nach demselben Pariser 
Codex veranstaltete, hat alle von Scaliger^ meistens stillschwei- 
gend, gemachten Verbesserungen tabellarisch verzeichnet (i^- 
cell ed. Bind. IL p. 298—334), und diese Partie wird wohl 
am £nde die brauchbarste sein in dem ganzen Commentar des 
wuthenden Donlinicaners, dessen Hass gegen Scaliger gleich« 
sehr erklärlich wie ohnmächtig ist. — Als Scaligers Eusebius 
erschienen iVar, schrieb ihm Labbäus, was man m Paris dazu 
sage, unter Anderem auch diess, er hätte den ganzen Syncel- 
his e^ren sollen. Scaliger antwortet (^. p. 673): Illud vero 
quantwis pretii est, ddmisse Beorgium me edere. Quod ins, aut net- 
turale abJt ffentium, hoc a me exigit ut, quam Eusebium edere pro- 
posuelrim, Georgium adiungerem, qui ingens etnpus solus conßcere 
possitf quasi quod volumen edidimus non satis magna moles sif^ et 
seni misero, qui nullum laborum suorum habet socium, parum sü 
tot exantlasse aerumnas, nisi ei sab sarcina succumbendum sit Ma- 
lignoSf imperitos, et niffTuxtnas istos non cwramus, qui nihil ex cpere 
meo colli^e potuerunt, nisi de quo quererentur. Doctis, candidis, 
ingenuis et liberalihua arnmis^ non istis homuncionibus scr^imus. 
Nullius est de opere meo ferre sententiam, fiisi eius qui eiusmodi 
cpus edere possit 



nti 



73. CasAubonische Excerpte. 
(Zu S. 95;) 

Casaubonus* Brief vom 13. Februar 1605 (epp. ed. AlmeL 
p, 232), in welchem er den Fund der Excerpte anzeigt, ent- 
hält eine allgemeine Beschreibung des Codex. Sie stimmt voll- 
kommen zu derjenigen, welche Gramer (Anecdot Pari», 11^ p, 116> 
von Cod. Reg. Chärtac. 2600. 4. saec. XF giebt, und hätte Crä-' 
mer den Brief des Casaubonus gekannt, so würde er wohl 
nicht so schüchtern, wie er mit einem «/ opinor thut, über die 
Identität des Codex gesprochen haben. Wenn er femer sagt, 
dass der Scaligersche Abdruck parum fideliter gemacht sei, so 
ist das wohl nur ungelenk ausgedrückt, und nicht ^so schlimm 
gemeint. Auf keinen Fall jedoch ist es richtig» Denn bei 
Durchmusterung" der Varianten stellen sie sich, mit sehr we- 
nigen Ausnahmen, als Verbesserungen heraus, welche Scaliger, 
ebenso wie beim Syncellus, stillschweigend vornahm. Die paar 
wirklichen Ungenauigkeiten aber werden wohl nicht von Sca- 
liger, sondern von Carolus Labbäus verschuldet sein, der die 
Handschrift für den Druck copirte {epp. p. 652 — 659). — Die 
Worte, in denen Scaliger gleich nach der ersten Meldung dem 
Casaubonus seine Freude über den Fund schildert, lauten: 
(epp. p. 274) .* idümae [litterae iuae] tngens \iesideHum et c^pidu 
totem meam elicuerunt^ postquam legi in quodam avzuiy^iiyKp libello 
JRegum successiones et aretdiovlKag contineri. Non potui me conti" 
nere; immoderatum gaudium expressit a me gestum fortasee hominis 
non mnas mentis; subito enim laetitia exilui. lUae enim tttaikovi" 
n&p uatayiftKpal sunt lulii Aß*icahi, qui in Olympiadem CGXLVJr) 
Ckronicon suum deduxit. Und nachdem die Excerpte gedruckt 
und verwerthet worden, schreibt er (^* p> 292)/ Fragmentvm 
ilhd v&v &tadtovMmv, quod nobis lihercdUas tua impertünt^ est ut 
Minerva Phidiae in nostro opere. — Niebuhr hat die Stück« aus 



•) Ein offenbarer Druckfehler statt GCXLYIIII, s. z. Eus. N. 2237: 

15* 



324 

Porph3rrius mit der armenischen Uebersetzüng verglichen (KI. 
Sehr. /. p. 291/; und in den Vorlesungen «her aHe Geschichte 
(I, p. 18) sagt er: ,Isaac Casaubonus besass griechische Aus- 
zuge aus dem ersten Buche . des* Eu^ebius, welche Original- 
stücke atis Porphyrius enthielten; wo er sie gefunden hat, 
weiss ich nicht» denn in Paris sind sie nach meinen Erkundi« 
gungea nicht mehr vorhanden.' Glückhcherweise hat Gramer 
geschickter gesucht, als die von Niebuhr Beauftragten; er selbst 
war bekanntlich nie in Paris. 

74. Olympiaden-Verzeichniss. 
(Zu S. 96.) 

Die inbrünstige Anrufiing der Olympiaden - Ae;*a steht 
Ammadiferss, p. 66* pr.^p. 70* see. — ^ Welche Ausbeute 
die neuentdeckten Excerpte für seine »G^schichtsammlung' lie- 
fem müssten, erkannte Seiger gleich als Casaubonus ihm den 
Fund meldete^ und schon bei der ersten brieflichen Aeusserung 
seiner Freude ruft er (^^. p, 275); quantum cmamentnm x^ 
wvaymyi Icto^iug nostrae acceaSurum eßt^ qmm w m^tU iam edp- 
tia quam adhuc laiintäfus scripiarihus CQt^ecimu^f Die anderen 
Aeusserungen Scaligers über diese seine Arbeit baf^wald 
Scheibel (losephi Scalifferi 'Olviinti(kßP 'Avof^tpii, Berolwi 
1852^ A:) gesammelt (p. IX)^ und zugleich eine bis auf die 
neueste Zeit herabgehende Liste derjenigen angelegt (jp, JIJ), 
welche das , Olympiaden-Verzeichniss' für ein Werk aus dem 
Alterthuni gehalten haben. Dass Thomas Reinesius diesen Irr» 
thum gehegt und mit einem Aufwand von vielwiaserischen No- 
tizen ausstaffirt hat, kann weniger Wunder nehmen, als dass 
selbst Lesnng gelegentlich darein verfallen ist, und demnach 
Fr. D. Gerlach hier einmal nicht in ganz sehleehter Gesell- 
schaft Modernes für antik hält. — Auf Scheibers Buch ver«* 
weise ich um so lieber, weil es die einzige mir zu Statten 
kommende Vorarbeit ist; es ward veranlasst durch eine Preis- 
aufgabe, welche im Jahre 1839 die Berliner philosophische 



«25 

Fa«ult&t, das h^isst wohl in diesem Falle August Böckh^ 
folgendermaassen dteilte: De Itaepho Sealtgero Olympiadutn De^ 
scriptimis audare. Zon&chst wOrden jetzt die übrigen Theile 
der 0v9ayi»pi eine ähnliche Bearbeitung verdienen, und ausser- 
dem etwa noch der Ztptofittffei^ ififtitgwp ita^otfiiav, ein Lieb^ 
lings- und Meisterstöck Scaligers, welches durch die etwas 
kärglichen Noten des Andreas Schottus (^c&^ta p. 580) noch 

nicht ,för den heutigen Gebrauch zug&nglioh gemacht ist. 

« 

75. Behandlung der Patres. 
(Zu 8. 99.) 

Seine kritischen Auslassungen über die Patres hat Scaliger 
in dem Index zur ersten Ausgabe unter den betreffenden Na- 
men verzeichnet, und es war eine sehr ungehörige Eigenmäch- 
tigkeit des Morus, dass , er in der zweiten Ausgabe diesen In- 
dex um ein Beträchtliches kürzte. — Die ziemlich derbe Weise, 
in welcher Scaliger manchmal die Patres abfertigt, erregte in 
Paris Anstoss, und als ihm Labbäus diess schrieb, antwortete 
er (epp, p, 673).* De siellwn^Hs anäem Ulis satis mirari noh pas- 
sunt^ qui PoXres <f ^e sine honore nommari dicunt. Ostendant 
•mihi quo hon&re veiini eos a me affici. Infinitis Ipcis Äugustmum 
et Hierongmum saneHtaHs ei erudUionts cognominäms orruwi. An 
hoc sii sine honore Potrum meminisse, ipsi viderint. Allerdings 
hat er im Eusebius immer noch etwas mehr Rücksicht genom- 
men, als im mündlichen Gespräch, wo er einmal äusserte (Sca- 
Ugerana lly e. <?. Peres): La grande ignorance de ces Peres d^cmis 
IS ou 1400 6ms, Les JesuUes vaudroientf que nous demeura^onk 
en ces tenebres^lä, Pauoa nos docent Patres in Theohgicis. Und 
(^bid, s, V. Theologie): On scait ai^our^hui plus en Theologie ei en 
Histoire Ecclesiasiique que du temps de TertuUien. Aber auch im 
Eusebius finden sich Freimüthigkeiten, wie z. B. folgende (no- 
tae in Brueca Euseb, p, 417* ed, sec. p. 255 ed. pr): Multae stmt 
halhtcinaüofies^ fnulia peccata Eusebii, Nulhis est audot, qui le- 
viofe studio et maiare securitate iüdicii lectorum scrvpserity quam 



hie notier. Nihil tarnen «««^{«x^arrore^os^ 6t exddit, quam hoc quod 
in mafiu est, novem tantum reges ex priare /amiUa R^/um Lace- 
daemoniorum /uisse et una ^um Ulis sex alios altera regia domo 
regnasse [v, ad num, Euseb, 9167. ^'^^ ^^'^ propono ut confißr 
tenivit; hoc enim Aretalogi hodierni in re Tnani/esta /acere solent; 
sed ideo vi huiiis scriptoris iniiUvdvvot scopuJi vitentw, quos Jmpe- 
ritis, nisi prius indicati /uerint, difficiU est vitare, Nam hodie quot 
dicta veterum Patrumy tot scita divinae scripturae cmsentur. JBinc 
larvae et mendiccfiula Sophistarum *incunabula primorum Eremico- 
larum ab Essenis repetwertmt, quia Eusebius id dixit, qui quum il- 
lud de Essenis scriberet, se compotem mentis non fuisse ex eo 
ostendit, quod alihi de Essenis non ut monachi^ Christianorum sed 
ut mere ludaeis loquitur [s. oben S. 205]. Nam erratts huius 
auctoris enumerandis Charta non suffecerit. 



76. Zweite Ausgabe des Thesaurus. 
(Zu S. 101.) 

Gleich bei Uebersendung der ersten Ausgabe an Casau- 
bonus kündigt Scaliger die zweite an in einem Briefe vom 
August 1606 («ipp. p. 320).' St ventus prosecutus est vota nostra, 
iamdudum Eusebius noster ad vos pervenire potuit, Ante quadra- 
ginta enim amplius dies res curata est a nobis. Offendent te erro- 
res tgpographici: quorum seges tanta est, ut non sohim eorum me 
pudeat, sed etiam quicquid operae posuerim, eius me poeniteat, Qui 
norunt eos qui excuderunt, tantum ahest ut errata illa mihi obü- 
cianty ut potius mirentur et /requentiora et graviora qdmissa non 
esse. Quum illud genus hominum consideroy mihi ignosco: quum ad 
Itbrum meum me confero, ad metalla damnatus mihi videor, Sed 
et tu et boni omnes excusabitis et, ttt spero, calamitatem potius quam 
culpam hoc quicquid est vocabitis, Si qua nostra culpa est, in aU 
teram editionem exoneramus. Und im December desselben Jah-" 
res 1606 gab er sich dieser Arbeit schon ganz hin, wie er an 
Calvisius schreibt (e^, p, 616): Accipies Eusebium, Unum te 



227 

moneoy nulium libfum tarn in/elioUer excuHtm fuisse. Res enim 
mihi cum ignamsaimis et imperitissimis typographis /utt Qamwn 
neffliffenüa commissum, ut plura menda in ea edUione qvam veirbtk 
sinty fnuka praepastere posOa, muUa iraieeta: denique iaedei, pigefque, 
Unde ntwam adomare cogar, in quo quidem Ma9 sum. Nam flor^ 
gitium esty in opere tanti momenH tot päAces ^xstarek -~ Das fexv 
tige Manuskript war in Scaligers Testament dem Franciscus^ 
Gomarus zur Herausgabe überwiesen, und als Erkenntlichkeit 
für seine Mühe war ihm Scaligers durchcorrigirteis Handexem* 
plar des Josephus vermacht. Aber die Händelsttcht des Go* 
marus verdarb auch dieses Geschäft; er gerietb mit den Ver- 
legern, den Commelin'schen Erben, in Streit und starb im 
Jahre 164i, ohne dem Auftrag Scaligers genügt zu haben 
(CrenU Animadw. phii, XV, p. 109). Darauf brachte der Am* 
sterdamer Buchhändler Janssonios das Manuskript an sich, und 
die Beaufsiehtiguqg des Druckes übernahm Alexander Morus^ 
einer der berühmtesten Kanzelredner seiner Zeit, < Hausfreund 
und später Feind des Salmasius. Von seinem unruhigen Le- 
ben giebt Bayle (ort Morus) einen Abriss; und wenn msti die- 
sen gelesen hat, wird man auf kritische Sorgfalt schon von 
vom herein bei Morus verzichten. ^ Einige seiner Nachlässig- 
keiten sind oben (S. 219, 220, 225) berührt; falsches Eintrags 
von Scaligers Zusätzen zu dem Olympiadenverzeichniss hat 
Scheibel (p. XVT, not. 153) an mehreren Beispielen nachgewie- 
sen; und bei eingehenderem Studium merkt man bald, dass 
diese, allerdings der Zusätze wegen unentbehrüehe, Ausgabe 
des Morus vom Jahre 1659 doch den ersten, von Scaliger 
selbst besorgten, Druck des Jahres 1606 keineswegs entbehr- 
lich gemacht hat, 

77. Testament. 
(Zu S. 10h) 

Im October 1607 schreibt Scaliger an Casaubonus (epp; 
jp. 339).* Neque vero vana retulii tibi o ftaxct^ifi^s ill6 amicus no* 



SS8 

»ter [Busanval], qui me operam dusenktindis libris ehre übt refe- 
n^at. Quwn enim qwmtam annarum post me reliquenm 0t quam 
pdrum mihi supM^ ad metas aansidero, totum me ad scarcmas col- 
lf^ekd9S comparo. Et prim/um ibidem indacto priore teHamenio*) 
aiiud eof^eci. Sarotem bonorum^ meorum institui kaeredem; amkis 
de quf^uilns mei^ oHquod p^viiißbewop nostri reliqwif quod amarem 
mmsm moffis qvlam divitiäs testari potest .... Dimidium /acH habeo 
^aod hm$ incepi. Superest vi ad reliqua ordinanda wUmum adü* 
dank. I Qiäjere ifixiaecwnque in exoticis Unguis aut sparsa erant in 
sup^>eaeoHk l^bt\X9fia äüt älitmde vel prece tel precio comparare po* 
tni^ ea emnia manu mea in hoc aetate describtmtut ,. .. Si^td ma^ 
Imolt nöetA persüadere wilunt, ego mm induetria prodesie n»n po* 
tuiy 9ält4fn aUertU aliquam a poeterUate gratiom intbimtis, Nam pöit 
m»Hem muUa i^U^guipu &^i%9otü relinquimus, SelecHoree Orienich 

lium (imguarum libros hibUoikectte Auius Academiae legamus 

lam ptagpesn rebm meie: ne m ea m» cuipa quam effugere prM» 
dari ffiri *io?t pohterunt, qvdy tanquam nihil possiderenty inteetati 
mfol^i.fuam de marte saltem cogiiare makteruni, Ego contra com 
mkilifßre bdbemny hoc parum, quedecttnquß habeoy mahd sapremohir 
dich Ordinate qfea/m non de motte cogitasse videri, Et ridebutd 
/^tasee qtddam qwod me non puduerit in tarn tenm re kstamentaim 
ßcisBB. Quos veHm idre, interesee titi boi»i saUem td mortalem 
essk se meminerit idque sctipto aUquo testaium euis relütquat» — 
Die Bestimmnug^ durch wekhe Sealiger seine Papiere^ der Ver- 
öffäftüichong' entzog, bat dend Hugo Orotius SfofTzu foigendjeio 
£]bsgraniiin, gegeben {poomate. p, 359).* 

' ■ Ourn^pfutei ddctS9 tu^gererä undique ehesrtiä, 

Quai velit aeterno fama fovere einm, . 

Exhaeredavit morUurus Scaliger orbem 

Et vetuit post 86 scripta videre diem, 

- Heu nimium durcts e miti pectore legee, 

Pro quibus impietas magna eit esse pium. 



*) Dieäes erste Testament hatte er im Jahre 1601 niedergeschrie- 
l9on (ejpp^ p* 183> 



M9 

Digna Sit hoc poena ptaewn» qu<u tn^itur aekts, 

Nempe haec quae TUios*) Scappiadasque tulit: 
- Sed quo posteritas meruit non posse docer^ 

Äut quid fecerunt tarn bona scripta malif 
Farce, paier, si nos rede tibi cuncta monenti 

Credere iti hoc uno tredimuB esse nefas, 
PMtoa mtnt isihaec* Semel ut Ufata dedet^mt 

Omnibus, inde pqtest iam nihil esse tuum, 
Sit tarnen ut mandas: nequeunt vel pressa totere 

Quae tantum ex tanio nomine lucis habent, 
Quicquid nesciiur foliis quaeretur in istis, 

Mine *ifti respOMum maximä türhd petet, 
Quanta nee Euboicae celehravit virginis**) antrum, 
, Nec.tripodes medio quos habet orbe locus. 

Quid iuvat in popuhs hos non dimittere Chartas f 

Scaligeri circum scrinia mundus erit. 

Die Prophezeiung des letzten Verses wird sich hoffentlich 4n 
nicht zu fe^rner Zukunft besser als in den verflossenen dritte- 
halh Jahrhunderten erfüllen $ aber die 2kisatze zu Gatull, tob 
denen im Text gesprochen ist) wird man in den Leydener 
,Schränkeit^ wohl vergebliob suchen» Dass Scaliger sie einen 
Freunde zum Dru^k überwiesea hatte, €i^ebt sieh aus Hein^- 
sius' Leichenreden p. 98, wo unter Likri quos limphoB Scalijsier 
edendos amicis r^liquU auch aufgeführt wird CatuUus, TUndius et 
BroperHus auctior et eastigatwr, Böcler in ditm . Vorbericht zur 
dritten. Ausgabe des Scaligerschen ManiHus (Aryeutorati 1655) 
jerwähnt als eine allbekannte Sache, dass zugleich mit dem rer« 
mehrten Exemplar des Werkes de ethmdaUone und Mangos 
auch der Catull nach Genf gekommen sei; was jedoch dort 
aus ihm geworden, weiss Böder iusOu cum ignarissimm — 
Den Plan zu einer dritten Bearbeitang des OatuU hatte Sca- 
liger schon im Jahre 163D2 gefasst; er schrieb damals an 



*) Siehe unten in dem Abschnitt: ,Zwei Pseudonyme Schriften 
Scaligers.* 

**; S&tyllae ÜUmame. 



230 

Taubmann (epp. p. 746).' Ckttullus cum soeiis opera studiosorum, 
qui audiores erant nacti illos atictores, recusus est sed Ha ut defor- 
mitate illius editionis cogar exponere foetum neque meum agnascere, 
Itaque forktssis poteris meliorem nancjisci typogßraphum, ut melior et 
ornatior ac multo locupletior editio prodeat. lu der That ist die 
zweite Ausgabe des Gatull das einzige unter- allen Büchern 
Scaligers, in welchem der typographische Anstand, auf den er 
streng zu halten pflegte (s. oben S. 194), nicht beobachtet ist. 
Dass es zu Franeker, also nicht unter Scaligers Augen, ge- 
druckt worden, sagt er in einem Briefe an die Puteanischen 
Bruder (q)p. p. 437). 



'78. Krankheit. 
(Zu S. 102.) 

Den Verlauf von Scaligers Krankheit hat Daniel Heinsius 
geschildert in. einem Briefe an Casaiibonus, welcher den Sca- 
ligerschen BHefen angehängt ist (p, 829 — 848^. Dort heisst 
es von den Studien während des ersten Stadiums der Krank- 
, heit (p, 832).* Quantum corporis, quod iam atqotplif penitus ema- 
ciatum erat, infirmitas permitteret, animum quasi in statione sem- 
per erectum habebat, ac ne tum quidem ut nihil ageret a se 
impetrare potuit, Existimo posiremas, quibus aiiJte mortem usus 
est, autores, Fölybium et lApsii De Bs Militari libros fuisse. Quo* 
rum f» alterOy qui penes me est, mfinita emendaoerat ac inter cetera^ 
paucissimis, antequam penitus lectuh affixus iacerety diebus pilum 
Bomanum ex auctoris doctisdimi descrvptione manu sua accurate dß- 
Uneaverat: quod in eo omnes ^ Pok/bium illustrare conaÜ essent 
errasse existimaret^ in altera nonnulla in quibus dissentiret annota' 
verat. Bemerkenswerth ist noch Heinsius' Mittheilung über die 
letzten Worte, die Scaliger zu ihm gesprochen (jp. 837^.* JDie 
alio cum rediissem et de valetudine interrogassem : Fili, inquit, Da- 
niel, extrema vides, Vix dolori par sum. Corpus ex assidua de- 
cumbendi consuetudine et morbi inclementia exhaustum est, Manet 



231 

idem vigor ammi. Inimici mei si me videani, divinae irae hoc 
ascrihant» Nosti quid de aliis tarn dmdgarifU. Tu de his testari 
pates, Perge tU coepistL j^ hoc age tit memoriam illiue, qui tan- 
topere te amai^ sandte tuearis. Sed ei Deus sine dtdno te amat. Et 
amabity quamdiu bona tua Uli referes accqatum; quae quo minus 
ostentdbis eo pluris erunt. Arrogantiam et fasium mta. Ah ambi- 
tione quantum potes cave; et imprimis ne adversus animi senten- 
tiam ilUus causa quicqyam agas, Qiuicquid in te est illius [Bei] 
tatum est. Tixvov fpiXs, o/jOf^c^a. Fuit tibi tuus Scaliger. 



79. Scaligerana. 
(Zu S. 104.) 

Noch deutlicher als in den Briefen tritt Scaligers unver* 
wustliche Frische in den Gesprächen hervor, welche aus zwei 
Perioden seines Lebens aufbewahrt sind, und jetzt als Scßli- 
gerana Prima und Scaligerana Secunda oft genannt, jedoch, aus« 
«er von Bemhardy, nur wenig benutzt werden. Allerdings ist 
die Benutzung dadurch schvnerig, dass man, um nicht auf 
Schritt und Tritt in Irrthümer zu gerathen, sich fortwahrend 
alle Umstände gegenwärtig halten muss, unter welchen die bei- 
den Sammlungen ursprünglich entstanden sind und unter wel- 
chen sie ihre gegenwartige Gestalt erhalten haben. 

Die jetzt sogenannten Prima Scaligerana würden besser Scali' ' 
gerana Vertuniani heissen. Denn sie sind aufgezeichnet von Fran- 
ciscus Vertunianus, Scaligers oft erwähntem ärztlichen Freunde, 
der, ids Hausarzt der Familie Rochepozay, ihn zu sprechen viel- 
fache Gelegenheit hatte in den Jahren zwischen seiner Bück« 
kehr aus der Schweiz und der Uebersiedelung nach Holland. 
So weit sie also mündliche Aeusserungen Scaligers enthält, um- 
fasst die Sammlung die Periode von 1574 bis 1&93. Einige 
Artikel lassen sich mit Hilfe feststehender biographischer Data 
einem bestimmten Jahre zuweisen, z. B. der Artikel auctores (sf 
oben S. 151) und Muretus: Mihi [dem Vejrtunian] duat Dom, 



d^Abin [Rochepozay] tanti fidsse los, Scaligerum MuretOy cum 
Romae esset ante sex annos, mx ut unquam ab tllo Muretus dh 
velH potuertt^ cuius doctrinam totus stu^ehat et admirabaitur maxime» 
Da Scaliger 1565 und 1566 in Rom war, so stammt dieser 
jsechs Jahre* später niedergeschriebene Artikel aus dem Jahre 
1573. Für den Artikel Scaliger [s. oben S. 117] hat Vertu* 
hian selbst am Sthluss das Datum angegeben: Hoc anno Do* 
mini 1576 agit ilk [Scaliger] annum aetaiis 36. — Ausser den 
mündlichen Heden, die meistens lateinisch und oft in d^i* drit^ 
ten Person wiedergegeben sind, hat Vertunian noch Auszuge 
aus Briefen ScaGgers an ihn in die Sammlung aufgenommen, 
z. B. s, t?. Brugnolus =: epp, p, 103^ vgl, Leibnitz Nouoeaux es* 
sais I, c, 3 extr,^ und eine Anzahl nicht zur Veröffentlichung 
bestimmter Nöten, welche Scaliger gegen Contantus' Commen- 
tar zum Dioskorides gerichtet hatte^ s. v, Crocus (s. oben 
S. 115). — Nach Vertunians Tode (1607) blieben diese Auf- 
zeichnungen unter seinen Papieren in Poitiers liegen^ bis sie 
um das Jahr 1669 ein dortiger Advokat, de Slgogne, at> sich 
brachte und dem Tanaquil Faber nach ßauraur zur Herausgabe 
schickte. In Säumur wurden sie auch .gedruckt; aber 6ie 
Tückisichtslose, poBtisch und kirchlicl^ sehr rerflingliche Par- 
rhesie Scäligers bestimmte den Faber, wie aüe übrigen Her* 
ausgeber von Scaligerana^ einen fklschen Druckort bu nennen, 
und auf dem Titel heisat es: Prima ScaUgerana nusqmm antehac 
edita. Groninga^ apud Peirum Smithaeum 1669» Den Grund, 
wesshalb er den Beisatz prima gewählt, giebl Faber am Schlnss 
äer Vorrede so an: Cw* autem Prima vocaverim — nam hme 
^is titulnm feci — «Ji libellum kgeris fadh intelliges. Scilicet d- 
4era Ula Scaitgenma^ quae abhinc duobus trümsve annis prodierSß re- 
centiora ("von jüngerem Ursprung, aus einer späteren Lebens* 
|yeriode Scaligeirs) sunt 

Diese »anderen Scaligerana' nun, wie Faber »agt, oder 
Sealigerana Secmtda^ wie s»)fe jetzt gewöhnlich heissen, würden 
passender ScaHgeram Vassanorum genannt nach den Attfzeicbnern 



333 

Jean und Nicolas de Vassan, Die Mutter derselben wat eine 
geborene Pithou; sie hatte dem Beispiel ihres Bruders Petrus 
Pitböus» als dieser zum Kathoiicisuius überti^at, nicht folgen 
wollen und war im Jahre der Bartliolomäusnacht ns^ch Genf 
gezogen, wo sie einen Mr. de Vassan heirathete (Cascmb, epp, 
ed. Almel p, 18.6). Im Sommer 1603 schickte sie ihren Sohn 
Jean nach Leyden» und Casaubonus gab demselben angelegent-» 
liehe Empfehlungen an Scaliger mit. Im Frühling des näch- 
sten Jahres 1604 folgte Nicolas dem Bruder nach, ebenfalla 
aa Scaliger empfohlen durch den Parlamentsadvokaten Seryin 
(de Rcves p. 181). Beide Bruder hatten ^ im Sommer 1606 
Leyden wieder verlassen, wie aus Scaligers Briefen an sie {epp. 
p, 536) hervorgeht. Sein Umgang mit ihnen föUt also in die 
drei Jahre von 1603 — 1606. Die Erinnerang an ihren ver- 
storbenen Onkel') Petrus Pithöus, einen seiner besten Freunde, 
bat wohl zu der rückhaltlosen Gesprächigkeit beigetragen, in 
der sich Scaliger den beiden Junglingen mittheilte. Er ahnte 
freilich nicht, dass sie, aus eigenem Antriebe oder, wie nicht 
iuiwahr$cheinlich, von ihren Pariser pönnerq dazu aufgefordert, 
nach jedem Gespräch alles irgend Bemerken^wertbe wörtlich, 
niederschrieben, bald lateinisch bald französisch, wie Scaliger 
eben gesprochen hatte. Auch mit diesen vertrauten Schüleni 
hatte er aber nach confessioneller Seite so wenig Glück, wi^ 
mit dem jüngeren Bochepozay (s. oben S. 23). Beide Vas» 



*) S, V, Ferse, wo einer der Vässans in erster Person spricht: 
Le vieux wmmentaire eur Perse et Juvencd a esti irie par Monsieur de 
Zeecalk et ainsi rendu a Monsieur Pithoth mon Onole de Savoye (Pierre 
Pithou hatte in der Champagne ein Landgut, welches Sßi>oye }ii?6s, wie 
Colomesius anmerkt), und s. v. PiiJ^oei, wp Scaligci* redet: Voatre 
Oncle Fr, JPithou a un seul livre dont je lui parte emjie, und weiterhin: 
Pithoeus patruus tuus asinus in Ulis rebtis de religione» Ein anderer 
deutlicher Beweis, dass Scaliger zu den Vassans spricht, findet sich a. 
V. Mediciä : Jls ne sont point venus de Medecins; ce mot de Medicia aignißt 
avtant que Vaaadn. 



Sans wurden spater katholisch^ und Jean ist sogar als Mönch 
in einem Kloster der Feuillants gestorben. Inzwischen hatten 
sie ihre Sammlung Scaligerscher Gespriche, von welcher sie 
bei ihrer veränderten Lebensstellung keinen Gebrauch machen 
wollten oder konnten, den Puteanischen Brüdern überlassen. 
Von den Puteani lieh sie im Jahr6 1642 der Parlamentsrath 
Claudius Sarravius und machte sich eine genaue Abschrift. 
Nach Sarravius' Tode (1651) schenkte dessen Sohn Isaac die 
vom Vater gefertigte Copie einem Freunde; und dieser, nicht 
näher bezeichnete, Freund borgte dieselbe um das Jahr 1662 
dem bekannten kirchengeschichtlichen Kritiker Joh. Dalläus. 
Zu eigenem Handgebrauch nahm DallEus ebenfalls eine Ab- 
schrift, in welcher er die von den Vassans beobachtete Folge 
der Gespräche auflöste und Alles alphabetisch ordnete. Bald 
darauf kam der sprudelköpfige Isaac Vossius nach Paris, 
wusste dem Dalläus sein alphabetisches Heft abzulocken, Hess 
es schleunig copiren und schickte, ohne den Dalläus viel zu 
fragen, diese, im dritten Grade von der Vassanischen Hand- 
schrift entfernte, Cppie nach dem Haag. Dort wurde sie im 
Jahre 1666 gedruckt unter folgendem Titel: Scaligeriana 
9we Excerpta ex ore losephi Scaligeri, Per F. F, P, P, fFrtOres 
PiUeanosJ Geneoae apud Petrum Columesium. In einer kurzen 
Vorbemerkung sagt der Drucker dem Leser: Damvs, henigne 
LectoTy quae lacobus et Petrus Puteani fratres ex öre Clarissimi et 
Doctissimi Viri losephi Scaligeri excerpta chartae olim niandärunt 
Descripsit illa Claudius Sarravius ex schedis Puteanorum. Alius 
Vir Doctissimtts digessit illa in ordvnem Alphabeticum. Nach zwei 
Seiten verstösst diese Notiz gegen den wahren, Sachverhalt, 
erstlich durch die Nichterwähnung der Vassans^ und noch mehr 
dadurch, dass sie die Puteani, welche bloss die Besitzer der 
Handschrift waron, zu den Unterrednern macht, mit denen Sca- 
liger die Gespräche gefuhrt habe, Vossius' Indiscretion, seine 
falschen Angaben über den Ursprung der Sammlung und die 
vielen Versehen im Text derselben, welche bei der verstohle- 



839 

neu und eilfertigen Publication nicht ausbleiben konnten^ ver- 
anlassten den Dallaas, gleich im nächsten Jahre 1667. eine 
sorgfaltigere Ausgabe nach seiner eigenen Abschrift zu veran- 
staltei^. Sie ist zu Rouen gedrückt' und fuhrt folgenden» gegen 
Vossius gerichteten, Titel: Scaligerana. Editio altera, ad verum 
exemplar- restituta et innumeris iisque /oedissimis mendis^ quibus 
prior Ula passim scatebiit, diligentissime purffota, Colaniae Agrip* 
pinaey apud Gerbrandum Scagen, 8. In der Vorrede erörtert Daliaus 
die Ges(;hichte der Sammlung» setzt die Vassans in ihr Recht 
ein, und ^ebt die nöthigen Aufschlüsse über die Verzweigung 
der Abschriften. 

Demnach ist es klar, dass iur die Scaligerana Prima nur 
die Ausgabe des Faber und für die Secunda nur die Ausgab q 
des Dailaus> Autorität hat. Diese zwei Ausgaben hat Des Mai- 
zeaux vereinigt im zweiten Bande folgender Sammlung: ScaH-» 
geranOy Tkuanay Perroniana, Pithoeana et Colomesiana* Ou Bemar- 
qaes Historigues, critiques, moraUs, et litteraires De Jos. Saxligery 
J. Äug, de Thouy le Cardinal Du Perron, Fr. Pithou, et P. Colo^ 
mies. Avec les notes De Plusieurs SaoanSy Amsterdam 1740. 8« 
Dort findet man auch die Vorreden der früheren Herausgeber, 
nach deren Angaben Des Maizeaux eine übersichtliche, nur in 
der Chronologie der Gespräche mangelhafte, Histoire des Scali- 
gerana entworfen hat; ich habe von ihm die Titel der Aus* 
gaben des Faber und Vossius entlehnt. Femer hat Des Mai- 
zeaux das richtige Verfahren eingeschlagen, die Prima und 
Secunda als für sich bestehende Ganze auseinander zu halten 
und sie nicht unter eine und dieselbe alphabetische Ordnung 
zu bringen, was scheinbar zur Bequemlichkeit, in Wahrheit 
aber zu grosser Verwirrung des Lesers geschehen war in fol- 
gendem, jetzt wohl am meisten verbreiteten, Abdruck: Scali- 
gerana Ou Bon Mots, Bencontres Agreables Et Bemarques Judi^. 
cieuses et Sgavantes de J, Scaliger Avec Des Notes de Mr. Le 
Feore et de Mr. de Colomies. Le tout disposS par ordre Alphor 
hetiqac en cette NouveUe Edition. A Cologne [Amsterdam^ s. Des 



336 

Maßeaux p. XV\, üKea ••• MDC.XGV, 8. Hier sind die Artikel 
der Prima von denen der Semndä hur durch ein, oft falsch 
gesetztes, Sternchen unterschieden. 

Für jetzt muss man sich also an die Arbeit voii Des 
Maizeaux halten, weiche den vorhandenen Stoff in der zweck- 
xmässigsten Form darbietet. Wesentliche Ergänzungen und Ver* 
besserungen würden sich nur dann ergeben, wenn es gelingen 
sollte, eine der noch nicht alphabetisch geordneten Hand- 
schriflen aufzufinden, d. h. entweder das Originalmanuscript 
der Vassans, welches nach Guy Fatin's Angabe {Leeres ckoisies 
CLIV, p. 408 ed. Paris 1685) im Jahre 1666 sich auf der kfl-. 
niglichen Bibliothek zu Paris . befand, oder die von Sart'avius 
gemachte Oopie. Ein solcher Fund würde für die Secunda 
Scaligerana vielleicht eine ähnliche Umgestaltung herbeifüluvn) 
wie sie Pascal's Pensdes duixh Cousin's Entdeckung und Fau* 
gare's Herausgabe von Pascal^s Autographon erfahren haben, 
r^ Von den Prima Scaligerana lasst es sich jetzt nicht fest- 
stellen, ob schon der Aufzeichner Vertunianus oder erst der 
Herausgeber Faber sie alphabetisch ordnete. ' Zu ihrer Ver- 
volistämdigung kann vielleicht eine Spur leiten^ auf welche Co* 
iömesius (opp, p. 445^ aufmerksam gemacht hat. Wie, immer 
aus irenischen Bestrebungen hatte sieh auch a\is denen des 
Hugo Grotius eine heftige Polemik entwickelt, in welcher der 
siebzigjährige Leydner Theolog Andreas Rivetus besonders rü- 
stig die Feder führte^ Grotius (Votum pro paee Eaclesiastica ed 
1642^ p. 69) hatte nun gelegentlieh das zweite Makkabäerbuch 
eio librum magnae semper apud Chnistimos auetoräatia genannt, 
und darauf entgegnet Rivetus in seinem 1 643, also 26 Jahre 
vor der ersten Ausgabe der Prima Soaiigerana erspbienenen 
Apciogetumf (§ Ih): Liörum II Maccabaieum inier Cammicos nee 
üb Ecclesia ludaioa unquam, nee ah EecleMa Chrütiana semper 
fuisse rec^tum certum est. De 4^0 ioc iudicium legt iilustris 
Sealigeri [vergl. zu Eusebius N. 1839]: ^Alter liber Maceahae- 
orum oh SUlenista Judaeo ahörematus est ex quinque Hhrie lasonis 



237 . 

Ct/renaeij in quem multa nugatoria^ hoc est, ludaica inctdccUa sunt^: 
in dictaüs Scaligeri quae olitn mihi communicavü Franciscüs Ver- 
iimianus. In unseren Prima Scdligerana findet sich di^se Aeusse- 
rung nicht. Mithin hat Bivetus die Sammlung de^ Vertunianus 
in einem vollständigeren Zustande benutzt, als sie zu der Zeit 
war, da Sigogne sie ankaufte, und es wäre der Mühe werth^ 
sich nach der Abschrift des Rivetus unter seinen, doch wohl 
zu Leyden befindlichen, Papieren umzusehen. 

Der biographische Werth beider Gesprächsammlungen 
wird hinlänglich durch die Aufklärungen bezeichnet, welche sie 
fast für jeden zur Sprache gekommenen Punkt in Scaligers 
Leben und Charakter gewährt haben. Für Charakteristik ist 
die Sammlung der Vassans reichhaltiger und zuverlässiger, weil 
die jungen Menschen eben Alles, ohne Unterschied und ohne 
Zuthat, in passiver Treue bloss aufschreiben wollten, wahrend 
yertunianus, ein bereits entwickelter und gelehrter Mann, 
schon etwas redigirt und gewählt hat. 



16 



Zwei pseudoD^me Schriflen Sealigers 

yerdieDen besondere Heryorhebung, weil in ihnen deutlicher als in den 
übrigen Schriften ein Grundzug seinem Wesens, seine frische Lachlust, her- 
vortritt. Wo er unter der Verantwortlichkeil seines Namens polemisirt 
oder wissenschaftliche Gegenstände in wissenschaftlicher Form behandelt, 
hat er bald mit strafferem bald mit loserem Zügel diesen Hang zur Lu- 
stigkeit gehemmt; ihm ganz freien Lauf innerhalb eines ernsten Werkes 
zu lassen, hat er nur Einmal sich nicht versagen können, nämlich in der 
Vorrede zu den Canones Isagogici bei der Widplegung des chronologi- 
sirenden Engländers Lydiat (s. oben S. 180). Damals hatte er schon d^s 
sechzigste Lebensjahr überschritten und noch immer war ihm das schal- 
lende, an seinen Landsmann Rabelais erinnernde Lachen nicht abhanden 
gekommen, ja, wie das bei tiefliegenden Eigenthümlichkeiten zu geschehen 
pflegt, gerade im höheren Alter brach es mit verstärkter Kraft wieder 
hervor, nachdem es während der reifen Mannesjahre zurückgetreten war. 
Auch nach dieser humoristischen Seite bildet Scaliger eine Ausnahme von 
seinen gelehrten Zeitgenossen. Höchstens trifft man noch bei Cujacius hie 
und da auf eine Spur ähnlicher derber Munterkeit. Muret war ein voll- 
endeter Virtuose im Lächeln ; sein patronisirendes Wohlwollen, s&tn Hohn, 
seine Frivolität und, als er alt wurde, auch seine Melancholie äussern 
sich im Lächeln und verstecken sich dahinter; aber eben weil er immer 
lächelt, lacht er nie. Lipsius' ganzes Wesen War ein zu unfriscbes, als 
dass er es je zu echter Fröhlichkeit hätte bringen könneq; und Casaa- 
bonus war ein so ängstlicher Beobachter der Anstandsgesetze, dass er 
sich wohl ganz des Lachens entwöhnt hat, aus Furcht, einmal Jemandem 
ins Gesicht zu lachen. Aber Menschen von Sealigers Art, in denen sich 



23» 

ein warmer Math ind ein reifes Gewissen mit einem üeist vereinigen, 
der hell und umfassend) ist, jedoch von den strengeren Fragen des spe-» 
culaiiveii Denkens ab^ehl, eben weil er an ihnen «eine* Helle uiid Weite 
Bu veidieren filrcfatet -^ und diess War- allerdings SiialigerS' Fall -^t 
solche Menschen besitzen nach der ganzen Anhige ihrer If atuf ein ilnner*- 
währendes Bedürfniss und die nie versiegende Fdl%keit ±n heriUchem 
und kutem LachcB, sei es letfiglich.um des Ladens willen, öder um sich 
und Andere beim .Verfolgen ernster Absichten zu erheiterit Von beidn 
Gattungen, däm> reinen und dem angewandten Lachen, liegen die ergöts*- 
licbsten Beispiele in den zwei Pseudonymen, Schriften vor. Dteseiben sind 
jejbet so wenig gekannt und so schwer zugfinglichj das» gr(>ssere Auszüge 
aus ihnen nicht zu entbehren sind, wenn sie in ihrer charakteittsirenden 
Bedeutung gewürdigt werden sollen. 

Die erste dieser humoristischen Schriften, 

Vineentii Epistola, 

ist auf folgei^den Anlass entstanden: 

Scaligers Freund, der Arzt Vertunianus, hatte eine Ausgabe des bip-- 
pokratischen' Buchs ,Yon den Kopfwunden' , vorbereitet und vor Beginn des 
Drucks Scaligers' Bath für die besonders schwierigen Stellen eingeholt. 
Scaliger machte eine Menge Vorschläge zu Aenderungen, welche fast Alle 
von der Annahme ausgehen, dass der hippokratische Text schon in sehr 
früher Zeit durch Glosseme von grösserem Umfang interpolirt worden sei. 
Zur Begründung dieser Annahme dictirte er dem Vertunianus einige latei- 
nische Anmerkungen, und so trat denn im Jahre 1578 die geroeinschaflliche 
Arbeit der beiden Freunde unter folgendem Titel*) ans Licht: Hippo- 
cratis Cot de capitis vulneribus liher Lnlinitate donafus a Fnmcisco Ver- 
tuniano, Eiusdem Fr. Vertuniiini commenturitis in eundem, Eiusdem 
Hippocratis textus Grnectis a losejtho Sculigero luL Cues, F. castigalus 
cum ipsius Scaligeri castigationum sunrum explicaUone. Lutetiae in offi- 
cina Roberti Stephani 1578, 8, — Dass ein der medicinischen Gilde fern- 
stehender Philologe sein kritisches Messer an den Hippokrates zu legen 
wagte, erschien der medicinischen Faculiät zu Paris als ein Eingriff in 



•) Ich entlehne diesen Titel von Littre, der (dippocrate III. p. 182 ff.) Scaligers 
Bemerkungen vollständig in seine Noten aufgenommen hat. Die Originalausgabe habe 
ich mir nicht verschaffen können. 

16* 



240 

ihre Gerechtsame; usd ein damah berühmter Lehrer, Ludovicus Dure- 
tu 8, fühlte sich noch persönlich verletzt durch einige gelegentliche Zu- 
rechtweisiingen, welche ihm zu ertbeilen die beiden Frennde sich erlatdit 
hatten. Um seine litterarische Ehre zu retten, stiftete nun Duretns 
den Job. Martinns, ein j&ngeres Mitglied der Facultät, dazu an, das 
fragliche Buch des Hippokrates mit Rücksicht auf die Vertuniantsche Ans^ 
gäbe in Vorlesungen zu behandlen; und Martinus, dem für seine Dienst- 
leistuBg eine -Professur, wie man sagte^ versprochen worden, Hess es denn 
. auch an heftigen Ausfiilien, besonders gegen Scaliger, nicht fehlen. Die 
nachgeschriebenen Hefte wurden emsig verbreitet; der Verleger des Ver- 
tunianus scheint für den Vertrieb des Baches besorgt geworden zu sein; 
und Scaliger mag nicht ungern^ die Gelegenheit ergriffen haben, auf Kosten 
einer löblichen Facultät seiner Lachlust öffentlichen Lauf zu lassen. So 
erschien denn unter fingirtem Namen und Druckort: Nicolai Vincentii Pi- 
ctaviensis Chirurgi epistola ad Stephanum Naudinum Bersuriensem» Ad 
dictata lo, Martini in librum Mippocratis De vulneribus capitis, Coloniae 
apud Sebastianum Faucherum 1678, 8. (102 unpaginirte SS.) — Dass 
Scaliger der Verfasser sei, wusste Colomesius (opera p. 119) durch Mar- 
quard Gudius; und die Vertheidigungsschrift des Martinus nennt ihn auf 
dem Titel, den ich von Littre iUippocrate JIL p. 179) entnehme : loannis 
Martini parisiensis doctoris medici ad losephi Scaligeri ac Francisci Ver- 
tuniani Pseudovincentiorum epistolam responsio, Parisiis 1578, 8. Füs den 
Kenner von Scaligers so leicht kenntlichem Stil hätte es jedoch nicht einmal 
dieser Zeugnisse bedurft. Vertunianus, den Martinus als Mitverfasser nennt, 
kann höchstens eine mündliche Beisteuer medicinischer Bemerkungen ge- 
liefert haben; abgefasst aber ist das Ganze allein von Scaliger, der allen 
Theilen seinen unnachahmlichen Stempel aufgedrückt hat; jeder Zweifel 
an seiner Autorschaft schwindet, wenn man die oft wörtlich übereinstim- 
menden Aeusserungen in dem offenen Briefe an Stadius iepp,.p, 63 — €€) 
vergleicht. Nur beobachtet er dort, wo er in eigenem Namen schreibt, 
eine etwas grössere Mässigung und nennt die Namen der Angegriffenen 
nicht; hier dagegen, nachdem er einmal sich als Vincentius verkleidet 
hat, macht er sich auch die volle Maskenfreiheit zu Nutze. Den ein- 
leitenden Vorbericht bildet: 



241 



Stephanus Naudinus Medicinae 8tudiosis Sa4. 
Tertius hie mmug est, Miudiosi mvenes, cum Patavio hue veni, m/pc^ 
ran» in, kac Schein Ptaiaumai posse me iachiram stndiorum meorum aii': 
qmttenus garcire, gunm tnm feei cum proptdr pealUentiam eiiiuM ^ftkun 
vellem ex ea urbe pedem estuli maxin^o meo et damno et dolore, Unu 
tarnen Mpecula me eonsoUtbaiur, qnod m eam nrbem profleiäcerer, in ^ua 
eiusmodi DpctoreM etsent, qui facUe Patavinorum medieorum desiderium 
mihi lenire jhssenty praeMertim cum in ea e$set DmretUM, quem tametai a 
nuüo docto viro Inudari videbam, tarnen quin apud mtigu» Scholastieorum 
aliquo in preeio e»t, nen omnino me operam lusurum putabam si etUM 
audUor eeeem, Veni Afic ergo: hominem vidi: leetionibue eins frequem 
interfui, Equidem doetior non evati quam Patavio discesaeram*}: uttub^ 
inde taederet me mei, eun^ iUmd Ptutarehi mecum taeitUM rimarer mg tig 
ala9'ci»oiTO kavtov iv a^etg nqfntomoptog. Nam de me nihil tale pro^ 
miliere poteram, Tamen quin memineram praeceptoree parentum loco Aa- 
bendog, aemper hominii nomen ae existimatio cara mihi fuerunt, ae «i 
quando doeti viri eiut fastum detestarentur, doeirinam reprehenderent, 
Bippocratiens diatribae irrid^ent^ tamen nunquam animum meum indueere 
potueruntf quin ea magii invidia quam aiiqua . uuta cauM fieri putarem. 
Atque equidem in ea sententia tantisper mann, donee dietata Martini in 
libntm nsql tQWfMtmv veteri amico meo ae Modtdi Nicol, Vineentio Chi" 
rurgo Graeee et Latine erudiio mi»i: quin is est unut ex Ulis qui diemU 
Duretum eonfidentiorem quam eruditiorem esse, Ego ut amiei pertinaeiam 
Ulam retunderem, obieei Uli quaedam Duretiana de Coaeis Praesagiisj 
item Martiniana illtt, de quibu» iam dixi, ut ex Ulis diseeret tandem «j^ 
rum docium honorifieentius appellare ac modestius de eius doetrina sen" 
tire. At iUe Vineentius Chirurgus «oXoicttyad'og tantum abesi ut lectis 
iiiis de pristina pertinacia remiserit^ ut iustis ae grambus rationibus me 
uUro in senientiam suam perduxerit. Quid pluraf iia sua Epistola et 
Duretianam et Martinianam wmHoquentiam exagitavitf ut quanvis sero 
{faiendum enim est) tandem resipiseere visus sim, i^f quia illius doctis- 
sima Epistola omnem mentis caliginem mihi discussit, nolui eam vobis in- 
videre^ optimi iuvenes condiseipuli mei, si quis fructus ex iUa exemplo 



*J ScaUgerana l. (t. v.): Duretus immus in doeendo, nam Graecatn Hntfutm exaete non 
novit. 



t42 

nostro ad vos pervenire possil, Non duhilOy quae vestra est indofes, quin 
ea lecta ißem tnecum sentiatis, Vb< quundiu in tckota Dureti mansuri 
estis, tideritis ipsi. Ego anne »arcmas coUigo, ac JHoniem Pestuium peto : 
uhi doctissimo Laut, loberio*) tandiu operam dtibo donee rnbigmemhane, 
qnam in situ GpmMtsii DurHiani contr4txi, hbstefsero, Valete. iMtetiae 
priäie Kai, Septembr. cio.ci.zxxrin. 

In dem niiii folgenden Biriefe nimmt Vineentius die Dictate des Marti- 
nas diircb und lösst sich in dem einleitenden Abschnitt über Scafiger and 
sein Verhältniss tu Daretus nnd Martinus so vernebmen: 

Quod in fdiero literamm ttmrum Cttpite rdpus, an Mos, Seaiigerum no^ 
rim et ut tibi quis, qvalis, -^uid hominis sit, significem^: hoc unnm tan- 
tum respondere possum^ itlnm esse hommem otii honeiti amantissimnm. 
Metiorein enhn partem literis impendit^ ita tarnen ut non raro venatu ex^ 
erceat se**)* Ceternm studiosissimus est, et ut rem tibi apertam^ homo est 
minime mtüus, Famitiaritas et neeessitudo mihi cum eo idm antiquiius 
intereedit. Quin pridie quam hos literae aeciperem ehm in hac urbe et 
mdi et' tiUoeutus ium. Hnc tamen raro commeure solet, Rvsticum enim 
4e dieit ef, ut ipse noiiseum iocari solet, a nobis urb^mis alienum se esse 
profitetur. Quod veiro deinceps scribis, ei Lud. Duretum et nescio quem 
Martinum tnfensissimos esse^ neque causam äppönis: equidem miror ex 
quo fönte höe odit^m derivatum in iUhm sit. Nunquam enim cum Dureti 
meütionem fecisse nisi cum honesta hominis appeUatione. memini, Quare 
enim ille hominem a quo- iniuriäm nultam accepit laederitf Be Martina 
vero Ulo magis mirum, quia illum hominem iile nntuni nesciebat, Otiosos 
igitur esse oportet qui hominem optime de literis meritum oderinl: et nisi 
tu ipse odii causam mihi aperueris, ego> nuUam aliam iustam comminisei 
possum. Kam quod ais Dureto persuasum esse, illum Vsrtuniäno flngra 
Sttbministrasse quibus Duretus vapularet: profecto falsissithum est, Prv- 
mum quia eorum, quae e Dureti auditorio prodiertmt, mhit itlum tut- 
quam legisse certo scio. Melioribus enim studiis oecupatus est, Deinde 
non ita abiecti est animi, ut maledictis gloriam quaerat: qmd Uli ^iophi- 
stae tamen faciunt. Eins enim liberale et probum ingenium satis bene 
novi: Postremo Vertuniano opus non est succentore, siquitndo animtim ad 
scribendum appellit, Satis enhn per se, a natura, ab inslitutione instru- 



') Scaligerana J. («.. v.) : louberium vidi MonspelUi, qt^i mihi saUs doeius videtur. 
••) S. oben S. 118. 



U9 

eiia est, diequ€ ver» dultito quin ülud quod $eHbU verum ut: iU^m U- 
pellum una ^cum ca$tiga^iombus S^mligeri nniffnum fuvorem emererl po" 
(ui$se, xi et Veriunümus a scaJpmäa, 9eMe Dureti mamiB aMinuisset: 
Uem si Duretus ülum liärum 4mttH publice interprekitus non esset. Nnm 
qui» neque Glassemuta muUa, quae^ passim tili Uhro insiiu Hb indöctix 
fueruntf odoratns est, cum publice iUum exponeret^ neque semper smtis fi- 
äeiiter tUqme Luiine interpretßtus esty hoc komimem urit sciticet quod ko- 
mines /mt »ine uUtt medicinae artei^ aui sattem medici ignobil^s et qbsemi 
dtla enim de Scuiigero et Vertuniuno'loquuntur ipsi, ut ais) excit4^ti fue-r 
rint, qui ea detegerent quibus Duretusy ttmti nominis vir, §raviter offende^ 
retnr ob hoc Uinlum quod illa ignorasse videretur. Mugnum enim iniuritim 
eauslimuiioni 'suae inde fieri putut: atque adeo teretur ut nomen sHum 
(ipud plebeeulum Scholusticarum tanti fint qumti anteiiy si nescio qui h^-^ 
munciones to wxxoy ev xslfiepov moveunt ei Duretum apud ignobile Scko^ 
lastidorum tmlgus tnlem esse itperitmt qwUem docfis medicis eum esse ium 
persuftsum est, Inde eonseguutum est. id quod scribis^ iUum primuim sub^ 
misisse Minimum istttm magnis prßemO» iniviti$tum .praesertim .eath^drue 
spey quam, iUi cedere poUidtas esJJDuretu^ ea eondiUone si in Scaligerum 
declamfiret et libeUum Hium publice explicaret ac Glassemttia iUa pro ge" 
nuinis Bippderaticis contra eonsdeutiam suam interpretaretm inon ita sti*- 
pes est, ut Scaligeri animadversiones omni ratione carere pulet: quod Uh- 
meu ipse \probare cona6ur)i Nam utrunt bene an male, ver^ an perperam 
Duretum def.endat^ dummodo defendaty parüm referre pulut. Sane hoc 
constat unun^ essipusdrio üiorum Babbmanün pqhun testt^m esse^ mm 
prius damnandum esse Scäligerum quam de veritate constaret. Neque 
enim ideo sequi Sadigerum male sensisse, tametsi proceres Scholae Pari-' 
siensis id hon animadverterint. . Nam si Martinas iste hovus homo aut 
Duretus velerator hanc gtoriam Scaligero praeripere potuissent, non du- 
hilo quin priores in hanc possessionem invasissent, Sed quia ad 
aütores castigandos lange alio ingenio esse oportet quam Duretiano aut 
Martinianoy quia non Qmnes ad hanc rem nati sunt*), pauci ad eandem 
instituti sunt, Martino, homini retigioso ac , bonae conscientiae, non difficile 
fuit dicere: Amica veritas, sed amicior Duretus, Jccirco plus satis aestua-^ 



•) Epp. p, 105 schreibt Scaliger an Vertunianus : ToHes ex me audisti, non omnibus 
datum esse bonos auctores emendare. Hoc enim vulg'o komines aüt non audent^ quia ne- 
seiunt, aut audent, quia impudeatee sunt. VgL SeaUgerana /. «. v, auctores (oben S. 141). 



244 

vit infelix ae miteUus JDuretHs, Nuttae sunt ChifmmaiieorHm Parisien' 
sium capseliae, quas non ejeeusserii^ nnita Lexiea^ quae non voluiaverit, 
nutbtB denique medicuSf quem non adierü, ut universi copias tibi cmUra 
Scaligerum suppeditareni neque smerent se inermem confra fortissimum 
ae potentissimum hostem marte deeemere» Maffnum inde maßum conse- 
guutum est, Dufetus enim, qui totam Lutetiam eonsulendis Grammaticis 
perreptarerat, ese lassitudine in morhum (andern ineidit, et quanvis mtthu 
eum ferehat, tarnen utrique male fuit. Nam et mulo detritae tmguUie smtt 
et Dureto cerebrum inde iatpaneXia&rif et, üt scribis, adhue in lecto aeger 
cubat. Qttod- cum Sealiger resrivit, detestatus est et Vertunianum et 
quicqnid medicorum Pictaviensinm est propter quos ipre imprudens xtd 
lad'<Dv hominis doetissimi offensionem incurrit, quem ipse amat^ laudat et, 
si quid Uli kumanitus accidit ut nunc, eius cftsum ae vicem paiam mise- 
ratur, Sed Martinus me vocat. Ignosce, mi Naudine,. si te in media 
sermone cogor relinquere» Hieran nchliesst sich «ine Reihe von Widerle- 
gungen der Angriffe des Martinus auf Scaliger und Vertunianus. Wir 
übergehen sie für jetzt und verbinden, zu ' besserer Uebersich(, mit der 
allgemeinen Einleitung den ebenso allgemeinen und. wo möglich noch 
dramatischeren Schiuss des Briefes. Bemerkenswerth ist in demselben die 
Hindeutung auf ein früheres Freundschaftsverhaltniss zwischen Duretas 
und Scaliger. Duretus hatte dem Scaliger einst in schwerer Krankheit 
ärztlichen Beistand geleistet; . und dies mag wohl mitwirkender tirund 
sein, weshalb Scaliger, auch bei gegenseitig veränderter Gesinnung, nicht 
mit offenem Namen gegen den Duretus auftreten wollte: 

At poenitet me, mi Naudine, pauculas horas huic sterquilinio egerendo 
impendisse, Sed quia (lo^fioXimsia) terrefacere nos videharis, cum haec 
dicfata mihi obiecisti, si possem sententiam aliquando mutarCj qui ab eo 
tempore quo plus quam annum DureCum audivi nnnquam animum 
meum inducere potui ut de Dureto aliter sentirem quam adhuc 
sentio] quia, inquam, nunquam potui demoveri de sententia, quid 
de Dureto sentiam non iam primum discere potes sed recognoscere. 
Eadem.enim mea sententia est, quae olim fuit, Quare si plura dictata 
misiises, plures a me Martinomastigas accepisses. Neque ttmtum moveor 
hominis inscitia, arrogantia, temeritate, quae virtutes cum eo natae sunt, 
ut nemo nescit, sed inusitata impudentia, qua optimum virum Josepkum 
Scaligerum per istum impurissimum Emissarium suutn insectatur, etun 



24* 

Setäiger neuimm umquant laeierit — quid nentrumf cum hodie nemo vi- 
vatj quem aut facto aut dicio Scaliger umqitam laeserit, Tantum ahest 
nt Uli iniquuß sit, Contra quam ipse suspicatur, ut paucis diebus antequam 
ego dictata tua acciperem cum de Dureto forte sermo incidisset, eum Scri- 
ligery ignarus tarnen harum rerum omnium, et bonum virum et äoctitm 
palam appellarit. Quin ultro adiecit^ illum de se optime meritum esse, 
cuius ope et cura gruvissimo morbo Lutetiae liberatus siti Postridie quam 
kaec contigerunt, ipie Sadiger in Ultimos Tarbellos ad aquas profectus est : 
quem adhuc exspecUimus* Ego amico absenti deesse nolui, et quanvis cer- 
tu8 sumy eum illam scholasticam pehdantiivm nihil morari, tamen tanta est 
eius in me magnitudo meritorum^ ut hoc officium ei absenti praestare de- 
buerim» Multi sunt doctissimi in hac urbe et medici et iurisconsulti et 
gymnasiorum moderatores, qui palam dolorem suum dissimulare non po^ 
tuerunl, cum hominem ümocentissimum absentem lacerari, nullo humtmi- 
tatis aut literamm honore habito, viderunt. Jtdque omnes avide expectant 
editionem ülorum dittatorum Martinianorum, quue nunc . sub praelo suntj 
ut Scaligerum eiiam invitum adversos canes illos defendant. Sane quum 
Typographus librum hunc Vertuniani editurus esset^ omni ope sedulo re- 
stitit Vuretus. Piimo ad mendacia confugit ^ quis nescit iacttmliam Du- 
reti? Dixit enim, et Scaligerum et Vertunitmum omnia sibi suffuratos 
esse, ifuasi Sctdiger quid Duretus in cathedra garriat curet scilicet. De- 
inde cum hac parte se non obtinere posse videret, ad vim contulit se; 
omni ope, pedibui mauibusque enixus est ne ille libert ederetur, Postremo 
aim tandem nihil proficeret, ultima üla via aggressus est, ad quam confu- 
giunt scilicet qui causae suae diffidunt. Contumeliis enim agere exorsus 
est, Cui rei idoneum älium magis invenire non potuit quam scabiosum 
illum paedagogulum, inter clysteria et pharmacotribarum officinas delite- 
scentem lo. Martinnm: quem et contumeliis et locorum citatorum farra- 
gine et eiusmodi mercium viatico instructun^ non prius ad haue carnifici- 
nam adigere potuit^ quam cathedrae poüicitatione, quam tamen prius ab 
€0 stipulatus est Martinus» Neque (diter se facinus illud facturum polli- 
citus est, Diceres percussorem quendam ad Sadigerutn et Vertunitmum 
iugulandos summittL Tanta mercede compellendus fuit Emissarius ille, En ' 
totius fabulae scena. Tu, qui spectator eius fuisti, plaude, mi Naudine, 
et pro Genio tuo Dureto^ quem adeo laudas, et pro Martino, quem supra 
magistrum videris etiam adorare, Caeterum cum Scaliger redierit, ego et 

17 



246 

eius amicititte valedico et virum non puto, si patitnr se ludihrium iUU lar^ 
vis esse. Scio quid dicet, unicuique liberum esse de omni re quid sen- 
titU pronunciare. Honesta oratio. Sed atroces illas iniurias avida aure 
ebibere neque viri est nei/ue illius, qui tali genere ac tanto viro prognatus 
est. Nam sane si Martinus non illiberabilibus et scurrilibus iniuriis '^apud 
auditores suos, sed veris rationibus egisset, unum ttmtum Negotium et no~ 
bis et Scaligero ipsi reliquisset, sua videlicet et Martini argumenta tantum 
expendendij non etiam, nt nunc, iniurias propellendi. Succenseat mihi 
qtiantum volet Sealiger. Equidem de iure atnicitiae nihil me deminuisse 
puto, qui absentem arhicum defendi pro virili mea, quanquam ingenioli mei 
tenues copiolae sunt. Tu, mi Nuudine, quanquam adhuc obslinatus offir- 
mas te, oro te, si me amas, ostende Ulis haec Capita epistolae, ut quid pec- 
cent^ tandem videant. Vale, ^ 

Diese capita epistolae, d. h. die ins Einzelne gehenden Widerlegun- 
gen von Martinus' Angriffen, welche den Kern des Briefes bilden, sind 
trotz des dürren Stoffes von einer sprudelnden Ader grotesken Hu- 
mors durchzogen. Ein Paar Beispiele mögen den Ton des Ganzen 
bezeichnen. Scaliger hatte in seinen Beiträgen zu Vertunianus' Ausgabe 
auf Anlass von ofioxQolri bei Hippokrates (de capit. miln. IJJ. p, 185 Lil.) 
auch die Stelle aus Herodot I, 74 angerührt und Martinus dann dem Sca< 
liger Missverständniss der herodOtei>chen Worte vorgeworfen. Darüber 
helsst es nun in Yincentius' Brief S. 34: Ait losephum Scaligemm locum 
Berodoti non intellexisse: cun^ Herodotus, inquit iUe Varro Academiae 
Parisiensis, loquatur de Orgiis Bacchi. Male, intfuit. Scaliger inter- 
pretatus est locum Herodoti ignoratione sacrorum Bacchi. 
Nescio an Scaligero unquatn tantum superaverit otii, ut tili vacet dictiUa 
haec Martini scabiosa inspicere. Si viderit, quem risum Uli tollemus ? quos 
cachinnos Uli dabil bonus Martinus^ histrio Mimt Duretiani in schola Pa^ 
risiensi? Crede mihi, mi Naudine, malim me malo fato emori, quam ei 
haec non ostendere, Interea hunc risum lucrifaciam. Scaliger igno^ 
ravit Sacra Bacchi. Quid? Orgiis Bacchi, credo^ operatus erat Mar- 
tinus, cum hoc miserae Scholasticorum plebi diclaret. Nam sane, qui eum 
audit, si discendi potius quam irridendi causa audit, plane Martinumus 
est. Quae sunt illa Bacchi orgia? 



247 

Accurrite omnea nugures, arusjtices*), 
Portentum inusiuttum conflatum est reeens. 
Nam Bacchum gut hibebat, Bacchus facfus est. 
Jn Bacchanal venu Martinus, ut Scaligentm b/tcchari doceret, Orgia 
docet nos Martinus. Mariinus bacchalur svot, svot, Sed si bacchicus 
furor detumuitj per Genium Dureli oro te, optimey doctissime, acutissime, 
divinissime Martine, übt sunt illa Orgia Bacchi apud Berodotun^? Verba 
Herodqti: 0Q%ia Ss nouetta tavta tä JßQvBataTCSQ XB^ElXrj^Bq' yfxtl TCQog 
xovzoiai insav wg ßQa%Lovag initaytovzcu ig xrjf» bfioxQOLtriv x6 afy>OL ava- 
XfL%ovGi> oXLrjLm». Orgia Bacchi OQiua interprelatur doctissimus ssholae 
Lutetianae magister, alter Duretus^ columen artis tnedicinae^ O miseüum 
Scaligerum, qui tot adulterina ac spuria ex Hippocrate sustulit, ftnum ri" 
tum sacrorum, quae Martinus bacchans commentits est, animadvertere non 
potuit. Quam latebram inscitiae nunc quaeret infelix Josephus ille cum 
sua Critica, cuius rationem habere Scholasticos Parisienses frvstra postu^ 
lat, Jam Martinus erit Orgiastes, Qwure ille se medicum esse postulet, 
qui in Orgiis Bacchi adeo profecit? O infelicia Lexica^ ubi eratis, ctim 
Martinus xä oqtucc vertit Orgia? Male vobis sit qui Martina in tempore 
non adfuistis. Deinde nddidit Varro noster cum maximo plausu Duretia-' 
norum: Scaliger non intellexit a sacris Bacchi, in quibus fun- 
debatur sanguis, sanctum dictum esse, Plausere histrioni quiC" 
quid Duretianorum spectatomm fuit, Misellus autem Scaliger absens ex^ 
sibilabatur, Sed neque Martinianum neque Duretianum est, capere unde 
sanctum, unde sanguis, unde sagmina,unde sacrum dicta sint**), 
Qnia hoc ad sacra pertinet, profanorum non est ea längere. Tamen vides im^ 
pudentiam, mi Näudine, Vides quanta licentia et impunitate in eo sng-- 
gestu in bonorum, nobilium, doctorum famam et nomen invadatur» Pro^ 
fecto huiusmodi nebulones tanquam publici boni insessores ac latrones a 
magistratu coerceri oportebat. Sed vale Orgiastes cum tuo Baccho, hoc 
est cum tuo Dureto, 

Dieser bacchantische Schnitzer wird in allen folgenden Besprechungen 
stets von Neuem^ aber immer mit frischer Satire dem Martinus vorgehalten. 



') Vgl. Scaliger zu Cataleeta Virgilii p. 237 ed. JAndenbr.; Anthohg. Laiin, 773 ed 



••) In den Etymologien hinter den Conieetanea sagt Scaliger: Sancus, sacery 
sanguis, saxum Ttuea. 

w 



248 

Z. B. zu Bippocr. de vuln, III, p. 190 LH, [wd ^ aHorj nXrialov ylvstai 
avzsov] Übt estis Lycurge securiger et Penthen, Or'giomm Bncchi hostes? 
'Concurrite huc, audüe quid Bacchus dieif, Novam profecto rem ex Du- 
reiiana narthecio deprotnptam, 'Atioti, inquit Thebanus Orgiastes, hie mea-^ 
tum anris significnt^ atqne hoc serio dicit, postquam ex Lexico suo 
de tribus nolionibus huins vocis quam potiorem putavit homo sagax et 
argutus elegit, ,Verba Hippocratis mal 77 ttxo^ nXrißiov ytvstat ctvtiov ' 
ttxo^ hie est meatus auris/ Nam profecto ita est, quin ita vuU Mar- 
tinus antore Dureto, Esto. Jnterpretemur : et meatus auris prope 
ipsum fit. Quid, Durefe et Martine? Ergo solent fieri anres apud 
tosf Nam ylvezai quid est, nisi id esse quod antea uon erat? Putabam 
antea tantum functiones tmv 6qyavi%mv (isgmv ylvsa^ai. At nunc autore 
Dureto ipsa tu o^ecvLna (li^rj yh^ai. Et quotiescunque JUnrtinus audit 
screantes aut garrientes Scholastieos, tolies Uli aures ylvsad'ai necesse est, 
8ed doctissimus Ute doctissimi magistri Dureti discipulus interpretatus est: 
et meatus auris prope ipsum est^ to ytvsrai interpretatur: est. Et 
putat tantum hie disputari de voculis, non de re ipsa^ propterea non ha- 
bendam rationem eorum, qui de verbis non de rebus disputant. Hie pro- 
fecto de re ipsa sermo est, Nam in descriptione ngoaconn, ubi Graeei di- 
cunt, vno z6 iiixeoTtov ^ig i<stt, idem putavit esse Marlinus ac si dicatur, 
vno to ngoacanov ^Ig ylvecat, quod esset Latine: sub frontem nasus 
nascitur pro nasus est. O adolesoentes, qui eiusmodi fascinatores in- 
tentutis quotidie auditis et eorum lectionibus inter estis, quid eruditionis 
ab eiusmodi lurvis expeclatis, a quibus nihil praeter contentionum qms' 
quüias et eristica sophismata audire potestis f Adeo puerüiter non temere 
sed dedita opera haUucinatur, ut modo a Vertuniano dissentiret non ve- 
reatur to ylvsa^ai idem quod stvai exponere, Jam non possum ab iUo 
Bacchi liturgo me continere, quin in illum ea dicam, quae in stultos dici 
solent i O Asine, quid te offendebat simplex sententia et notio huius verbi, 
cum posses simpliciter cum Vertuniano dicere: ubi auditus fit, quod 
tarn verum quam purum ac simplex est? Ut te DU Deaeque omnes, Aes- 
culapius et Hygiea atque adeo Apollo ipse ita uti meritus es ficcipiant. 
NolUm te tantum aestuasse ut te nobis Asinum ostenderes. 

An den bisher ausgezogenen längeren Brief über Martinus schliesst 
sich ein kürzerer, welcher den Angriff vom Schüler ab und ujunittelbar 



249 

gegen den Lehrer Dnretus wendet; mit welcher Derbheit diess geschieht, 
kann man gleich aus den Anfangsworten ersehen: 

Venio nunc ad alterwn iiOQfioXvTiBtov illud quo nos ierrificas: nempe 
Decisümes Coaeas Dureticas, vel poHus Diureticas, Totum enim ridenäo 
perminxi me, ubi Utas legi. Quid tibi vis, mi Nttudinef Fierine potesi, 
ut doeiissimus ille nuigister, tfui se omnhtm hodie qui vivuni Latinissimum 
esse iactat, haec unquam auditoribus suis dictaveritf In solchem Tone 
wirä dann weiter die Latinität des Dnretus im Allgemeinen beurtheilt und 
darauf als Beleg S. 81 — 98 eine Auswahl von einigen ßoscuH elegautiae 
ihireticae gegeben aus dessen Uebersetzung von Hippokrates' Kmtnud 
fcpoyvißceig. Jede einzelne ,Blume' begiesst Scaliger mit der Lauge seines 
oft sehr ausgelassenen Witzes; z. B. 

Es Aphor. f44 [136 Littri]. 

N.o>n aegrisponteet iussu fertur alvus neque uri^ 
nae funduntur ^ s ed sin e voluntate et sensu meiunt et 
eoncacant lectum, Iovqu xal 8iaxii}gri(jbona nqoLovra lad'QaLatgJ} 

Stoicus est Jhiretus et diligenter legit Epistotnm Ciceronis ad Petum 
Arno verecundiftm etc. [ad Famil, IX, 22; cf. Scaliger in Calull 
Liy, p, 49 ed. sec] svd-v^^iqiMov enim est et, ut ille hortomm custos 
[vide Scitlig, in Priapeia p, 186 ed, Lindenbr,], vi^v anatprpf Gudiqyrpf 
dicit. Tarnen Homo pudens Hippocrafes neque ofiixstv neque X^^eiv un* 
quam dixit, Deinde concacare lectum barbarum est, Percacare di- 
cendum erat, ut Novius Atellanarius dixit Permerdare aliquem^ Graeci: 
Huraxs^SLV rtvog. 

Ex Aphor. 149 [LittrS t40U 

Si de cumb endi assiduitate pars labefäctßta suo- 
qu e, ut ita die am, Genio defraudata in labore sui q f- 
ficii increm ento prohib eatur y multum macrescit, 

Membrum suo Genio defraudatum quid sit aliquando nobis 
exponet ipse qui excogitavit Duretus, Potatores quidem defraudant Ge- 
nium cum minus quam solebant bibunt, Sed aliquid divini tatet in Du- 
reti Latinitale quod vutgo notum non est. 

Ex Aphor. 27*}, 
% Os quod perpolitum est si vermiculatum, quod s o- 



') Es ist mir nicht gelungen, das Griechisch flir diesei unverstÄndliche Latein 
des Durehis aufzufinden. 



•250 

lidum y fungosum et molle si appareat tactu^ 
a s p e c tu et m o di ol o religiöse circumacto, 

Ignoseat mihi dominus Magister Duretus, Ego precio totius Europae 
nollem mihi faciem esse vermiculatam neque primigenia verbi causa, ut 
Duretiano more loquar, hoc est istitoßgcotov, neque consectanea, ut idem 
artifex loquitur, hoc est multicolore varietnte distinctam, quidis esse solet 
quibus Crebro lagenae exhausto (ita loquitur Duretus} luteusy puniceus, 
ruber color in homochroea*) vultus subortus, 8ed favet GaUis nostris Du" 
retusj quorum more Hie Latine loquitur» Nam quid ego 7C£QiS(fYoi^O(Mi,? 
Vermiculata facies &est**} une face vermeille comme ceUe de nostre 
Maistre Duret» Ego porro, domine DuretCj non possitm continere istos 
nasos Pictonum, qui sunt omnium hominum qui vivunt (piXoayuümiazozatot, 
Nam simul ac legerunt a s p e et um circumagere omnes in risnm 
soluti sunt usque adeo ut maiores Pictonicos cachhmos non viderim. 

Den Schluss des Ganzen bildet eine Zaschrift des Naudinus an den 
Leser, in welcher dem Dnretus das Endurtheil gesprochen und neue Ziich-> 
tigung angedroht wird, wofern er diese nicht ruhig hinnehme: 

Stephanus Naudinus Bersuriensis Lectori Candido S. 
Haec suntj candide Lector^ quae nos et reliqui auditores Dureti, ipso 
magistro dictante, admirabundi tanquam %'B6%(^Cta qwtedam et divinn 
oracula excipiebamus. Afque utinam Duretus Pictonicas vespas nunquam 
irritasset. Miseret enim me conditionis humanae, cum ipse qui in tanta 
admiralione apud vulgus Scholasticorum fuerit, nunc quodam ambilionis 
impetu velufi tempestate aliqua impulsus eo redactus sit, ut maluerit cer- 
nere vivus vidensque funus existimationi suae palam duci, quam dolorem 
suum- dissimülare, quem ob nescio quae minima in se a Vertuniano ani- 
madversa conceperat, Nam profecto et ego nunc primum sentio, quam in- 
epte cum condiscipulis meis iudicarim, qui itlum tanti fecerim, Sed prae- 
stat, ut est in proverbio GaUicano, sero tandem quam vel nunqwtm sapere. 
Praeterea scio Pictonicas vespas hactenus non conquieturas, Nostratia enim 
ingenia novi, Scio quid facient. Colligent eiusniodi multa, quibus Du- 



*) Spielt an auf den oben S. 246 berührten Streit über die Erkl&rnng von 
oiiox^olfj, 

**) Verspottet des Duret schon früher gerügte Manier, Französisch in seinen la- 
teinischen Vortrag za mengen. 



251 

reti famam iam tot vulneribus confossmn miserrima morte eonficümt, Quod 
noUem Uli acciduse, Subveniet tili forlasse Martinus, sed non sine prae' 
mio mt poüiciUUione, quod est Uli ultimum perfuyium, Mirifice enim de-- 
leetatur Duretusj cum se videt a Martino fwn solum contra Vertunutnum 
defendi sed et hiudatiunculis consuUo ac de industria tßvaesitis tanqwtm 
aquula uspergi, Bevioiscit enim tum Uino^%mv Duretus, Contra Mar- 
tinus a non ingrulo magislro totidem laudibus vicissim cumtüatur, Nempe 
Xsl^ X^Ufct viictH.. Ut non inscite adolescens quidam Uhotomagensis, qui 
huic ludo intererat, ea: tempore hiiec effuderit; est enim ille et parabüiin- 
genio et ad versus condendos nato: 

Martino scabiem sealpit JDuretus asello» 
JUi Martinus ulcera lambit hians* 

Mutua lambuntur, scalpuntur mutua muli^ 
Nempe Parisinae est malus uterque scholae. 
Observaverat enim ille gestum Dureti^ qui primo die, quo Martinus indixit 
bellum Vertuniano et Scaligero, Martini diatribae interfuerat. Quoties 
Martinus Duretum laudabat toties sanctissimus Duretus in primäres di- 
gitos tollere sese, ocrdos contorquere, coronam auditorum circumspectare^ 
Martinum ipsum laudare, Denique non ignoravimus quare Martinas DU' 
retum, quare Duretus illum toties laudaverit, Profecto, candide Lector, 
Duretum impudentissimum esse oportet, si post haec vulnera accepta vivit^ 
ac non potius eum pudel*), Coeli convexa tuerim Vale. 



Während nun in der episfola Vincentii, wie aus diesen Auszügen 
wohl genugsam erhellt, das Lachen die eigentliche Hauptsache und die 
Züchtigung des medicinischen Zunftstolzes nur ein gelegentlicher Anlass 
war: so hat Scaliger dagegen in der zweiten Pseudonymen Schrift unter 
dem keltischen Namen 

Yvo Villiomaras 

seinen Humor ernsteren Absichten dienstbar gemacht. Der volle Titel 

lautet: 

Yvonis Villiomari Aremorici In Locos Controversos Roberti Titii 
Animadversorum Liber» Ad Nobilissimum Virum Andream Oessentum 
Quinpentonii et BurenteUi dominum, Maecenatem suum, Lutetiae apud 



') r%rg. JUru IV, 451. 



252 

Mamertum Patissonium Typographum Reginm, In ofjicina Benriei Ste^ 
phani 1586, 8. Ein mir jetzt vorlie^nder Abdruck erschien 1597 In. 
bibliopolio Hieronymi Commelini' S, 201 SS. und 2% Bl. Indices. 

Die angegriffene, drei Jahre vorher erschienene, Schrift des Titiusist 
betitelt: Boberti Titii Burgensis (d. h. ans Borgo San Sepulcro im Tosca* 
nischen) Locorum Controtersorum Libri Decem, In guibus plurimi veterum 
scriptorum loci conferuntur, explieantur et emendantur mulio aliter quam 
hactenus a quoquam factum sit. Cum duplici inäice. Ad Franciscum 
Mugghionium Virum Integerrimum^ Florentiae 1083 (7 unpaginirte Bl^ 
273 S., 1 y, S. Indices)^ 4. Die Gelehrten, denen, wie schon dieser Titel 
verkündet, der italiänische Verfasser fast immer unhöflich entgegentritt, 
sind vorzüglich Franzosen, Adrianus Tumebus» Dionysius Lambinus u. A.; 
ja auch Muret wird als noch nicht eingebürgerter Italiener über die 
Achsel angesehen, mit besonderer Heftigkeit aber jede Gelegenheit aufge- 
sucht, um Joseph Scaligem Grobheiten zu sagen, die zuweilen in ehren- 
rührige Beschuldigungen übergehen, z. B. lAb» VI, e, 16. Ich setze 
dieses Capitel ganz her, um eine Probe des Tones zu geben, und weil es 
zum Verständniss der Yvonischen Widerlegung unentbehrlich ist: Tibulli 
verba sunt haec eleg. 1 Hb. 3 [v. 21] 

Sed primum nympkam larga donate saluie 
Atque haec summisse dicite verba sano: 

. Quibus quid potest inveniri suavius atque concinnius? et tarnen in ipsis 
aiiquid offendit Scaliger, quod suo palato non multum saperet} admonet 
igitur legi debere ,0X veieri scriptura 

,Sed primum m er i tarn longa donate saiute, 
,Longum salver e^ longum valere dicebant, [Virg, Bei, III, 79] 

,Bt longum formose vale, vule, inquit, lola^ 
Ego quid veteris libri testimonio opponam non habeo, nisi quod tideo 
ipsum adeo frequenter peceare et mendis refertum esse nt existimem ipsum ' 
aut imperiti alicuius amanuensis opera fuisse descriptum aut a Sc alt" 
geroj cum audaciam suam aliquo praetextu legere vult, ian- 
quam testem domestioum in medium produci. Quid hominis 
auctoritati obiiciam abunde suppetit: nam quod ait longum salvere 
idem esse quod longum valere^ sit ita sane, nihil pugno, dico tamen 
hoc loquendi genus in rebus tristibus usurpari consuevisse^ quod praeter 
cetera Virgüii testimonium ab ipsomet Scaligero ad sententiam suam con- 



253 

finnandam ittic citatum satis indicatz sie etiam dUehant Graeei fMxx^y 
%ai^BWf quod proverbium interpretaiur Lucittnus in Httnc sententiam z6 
yovv (laxQäv %cd^siv t6 firpiki (pQOvnstv driXoT, id est, hoc dictum ^longum 
valere' declaraty nobis tum amplius curae futurum: itaque M. TuUius epist. 
€td Attic, Hb, 8 At ille, inquitj noXXä %al^siv rü5 TtaX^ dicens 
contulit se Brundusium; Hippolytus apud Euripidem: 
Triv aiiv Ök Kvngiv tcoTX iym %(xIqsi/i^ ^^i 

Id est, Veneri tuae multum valere renvntio. ^odem quoque intelleclu di- 
cebant veteres aeternum.valere, unde iocus Mtirtiulis in PontiUanum 
Hb. 5: 

Saepe salutatus^ numquam prior ipse salutiis, 
Sic erit aetemum, PontiHane^ vale. 
Kt VirgiHus: sqlve aetemum mihi, mttxime PaUas, 

Aetemumque ro/^u 
CatuRus item: 

Atque in perpetuum, fratery ave atque vale, 

Poteris etiam de hac re consulere Lucianum in Apologia, qua se tuetur 
quod in salutando lapsus fnerit. lUe igitur sensus nullo modo facit ad 
TibulH mentem, sicut videre omnibus in promptu est^ quare Scaligero lon^ 
gum valere iusso, veterem lectionem retinere non dubitabimus. 

Die Abstrafung für 'dieses Capitel erhält Titius durch Yvo Yilliomarus 
in drei Absätzen; zuvörderst über merita oder nympha heisst es p, 125 
unter der Ueberschrift: losephus ScaHger a calumnia Titii vindicatur. In- 
scitia Titii. Barbaristnus: 

yTibuUus: Sed primum Nympham larga donate salute. Qui- 
bus, inquis, quid potest suavius inveniri. Et tameii in ipsis aliquid offen- 
dit Scaligerum quod suo palato non multum saperel, Admonet igitur legi de- 
bere ex vetere scriptura : t e d primum meritam lo ng^a donate salute.^ 
Salva res est. Ex vetere codice non ex ingenio Scaliger isla protulit. 
Atque nos scimus, quum multi Tibulliani libri scripti extent in GaUia et 
Jtalia, ita in omnibus fere scriptum extare, Praeterea iUi quibus Achilles 
Statins usus est non aliter iUam lecHonem concipiunt. Cur igitur^ homo 
impudenHssime, soli Scaligero fraudi erit veterem lecHonem indicasse? 
Non im licebit impune quod aliis licuitf Quis te tam cpoQWKOv et inci- 
vilem censorem feratf Die mihi, adeone suavis tibi videtur vulgata iUa 
lectio? Itane caecus de coloribus? übi umquam legisti vettern Roma- 
in 



254 

num poetQm amicam suam Nffmpham vocassef Adeon anims e» ui non 
Videos hoc ex idiotismo vestraiium poetarum dictum esse, et cum qui mn- 
tavit magis Etrusce quam Latine schisse. Tu (Uios reprehendis et non 
sentis te Sccavnoda*) ngsav inißviistv? Nympha pro amasia est idioti- 
smus Jtalicus, qui ab hotnine Jtalo in TibuUum inductus a te homine 
Italo deprehensus non est^ a me homine Aremorico et in finibus Oceani 
nato indicatus est. Tu asihus haec non vidisti, Etsi nihil aliud quam 
rudere potes**^, tarnen hoc facies, modo tibi non desit occasio bonos inse- 
ctandi. 

Gleich darauf folgt die Erwiederung bezüglich Umgum salvere unter 
der besonderen Ueberschrift: incivile ingenium Titii, Jnscitia: 

Quid incivili et barbaro üigenio tuo respondeam non hdbeo, Adeo non 
solum inepta sed intricata loqueris, Quis negat longum valere abeunti- 
busdici? At longum salvere ergo a venientibus dicetur, Salvere nonne 
est venientium f Valere abeuntium ? Hoc negas ? Quid ergo erit donare 
longa salute, quam iubere longum salvere? Quid ad haecaudeshi- 
sceref Quis non mirabitur impudentiam tuam? Longum salvere dictum 
a venientibus, ut longum valere ab abeuntibus, Quare rede a Scaligero il- 
lud adductum: et longum formose vale, vale^ inquit, lola. Ex- 
pecto quid ad haec dicas, Sed ficcnQav %aiqHv est ovdh tpQOvti^Btv, Jfa 
sane, o Corrector, sed [tsratpoQi'Kcog, Ut illud: Valeant qui internos 
dissidia volunt. At primo significatu rede ab abeuntibus amicis et 
abeuntibus dicitur fuctiQav xcuQe; Longum vale, vale, lola, Itaque 
üle in ultimo Odysseae [402] ita amicum salutat statim primo (dloquio: 

OvXsts Tialii^a!''**} xaiQB, &eol 8s toi Blßia SoTsv. Ubi vides xal(fH9 
(dya esse non solum idem quod {lomqolv xalgsiv sed etiam a salutante non 
ab abeunte neque abeunti dictum* Quid hie dieesf Postquam inscitiam 
tuam et stoliditatem atque audaciam simul perfricuimus, die nobis quid sit 
longa donare salute si non est id quod diximus? Jam tempus est te 
tacere, Itaque (^mhquv x^^Q^ ^>"^^ ofiuoiov. 

Und schliesslich mit der Ueberschrift: Livor^ calumnia, incivüitas 



•) Suidas 8. V. daavxag TiQsav inidvfier liy&sai inl xov ini^funfvzos 
na^ SXUov ysvia&at xä ovza naq kavt^, 

"J Gedruckt ist: et ti nihil aliud quam rud$re non potei. 
"*) Stfttt pMa anserer Ausgaben. 



25S 

TiHi eine stolz missverstefaende Abweisung der oben S. 252 durch den 
Druck hervorgehobenen Worte des Titius, welche den Scaliger einer Fäl- 
schung beschuldigen: 

fAut a Scaligero, qunm auäacmm suam aliquo praete^tu tegere vult — ' 
Itane Asine? Scaliger solet producere testes membranas, quum audaciam 
suam tegere vult? Quae est haec audacia, libros scriptos testes pro^ 
ducere? Ergo vestras Victorius, qui mnltos producit, audax, Erg(P 
Hermolaus [Barbarus], Ergo omnes Jtali crilicL Ergo Statins Im- 
sitanus audax, qui eandem lectionem TibulUanam ex vetere libro 
protulit. Scio a vestratibuF illum audacem voeari. Qttare? Quia Italorum 
andaces correctiones deprehendit et avctoritate veterum coäicum sustttlit. 
Haec est audacia: non probare quae Beroaldi, Parthenii^ Baptistae Pii et 
nescio quot graculorum olim ad bonos auctores corrumpendos contulerunt. 
Sed ante hoc biennium *) quum in Italia essem audivi quid Uli de eo viro 
[Aehiüe Statio], quid de Tumebo mentirentur meptissime. Quid ego Ulis 
opposuerim atque responderim, ipsi, si Irene meminerunt, sciunt. Hoc nnum 
dicam: si unus Jtalus ea edidisset qtwe losephus SctUiger edidit, tantum 
abest ut audax dic^etur ut magnum eius nomen futurum fuerit, Sed na- 
tura Alpes ea ratione nobis opposuisse videtur, ut non solum Galliam ab 
Italia^ sed etiam Gallos ab Italis seiungerent, Sed bene cum Italis agitur, 
Qttotiescumque de Jostpho Sctiligero excitabitur mentio, habebunt naturae 
miraculum, eoltmen literarum, Philologiae et Musarum alumnum, Titium, 
quem GaUis oppowmt» Hoc satis est ad os (raUis occludendum. 

Was in diesem letzten Absatz so klar hervortritt, die Verallgemeine- 
rung nämlich 'des Streites mit Titius zn einer in Angriff übergehenden 
Vertheidigung der französischen gegen die italienische Philologie — diess 
war gewiss der eigentliche Zweck der ganzen Yvonischen Schrift, wie 
es denn auch ihre Bedeutung für uns aufmacht Aehnliches hatte früher 
schon der sonst so ehrenwerthe, aber sehr ungelenke Guilelmus Budäus 
versucht. Mehrere seiner bei den Haaren herbeigeschleppten endlosen Episo- 
den in der metrologischen Schrift De Asse beschäftigen sich mit dem Ruhm 
der Franzosen und mit der Zurückwebung italienischer, monopolisirender 
Ansprüche. Aber Budäus war nicht der Mann, um den Italienern eine 
bessere Meinung von transalpinischer Eleganz beizubringen. Sein von 



*) Absichtlich eine falsche Zahl, um die Anonymitftt zu wahren. Seit 1566, also 
xehn Jahre vor dem Erscheinen der Yvonischen Schrift, war Scaliger nicht in Italien. * 

18* 



256 

Metaphern starrender Stil und die Schwerlöthigkeit seines Anftretei» 
mussten auch die beste Sache verderben. Wie mögen erst die angegrif- 
fenen Italiener sich über ihn lustig gemacht haben, da sogar Erasmus, der 
doch die Italiener in seinem Ciceronianus nicht schont, sich dennoch ge- 
müssigt sah, an den Budäus selbst in Betreff jciner patt'iotischen Digres- 
sionen Folgendes zu schreiben C'ifr. /, ep, iO, p, 19 ed, Bas.): Quod 
,ubique %aw g>iX6itcecQLg es a multis laudi dabitur, a nemme non facäe 
condonabitur : quamqmm fpiXodoqmuotSQOV est mea sententia sie de rebus 
et homüUbus agere ut mundum hunc communetn omnium patriam esse dur 
camus, etiamsi pvUherrimum orbis Christumi partem GtUfiam esse fateor. 
Ad haee dum in nageußdesig eruditissimas simul et amoenissinuis crebriut 
exspatiaris et in his ionguie commoraris^ periculum fortttssis est ne quis 
morosior ita secutn eogitet: praedttra quidem Htiee et splendidnj sed ut 
olUn zL tavtu n^og zov Jiowaov ita: quid ista ad Assemf Ganz anders 
als von der plumpen Keule des Budöus mussten sich die Italiener ins- 
gesammt von den geflügelten und gespitzten Pfeilen des Yvo getroffen 
fühlen. Denn dass es nicht auf den unbedeutenden Titius allein abgesehen 
sei, vielmehr an ihm, da er gerade in den Wurf gekemmen, die Vergehen 
aller seiner Landsleute heimgesucht werden sollen — dies ist deutlich 
gesagt, sowohl in der Dedication, als in dem Vor- und Schlusswort. Die 
Hittheilung dieser drei .Stücke wird keiner weiteren Befürwortung be- 
dürfen : 

Nobilissimo Viro Andrea e Oessento Quinpentonii et Buren- 
teilt dominoj Maecenati suo*), Yvo Villiomarus Aremor, S. 
En tibi, vir nobüissime, quae in Conlroversos Locos titii animadver- 
timus, atque eo ordine quo a nobis dicta[ta] et ab umanuensi tuo exce- 
pta in hunc libellum eonieeimus. Neque profecto hunc Utborem quamquam 
tevem suscepissem^ nisi ad hoc tua me auctoritas, quae pluris apud me 
est quam studia mea, perpulisset. Nam quis ludus est in hos libros diver" 



*) Unter dieser fingirten, vielleicht ein ^ nagramm enthaltenden« Bezeichnung ist 
wohl der ältere de la Rochepozay gemeint. Darauf führt die Erwähnung der in des 
Angeredeten Gesellschafb unternommenen Reisen (b. oben S. 38> in Italien« Das Da- 
tum ex aedibus ttds musste dem uneingeweihten .Leser bloss als eine Uebersetzung der 
gezierten französischen Höfliohkeitsformel de votre mtUson erscheinen, welche in Briefen 
jener Zeit nicht selten ist. In Bezug auf de la Rochepozay aber, in dessen Hause 
* Scaliger sich wirklich aufhielt, wäre die Formel auch der Wahrheit gemäss. 



257 

tere, a quorwm lectume neque melior neque doetior dUcedere debeo? Quid 
me potest docere homo in Gruecis Hteris peregrinus, in veierum leetione 
puer, in scribendo tirof QuanH te faciam, potes ex hoc libeüo caniicere, 
ad quem scribendum me non materia sed aucioritas tun indtaverit, Quum 
enim ante hoc bietmium*) ego in contubemio tuo totam paene Italiam lu^ 
straverim, quicguid fructus ex isla peregrinatione percepi, totum id libe^ 
ralitati et humanitati twie aceeptum refero, ReUguorum autem tuorum in 
me magnitudo meritomm tanta est, ut ingratus sim si non omnia tua 
causa velim. Quin vero tibi, qui Italorum de nostratium hominum scri- 
ptis iudicia non ignoras, hie liber in manus nostras opfwrtune incidisse 
Visus est, quo Italos moneremus ne tantum suis ingeniis tribuani aut tan- 
tum nostris detrahant, hoc onus a te mihi impositum recusare non debui, 
Itaque hominis inusitato modo imperiti atque audacis lucubrationes ex- 
euaei, ac quicquid in Ulis aut vnfelidler castigatum aut calumntose repre- 
hensum aut praepostere inierpretatum occurebaty id sine ullo alio Italico 
apparaiu^ tumuituaria opera in hunc commentarium contuii. Quicquid igi" 
tur hoc est quod tua causa atque te hortatore suscepi, id habe tibi et 
fruere. V/i/e. Ex aedibus tuis Id. lanuarii. 

Noch freier und verständlicher spricht das den Titius anredende 
Vorwort: Pqucos dies dedi operam Controversis Loeis tuis, Roberte Titi, 
Ita enim maluisti jitoscribere libros tuos, non quomodo quidam populäres 
tui, Varias Lectiones**) aut Miscellanea***) aut nescio quid eiusmodi, ^t 
sane alio nomine digni non erant. Adhuc enim plane suntcontroversi iu" 
ris, ac nisi, caves, vereor ut eorum fines ac possessionem diutius tueri pos- 
sis. Sed tu ipse videris, Qwmti enim iUos aut existimationem tuam fa^ 
cisy tua non nostra inierest. Noluimus^ autem ignorare te quantum illorum 
leetione commoti simus, NuÜus enim locus in Ulis est aut a severa casti- 
gatione docti aUcuius aut a canina obiurgatione vacuus, ut decet eum qui 
non solum critici personam sed etiam paedagogi susceperit, Tamen in 
Epistolaf) tua profiterisy te cum viris doctis non odio aut inimicitiis sed 



V Siehe die Note tu S. 256. 

") Victoriufl. 

*"J Politian. 

I) d. L in der Dediestion an MagghioniuB, wo es gegen den ScUhss heisst : eave 
putes ullo me erga ipsos [die Gelehrten, welche er angreift] odh aut Kvore ohtrectandivB 
studio hoc opus confidendum suscepuse; quis enim malit cum adeo poliüs praestantibuS' 
que viris inimiciHas exercerö quam offidis nique humaMtate certaref 



25S 

offidis aui humanitate eertare. Longe aliter pronuneiaverit is gut in ha^ 
rum librorum lectione aliquot horas peräere volueriL Quoä enim genus 
officii ant humaniiatis est, homines de republica literaria optime meritos, 
imperitos, seditiosos, audaces, quisquilvirum legulos aut alienorum anale- 
Ctorum liguritores vocure, si non iisdem nominibus, iisdem tarnen rebus 
manentibusf Nae, Roberte Titi, non reperies qui hac mercede humaniia- 
tem tuam experiri velint. Sed comicum oculos eonfixisti, inquis*}^ ac 
propterea vereris ne in reprehensionem incurras, Ego te hac cura libero. 
Neque enim novus Ftavius uUos Fastos protuiisti, sed potius inscitiam tuam 
per hominum ora traduxisti atque nationi tuae circumspectissimae et pru- 
dentissimae honorem parum habuisti, qui ita confidens fuisti, ut cum ami- 
cis tuis Hbros hos communicare nolueris, qui te ab eorumeditione fester- 
rerent^ nisi forte ita infeliciter natus es, ut ne amicmn quidam habeas 
qui te errorum tuorum commonefaciat, Nihil ad levitatem reliqui feeisti, 
quod homines tui nobis Gallis more suo obiicere possint, Ubi est iUud 
acetum Italicum aut acritas ingenii? Certe adhuc eam ,quaero in scriptis 
tuis. Atqui scio nos Transalpinos vobis Jtalis safis audaces videri, quod 
ea quae memoria avorum nostrorum vestrates Grammatici deprntuirunt in 
integrum restituere conamur. Bustici etiam sumus •nal afiad'Eig quod non 
ex una vocula aut syllaba unum integrum caput Variarum Lectionum con- 
ficimus atque eo apparatu, propter quem, ut ait ille**), vadimonium dese- 
raturf Quamquam hac in re transfuga partium non fuisti et bene leg'es 
tUas'servasti, Hoc est quare Tumebus a pobis puisatur, quod ingeniöse 
nugator esse noluerit, quum in unicum caput Adversariorum ea congesserit 
quae vos uno libro vix explicaverilis***). Quid quod nobis TransaipüUs 
verum loqui in hoc genere literarum non licet? Annon Sex, Pom peius Fe- 
8tus indignis modis acceptus esse visus est, quod ab homine Gaüo iUu- 
stratus magno studiosorum favore exceptus est? Itaque Romae ediiusf) 



*) Bezieht sich auf Cic. p. Mur. 11 und Titius* Worte :,<2^o<f[dasWiderlegeu]a(ieo 
saepe/aeio ut reprehensionem interdum verear, qiuui oomicum oculos conßgere vohterim.' 

**) FUnius H. N, praef. § 23.* inscripHones propter quas vadimonium deseri possit. 

**V Eine fast gleichlautende Stelle in Scaligers Brief an Stadius, q^. p. 61.- 
Sed Mm miror haeo eos [ItalosJ de me pronundare, qui Adrianum Turnehum non huma- 
nius aceeperuni, cum eum barbarum pronundarunt quod iustum librumMiseellaneorum in 
unum eaput conneere soleat, neque ßdmodum hll T^ tpaiK.^ fl/OQOV quaerat. S. o. S.164. 

\) Die Ausgabe des Ursinus ist gemeint 



299 

cum üsdem castufotümibus alius wme esse eensetur propterea quod prioru 
edi^oris nomen dissimidaimn est, quamgwam eadem plane ediiio est paucis 
admodum iisque leviter immutatis: ita tarnen ut tarn levi mutatione non 
magis Itttere possit industria prioris edUoris quam minus üle in apologo, 
qui capite in vepreta immisso reliquum corpus bene latere putabat, Deni" 
que Alpibus ipsis ingenitt nostra circumscribamus necesse est^ si vobis ami- 
cis et pacatis uti volumus, Nam et Annibttli etsi primo bene eessit impe^ 
tus, tandem non impune fuit Alpes superasse. — ffmie igitur inter legen-- 
dum libros tuos carptim ac i>ellieatim annotavimus, ea in has diatribas eo 
ordine quo a nobis tmimadversa sunt congessimus, Jtaque, Roberte Titi, 
si paulo vehementius in tuam petulantiam et insciliam invecti stiMiuSf noli 
putare indementer factum. Tu huic choreae praesultor fuisti, Ne pluribus 
expectationem tuam niorer, audi atque togam compone. — Und nun be- 
kommt Titius die ganze Schrift hindurch freilich gar Manches zu hören, was 
modernen, an «artere Polemik gewöhnten Ohren überderb scheinen mnss. 
Ein Paar kürzere Beispiele wird man sich gefallen lassen. Titius hatte 
ein ganzes Capitel (IX, 10) der Untersuchung gewidmet, wie bei Bor. 
Od, Ily 18y 28 sordidosque natos zu fassen sei und den Vorschlag ge- 
macht, darunter reeenter natos, adhuc a matre rubentes zu verstehen. Dar- 
ob bricht Yvo in folgende Anrufung aus: "AnoXkov aTCotQonaisl Sordidi 
nati sunt qui modo nati suntf Ornnes sordidi pueri huc! Ceritum vicatim 
lapidibus incessite! Nam furit, Cavete! Tantum otio abundas ut quare 
infantes sordidi dicantur, quaeras? Non meministi pallia nutriaimf Non 
memimsti versum [Martial* Xll, 8B, 8J: siht licet infantis sordi- 
diora sinuf Pete a matre tußy quare tu ita vocari potuisti, Jpsa te do^ 
cebit. — Ein Andermal begegnet dem Titius das Unglück, ein Capitel (X, 
19) zu überschreiben: Pulchra quaestio proposita de nuptis atque in^ 
nuptis militibus, utri fortius gerant se in proeliis^ und Yvo mit dem 
Florentiner in schneidendster Kürze zu: Apage, apage viros nuptos. Hie 
in GaUia viri non nubunt sed feminae. — Nachdem in solcher Weise Ti- 
tius' Werk in seinen Haupttheilen. durchgenommen forden, zieht das 
Schlusswort der Yvonischen Schrift wiederum die Italiener überhaupt ins , 
Spiel: Haec sunt, Roberte Tili, quae pauca de multis tuis saltuatim ear- 
pere potui. Nam omnia persequi neque otii mei neque patientiae fuit. Et 
sane non negdrnn eas paucas horas melius collocari potuisse, Sed teme^ 
ritatis tuae exemplo trahentis pemiciem maior habiia ratio est quam tem^ 



260 

poris, quoä quidam de veterihus sapientibus t^fux ti(utlqfhtaTOP voeare 
solebat, Quae inter legendum videbantur animadversionis indigere, ea pro- 
peranter nos huic commentario libello commendavimus, Nam tum dubito 
multa düigentiam nostram vel potius properantiam efugisse, Sed memi-' 
nerit lector nos omnia persequi in animo non habuisse. Mains enim ea- 
stigationnm volumen futurum erat quam hoc ipsum quod castigandum sus^ 
eepimus, Sed fortasse exstabunt spicÜegi qui kuius messis reliquias per- 
sequantur, si modo libros tuos tanti facumt. Sin autetn, interea haee 
quae nos delibavimus satis esse videntur castigandae levitati tuae, quae in 
homine Jtalo tnnto conspeetior est quanto Jtali Gallis vos graviores esse 
profitemini, Ingenuitatem GaUieam in nobis expertus es, quinutta circui" 
tione sed nudis verbis imperitiam tuam exagitavimus ^ quamquam nolo te 
ignorare nos inscitiae tuae bellum non indixisse^ sed audaciae et temeritati. 
Jfam nemo est mortalium quem non aliqua pars ignorantiae attingat; hane 
eontagionem ex ipsa mortaUtate contrttximus, Nam homo quum errat, hu- 
manitus errat. Error em autem in. homine calumniari est toti ipsi morta- 
litati convicium facere, Quae quidem si tu considerassesj aut nunquam 
humana errata petuUmter insectatus esses aut sattem et te hominem quo- 
que esse meminisses. Nunc quum viri doeti, praesertim Transalpini, non 
homines sed Cereopitheci tibi videntur, noli moleste ferrey te, quum igna- 
rus et petulans sis, ignorantiae admonitum esse, petulantiae poenas dedisse» 
Väle et resipisce. 

So XU schreiben, eine solche den Gegner vernichtende Ueberlegenheit 
zu bewähren, waren nicht Viele der damaligen Schriftsteller im Stande; 
und wer nur ein. Wenig sich umschaute, dem musste bald statt des Pseu- 
donymen Yvo der wirkliche Name des Verfassers einfallen. So schreibt 
denn auch schon im März 1587, also gleich nach dem Erscheinen der 
Schrift, Lipsius {ep, eent. Z/, 17) an Cujacius: Vidi nuper Jvonis in mi- 
seUum Titium, Periit infelieissimus hominum, hoc uno tarnen felix quod 
ab iUa manu: tuane an Sealigeriy an utriusquef Nam praeter vos faUor 
aut nemo sie scriba$, Bxcitastis sane quosdam [die ItalienerJ, imo non 
esdtastis: quia certum habeo, immarientur ambitioso tili vetemo, Dass 
Lipsius hier die Wahl lässt zwischen Cujacius und Scaliger, ist wohl nur 
als Compliment ftir den angeredeten grossen Rechtslehrer, und nicht als 
ernste Meinung zu nehmen. Jeder Leser von GHJacius' Schriften weist» 
dass er seine Feder zu Allem zu gebrauchen verstand, nur nicht zam 



261 

Fliegen; und der leichte Flug und Schwung ist es doch gerade, was die 
Yvonische Schrift so sehr auszeichnet. Man kann daher auch keine lieber- 
Hebung, sondern nur eine einfache Bezeichnung der beiderseitigen Eigen- 
. ^hümlichkeit darin erkennen, wenn Scaliger, wohl mit Bezug auf den da- 
mab schon veröffentlichten Brief des Lipsius, im Gespräch geäussert hat: 
Monsieur Cuias n^eusi sceu eicrire comme Yvo VüUomanu ißctüigeranaU, 
s, V. Cuiacms und VÜUofnarus), Und Lipsius selbst nennt anderwärts, wo 
er nicht an Ciyacius schreibt, auch nur Scaliger allein (6^. cent. U^ 31 
au Josias Mercerus^.* Ivonis Vüliamari in Titiwn anie paucos dies vidi-' 
flftiM. Nesdo an reeens leetio me ita ceperit^ sed nan videor scriptum 
beüius legisse a muliis annis*). Nan decima üla Musa, FUmius, possii 
aliquid magis Musaeum, Sed die sodes, quis seriptorf non enim iUe ful" 
sus Ivo. Wsvaoiuii, 71 hvftov iqkß' läkszat ds fis dvfiog. ■ Scaliger noster 
est, lumen iUud et columen litterarum. Nan divinavif Bald muss Scaliger 
es unnöthlg oder unmöglich gefunden haben, die Anonymitat zu bewahren. 
Denn es konnte doch nicht ohne sein Vorwissen geschehen, dass im 
Jahre 1589 von dem ihm genau befreundeten Florens Christianus öffent- 
lich auf ihn als Verfasser gedeutet ward (ann. in Aristoph. Pac, bei Colom, 
opp, p, 190): Absurdum est Corona plumea omari militum galeas**), quod 
merito reprehendit adversus Titii locos controversos Yvo Aremoricus in suis 
in locos iüos Animadversis: cuius viri eximiam doctrmam et insuperabile 
ingenium ex aureolo iüo libeüo tanquam es ungue leonem admirari cogor* 
Bi sane unus Ute aut alter est — dicam libere quod sentio cum bona, ut 
spera, magni amiei venia — quem cum losepho Scaligero comparandum 
habemus, cuique omnes magnam gratiam habere debemus Cisalpini, quod 
Itali acefi libera Francorum ingenia nimium astringentis vfm retuderit et 



*^ Von des Pater Sinnond Vorliebe für den Yvo ist oben S. 199 gesprochen. 
*V Nftmlicb bei Polyh, VI, 23, wo Titius (II, 18; die gewöhnliche Lesart.- ^l Bh. 
TtäCL xomoi^ TiQoaeaixoapavvta^ nzBfflvqt ctB<pavq} wxl xtBQotg tpoir 
9l»lotg so übersetzt: praeter haec omnia adomaniur eo ron a plumea pennisgue ..... 
punUeit, and deshalb von Yvo (II, V&) folgendermaassen zurechtgewiesen wird : In ver- 
bis Pofybü deeepit Laicarim eorrupta leetio ittB^lvoi CTStpavqt, Quo factum ut eorol- 
lam phmeam adhibeat galeie militum, quod ita absurdum est ut eonfutaüone opus non 
kabeat ßeripsit enim Polpbius TttBqlvfO XB tpoktp, 'Romanorum miUtum eristae ea 
peimAe «legantioris aoiiii, Graeeorumex cauda egwina— eristaque hirsutus equina 
fTtrg. Aen. 2[, mj. ' , 

19 



26-2 



aerimonmm remolHverit feceritque ut Tkius Ute Horatumus [episL I, 3, 
i1] fastidire lacus et rivos ausus aper tos inm stt avü Tiiia aut 
tnoveat cornicnla ritum [ibiä, 19]^ sane istius plumas tarn tum ego 
empsissem titivülilio [FUmt, Cns, 11, 6, 39], Vorsichtig war es anf keinen 
Fall von Christianus, dass er ausser der öffentlicheD Namennennung nun 
aach noch gerade diejenige Seite des Streites hervorkehrte, welche die 
Rachsucht der Italiener insgesammt reizen musste. Et hat wohl nicht ge- 
ahnt, dass ans diesem Yvonischen AngriiT gegen das acetum lifüiemn jene 
Händel entspringen würden, welche sich durch die ganze übrige Lebens- 
zeit seinem Freundes hinziehen und vorzüglich dessen Greisenalter belästigt 
fahben. 

Titius nämlich konnte eine solche Beschämung, wie der Tvo sie ihm 
bereitet, nicht schweigend hinnehmen, und trotz aller Schwäche seiner 
Sache war ihm die Widerrede dadurch erleichtert, dass zugleich mit ihm 
auch die Gesammtheit der italienischen Gelehrten angegriffen worden ; er 
durfte nun, indem er seine eigene Person so wenig schlecht als möglich 
zu v,ertheidigen suchte, die gemeinsame Angelegenheit seiner Landsleute 
in den Vordergrund rücken. Diese polemische Taktik tritt anch gleich 
auf dem Titel von Titius' Replik hervor: Roberti Titii Burgensis pro suis 
Jjocis Controversis Assertio adversus Yvonem quemdam VtUiotnarum Ita^ 
lici nominis ealutnniaforem. Ad Franciscum Mugghionium. Flo^ 
rentiae, apud Bartholomaeum Sernuitellium cio,id,lxxxix, 4. (224 S. 
und 3 unpag. EL). Ebensowenig wie dieser Titel nennt das Proömium 
den Namen Scaligers; es bezeichnet ihn aber deutlich genug und trifft 
seine empfindlichste Stelle in folgenden, den Yvo anredenden, Worten: 
Volo autem tibi parcere tuamque levitatem suspensa manu eastigare, tum 
quin uüa vetUa dignus sis sed ne qtwd in te tuamque inscitiam et impu- 
dentiam verissime dicerem tufbüissima gens Gallica, de qua ego semper 
optime sensi ac perhotu>rifice sum loquutus, aliqua ex parte ad se pertinere 
suspicaretur^ quamquatn eum te esse puto qui tie istie quidem, unde tarn 
insulsa ac Thrasonica verba mägnifice iaetabundeque funditas^ probe sis 
cognitus ob igru>bilitatem scilicet vel doctrituie vel morum; et sunt qui af' 
firment Italogallum te esse Burdonem videlicet quempiam ex agro 
Patavino haud ita generosum^ ut minime vereri oporterety ne erudi- 
tissimos viros, quibus semper Gallia tum alias (um vero nuw: maxime fo- 



203 

rety vei tanliUum propterea infetuiore& mihi experirer^ quotn enim pars es 
tu nobäisstmi istiu» corporis f cum de ie iure uc merilo quaer'i possit 

TiiitoGtP Btg dvÖQciv; it69i tot noXtg '^Bh t07ii}Bg; 
Der Schluss des Proömiums droht mit einer nöthigfenralls bald za liefern' 
den ausföhrlichen Nachweisnng jener Bnrdonischen Abstanimong des Yvo ; 
im Werke selbst wird Scaliger an mehreren Stellen fast mit Namen ge- 
rufen, z. B. IV, 23 bei Gelegenheit eines Citateä ausFestus: hoc tu igno- 
rare non debebas, si is es quem mnltorum sermones atque adeo vestrates 
iibrorum ttumcipes suis indicibus quos huc ad nostros transmittunt esse 
perhibent; in iis enim diserte nottttum vidimus: Scaliger contra Ti" 
tium^ und um bei keinem Leser einen Zweifel zu lassen, wendet sich 
das Nachwort an ein Compositum aus ViUiofnarus Und SctHiger: Habes 
ad omuiftj ni fallor, VillioscHliger, atque ita habes nt iure de me 
queri non possis^ taov yap fem iuxla vetus proverbium^ in eo tantum pa- 
res vices tibi retulisse non videbor, quod universam gentem Gnllicam non 
pupugi quemadmodum tu Italam ucerbissimis maledictis non uno in loco 
exagitasti etc. * 

Der Hieb traf, und Scaliger merkte, dass er es nicht, mehr mit dem 
Titius allein zu thun habe. Er hatte Grund zu glauben, dass das Burdo- 
nische Gerede dem Titius von Leuten zugetragen worden, die seit lange 
auf ihn erbittert und im Stande waren,, die angedrohte Controverse wegen 
seiner Burdonischen Herkunft mit Ausdauer zu führen. Manche auch, denen 
an Titius' unbedeutender Person wenig gelegen war, die sogar dessen Be- 
strafung recht gern sahen, waren doch durch den Ton verletzt, welchen 
der Yvo gegen die Italiener angestimmt hatte. So schreibt Franciscus 
Bencius im Jahre 1592 an Lipsius {Burm, syll, i, ;y. 75): De Ro~ 
berto Titio quaesihim nollem: ita iniucundae mihi eins controversiae : mihi 
vero ? imo fere omnibus qui de eo inaudierunt uliquid aut legerunt : audax 
nimium itle et pwum felix: meliits Villiomnrus Yvo, quisquis tandem fuit, 
qui suscepit patrocinium mulforum^ sed de Italis si locutus fuisset paullo 
humanius, nihil in illo opusculo desideraretur ^ nunc mirum pluribus^ cur 
causa unius hominis exagitaverit genus Universum. Haec pauca de Titio 
qui Florentiae agil, de facie mihi ignotus invisusque. Je allgemeiner die- 
ses wegwerfende Urtheil des Bencius über Titius von den Italienern ge- 
theilt wurde, um so misslicher musste es erscheinen, mit einem solchen 
Gegner eine Debatte fortzuführen, welche von nun an in offene Persön- 

19* 



264 

lichkeiteo <iberza|^eheD drohte. Noch weniger aber mochte Scaliger sich 
dazu verstehen^ die ganze Polemik, nachdem sie diese Wendung genom- 
men hatte, ein für alle Mal fallen zu lassen. Was der florentinische Pe- 
dant^über Scaligers ,Burdonische' Herkunft zuerst im Jahre 1580 durch 
den Druck z^ veröffentlichen wagte, das hatten italienische Gelehrte schon 
seit längerer Zeit den Italien bereisenden Franzosen gern ins Ohr gerannt. 
Bereits um das Jahr 1573 hatte Scaligers vertrauter Freund de Thou es 
in Padua zu hören bekommen von Fa^iius Niphus, dem «Enkel des be- 
kannten Aristotelikers Augustinus Niphus. Damals war es noch auf J a- 
lius Scaliger allein gemünzt, der durch geringschätzige Aeusserungen 
über die Philosophie des Augustinus Niphus den Zorn des Enkels erregt 
hatte (Thuan, De Vita Sua /, p, 1193 ed. Francf,). Mit dem wach- 
senden und den Italienern inmier hinderlicheren Ruhm Joseph Scaligers 
gewannen auch die Burdonischen Gerüchte an Bösartigkeit; und Scaliger 
selbst hatte sie herausgefordert durch unbedachtes Prunken mit seinem 
Stammbaum sogar in wissenschaftlichen Schriften*). Um sie nun wirksam 
zu ersticken, musste, da die directe Polemik gegen Titius^ ihren ersten 
öffentlichen Yerkünder, fortan unthunlich war, ein anderer passender An- 
lass abgewartet oder geschaffen werden. Gar zu augenscheinlich gesucht, 
um passend heissen zu dürfen, war jedoch der Anlass, den Scaliger end- 
lich im Jahre 1594 ergriff, -als er eben nach Leyden übergesiedelt war, 
dort fürstliche Ehrenbezeigungen entgegengenommen hatte, und nun sich 
und seinen Freunden die öffentliche Vertheidigung seiner adligen An- 
sprüche nicht langer glaubte schuldig bleiben zu können. So musste denn 
auf seinen Wink der jüngere Janus Houza eine bereits früher veröffent- 
lichte schwülstige Declamation de-s Julius Sc^liger von Neuem zum 
Druck befördern, und Joseph leitete dieselbe ein durch eine ausführliche 



*) Z. B. SU Catull XXIX, l p. dO ed, pr.: SeaUgerofwn prineipum a$namissimut 
seeessus Sirmio a Theodorico tuque Scaligero Gottho, quem Diedrich von Bema vocant Ger- 
mmni,adaoumu8quemeum Benedietum Sealigerum, worauf dann die Geschichte des Scaliger- 
schen Fürstenhauses mit der venetianisohen verglichen wird. Aehnlich heisst es zu den 
CataUeta p. 237 «d. Idndsnbr. : an inteUigit Sirmionem pemniulam venusiutimam, quon- 
dam CtUuUi poetae ei aKquando etiam^ dum /ata manebant, ScAiwmtORVM Prikciftm 
amoenU^imum seeessum. Und die Subscription der ersten Ausgabe von de emendaHone 
temporum (p. 481^ beginnt: losephus SeaUger lul. Caesarxs fiUus, Benedict* nepos, Ni' 
colai pronepos, Wihlmi abntpos, Barthohmei Canis adnepos ete, opus novum de emenda- 
Hone u. s. w. 



265 

Abhandlung ,ttber das Alter und den Glanz des Scaligerschen Ge- 
schlechts*/ in Form eines Briefes an den älteren Janus Douza. De3 Ti- 
tius 'Namen hier ausdrücklich zu nennen, konnte Scaliger sich nicht 
entschliessen ; aber er bezeichnet ihn doch deutlich genug als den eigent- 
lichen Yeranlasser dieser ganzen Puhlication in folgenden Worten, welche 
neben vorsichtigen Aeusserungen über den Yvo auch noch eine ziemlich 
gezwungene Ehrenerklärung Air die Italiener enthalten (p. 58): QuotUie 
HliquU mihi Muecrescit ttut furiosUBy aut ßagiUotusj aut indoetus gut mihi 
oblatret .... Fraeter seiolos, nreUüogos et sophUlas exortu» est nescio quis^ 
ut audio, furiosut, FlorentimtSy quem quidam ulasioret popuUires sui in 
obirectatianem mei incitaruiU ei ultro adiuverunt» Quippe iis ituiruetum 
quibus genus meum et existimatiimem laedi posse putanmt ad diffamatorii 
iibri scriptianem subomaruni et misero iüo furoris et invidiae Muae mi» 
nistro un sunt .... tigo iüum horribüem et sacrum librum non vidi prae- 
ter tituium, quo putat apud populären suot vendibilem mercem suam ex- 
trudere cum me oblreetatorem nominis Jtaiiei vocat (s. oben S. 262). Bie 
igitur tituius komineM Italosy si qui inter ülos otioti tunt, ad (otum Hbrum 
iegendum invitabif, qui alioqui Ümis oculis et tütUum ipsum praeteriissent, 
Ostendant mihi, cui obtreetatus sim, 8i mihi tiecessitas imposita esset 
alieni obtreefandi et ita hisanirem: cur potius Italis quam Germanis aut 
Gattis meisf ov yap ntonot ifuig ßovg 7}laaciv, idi not fhatovg, Quis 
effnsior unquam in laudes eius gentis quam egof lurare possim liquido, 
me plures et meliores piros amieos in Jtalia habere quam uUum obtrecta^ 
torem meum Jtalum, Quod si furore actus aut per lasdviam toti genti 
odium aut beilum indicerem, tarnen propter eos, quos mtUtos in ea gente 
et colo et observo, a furioso instituto desisterem. 8i vero sunt qui me eo 
amentiae progressum putent, tantum abest ut eos in. Jtalorum numero ha- 
beitm, ut ne in hominum quidem censeam, Qui librum illum ' dignum 
auctoribus suis me autem indignum legerunt, ainnt tenebrionem iUum pu- 
tare me auctorem nescio euhts librß [d. h. des Yvo], qui eius inscitiam et 



V Der volle Titel huitet; lotephi SealigeH Jul. Caes, F. Epitiola De Vetustate Si 
Splendore GmHs Scaligerae et ItU. Caes. SeaUgeri VUa. lul Caet. Sealigeri ^ Oratio in 
hteht fiUoU AndeeH. Item TestimMia de Gente ScaUgera et lul. Oaes. SeaUgero. Lug- 
dum Batavorum, Ex Ojßeina Phmtmiana, Apud Franeiteum Eaphelengium cia^JJ-XCir. 
4 unpag. Bl. fDedication des jüngeren Douz«) ; 123 S. 4. Ich ciiire die Epistola De Ve- 
tustate nach dem Abdruck in qtp. />. 1—58. 



266 

amentiam, qna omnes bonos inseciaius est, exagUavii, ne propterea, dum 
auctorem vulneris sui persequüur, obvium corüibus mcursare, more stiu- 
darrnn ferarum, quae in eos quos obiecit casus saepiunL Esto^ ego sim 
auetor eins libri, ei ita oHum mihi sit ab re mea, nt eurem quid deUreni 
Corybantes in urbe Florentina : quam iatebram quaeret inscitiae et prodi- 
giosis erroribus suis? siquidem verum retulerunt amiei qwi Ülius priorem 
librum legerUnt. Ideone ego ero nescio quid, quin rpse id quod est esse 
non viatf Absoltant eum ignorantia et temeritate qni eins monitores fue- 
runtyet viros putttba. 3t quis me itto libro contumeUoso moteri putat et 
me iUhts Florentini rationem habere, qui misericordia . potius mea quam 
ita dignus est: nae iUe longe failitur» Periode est mihi ab iOo mtuperarl 
ac Usudari, Landes enim et iniurias nebtdonum in promiscuo habendum. 
Neque ^ex his gaudium, neque ex iUis dolor ad nos perlinet, Sed ideö iU- 
lius mentionem feei, quod quidam male feriati stipem, suum in illum aerw' 
scatorem contulerunt* — Schon diese Eine Probe zeigt, dass Scalj^r 
keineswegs gesonnen war, durch Hilde und Demuth seine Gegner zn enl*- 
waffnen. Wenn dieselben nun dennoch von der nnmittelbaren Fortsetzung 
des Streites abstanden und der Burdonische Lärm während der nächsten 
eilf Jahre (1594 — 1()05) gänzlich verstummte, so muss man darin wohl eine 
Folge des günstigen Kindrucks erkennen, welchen die sachliche Beweis- 
führung in jener Scaligerschen epistola auf die grosse Mehrzahl der unbe- 
fangenen Leser damals gemacht hat. Noch Delrio (1601) wag(e es nicht, 
das ThatsächKche der epistola zu leagnen, obgleich er ihren Ton al» 
prahlerisch angreift (s. S. 81). Nachdem jedoch der Kampf mit den Je- 
suiten den höchsten Grad von Erbitterung erreicht hatte^ ward auch die 
eingerostete Burdonische Waffe wieder liervorgesucht. Im ,Amphitheater' 
(1605) schwang sie Scribanius noch mehr zu blosser Drohung; in fri- 
sches Gift getaucht und zu fechtermässigen Gebrauch verwendet hat sie 
erst Scioppius (1607)) der jene Scaligersche epistola Satz für Satz secirte, 
und so die Ahnenprobe endlich ausführte, welche Titius vor fast einem 
Vierteljahrhundert angekündigt hatte. Wie Scaliger sich des Scioppius 
erwehrte, ist oben S. 87 erzählt Hier musste an diese genealogischen 
Händel nur wieder erinnert werden, um die verbindenden Fäden aufzu- 
zeigen zwischen Sealigers Bekämpfung der Italiener im Yvo und seinem 
Streite mit den Jesuiten. 



Verzeichniss der Schriften Scaligers. 



I5«5. 
I. Varro. 

1) losqthi Scaligeri luln Caesaris Füii Chnieckmea in M. Te- 
renüum Varronem de lingua LaHna Ad Nobütssimum et 
erudüiasimum n^venem Ludovicum CoHanaeum Bupipozaeum, 
Parisiis Ex qfflcina Bob. Stephani iypographi Regii MDLXV. 
Cum priüüegio Regis. 3 Bl. Dedic. 221 S. 8. — Schluss: 
excudebat Robertos Stephanus Typographus Regius, Lutetiae 
Parisiarum X Cal. Septemb. anno MDLXV. 

lieber diese Ersilingsarbeit heisist es SoaUgerana I. (s. v. auetores): 
Canfecii Caniecktnea in Varronem anno aetafis vigesimo, ,Ei lor8\ dtt- 
t% ySioiS'je fou comme un jeune lihvref Als Denkmal seiner Ju- 
gendlichkeit hat Scaliger die Conjectanea in ihrer ursprünglichen Ge- 
stalt auch für die späteren Ausgaben beibehalten, und nur in den an- 
gehängten Verborum Efymoiiogiae ein Paar Ausmerzungen gär zu anreifer 
Einfalle vorgenommen. In der, jetzt fkst allein gangbaren, Bipontiner 
Ausgabe sind die Conjectanea vermengt mit der gleich (No. 2) zu er- 
wähnenden Appendix^ welche aus schon viel reiferer Zeit stammt und 
ab^chtlich von Scah'ger als für sich bestehend und aus einem andern 
Tone redend nicht in die Conjectanea eingereiht wurde. 

2) M. Terentü Varronis^ opera quae supersunt. In Lib. de Ling 
Lot Coniectanea Josephi Scaligeri, recagnita et appendiee 
auota. In Hbros de Re Rust. Natae eiuedem los. ScaL non 
antea edüae. Eis adiuncti Juerunt Adr. Tum* Comment. in 

20 



270 

lib. De Ungua Latina: cum emendaüonüms Ant. Augttstini, 
Bern P. Victorii Castigationes in lib. De re rusHca. Anno 
M.D.LXXUI, Excudebat Hmr. Stephanus. 8. , 

3) M, Terentii Varronie opefa quae supersunt In Lib. De hing. 

Lat.Coniectanea losephi Scaligen. In Lib. De Re Rust, Notae 

eiusdem. Alia in Eundem Scriptorem trium cUiorum Tum, 

« 
Vict. August Editio Tertia, Recognita et aucta. Das Pruk- 

kerzeichen der Stephanie Anno M.D.LXXXL 8. 

In Betreff der Scaligerschen Sachen unterscheiden sich diese bei- 
den Drucke dadurch, dass der erste vom Jahre 1573 in der Note zu De 
Re RusUca /> 2 med., wo Scaliger die Redensart auro contra carus tr- 
lä^tert^ nach 4^1^ Worten «^tom occwrant folgendennaasaen fortfahrt, 
p. 211 exir.i fhvducam aut^ locum veteris comici Trabeae ex fabula 
Earpace,ubi,hoc loquendi genus usurpatur, tum propter aententiae elegan- 
iiga^,tv,m^€tiam^^ia nondum vulgo noti sunt, 

Here, ei querelis. eiulatu.Jletibua 

Medidna jfteret miseriis mortatium, 

Aiiro parandae lacrumae contra forent. 

Nunc käec ad tfUnUenda mala nOn rnagis valent 
, Quam nenia proeficae ad excitandoe mortuoa. 

Res p*rbidae consiUum nonßetum expetimt. 
.Qläs effimtam avfrpis a Musis tamque humanitatis expers, qui horum 
pubUcaiione offendatur^ Quod si hi placer^, mm graoabor et aHos eiusdem 
m^taep sßd aUus poe^, adhibere qui tanquam supervorvm gemini et germani 
sunt, ^^ta autem Accii, veteris ac grannssimi tragiei, ex Oenomao, 

Nam si.lamentis aUeparetur dphr, 

Longoque ßetu mintieretur pUseria . < 

2Vm turpe lacrumis indulgere nonfor^ 
^ fractctque voce dttmm obtestari ßdem, 

Tabifica dof^, pectore excesset lusß. 

Nunc haec neque hilum de dolore detrahunt, 
^ 'I^us^ eumuhi^ fnisetis adiiciunt maU, ' 

Ei indecoram mentis nioUiHam arguwnt. 
Qnl v)Brsm hadtemislatuerwiity ieosqus^nunc pr^amma in vulgus pablieamus, 
quorum pHc^es^Thtbeae .mihi iid verhum e JPMtmone mutuati videntur. 



271 

qui eandem iMnierUiam ad verbitm exiulit [Fhi. c&naoL Apoll, c 8; ^StoL 
Flora, 124, 187: . t » 

El tä 9anqv 'q(ih tmp notHAp» ^' (pa^^Lotew,^ (. 1 .. 

'Ael ^* 6 kUiVikxg tov nofVMf ioaveto, ' i • ' • 

jEOJUmo^ifa' S» deai^w dvMg x^alov. 
Nam.teriius vermu ad verbwn redditur terUo Trcfbeae, ' 

Auro parandae Idcrumae contra'^forent, 
FortasM de hoc fUmis, lUud quod in fwmu es^ apafoUs, Hie est, inquit^ 
Hie,' qui etc. In dem Druck vom Jahre 1^1 (p, 196) so wie in <lUen fol- 
genden ist dieses ganze Stuck ohne weitere Bemerkung weggelassen, und 
auf die Worte obviam occurrant folgt unmittelbar Hie est, inquit Varro, Hie 
qui etc, Grund dieser Auslassung wa^, dass im Jahre 1575, also zwei 
Jahre nach der ersten Veröffentlichung von Scaligers Noten zu De Re 
RueHca, -Muret in dem Anhange zu elnir Ausgabe seiner Reden bei 
Aldus jene vermeintlichen Trabea- und A^ttii^s- Verse mit d^iji lieber- 
Schriften Aßkta Attio, Afßcta Trabeae drucken Hess und ihnen folgende 
Bemerkung vorsetzte {Muret. opp, ed Ruhnk, 1, p, 775); Cum veteria 
comici, Graeci Fhilemonis nobilem sententiam a Plutarcho et a Stohaeo ac- 
ceptam animi cauaea exprimere tentaesem et dicendi genere et numero vete- 
rum Latinorum Tragicorum simillimo, placuit etiam experiri numguid ean- 
dem comice expHcare possem, Visum est utrunique non infeliciter succes- 
sisse. Per iocum igitur priortbus vevsihus Atti, posteriöribus Trabea£ nomen 
ascripsi, ut experirer aUorum iudida et tfiderem imfnj[ui8 in eis inesset ve- 
tustaüs sapor. Nemo repertus est,' qui non ea pro veter^us aöceperit, Unus 
etiam et eruditione minime vulgari et iudido aeerrinio jitraeditus'*) repertus 
est, qui ea a me accepta pro veterihus pMica/ret, Ne^ quis igitur ahtpUus 
faUatur, et rem totam detegendam et carmina ipsa hie subiieienda duxi, 

Scaligera Rache beschränkte sich auf ein' Epigramm, das ein &k6q- 
(fritov in Murets Leben zu Toulouse berflhrtj aber erst naefa Scaligers 
Tode gedruckt worden' ist (poemmt p, 24): v - ^ ; 

In Bumetum, qui suos versus'prO' aniiq^is Süpposuerat 

Qui rigidae flammas eoaserat ante 7%olo^ti, . * 
Rumetus, fumos ven^it (üe 'mihi, 

*) Aehnlich lobend und namentlich wird Scaliger Yon Muret erwähnt opp. IV. 
231 : Ita iUum Varroni* loeum [L. L, VII, 27/ emendavü summti ingenio et inerecUbUi 
doctrina« copia praeditus et, ut omnia quae de eo honorißce dici postunt uno verbo com' 
plectar, patrß dignitsimus adoleicmt lotephus SeaUger. 

20- 



272 

üebrigens litt seine Gresiimung für Muret (s. oben S. 132) nicht 
weiter durch diesen schlimmen Streich, welcher die stilistische Virtuo- 
sität und den Charakter Murets schlagend bezeichnet Nach einer von 
Scriverius aufgezeichneten, im Jahre 1604 gethanen möndlichen Aeusse- 
rung Scaligers hielt er den Muret aueh für den Fabricanten der ,apu- 
iftanischen' üebersetzung aus Menandri itej^fuvOg; s. Burman. add. 
ad An^L I, p. 746, bei Meffer An^oL I, p. 94> No. 230. Der neueste 
Herausgeber des Apuleius, welcher die Echtheit der Verse mit keines- 
wegs stichhaltigen Grfinden vertheidigt (Apuktua ed. Hüdebrand L 
p. LVI) scheint diese Notiz übersehen zu haben. 

II. Lykophron. 

i; ATKO^lP0N0£ TOT XAAKJJES12 AXBißvdQu. Lycoph^onU 
CAalddensis Aleaandrae sive Cktssandrae versiones duae: una 
ad verhum a Gidelmo CafUero: altera carmine expressa per 
losephum ScdUgerum^ hdii F. 
AnnoUUiones etc. 

Basileae per loannem Oporinum et Petrum Pernam MDLXVI 
mense Maio. 4. 

Dem Wilhelm Ganter hat Scaliger auch noch für dessen Novae Le- 
ctiones ausser anderen Beiträgen (III, c. 3;. V, 29/ coÜ. ScaL in Cuüc 
p. 29 ed. Lind, und Voss, de vUüa semumie Ij c. S) Conjecturen zu dem 
von Ganter (7X>1^ zuerst veröffentlichten Stück desAthenäus mitgeiheilt 

2) Lyccphronis Alexandra. Poema obecwrum. loannes Meursius 
Beceneuii, et Libro commentario tUusiramt. Accessü losqphi 
Scaligeri lul. Caes. F. vereio cenium hcis emendaHar. Im- 
gduni Batavorum, Ex Officina Ludomci Ekeoirü Amio 
cio.ia.xcvn. 8. 

Bachmann (Lycophr. Alexand. I, p. 455 — 504) hat die Varianten 
der ersten Ausgabe seinem Abdrack der zweiten beigegeben.— S. oben 
S. 121. 



273 

1573. 

m. Catalecta. 

1) PMii Virgüii Moronis Appendix, Cum supplemmto mulkh 
rum aniehac nunquam excu$orum Pomuxtum veterum poetd- 
rum. losephi Scaligen In Bändern Appendicem Commentarii 
et casHgationeB. Ad clariseimum virum lacobum Cutafitum, 
luiHecons. nostrae aetoHs /adle Principem, Luffduniy Apud 
Ghdiel Rovülium, MDLXXJIIj cum prtoHegio Regie. 8. 

Den Titel dieser, mir *iiicht vorliegenden, Ausgabe entnehme ich , 
der sorgfältigen, jedoch in einem nicht unwesentlichen Punkte irren- 
den Abhandlung Naeke's (carmm, Yal. Cahnis p. 422-^27^. Er meint 
nämlich, nach Burmann's (Anth, Lai. 1, p, XXI) Vorgang, aus No. 31-« 
34 der Scaligerschen Briefsammlung schliessen zu. dürfen, dass Pe- 
trus Pithöus diese Lyoner Ausgabe besorgt habe. Nun war aber in der 
letzten H&lfte des Jahres 1572, in welcher nach Ausweis der Dedica- 
tionen an Gujacius und an Senneton (vor den Noten zu den Priapeia) 
das Buch sich unter der Presse befand, Pithous nicht in Lyon, sondern 
zu Paris, hatte dort die Schrec^enszeit der Bartholomäusnacht zu be- 
stehen, musste sich Monate lang . versteckt halten, wagte nicht, sich 
blicken zu lassen, bevor er seinen Uebertritt zum Katholicismus erklärt 
(Scaligerana 11, e, o. Fi&ioeus: Au maseacrei P. Pithou fuyoit de maison 
en maieon et latuU per aliquot meneea, poetea mutaivit se) — kurz, war 
durchaus nicht in der Lage, einen in £yoii vor sich gehenden Druck 
beaufsichtigen zu können, am allerwenigsten als Corrector, wie Naeke 
(p. 423) meint. Dass er es nicht gethan, dafür liefern auch die vier 
von Burmann und Naeke angeführten Scaligerschen Briefe an ihn den 
deutlichsten Beweis, wenn man sie nur nach der richtigen, bei genaue- 
rem Lesen sich von selbst ergebenden, Zeitfolge so ordnet: No. 31, 34, 
33, 32. Die drei ersten Nummern sind aus dem Limoisinischen wahr- 
scheinlich im Jahre 1568 an Pithous nach Paris geschrieben^ und be- 
ziehen sich auf eine vorangegangene Sendung des schon aus dem Jahr 
1567 stammenden Manuscripts der Catalecta (Scaligerana L e. v. aucto- 
res: confecU [ScalJ noiae in Cakdecta Virgüii anno [c^ekUie] 27)^ deren 
damab projectirten Druck zu Paris Pithous leiten sollte. Pithous muss 
sicli jedoch daxu ausser Stande gesehen haben, wohl in Folge des im- 



274 

mer heftiger wuthenden Bürgerkrieges; denft aus dem Briefe No. 32, 
der den Schluss der Reihe bildet und aus Valence frühestens im Jahre 
1571 geschrieben ist, ergiebt sich, dass äcaliger sein Manuscript bereits 
seit zwei Jahren von Pithous zurückerhalten, es mit bedeutenden Zu- 
sätzen vermehrt hatte und eben m begriff war, selbst mit duacius nach 
Lyon zu gehen, um den Druck einzuleiten^ ^, p. 140; cum ergo me 
Deu8 amicis restituisaetf offendi domi tarn ante biennium aüaium mihi 
fuisse illum l%br^m Parisiis., ^. Auximus,., Catalecta nostra plusquam cm- 
tum Poematiis quae aniehac nunqymi.esßcusg, ßierunt,... Sane luadmüsH- 
mum Culicem, Cirim et Aetnam atque adeo Moretum ipgum edemus etpro- 
' pediem Lugdunum ego et lac. Cuvacim deferemüs. Der Antheil des 
Pithous an diesem Scaligerschen Werk ist also auf ^die gelegentlichen 
Bemerkungen zu beschränken, welche er nach Durchsicht des noch un- 
fertigen Manuscripts dem Verfasser mittheilen mochte, und von denen 
wohl die Mehrzahl rn den erwähnten Briefen Scaligers berührt sind. — 
Ein kleineres, nur wegen des daran sich. Knüpfenden besprechens- 
werthes, Versehen Naeke's betrifft die Schlussworte des ersten Briefes 
an Pithous (p, 13S): Ego chartae meae quam legent operae notas Codicis 
Antoerpiensis apposui, tarnen sunt muÜa, quae tismere inutata sunt a nesciö 
quo ••*, quae tu restitues. Caetera hene habent. Richtig bemerkt Naeke 
gegen Burmann (Anthol. lat. I, p. XXXII), dass unter notae codicis 
Antoerpiensis nicht handschriftliche, sondern die am Rande der Antwerpener 
Ausgabe des Virgll vom Jahre 1566 stehenden Lesartein gemeint sind, 
welche -sich in der Lyoner Ausgabe der Catalecta ebenfalls am Rande 
finden, und von Lindenbrog, in der gleich zu erwähnenden späteren Aus- 
gabe, am Schluss der Noten p. 337 unter der Aufschrift Variae lectio- 
nes zusammengestellt sind. Dagegen darf man nicht mit Naeke (p, 424) 
glauben, dass Scaliger, dem eine zarte Scheu in polemischer Namen- 
nennung nicht gerade eigen war, den Namen des ungeschickt ändern- 
den nesdo ^t». hätte unterdrücken oder gar in einem Briefe an einen 
Freund durch Sternchen bezeichnen wollen. Vielmehr lehrt ein auch nur 
flüchtiges Durchblättern der Scaligerschen Briefsammlung, dasis solche 
Sternchen von der oft allzu peinlichen Aengstlichkeit des Herausgebers 
herrühren. Colomesius (opp. p, 334) hat sich die dankenswerthe Mühe 
gegeben, alle so besternten Lücken auszufüllen; in die hiesige setzt er 
den Namen Pulmanm ein und erklärt somit Theodor Pülmann für den 



Udteber der an den Banjider Antwerpener Ausgabe von 1566 gesetz- 
ten Lesarten. Diess bestätigt sich mir duroh Vergleichung jener Ant- 
weipener Ausgabe mit einem spateren, im Jahre )580 ebendaselbst er- 
schienenen Abdruck, auf dessen^ sonst dem von 156^ ähnlichen, Titel 
Pulmann's Name genannt ist: JF^^ Ttr^t» Moronis Opera Theo dort 
Pulmanni Craneburgii studio correda. Pauli Mamdii annotationes etc. 
Die Dedicationsepistel Pulmann's trägt das Datum Antuerpiae V Idus 
Octobreis, anno cid.io.lxui. Sonach ist auf Pulmaon's Rechnung, alles 
Gute und Schlechte zu schreiben, was zuerst am Rande der Antver- 
piensis von 1566 erscheint und von dorther an d^n. Rand der Lyoner 
Gatalecta, in die. varioe kcMones bei« Lindenbrog und an den Rand der 
Epigrammata des Pithous verpflanzt wurde; z. B. die auf den ersten 
Blick verzweifelt scheinende^ aber auch durch Haupt's (Berliner Pro* 
gramm. 1854 p, 5) Beifall empfohlene Aenderung von (Aetna 67) im- 
pellens victos in amplexa ,e,8t gnatosj sie steht nämlich, wie Haupt 
vermutbet und ich bezeugen kann, schon am Rande der Antverpiensis 
von 1566* 

Als theilweises Surrogat fQr die überaus seltene Lyoner Ausgabe 
kann dienen P. YirgiUi Maroni» Appendix cum losephi Scaligeri commen* 
tariis et castigaitiontbus. Ad Ciarias. Virum lacobum (Juiacium lurißcons. 
nosirae aetatie facile principem. Antverpiae Ex oßicina Christophori FUm- 
iini ArchttypbgrapM Uegii MDLXXV 98 S. 2 6l. Ind. fol. hinter der 
Ausgabe des Virgil von G'ermanus Valens Güellius. Dieser Abdruck 
enthält, teit Ausnahmt der PriapeJä, alle IStücke, die in der gleich zu er- 
wähnenden Lindenbrogschen Ausgabe auf den ersten 182 Seiten des 
Textes stehen. Dass die Lyoner Ausgabii zu Grunde liegt, sagt der 
Drucker in einem Vorbericlit auf der, Rückseite des Titelblatts. 

2^ Pub. Virgüii Maronis Appendix^, Cum supplemento mtdtorum 
antehac nunquam excusorwm PoemaJtum veterum Poetqrmn. lo- 
sephi Scaiigeri hd. Caes. FU. In eandem Appehdicem Ca- 
stigaiionis et Commentarii multts in locia aucH. cu/rante eden- 
teqm Friderico Lindenbrtj^hi iCukis et Notae addiiae. Xt«- 
gduni BcOavorum, ^ qj^ciinß .Piantiniana, apud Franciscum 
, Baphelengfum cio.ip*xGr. B.^^ 

Umarbeitaug und Vermehnmg iiind sehr beträchtlich« Lindenbrog 



2T6 



hat jedoch manchmal im Eintragen der Scallgerschen Zusätze Fehler 
begangen, z. B. p, 64 des Commentars a. v, Quod si aUo; und während 
in den von Scaliger selbst beaufsichtigten Ausgaben die Indices immer 
Muster von Genauigkeit und Planmftssigkeit sind, finden sich hier Dinge, 
wie z. B. im Indew Audarum 9. v, EumerUdea, 

Keine neue Ausgabe und nicht einmal ein neuer Abdruck, sondern 
bloss, weil der Verlag an einen andern Buchhändler übergegangen war, 
mit einem neuen Titelblatt versehen ist Cataleda Virgüii et aUorum 
i^Mfonif» LaÜnorum veterum PoemaHa, Cum Commeniariia losephi ScaU- 
geri Tul Caea. JFt/. Lugduni Baiaoarum a/pud loannem Moire 1617, 8. 
Nur der letzte Bogen des Textes (22) muss umgedruckt sein; er ent- 
hält| ausser einem veränderten Schriftsteller -Verzeichniss (p. 262), das 
von Scaliger selbst nicht in die Sanunlung aufgenommene PenHgiUium 
Veneri» (p. 258) mit dem Zusatz in' der Ueberschrift: quod quidam Ca- 
iuüo ir&fuuni, d. h. einem Mimographen Catull, dem Scaliger das ,von 
Erasmus citirte Carmen de Ter«' mit leicht hingeworfenem ,forUt88€^ zu- 
geschrieben hatte in den einleitenden Worten zum Commentar des 
CatuU. 

IV. Vita HomerL 

h^ Himeri VUam ex Eerodoto Jbaq^^ Soaltgeri noiae und 

h^ Mainmis Barodiarum /ragme nh u n [AAen. IV^ p. 134/ 910- 

loa emtdem Jos. Seaiigen hinter V>fuieo« wti *H9t68ov ieymp, 

Homeri M Huiodi cmia men. Nume primum luce donatum 

eAx Arno U.D.LXXm, esemdtlbai.Hmriau Stepianus. & 

Die Scaligwsehen Notoi stehen p. 177—179. 

V. Empedokles. 

Jm BmpedocHs M AKorum canmma «otee loupki ScaUgen hin- 
ter IMifmc MlMo^pos. Aem pkOoscpAiea eic. Atmo 
MlkLXXm «WMdate Hmriem$ Sfcpfcmw. 8. 

Die SciUger9die& Noten stdicn f». 21^219. 

VI. Ausonius. 
Sori^^ hL Qm. F. Amtommmnm LMihmm Libri 
Ad ijitf <e mmNAm 



277 

Santonem Lügduni apud Ant. Gryphmm MDLXXIUI 181 S. 
und 3 Bl. Index, hinter A Mag7ti Ausonii Bu/rdigalensiSf 
viri consularisy Auffustorum präeceptoris opera in mdiorem 
ordinem digesta, Recognita sunt a losepho Scaligero lutii 

j Caes. F, et infinitis locis emendata. Eiusdem losephi Sca- 
ligeri Ausonianarum lectionum libri duo ad Miam Vinetum^ 
Santonem: in (fitibus Castigationum rationes reddwnJtwr et dif- 

ßciliores loci Ausoniani explicantur, Lugduni^ apttd Ant 
Grypkium MDI4XXV. 343 S. und 10 unpaginirte Bl. 12. 

Von dieser ersten- Ausgabe ist ein unver^derter Abdruck losephi 
Scaligeri lulii Gaes. F. Ausonianarum lectionum Kbri duo ad Optimum 
et erudiiissimum virum EUam Vinetum Satonem (sie). HeideWergae 
cio.iD,LXXxvin. 255 S. 8. Auch die Nachdrücke Von lacob Stoer — 
einer aus dem Jahre 1608 liegt mir vor — sind nach dieser ersten Aus- 
gabe gemacht. 

2) losephi Scaligeri lulii Caes, F, Ausonianarum Lectionum 
Libri Duo, Ad Optimum et eruditissimum virum Eliam Vi" 
netum Santonem, Omnia ab auctore recognita et emendata 
hac postrema editione. , Burdigalae, Apud S. Millangium Tg- 
pographum Begium cio.io,lxxxx. l^inter Ausönii Burdiga- 
tensis viri coTistdaris omnia, quae adhuc m veteribus bibliothe- 
eis inveniri potuerunt^ opera, Adhaec Symmachi et Pontii 
Paulini litterae ad Ausonium scriptae^ tum Oceronis^ Sulpidae, 
aliorumque quorundam veterum carmina nonnuUa, Cuncta ad 
varia vetera novaque exemplaria hac secunda editione emen- 
data commentariisque auctioribus ülustrata per Eliam Vinetum 
Santonem, losephum Scaligerum et alios etc.,,., Burdigalae, 
Apud S. Millangium Typographum Regium MDXC, 4. 

Auf der Rückseite des Titelblattes zu den Lectiones Ausonianae sagt 
der Drucker dem Leser, Scaliger habe per occupationes et varias huius 
temporis molestias keine Zeit gehabt, diese zweite Ausgabe durch Zu- 
sätze zu vermehren, sondern nur correxit quae iam scripserat et detraxif 
onnnuUa, Von erheblicheren Auslassungen betrifft eine im siebenten 

21 



278 

Capitel des zweiten Buches die in der ersten Ausgabe aufgestellte Be- 
hauptung über Lapwrda der Itinerarien. Thuanus (de Vita Sua II, 
p. 1324) machte Scah'ger auf den In*thum aufmerksam. — Aus den un- 
wiHigen Aeusserungen Scaligers (epp. p. 439 und de emend, temp, V, p, 
485 ed. tert.) über Vinetus' Lust, ihm zu widersprechen, darf man wohl 
schliessen, dass nicht bloss die ,imruhigen Zeiten* ihn abgehalten haben, 
dieser zweiten Ausgabe, da sie den Anhang zu Vinetus' Commentar 
bilden sollte, grossere Sorgfalt zuzuwenden. Uebrigens hielt er manche 
hier gewagte Ortsbestimmung später selbst nicht für richtig und schreibt 
darüber im Jahre 1606 an Freherus (epp, p, 483): nihil animo meo grch 
tius facere potes quam purgare errares, qui iuveniles Äusonianas Lectianes 
nostras magis dehonestare quam omare possunt, Tantum vero abest, ut 
aliquid haheam quo tuum Commeniariwm instruere possim, ut verear ne ni- 
mio plura de MoaeUa scripserim quam homini peregrino conveniebat. 

Vn. Aias. 

Sophoclis Aiax Lorarius Stylo Trtigico a losepho Scaligero 
Itdii F. translatus. Etusdem Epigrammatß quaedam twn 
Graeca tum Latina cwm aliquot ex Graeco translatis. Anno 
M.D.LXXIIII 8. (s. I.) 70 besonders paginirte Seiten 
als Anhang zu Itdii Caesaris Scaligeri Viri Clarissimi 
Poemata in duas partes divisa. Anno MD, LXXIIII (s, l) 

S. oben S. 121. 

Vni. Hermes Trismegistus. 

Mercurii Trismegisti Pimandras utraque lingua restüutus, D, 
Frandsci Flussatis Candallae industria. Ad Maximüia- 
num Caesarem eius nominis quartum. ßurdigalae^ Apud 
Simonem Millaftgium Bn/rdigalensium Typogrouphum via la- 
cohaetty 1574. Cum privilegio Regis, 70 unpaginirte Bl. 
kl. Folio. 

In der Vorrede an den Leser, ßl. 4, sagt der Herausgeber in 
einem Theil einer seiner gräulich geschnörkelten Perioden; accito con- 
sultorum assenm non tantum graecarum sed etiam orientalium linguarum 
(utpote losephi Scaligeri, iuvenis iUmtrissimi, non minus dodis Unguis eru- 



279 

düi, quam conditione ei prosapia praecUtri, opera) perpaucoa pingentis er- 
rores sarcietUee etc. Demnach wird man wohl bei den meisten Abwei- 
chungen des Flussas von Turnebus* Text an Scaliger zu denken haben. 
Man übersieht sie jetzt bequem in der Parthpy'schen Ausgabe des Pö- 
mander (Berl. 1854, 8), wo auch p. 12 die' Vorrede des Flussas abge- 
druckt ist. 

1575. 

IX. F e s t u s. 

Eine Ausgabe des Festus vom Jahre 1575, welche in den Hand- 
büchern aufgeführt wird, habe ich weder zu Gesicht bekommen, noch 
den vollständigen Titel einer solchen irgendwo angeführt gefunden. Der 
Titel der mir vorliegenden .aus dem folgenden Jahre lautet: ^ 

M. Verrü Flacci Quae Extant Et Sex. Pompei Festi De Verho- 
rum Significationß Lihri XX. losephi Scaligeri lulii Caesaris F. 
In Easdem Ltbros Castigattones^ Recognitae et omctae. LiUetiae? 
Apud Mamertum Patissonium^ in qfflcina Roherti Stephani. 
M.D.LXXVI. S. 309 S. Text (nach Augustinus) und die Ca- 
stigationes auf besonders paginirten 216 S. 11 Bl. Indices. 
ScaUgers Ccutigationes sind unverändert abgedruckt in der Sam- 
inelausgabe des Festus apud Petrum Santandreanum MDXCIII. 8. 
S. oben S. 43,- 157; 258. 

1577, 

X. Lateinische Elegiker.' 

1) Catulli, Tibulli, Properil Nova editiOy losephus Scaligew luL 
Caesaris F. recensuit. Eiusdem in eosdem Gastigationum Liber. 
Ad Cl. Puteanum Consiliarium Regium in suprema curia Pa- 
risiensü Lutetiae, Apud Mamertum Patissonium in officina 
Reib, Stephani M.D.LXXVJL Cum Privilegio Regis 7 unp. 
BL; 274 S. Text; 252 S, Noten; 5 Bl. Indices. 

2) Catulli, Tibulli, PropertI Nova Editio. losephus Scaliger lul. 
Caesaris F. recensuit. Eiusdem in eosdem Gastigationum Liber 
auetus et recognitus ab ipso auctore. Ad Ämplissimum Vi- 
rum Cl. Puteanum Consiliarium Regium in suprema Curia 

21* 



^80 

Parisiensi. In BihliopoUo Commeliniano 1600. 8. 5 unp 
m. 274 S. Text. 291 S. Noten. 8 Bl. Indices. 
S. oben S. 46; 101; 132; 143; 229. 

1578. 

XL Hippokrates. 

Beiträge zu Vertimianus* Ausgabe der Schrift von den Kopfwunden 
S. oben S. 239. 

XII. Vincentii epistola. 

S. oben «. 240. 

1579, 

Xni. ManiliiLS. 

\) M, Manill Astronomiccon Lihri Quinque. losßphus Scaliger 
luL Caes, F. Becensuit ac pristino ordini suo restituit Eius- 
dem los. Scaligeri Gommentarius in eosdem lilyros et Castiga- 
tionum explicationes. Lutetiae, Aptid Mamertum Patisßonium 
Typographum Regivm, tn officina Roh, Stephani, M»D,LXX1X, 
Cum Privilegio Regis. 8. 5 Bl. ia6 S. Text. 3 Bl. index 
verum, 292 S. Noten, 5 Bl. Index. 

2J M, Manill Astronomicon A losepho Scaligero ex vetusto codice 
Gemblacensi inßnitls mendis repurgatum, Eiusdem losephi Sca- 
ligeri Notae, Quibus auctoris prisca astrologia explicatur, ca- 
stigationum caussae reddunhtr^ portentosae transpositiones in 
eo auctore antiguitus commissae indicantur. Ex Officina Plan- 
tiniana, Apud Christophorum Raphelengium, Academiae Lug- 
dtmo-Batavae Typographum cio,io,c. Cum Privilegiis, 4. 
74 Bl. Prolegomena, 131 S. Text, 2^^ Bl. index verum; 
. 509 S. Noten, 9 Bl. Index. — S. oben S. 166. 

3) Der erste Theil des Titels wie in 2 bis zu den Wor-^ 
ten commissae indicantur. Dann heisst es weiter: Ntmc 
primum e codice Scaligeri, qttem sua manu ad Tertiam Edi^ 
tionem praeparaoerat plurimisque accessionihus suarum curavum 
locupktaverat, post longas moros latebrasque in lucem public 



281 

- cam cum auctario tarn nobili restihUae. > Accesserunt quaedam 
Clarissimorum Virorum Thoniae Renesi et Jsmaelis BuUialdi 
animadüersiones, Argentoratt^ Sumptibus loannis loachimi 
Bockenhofferi, cio.i^oc.lv. 4. 

In einer Ansprache an den Leser berichtet der Herausgeber, Joh.' 
Heinr. Boeder, über die Schicksale des Scaligerschen Handexemplars, 
welches zuerst im Besitz des Jacobus Gothofredus gewesen und dann 
in die Hände eines Buchhändlers gekommen war, von welchem es ,Se- 
bastianus Ramspeckius' kaufte und bei einer Durchreise durch Strass- 
burg als Gastgeschenk dem Boeder zur Herausgabe überliess. Leider 
hat Boeder die unbegreifliche Verkehrtheit begangen, das von Scaliger 
auch hier mit grosser Sorgfalt angelegte Verzeichniss der in den No- 
ten angefuhii;en Autoren gerade seines wesentlichsten Theiles, nämlich 
der Seitenzahlen, zu berauben. Hierdurch steht diese dritte postume 
Ausgabe, welche allerdings manche Zusätze enthält, doch an Brauch- 
barkeit zurück hinter der zweiten, von Scaliger selbst besorgten. 



Gleichzeitig mit dem ersten Erscheinen des Manilius muss der oben 
S. ,162 erwähnte offene Brief Scaligers an den Mathematiker Johannes 
Stadius gedruckt worden sein; er ist aus Toufou, einem Schlosse des 
Rochepozay, 31. Juli 1579 datirt (epp. p. 69^, und soll eben den Ma- 
nilius bei den Mathematikern einfuhren. Bis jetzt ist mir jedoch ein 
Separatdruck nicht zu Gesicht gekommen, und auch den Titel eines 
solchen habe ich nirgends angeführt gefunden. 

1582. • . 

XIV. Schrift gegen Insulanus. 
Scaliger, los.Iust, Epistola adversus harbarum^ ineptum et indo- 
ctam poema Insulani patroniclientis Lucani, Lutet^ Patisson 
1582, 8. - 

So giebt Ebert's bibliographisches Lexicon den Titel des von mir 
nicht gesehenen Separatdrucks. Da das Schriftchen in die Form 
eines Briefes an den Drucker des Manilius, Mamertus Patisson, geklei- 
det ist, so ward es in die Scaligersche Briefsammlung (epp. p, 69 — 86) 
aufgenommen. Veranlasst war es durch die Kritik, welcher Scaliger in 
der ersten' Ausgabe des Manilius p. 50 die astronomischen und son- 



282 

stigen Nachlässigkeiten des LuCanus unterworfen hatte; im 'Wesent- 
lichen sagte er dort dasselbe, was jetzt p, 11 — 16 der dritten Ausgabe 
zu lesen ist. Nur war dort der Ton heftiger; dem Lucanus, der vom 
Mittelalter her noch immer in. der öffenthchen Meinung hoch und über 
allem Tadel erhaben dastand, waren äßsltsgia, nugae eonorae und ähn- 
liche Untugenden vorgeworfen ; und die ziemlich lange Abschweifung schloss 
mit folgender Nutzanwendung: Haec digressiuncula non inutUis futura est 
adoleacentulis, qui poetas non iüo praecipUi calore, qui Uli aetati communis 
est et quo non caruit Lucanus, sed cum iudicio legere volunt; quamquam 
scio me nuUam gratiam inivisse a magisteüis, qui iÜorum Virgilio Cordu- 
bensi os sculponeis bahierim [Haut. Gas, II, 8, 59/. Hierdurch fühlte 
sich, wie Scaliger erzählt (Scaligerana II, s. v. Jnsulanus Und Manil. 
p. 14 ed. tert.), ein damals berühmter Mathematiker, du Chastellet, ver- 
letzt; der gerade die astronomischen Kenntnisse seines Lieblingsdichters 
gepriesen hatte, und stiftete einen, mir nicht weiter bekannten, de Tlsle 
an zu einer versificirten Vertheidigimg Lucans und Bestreitung Scali- 
gers, deren Titel iqh bei Nisard (s. oben S. 19, 3) so angeführt finde : 
Maihematica pro Imcano Apologia, autore Insulano Parisino procuratort 
Parisiis 1582. Diese Apologie nun fertigt Scaliger in der vorliegenden 
Epistola ab. Warum auf dem Titel derselben Insulanus patronicliens 
Lucani heisst, erklärt Scaliger selbst (epp, p, 72): Venio ad nuper dien- 
tem nunc vero paironum. Hoc enim me docent iüa: ,Te ne ego quem sem- 
per vel magni numinis instar Suspexi, cuUus nunc prisci oblüus/ CoiuU 
Lucanum poetaster, nunc Lucanus poetastrum, a quo defenditur, Salve pa- 
tronicliens Lucani. Durch den humoristischen Ton reiht sich • dieses 
Schriftchen der epistola Vincentii und dem Yvo ^an; und eine selbstän- 
dige Bedeutung erhält es durch die weiter ausgeführte Kritik des Lu- 
canus, deren Resultat übereinkommt mit den mündlichen Aeusseningen in 
Scaligerana L (s. v. Lucanus): Lucanus violentissimum et terribüisaxmum 
Ingenium. II en avoit trop, et ne se pouvant retenir, il n'a sceu que c'estoU 
que faire un Poeme; und (s. v. Ennius): Ennius poeta antiquus magnifico 
ingenio. ütinam hunc haberemus integrum et anUsissemus Lucanum, Sta- 
tium, SiUum ItaUcum et ious ces gargons-lä. 



283 

. 1583. 

XV. De emendatione temporui^. 

1^ losephi Scdligeri JuL Caesaris F. Opus Notmm De Emenda- 
tione Temporum In Octo lAbros Tributum, — Sioici: Xgovog 
iazlv inavogd'toöig itqayyLaxoav •aal xriQTiGig, Tatianus: nuff ols 
aavvaQtrixog iativ rj tmv %^v(ov ttvayifaq)ri, noCQu tovtoig ovdh 
za tilg laxogiag alrid'svstv dvvatau Lutetiae^ Apud Sebastta- 
num NhelUum^ sub Ciconiis via lacobaea, M,D,LXXXITL 
Cum Primlegio. Auf der letzten Seite: Lutetia excud^xU 
Mamertus Pätisson Typographus Begius KaLAug, M,D,LXXXIIL 
föL 7 unpag. Bl. 432 S. 6 Bl. Index. 

In einer Anmerkung zu Scaligerana IL s,v. Scaliger stigt Sarravius: 
Josephus Scaliger escrivoit si ^gcUement, que Patisgan imprima son livre de 
Emend. Temporum la premiere foia 9ur la copie escrite de la main de 
'lauieur, page pour page. Queiquefois il ien manquoit quelque mot que 
Vune foumit a Vautre: mais cela n'eatait pas si coneiderable en un sigrand 
oeuvre. Ab ipso P. Puteano. 

2) losephi Scdligeri lul, Caesaris F. Opus De Emendatione Tem^ 
porum, Castigatius et multis pcartHms auctius^ ut nomtm vi- 
deri possit Item Veterum Graecorum Fragmenta SeUcta, 
Quibus loci aliquot obscurissimi Chronologiae sacrae et Bi- 
bliorum illusträntur^ cum Notis eiusdem ScaUgeri. 

£s xov na^'ovxa xäv XQOvoy(^(piov q)d'OQäs 

"EaxTioev slg xb naXXiov xiifxrig oös» 

Zv ifol Sog dvd'tg alav^ %ifbvov^ Xqovb. 

**Iaoig äiislßpv, acÜ^s xov ataaccvxa as. 
Lugduni Batavorum^ Ex Offidna Planiiniana Francisci Rha-^ 
phelengii, cjo*io.Jic. /oL 31 unpag. BL; 752 S.; 14 unp. Bl. 

(Indices); LIV, S. (Graecc, Fragmm) 
* 
Z) losfphi ScaUgeri lull Caesaris F, Opus De Emendatione Tem- 
porum: Hac postrema Editione ex Auctoris ipsius manuscri- 
pto emendatiuSy magnaque aceessione auctius, Addita Veterum 
Graecorum Fragfnenta selecta, Quibus loci aliquot obscurissimi 



•284 

Chronoloffiae sacrae et Bibliorum iilustrantur : cum NoHs eins- 
dem Scaligeri' Cohniae Allchrogum Typis Roüerianis 
M,DC,XX1X, Cum Brivüegio Sacrae Caesareae Maiestaiis 
Et Illustrissimorum Ordinum /oederati Belgii, foL LH, S. 
784 8. LIX S. 
S. oben S. 47; 77; 92; 167; 172. 



Im Jahre 1585 veröffentlichte Petrus Pithous in seiner Ausgabe des 
Juvenal ausgewählte Schollen zu Juvenal.und Persius. Beweisstellen, 
dass die Persius betreffende Auswahl von Scaliger gemacht ist (epp. 
p. 279/ Scaligerana IL s. v, Perse; de re nummaria p. 83^ sind von 
Otto Jahn (Persius p. GLXV) ausfuhrlich mitgetheilt. Auch Scalige- 
rana IL s, V, Cuiacius heisst es : Ledit P(ierre) P(ithou) prit ä sonfrhre 
et Im retint le vieux Commentaire de Juvenal et Perse pour lequel ils ant 
eu dispute. Ten ai fait les extrait» moy mesme, que Messieurs du Puy ont 
de iMa main, 

. 1586. 

XVI. Yvo Villiomarus. 
S. oben S. 251. — 

Im Jahre 1587 liess Opsopöus Bemerkungen Scaligers über hippo- 
• kratische Stellen drucken in Hippocratis Coi, Medicorum pHncipis lusiu- 
randum, Aphorismorum sediones • VIII. Prognostica, Prorrheticorum Üb. IL 
Coaca praesagia. Graecus et Latinus textus accurate renovatus, Udionum 
variefate et Com. Celsi verstörte calci subdita: Studio loahnis Opsopoei 
Brettani. Francofurdi Apud heredes Andreae We<^li Glaudium Mamium 
et loann. Aubrium. M.B.LXXXVII. 12. — Die Scaligerschen Beitrage 
finden sich p. 595, 617, 685. 

1594. 

XVII. Cyclometrica elementa. 

S. oben S. 188. 

XVIIL Epistola de vetustate et splendore 

geutis Scaligeraß. 
S. oben S. 265. 



285 

XIX. Metrische Sprichwörter. 

TIAPOIMIAI EMMETPOL Broverhiales Qraeconm versus. las. 

« 

Itist, Scalig^^ luL (Joes, F. pridem collegitj composuit^ digessU. 
Lutetiae, Apttd Fed, Morellium Typographum Regiumj via Ich 
cobaeay ad insigne Fontis. M.D.XCIIU. 20 S. 8. 

Die von mir nicht gesehene zweite Ausgabe ist, nach Ebert, LBat» 
1600 erschienen; ihr sehr vermehrter und veränderter Text ist von 
Schottus (s.oben S.225)y Labbäus (s. unten N. XXVd) und in ^er Scri- 
verschen Sammlung von Scaligers Boemata Graeoa wiederholt.^ Dass 
Bonaventura Vulcanius den Druck derselben besorgt habe, sagt Scaliger 
epp. p. 437. 

1595. 

XX. Kanon des Hippolyt. 
Hippolyii episcopi Canon paschalis cum losephi ScaHgeri com- 
menUirio. Ejccerpta ex computo Graeco Isaaci Argyri de cor 
rectione Paschatis. losephi Scaligeri Elenchus et castigatic, 
anni Grregoriani. Ad Nohiliss. et Ampliss. Virum lohannem, 
ab Oldenbamevelt I. C. Clmum Hollandiae et West/risiae pri- 
tnarium Consiliarium et Advocatum. Lugduni Bataioorum ex 
offidna Plantiniana apud Franciscum Baphelengium 159&. 
4% unp. Bl. 78 S. 4. 

Den hippolytischen Kanon hat Scaliger abermals abgedruckt und 
neu bearbeitet in de emendatUme temporum p. 721—731 ed. ierL; eben- 
daselbst p. 381 sind auch die Auszuge aus Argyi*us wiederholt, lieber 
die Ausstellungen gegen das Gregorianische Jahr s. oben S. 167. 

Zu Merula's 1595 erschienener Sammlung der Fragmente des En- 
nius lieferte Scaliger die Stücke aus dem DanieUschen Servius (p. 101^ 
und theilte auch dem Merula eine Reihe von Verbesserungen in einem 
Schreiben mit, das dieser in seiner ungeschickten Weise (s. unten No. 
XXXII. c. d.) zerstuckt und verzettelt hat. 



Im Jahre 1596 sollen Scaligers EmendaÜanes in TheocrUum in einei 
Commelin'schen Pktavausgabe des Theokrit erschienen sein; in dei 
Reiske'schen Ausgabe stehen sie VqL IL p. 42 — 50. 

22 



296 

1598. 

XXL Publius Syrus; Cato; Aenigmata. 

Publii Syri Mimi Sehctae Sententiae [p. 4 — 27/. Dionysii Ca- 
tonis Disticha de Moribus: Cum versione Graeca PUmvdis pa- 
rifyus versihtcs [p, 29 — 637. Sententiae Publianae totidem tjer- 
sibus Qraeds^ et quaedmn Catonis Disticha Graece a losepho 
Scaligero reddita: cum Notis eiusdem fp, 64 — 67 Noten zu 
Publius, p. 67—80 zu Cato/. Lugduni Batavorum^ Ex Of- 
ficina Plantiniana cio,io.iic, 8. 

Scaligers griechische Uebersetzung einzelner Catonis eher Disti- 
chen ist hier den Noten einverleibt, welche eine Kritik des Planudei- 
schen Griechisch und auch Varianten aus Bosius' Codex enthalten. 
Ueber den Vornamen Dionysius, der aus diesem Codex stammt, s. 
Haupt de carmintbus Bucolicis Calpumii p. 15. Die vollständige Scali- 
gersche Uebersetzung des Cato s. unten No. XXV, a. — Die hier ge- 
gebene und N, XXV, c. wiederholte Uebersetzung der Jamben des 
Publius Syrus ist nach dem Text des Erasmus gemacht. Als Gruter 
im Jahre 1604 die mehr Verse enthaltende Sammlung dfer Pfälzer und 
Freisinger Handschriften herausgab, arbeitete Scaliger seine Uebersez- 
zung um, Sccdigerana IL (s. i). Gruter): Grruter avait fait imprimer un 
Syrus augmenti; fai tout tourn^ de nouvecm en 4 jours. Das Autograph 
dieser Umarbeitung kam in den Besitz des Isaac Verbürg, welcher es 
dem Haverkamp und Preiger überliess zu folgender Publication: L. 
Ammaei Senecae et P. Syri Mimi, Foraan etiam aUorugn, Singulares Sen- 
tentiae, Gentum aliqu4)t veraibus ex GodU, Paü, et Friging. auctae et corre- 
ctae. Studio et opera lani -Grvieri, Gum Notis Eiusdem recogniüs et ca- 
stigatis, Acceduht Eiusdem Notae Postumae; TJt et Nova Versio Graeca 
losephi Scaligeri lul, Gaes. F. Nunc primum ex utriusque autographis 
editae, Lugduni Batavorum apud Henrici Teering 1727, 8. 

Mittheilenswerth ist der im Namen des Verlegers offenbar von 
Scaliger abgefasste Vorbericht zu der Plantin'schen Ausgabe: ' 
Ad Lectorem. 

Pueri semper sumus plerique hominum et cum «ekiie Iwnmm potivs 
genern mufamus quam mores. Qnare cum vulgus a direciis et tristiori&us 
Ethices praeceptis ut tetris absinthiis etiam olim abhofreret, reperti sunt 



'28T 

^i aegris mortaiibus eadem saluiis mediettmma pr^pinarent, seä suavüo- 
quenti üla mrmine et qwui museo dulei melle coniMta, Simäiier cum 
plurimi vera hisioriantm esemplth praxin videlUet Philosnphicttmy ui se* 
veriarem respuerent, princeps Aesopus aliiqiie tum sequuti Apologos ad- 
inpenerunt: *fUorum^ ui inquit Phaedrusy duplex mos est^ quod risum mo- 
vent, et quod prudentis vitHm^consilio monent, Ita enimvero evenit hu- 
cretianum [I, 94i] ülud, ut muiti decepti non euperentur eapi^mturque, 
Pastenoris generis opuseuium nuper dedimus, benevoie Lector, Phaedri et 
idiorum veterum Latinorum Gräecorumque poetarum Fahellas Aeuopias^ 
priorU hoc damus^ ita tamen utilli^n velis, proponi possit, Continet Pub, 
Syri Jdimos et Diongzii Catonis Disticha de moribus: illos noviter ab JU- 
lustri viro losepko Sealigero paribus veaibus Graecis aptissime redditos, 
huec iam olim a Planudef Ued non tam felieiter^ Ab illustri ittmen viro 
ut et iUa transferret, impetrari non potuit; ttmta eius ingenuitas esty ut 
plus apud ipsum antiquitatis miäestiu valeat^ quiim auctoris futüitas, Notis 
intereaj qutte emendwi' debeant^ admonuit. Tu itaqne Leetor utüiter uterd 
Enchiridio genßino Philosophitte poeticae, theorico et practica, Vale, 

Die Fabelsammluiig, welcher sich, laut diesem Vorbericht, die 
Spruche des Syrus und Cato als ,theoretischer* Theil anschliessen sol- 
len, ist in demselben Jahre 1598 in derselben OflBcin und in gleichem 
Format erschienen unter dem Titel: Phaedri Aug. Liberti Fabularum 
Aesopiarufn Ltbri V. Nuper a P. PitJioeo V. C. primum editi. Ei iam 
emendati atque illustrati Notis a Cunrado Rittershusio I. C, etc. Bei nä- 
herer Prüfung ergiebt sich bald, dass Scaliger auch zu dieser Publica- 
tion einen nicht unbedeutenden Beitrag geliefert hat, obgleich sein Name 
nirgends ausdrücklich genannt wird. Als Anhang ist nämlich auf 55 
besonders paginirten Seiten beigefügt FabeUae et Aenigmata Veterum 
Poetarum Graecorum et Latinorum. Auctarium ad Phaedri FabeUaa et 
Caelii Symposü* Aenigmata; und dazu heisst es in dem Bericht Ad Le- 
ctorem p. 46, wo die bei der Auswahl befolgten Gesichtspunkte kurz an- 
gegeben werden: Nihil hie quod non prisci aevi ait admisimus, exceptis 
versionäms et aenigmaie in duae muUeres, quod uUimum est Graecorum. 
Hoc antiquis quibuscunque par, pkrieque elegantius, «trt Illustrie est; cuius 
namen non aecribo, quod haec tqfia ,8eriorum ipsi tantum 6int interhuHa 
Id tarnen, Lector, memineris, quicquid in hoc opeUa putabis esse dignum 
memoriae, iUius ut esse dicae, si quid minus arriserit •— Phciedri verbis utar » 

22' 



288 

ab aUo cantendas Jictum qwmis pipnore. Nun ist aber dieses »letzte 
griechische Räthsel von den zwei Frauen^ (p. 40) dasselbe, welche^ sich 
unter Scaligers Gedichten in Scrivers Sammlung (po^moto Graecap, 112 1 
findet, und es unterliegt daher keinem Zweifel, dass Scaliger der Vir 
lUugtris ist, welchem alles Gute' in dem Auctarium gedankt werden 
müsse. Wenn^es demnach weiter (p, 4ß) hefsst: Avieni Laiimu Fabu- 
las saUus est relegari in omnium Avieni Pöematon edUionem, cuius spem 
facit idem quem dixi vir Jilustris^ so ergiebt sich daraus, was sonst un- 
bekannt ist, dass Scah'ger damals mit einer Ausgabe des Avienus und 
Avianus umging. — Der ganze Ton der kurzen und lebhaften Noten 
(p, 46—55) lässt den Einfluss Scaligers deutlich erkennen, und die zum 
Theil stillschweigend vorgenomi||enen Textesverbesserungen werden ihm 
ausdrücklich zugeschrieben in der Note zu den Schlussversen des 
Aenigma olvoq (p. dO = Anth. PaL XIV, 52). Diese lauten mit der 
jetzt gangbaren Lesart übereinstimmend: Nvv di iis . Movau rfflrri 
Wifiveug Nvfupaiai fuyhta Akffwtat vsUvtfi wliuvop ir dcaeed^, wozu 
die Note (p, 49) bemerkt: ante legebatur vvv dh viitpvaa TQlzri itVQivcdov 
vvfupauti luyivta SiffTiBto etc. nuUo sensu. EmendavU vir lUustris; ui et 
cetera quae emendatiora animadvertes: quod semel dixisse sufficiat. — Wenn 
sonach die Betheiligung Scaligers an diesem Auctarium feststehe so 
verräth doch andererseits manche Wendung des lateinischen Ausdnicks 
eine gewisse jugendliche Ungeübtheit; und schwerlich würde Scaliger 
selbst, bloss um der Anonymität willen, je sich zu einer ruditas bekannt 
haben, wie am Schluss des Berichts Ad Lectorem in folgenden Worten 
geschieht (p, 47): paucula annotare Operon pretium erit: commenkUorem 
tarnen esse non nostra ruditas, non otium permittuni. Wahrscheinlich hat 
man sich daher die Sache so zu denken, dass Scaliger die Sammlung 
anlegte, den Text verbesserte und den Kern der Noten dictirte, dagegen 
,die Ausarbeitung derselben und die Besorgung des Drucke einem Jün- 
geren, vielleicht dem Daniel. Heinsius, überliess. 



Im Jahre 1599 erschien zuerst Astrampsychi OneiroeriHoon a las. 
ScaUgero digestum et castigaium als Anhang zu Oracuta Mdrica A Johanns 
Opsoposo ooüecta, Barisüs M.D,XCIX,,S. Opsopous' Bemerkung über 
den Astrampsychus lautet (p. 113).* Doctissimus los. Sealiger ovHffoan^i' 
tinov istud emendamit, digessit et suo auctori Asirampsycho vindicaoit, per' 



^89 

peram Nicephori patriarchae ConatantinopoUknu nomine oUm edUum. ^ 
Vergl. unten N. XXV, e» Auch in Rigaltius' Ausgabe des Artemidor 
ist der Astrampsychus nach Scaligers RecensiiDn aufgenommen. 

1600. 

XXn. Apuleius. 

L. Apulel Madaurensis Opera Omnia Quae Exs^t In qmbus 
post omnes omnium editianes hoc praestitum est, ut iam de- 
mum Auctar Ipse Ope Cod, Mss, auctus locis infinitis, inter- 
polahis, et genuino nitori euo restüutus prodeat, per Bon, Vul- 
canium Brugensem. Ex Officina PJantiniana, Apud Christo- 
phorum Baphelengiumy Academiae Lugduno-Bat Typographum. 
CID.IO.C. 3 Bl. 464 S» 12. 

Dass Scah'ger diesen Text besorgt habe, war unter seinen Zeitge- 
nossen allgemein bekannt^ Wouwern und Elmenhorst citiren die Les- 
arten desselben ohne Weiteres als Scaligersche ; Oudendorp, der sie 
oft, aber nicht immer, anfilhrt, bezeichnet sie Vulcanian,8ec,; und Ruhn- 
ken (praef. in ApuL Oud, p, VII) sagt: Magnus Scaliger cumyosterioris 
EdiÜonis Vulcanianae cqmdBapheleng, a, 1600 curamsuscepisset, in aUeno opere 
plus sUH sumsit quam Critices r<xtio et modestia ferebant. Je durchgreifen- 
der Scaligers Verfahren war, um desto mehr ist es zu bedauern, dass 
^eder Bosscha> welcher die zwei letzten Oudendorp'schen Bände zum 
Druck beforderte, noch der neueste Herausgeber Hildebrand diese Aus- 
gabe gesehen haben. Man findet^ bei ihnen nicht einmal die richtige Angabe 
des Titels, welcher durchaus von dem der ersten Vulcaniana abweicht, 
und uns jetzt durch den Gebrauch von interpolatus in empfehlendem 
Sinne auffillit (s. Ruhnk. zu Muret. opp. I, 15). Das mir vorliegende 
Exemplar gehört der Breslauer Universitätsbibliothek. Ich theile daraus 
den, offenbar von Scaliger abgefassten, kurzen Vorbericht mit: 

Tffpographus hectori, 
Leetor eandide, Aptüeimn tibi dttmus, Sed verum legithnumque, non 
üHOTiov out noihvm\ qui tum demum id probaturum se tibi,conftdit, si cum 
rfiutofuipois aliquot collatus fuerit, Nevurn^ inquam^ Apuieium damusy aut 
renatum verius, sine Noiis tamen, hoc est sine pkaleris et ephippio^ non 
enim equum damus sed Asinum: aureum tamen. Bas quoque CL, Vütcß- 



290 

ititf« supttediiabii, nee commissuru$ est, ul in kae editiane desideres quie- 
-quam. De editione hoc unum dictun, tarn dissnnilem pHoribus esse tfuum 
ille Asinus Apuleius sibi, qui post tot male fermtomm hominum awduo», 
forte fortuna in rosas incidit, JUS, benefieio, nee Asinus ad vos venit pro- 
fecto, sed homo, patriae sibique redditus, Val^ et diligentiae nostrae fave, 

1603. 

XXin. Indices zu Gruter's Inschriftensammlung. 

S. oben S. 186. ' 

In Wouwern's 1603 erschienener Ausgabe des Firmieus Matemus 
de errore profanarum religionum finden sich p. 122 und 123 Beiträge 
Scaligers. — Ueber die ebenfalls in diesem Jahre gedruckten Noten zu 
Phrynichus s. oben S. 183. 

1605. 

XXIV. Widerlegung des Serarius. 

S. oben S. 206. 

XXV. Erste Sammlung kleiner Schriften. 

losephi Scaligeri lul. Caes. F. Opuacula divet'sa Graeca et Latina 
partim numqtiam haCtenus edita partim ab attctore recensita et 
aucta. Cum notis in aliquot veteres scriptore^. Omnium Ca- 
talogum proxima pagina Lektor inveniet: Parisiis apud Ha- 
drianum Beys via lacobaea cio.io.o,v. 8. 

Den Druck dieser Sammlung besorgte Carolus Labbäus, wie aus 
Scaligers Briefen an ihn {epp. p. 657^ hervorgeht. Sie enthält: 

a) Dionysii Catonis Graeca Metaphrasis (p. 1 — 37), nicht die Planu- ^ 
deische, wie früher (No. XXI), sondern eine von Scaliger ver- 
fasste. 

Notas in eundem auctorem (p. 39*— 83). 

b) De veretbus Ennii et aliorum a Gaza conversis in libro Ciceronis de 
senectute (p, 84 — 92), wegen der Aehnlichkeit des Inhalts hier ein- 
gefügt, da die vorhergehenden Noten zu Gato hauptsächlich sich 
mit Kritik der Planudeischezr Uebersetzung beschäiltigen. 

c) Ihiblii 8yr% seledae sententiae Graece espressae (p. 93—119). S. 
oben S. 286. 



291 

Notae in ^asdem (p. 120*- 124)« Einige Zusätze zu diesen Ko- 
ten, welche Labbäus, wohl, ihres späten Eintreffens wegen, 
nicht mehr benutzen konnte, finden sich in Scaligers Briefen 
• an ihn {epp. p. 658, 660). 

d) ^tQcafiavsifs nagotfumv ififdtQCov recens digestus et auctus (p. 125 — 
174). S. No. XIX. • 

e) 'AaxQaiiityuxov 'OveiQOTtQixmov (p. 175 — 178). S. oben S. 288. 

f) Gedichte auf den Tod des Claudius Puteanus, Christophorus 
Thuanus und Johannes Thuanus (p, 179—200). 



In den 1605 erschienenen Caroli Clusii Atrebatis ExoUcorum lihri 
decem (ex off, PiarU. Raphel fol) stehen p. 243—252 

Perutiles quaedam in aromatum Gardae historiam Notae, 

von welchen Clusius in einem kurzen Vorbericht sagt, ihr Verfasser 
V. C. idemque doctissimus et Arabicae linguae peritus wolle ungenannt 
bleiben. Dass sie von Scaliger herrühren, ergiebt sich aus Casaubonus' 
Brief an ihn, Novemb. 1605 (p. 255 ed. Almel): Legi Ais diebus quae a 
te accepfa edidit nuper V. CL Carolus ClusiiM; itaque non possum facere 
quin gaudiwm tibi meum aperiam^ quod eorwm leciio jaMulit mihi vel maxi- 
mum; multa enim didici quae antea nesciebam, quaedam etiam quae diu me 
torserant in» iie exposOa inoeni. ,C<mtulimu8 enim aUqvando Gardae ab 
Horto ItbeUbs cum editione Arabica Avisennae; in quo non diffkile fuit no- 
bie animadvertere, quod ante ad ManUium tuum [p, 398 ed, tert,] nos do- 
cuerae, virum iUum Arabismi penitus imperitum fuisae. Ausser der Ver- 
besserung von Garcias' Irrthümem bat Scaliger diesen Noten noch einen 
selbständigen Werth verliehen durch üebersetzungen aus seinen eigenen 
arabischen Handschriften. Auch eine Bemerkung zu Horaz wird einge- 
streut auf Anlass von Garcias' {I, c 14) Worten : nullia nationtbus, quod 
sciam, elephaniua appelkttur BarOy licet Simon Genuensis id afftrmet, wo- 
gegen Scaliger sagt: Simon Genuensis, quem notat, culpa vacat, quia ie- 
cuius est eommunetn gramrnaiicorum sententiam, qui ex eo quod elephanü 
vo» Barriius dieitur, elqffhantum Barrum dici puiaruut, Haec apinio saus 
vetus est Inde quidam iüud Horaüanum [Epod.XIIf l] ita interpretantur: 
,Quid täfi vis mulier nigris dignissima barrisP Sed primus omnium do* 
ctissimus Adrianus Twrndms animädvertit Barros esse famiUam, cuAus 
cUibi Horaiius [Serm, I, 7, SJ meminit. 



292 

1606. 
XXVI. Eu8ebiu8. 

1) TTiesaurus Temporum. Eusebii Pamphili (Jaesareae Palaestinae 
Episcopi Chronicorum 'Ccmonum omnimodae historiae libri auo, 
irUerprete HieronymOy ex ßde vetusiissimorum codicum casH- 
gati. Item auctores omnes derelicta ab Eusebio et Hieronymo 
continuomtes, Eiusdem Eusebii Utriusque partis Chronicorum 
Canonum reliquiae Graecae, quae colligi potuerunt, antehac non 
editae. Opera ac studio losephi lusti Scaligeri lulii Caesaris 
a Bürden ßlii, Eiusdem losephi Scaltgeri Notae et castiga- 
tiones in Latinam Hietonynd interpretationem et Graeca 
Eusebii, Eiusdem losephi Scaligeri Isagogicontm Chronologiae 
Canonum lihri tres ad Eusebii Chronica et dactrinam Ss tem- 

poribus admodum necessarii. Lugduni Batavorum ExcuMat 
Thomas Basson Sumptibus Commelinorum cio.io.c.vi. Cum 
Privilegio Christicmissimi , Regis. /oL 

2) Der erste Theil des Titels wie in 1 bis zu den Worten 
Bürden ßlii. Dann heisst*es weiter: Editio Altera; In qua 
Eiusdem losephi Scaligeri Tertia Fere Parte Auctiores Notae 
et Castigationes in Latinam Hierongmi interpretationem et Qraeca 
Eusebii suprema Autoris cura emendatae, Eiusdem losephi 
Scaligeri Isagogicorum Chronologiae Canonum libri tres ad 
Eusebii Chronica et doctrinam de temporibus admodum neces- 
sarii: Cum Duobus Indicibus Rerum et Autorum. Amsteto- 
dami Apud loannem lanssonium ciö,io.C,LViii. Cum IVi-. 
vilegio Regis, fol, 

S. oben S. 13; 93; 217; 226. 

XXVn. Cäsar. ^ 

Die Originalausgabe der im Jahre 1606 bei Raphelengiu3 erschie- 
nenen Textesrecension des Cäsar, welche von Scaliger gemacht war 
und in den nächsten Jahrhunderten die Grundlage der Yulgata geblie- 
ben ist, habe ich mir nicht verschaffen können. Jungermann hat sie in 
seiner Ausgabe ganz treu, wie er sagt, abdrucken lassen und giebt über 
dieselbe in seiner Vorrede folgende Auskunft: 



293 

Nwam editionem Raphelengius hoc anno (1606) in lucem exMit, 
Titiilo praescribitur ^ex viri doeii accwratissima recogniiione* , • , ConUctet 
quisque- ut Übet, an in tmv ovvxoiv possit deprehendere hune Xsovtcc. Lau-r 
dare eum possumus, nominari se tpse noluiU Eam igilur novissimam edi- 
iiönem, tamqwim omnhtm^ quae hactenus visae, optimam accurate ffolutmuß • 
sequi, ne sicilicum facile tnutare atisi vel apiculum, Ne quid tarnen de- 
sideres sique uilerius 'te iuvat suspicionibus operam dare, exsonbamus inde, 
quae typogruphi nomine erudite scripta sunt, Nempe quod avo parentique, 
aitf suo in votis fuerit semper, ut Commentarios Caesaris quam emenda- 
tissimos haberemus quodque eo usque effecerint, ut nullae. eorrectiores 
editiones prodierint quam quas iUi ex viri^docti, cuius praecesserit epi- 
stola, recensione ediderint, id ipsum iam tandem perfectum esse, Itaenimeosce 
Commentarios iam emacuUitos vulgare ut qui deinceps sine insignis alicuius 
codicis auxilio in iis quid ab ingenio aut a iudicio immutare velit, eum 
aut ansie gnanilum aut stme divinum esse oporteat. ,Quid multa?^ 
addit, ',Viri illius beneficio perpolltum hunc textum debemusy a quo Cae- 
sariana scripta recensita non nos solum libentes gloriamur^ sed et glorietur 
ipse Caesar. Nomen eins adscribere non permittit ipsius generositas\ qui 
tarnen hanc cum prioribus editionem 'Contuleritf facile illustrem marmm 
agnoscet, Adde quod idem Nomenclatorem Geogntfiklcum sie reftnxeriti 
ut quis solus id praestare potuerit, nemo ex ingenue litteratis ignoraturus 
sit. Vragmentorem autem quam vides luculenfam accessionem, eam quidem 
non ab eodem natnm illico animadifertes/ Ubi sie et de Wragmentis Tiuius 
edilionis habe^, Nomenclatorem quod attinet, ffositus est inflne Adnota- 
tionnm» Sed quod ad iilam epistolam, quam ffraecessisse ait 6 8$tvaj scias 
eam ad Christoph, Planfinum, qui et excudit*primum, exaratam ibiqUe 
tnter alia indictifi^ quae a vatiis correctoribus, in primis Hotomanno, 
Ifaemo, Fidvio, clarissimis viris, observata srnty ea cum cum leeta ei ad 
formam eam faciemque data^ qua censuerit fuisse olhn, Non tarnen ut 
omnia germana et vera prorsus *int^ scire, id non posse et multis locis 
Julii Celsi vibices etiam agnoscere et flageüa^ sed ut proxima germanis et 
veris. Sic iüe. 

Um dem Jungermann jede hier ge&usserte Ungewissheit zu beneh- 
men, schrieb ihm Petras Scriverius ipsis idibus Martü 1607 (hinter Ho- 
iomanorum epistt, ed, van Meel, Amstelod, 1700, 4. p, 466^: Ipsum Cae- 
sarem, quem ex recenti editione Rapheknffiana expressisH, scias ab ilhtstris- 

. 23 



394 

simo Scaligero emendatum, qui se, quae herois generosittM et modegtia est, 
nominari noluit Et ego, si parva licet componere magnis, .meum nomen 
fragmentis Twn appomi. JEa, quod etiam ignorare te significas, sunt ex re- 
cognitione riostra, wodurch der Irrthiira Oudendorp's widerlegt wird, wel- 
cher die Anmerkungen zu den Fragmenten mit Scaligers Namen bezeich- 
net hat. Sie rühren vielmehr von Scriverius her.— Auch Gasan'bonus wusste 
von dieser Recension des Cäsar. Er sagt (praef, in Scalig. opp. p, 15^: 
Frodiit ante paucos annos Lugduni Batavorum {Jaesaris editio, quam sei- 
mus, licet frons libri dissimület , pumice critico tnagni iüius Censoris fuisse 
expolitam* * 

1607. 

XXVin. Uebersetzungen aus Martial. 

Ftorilegium Epigrammatum MartialU. losephus Scaliger lul. 
Caesaris F, vertit Graece Ad. Isaeium Casavbonum, Lsutetiae, 
Ex Typographia Roberti Stephani I^BCVU, 8. 

Casaubonus' Brief an Scaliger (s. oben S, 215) füllt die 9 ersten 
unpaginirten Blätter; dann folgt auf einem ebenfalls unpaginirten Blatte 
Scaligers Epigramm an Casaubonus griechisch und deutsch. Das Flo- 
rilegium selbst füllt Bl. 1—69^. Den Schluss bildet Bl. 696 bis 706 der 
Prolog des Laberius bei Macrobius in lateinischem Text und griechi- 
scher Uebersetzung (vergl. epp, p, 665). Ueber Zeit und Anlass der 
Arbeit giebt folgende Subscription Aufschluss: Eaec Omnia Fere In 
Lecfo losephus Scaligegr lul. Caes. F. MedUando insonmiam suam solabatur 
anno ciD,io.c.i. Ich für mein Theil habe bewährt gefunden, was Ca- 
saubonus in dem vorgesetzten Briefe von dieser Uebersetzung rühmt: 
Quid dicam de perspimitaie orationis? quae quidem fanta est, ut muliis in 
hcis, de quäms inter se critici digladiantur, pro commentario tua vers^. et 
mediocriter erud^is siifutara. 

XXIX. lambi gnomici. 
Der Titel der Separatausgabe lautet bei Ebert: losephi Scaligeri 
lambi gnomici nunc primum editi a Dn, Hdnsio LB. Haestens 1607. 8. 
Ich habe nach dem Abdruck bei Scriverius (poemm. p. 113 — 125) citirt 



205 

XXX. Sch'rift gegen Pareus. 

losephi Scaligeri luh Caes, a Bürden F. Elenchtts TJtriusque 
Orationis Chronologicäe D, Davidis Parei: Quarum secunda 
operis calci addita: Prior vero Commentarüs auctoris in Ho- 
seam Heidelbergae excusis prostat, Lugduui Batamrum^ Ex 
officina Hmrici Ludovici ab Haestens, Impensis Ludovici El- 
ieoirii Anno 1607. 103 S. und 42 unp«g. Bl. 4. 

Gegen die ,prophetische* (s. oben S. 125) Chronologie ^es refor- 
mirten Theologen David Pareus zu Heidelberg. Scaliger T)ehandelt die- 
sen Geistlichen seiner eigenen , Confession mit so wenig Ehrfurcht, dass 
hier einmal Casaubonus sich einen Muth fasste und • Scaligem schrieb 
{epp. ed. Almel. p. 289): Ego non vicem ipsius {Parei) tarn doleo,., quam 
fero impaiienfer, culpa uniu» male coneüiaii datam esse occqsionem ov vfiv 
Tvxavaccv hostibus veritaUs triumphaiMi de tota causa;^ omnibus enim iÜius 
scripiis, quae audio muUa es8e.,,ßdem censura haec ademit Equidem fct- 
ieor digrUssimucm fuisse, qui pro commerita npxa, pro stuUiseima sentenHa 
quam tuetur etiam durius abs te acciperetur,.,; unicum hoc ut dixi me 
male habet quod ad N, N. [d. h. ecclesiam reformatam] pars magna eins 
ignominiae redundatura est. Aber über solche Parteirücksichten setzte 
sich Scaliger, besonders im höheren Alter, gänzlich hinweg und er ant- 
wortet dem Casaubonus {epp, p, 334): Tov dstva {Pareum) a me ita ac- 
ceptum fuisse qui mirantur, nesciunt illum stercoreis OrcUiorUbus suis me pro- 
vocasse, praeterea me non solere nisi provocaium ita scr^ere, Miror tot 
esse hodie qui putänt aut me tarn puerum ut tuiore 'egeam, aut tarn senem 
ut Ulis delirare videar. Schliesslich bat Pareus um Verzeihung, und Sca- 
liger gewährte sie gern iepp, p. 348). 

1608. 

XXXL Confutatio Fabulae Burdonum. 

Der erste Druck aus dem Jahre 1608 liegt mir nicht vor. Ein Ab- 
druck aus dem folgenden Jahre findet sich in Saiirae Ihme^ Hercules 
Tuam Fidem Sive Munsterus Hgpobolimaeus quarto iam editus ac emendor 
tior. Et Virgula Divina, Cum bretuoribus annotatiunculis, quibus nonnidla 
in rudiorum gratiam iUustrantur, Accessit his accurata Burdonum Fa- 
bulae Confutatio. Lugduni Batavorum, Ex Officina loannes Patii 

23* 



296 

Acad. Typographie An, cid.id.c.ix, 12« Die Scaligersche Schrift füllt 
p. 159-441. — S. oben S. 214. 



Postume Schriften« 

1610. 

XXXn. Zweite Sammlung kleiner Schriften. 

los. lusti Scaligeri lulii Caesaris Fitii Opuscula Varia Antehac 
Nbn Edita, ' Omnium Catalogum post Praefationem Lector in- 
veniet FarisiiSy Apnd Hadrianum Beys, Via lacohaea, 
M.BC.X. 4. ^ 

Voranstellt auf 12% Bl. eine an Thuanus gerichtete Vorrede 
des CasaubonttSy welche über die einzelnen Stucke der Sammlung einige, 
meistens sehr dürftige, Notizen giebt. 

a) Animadoeraiones In Melchioris Guilandini Commentarium In Tria C. 
Fiinii De Fäpyro eapiia Libri XIII (p, 3 -^-55^- Zu Festus s. v. 
exiks hatte Seah'ser bei Gelegenheit eines Verbesserungsvorschlags 
zu PUn, XIII, 12 gesagt: Qui locus etperperam hodielegüur ei male 
conceptus est a Melchiore Guülandi[n]o, qui in ea capita Fiinii de Pa- 
pyro scripsit At nos plura in eum dicemus ei errata hominis in 
onmes Jxmos scripfores dehatchar^Us in medium proferemus. Von Clau- 
dius Puteanus an die EIrfullung dieses Versprechens gemalmt, ver- 
fasste er den obigen, in ziemh'ch derbem Ton gehaltenen Aufsatz, 
der sich handschriftlich verbreitete, aber bei Scaligers Lebzeiten 
nicht gedruckt worden ist. Guillandinus> ein gebonier Konigsberger^ 
der nach vielen Schicksalen Professor der Botanik in Padua ge> 
worden war, gehorte später zu den eifrigsten Ve^-breitern der Ge- 
rüchte von Scaligers Adelserschleic})ung. Scaliger schreibt darüber 
an Lipslus Burm. 8yU. I, p, 250.* Mdchior Cruülandinua Siksius, 
praefechts horto Fatavinae Aoadhmaey homo maiore wrrogantia incer- 
tum an barbarie, quum ab Ant VincenUo Findlio^ audivisset^ smtm de 
Fapyro librum a me non probari et aUquid a me in iUud opus scri- 



297 

pfum fiiisae, neque quomodo de tne supplicium sumeret raiionem uüam 
inire passet, Antonius Riccobonus suceUrrit iüi. Osteftdit Ubellum Lüii 
Gyraldi de Poetis recentioribus; in iüis lutius Caesar Bu/rdonius pri- 
mum, deinde Scaliger vocatus faisse dicitur. Ergo qui Surdtmius prius 
vocabatur, insititius est ScaUger. Quid designaruntf Fingunt codidllos 
Acafikmiae Pcttaoinae, quibus pater mens ItUius Burdonius in doctorem 

-promovetur. Aehnliches schreibt er an Casaabonus epp, p. 228 und 
an Grater p, 785. Auch in der Confittatio foMae BurdcMum (opp, 
p, 426) heisst es :• Fabulam de Burdone non invitus ^cepit Melchior 
CruHlandinus,. qui natus, äUus, educatus in IVussia [Scaliger hatte in- 
zwischen genauere Nachrichten über das Vaterland des yermeinten 
Silesius eingezogen], Prutenum se negaba/t, atque in genere omnes Teu- 
tonas hardos, stipites, barbaros, dniosos vocabat. Amici et admiratores 

f€iuSf qui de muUis hodie non pauci supersunt, sdunt me vera dicere et 
nihü ipsum eitistimasse magis in contutneliam suam dici potuisse quam 
si Prutenus aut Germanus haberetur,,, Js igitur memor verborumqui- 
bus losephus Scaliger nofis suis in Festum eius' protervitatem castiga/oü^ 
omnes rationes ulciscendi dohris stU quaesivit, quas quum inire non 
passet^ tandem vel a pecore Bodigino vel a non meliore alastore moni- 
tu» de BordoniOy saHs hoc ad vindictam esse putavit si quemadmodum 
se ipse ex Germanis ita losephum ex Scaligeris eximeret. 

b) Diatrtba De Decimis In Lege Bei, Ad virum nobilissimum Carolum 
Harlaeum Dolotii dominum (p, 61 — 70). Der franzosische Brief, wo- 
rin dieser Harlay, Bnider des oben S, 48 erwähnten Parlaments- 
präsidenten, Scaliger um Erläuterung der Zehnten - Gesetzgebung 
ersucht, steht bei de Reves p, 454 und ist vom 24. April 1599 da- 
tirt. Schon am 17. Juni desselben Jahres schickte ihm Scaliger, 
die Abhandlung, wie aus Harlay's Dankbrief (de Reves p, 272) her- 
vorgeht. Sie muss also sehr rasch niedergeschrieben sein, und 
einzelne Schnitzer, wie z. B. däss ^^y 1!W}yD an die Stelle von 
]1tl^&0 ^IVyi^ trete, dürfen nicht Wunder nehmen. Im Ganzen 
zeigt Scaliger auch hier wieder, wie sehr er bemüht und beföhigt 
war, geschichtliche Zustände in ihrer Wirklichkeit und in ihrem 
Zusammenhange aufzufassen. Seiden (history of iithes, Opp, III, 
p, 1053) hat mit Rücksicht auf diese Scaligersche Arbeit den Ge- 
genstand- ausführlicher behandelt. 



298 . 

c) NotUia GaUkie, Item Super AppeUaüonibus locorum aUquot et gen-, 
tium apud Caesarem Notae (p, 73*— 116), 

d) Diatribae De Europaeorum Linguis; item De Eadiemis Francorum; 
nee tum De Varia Lüterarum Aliquot Pronuntiatione (p. 119 — 142). 

Beide Stücke sind auf Veranlassung des Paullus Merula 
•entstanden, der für die Beschreibung Galliens in seiner Cosmo- 
graphia {ex off, Ptantin, 1605. 4.) um Scaligers Beiträge ersucht 
hatCb. Scaliger sandte ihm März 1599 obige Aufsätze, welche 
Merüla ungeschickt zerstückelte und in seiner chaotischen Kos- 
mographie (Pars 11, lib. III, o. 16, p, 439; c. 19 p, 455; Pars II, 
lib. I, c, 8, p. 271; Pars II, lib. III, c. 15, p. 429) zei-streute, 
worüber sich auch Scaliger tmgehalten zeigt in einem Briefe an 
Casaubonus epp, p. 306: De Geographia amici mei [Merulae] aut 
Cosmographia idem potes iudicare, quod de iüo ad quem scripsi Elen- 
chum Serarii [Drusio], Noli putare quos non odi, staUm me admi- 
rari. Pauci adcertunt mentem meam, ideoque non raro etiam bene- 
vohrum reprehensiones incurrimus. . lUe bonus vir [Merula] neque 
ordine neque suis hcis uti dictavimus neque omnia, quae illi de locis 
Galliae respondimus, retuUt. Für die Notitia Gaüiae muss dem Ca- 
saubonus nicht bloss Merula's zerstückelte Mittheilung, sondern 
der ganze Aufsatz Scaligers zu Gebot gestanden haben; derselbe 
ist nach dem Autograph vermehrt und berichtigt im zweiten Band 
des Grävius'schen Cäsar {LB. 1713. 8.) p. 833. Dagegen scheinen 
die zwei ersten linguistischen Abhandlungen, welche einen för die 
Geschichte der Sprachvergleichung merkwürdigen 'Classifications- 
versuch enthalten, nur aus Merula's Buch entnompien und von der 
dritten {de var. litt, pron.) sagt Casaubonus in der Vorrede: ita 
est a [Petro] Puteano edita ut ßiit Uwenta, non ut optaremus. Ausser 
den angeführten Beiträgen hat Scaliger zu Merula's Kosmographie 
(p. 432 und p. 302) noch üebersetzvngen des Vaterunsers Und 
des Symbolumsin das Bretonische und Baskische beigesteuert. 

e) De Thesi quadam Chronologica iudidum (p, 133 — 142). Nach den 
einleitenden Worten ist die beurtheilte Thesis anno 1608 Prid, 
Idus Martias erschienen; statt des Druckorts >,ist eine be- 
sternte Lücke gelassen; ihr Verfasser . vertheidigt die Grund- 
sätze der von Scaliger sogenannten ,prophetischen' Chrono- 



299 

logie (s. oben S; 295) und Scaliger widerlegt dieselben in die- 
sem Aufsätzchen ähnlich wie in der Schrift gegen Pareus, jedoch 
in ruhigerem Tone. Wegen der Gleichartigkeit des Inhalte hat Mo- 
nis dieses iudidum in die zweite Ausgabe des Thesaurus temporum 
aufgenommen -und hinter die Proleffomena zu deit Canones gestellt; 
woher Qasaubonus es hatte, lässt sich aus den betreffenden Wor* 
ten seiner Vorrede nicht ersehen. ^ 

f) Expositio Nwrnismatis Argentei Constantlni Imp, Byzantini (p. 145 — 
152). An Frehenis gerichtet; s. oben S. 184. 

g) Orphei Poetae VetUstissirni Iniiia Sive Hymni Sacri ad Musaeum, Yer- 
süms aniiquis LaUne expressi (p, 1^ — 209). Der Titel mit seinem 
Foeta Vetustissimus rührt schwerlich von Scaliger selbst her; Ob- 
saubonus publicirte diese Jugendarbeit (s«o.S. 120) nach einer von 

* Florens Christianus flüchtig gemachten Abschrift. Vgl.N. XXXVII, C,e. 

h) In Aeschyli Prometheum A Q. 8. Fl. ChrisUano conversum Prologus 
(p, 210, 211). Hier empfiehlt Scaliger das Altlatein« für Uebersez- 
zung der griechischen Tragödien und spricht die Maximen aus> 
welche er selbst beim Aias befolgt hat. 

t) Selecta Epigrammata e Graecorum Florilegio Latine versa (p. 215 — 
267). Die üebersetzung der erotischen Epigramme des Agathias ist 
schon früher hinter Vulcanius' Ausgabe des Agathias (LB, 1594) 
gedruckt gewesen. . ♦ 

k) Foemata quaedam et Epigramrnatä (p. 268 — ^296). Einiges in diese 
und die vorhergehende Abtheilung Aufgenommene war schon fru- 

. her gedruckt; in N. VII. ('oben S.* 278.) 

l) In Q. Annaei Senecae Tragoedias Animadversiones (p, 299 -^ 334), 
Casaubonus sagt darüber in der Vorrede: Apparet typographi alt- 
cuius rogaiUf ^i ülarum Tra>goediarum editionem parabcU, hos notas 
fuisse exaratas, Puteanus vera noster quum exemplar iUarum de- 
pravaüssimum et hnge corruptissimum ßtisset nadus, Tosias Mercerm 
I, F. Crraece Latineque €ir doctissimus sua iüas manu descripsit atque 
emendavit. Demnach wäre eine Vergleichung mit Scaligers Auto- 
graph wünschenswerth ; vermuthlich hat sie Scriverius in seinen, 
mir jetzt nicht zugänglichen CoUectan. vett, tragg, angestellt. 
m) Asinii Comdii Galli Elegia Et Epigrammata Dria, Cum Animadoer» 
sionüms. Ad AmpUssimum Virum Claudiwm Puteanum ConstUariüm 



\ 

\ 



300 

Regium in suprema Curia Parisiensi (p, 337—347), Eine durch Pu- 
teanus' Anfrage veranlasste Aufdeckung dieser italienischen Fäl- 
schung; auf genauere Ermittelung des Fälschers (s. de laMonnaye 
Menagiana Jlly 241) lässt Scaliger sich nicht ein. 
n) Epistolae ad Dioersoa (p, 351 — 536). Dreiundvierzig Briefe an Ca- 
saubonus und andere meistens in Frankreich lebende Freunde. Die 
Auswahl ist nach Gesicht-spunkten der Gelehrsamkeit getroffen und 
schliesst das rein Personliche absichtlich aus; die Namen der 
Adressaten sind sehr oft bloss'durchlnitialien angedeutet; und manch- 
mal hat Casaubonus derbe Ausdrücke Scaliggrs stillschweigend ge- 
mildert, z. B. in dem Urtheil über Johannes Chrysostomus heisst 
es p. 497: Vere dicam: ego multum faveo Chrysostomo propter tUud 
flumen ehquentiae, quod nunquam lutulentum fluit, sed semper sibi si- 
mile est: Hoc tarnen non possum dissimulare quod in eo scriptore *de- 
prehendi, qaum ab Ulis discessit, quae ad aacram paginam pertinent, 
Chrysostomum non agnosco. Statt der letzten drei Worte, welche 
nicht in die Wendung des Satzes passen, hatte Scaliger geschrie- 
ben: nihil puerUius ne dicam insdtius esse illo (epp, ed, LB. 1627 
p, 238). — Die Noten zu Euripides' Kyklops (s. oben S. 154) sind 
dem begleitenden Schreiben an Casaubonus (p. 522) angehängt, und 
die zwei früher gedruckten, offenen Briefe an Stadius und Patisson 
(s. oben S. 281) an die Spitze der Sanin^ung gestellt. 
o) Discours de la ionctUm des Mers, du dessechement des Marais et de 
la reparation des rivieres pour les rendre navigeables (p, 539 — 560). 
Ein populär gehaltenes^ vielleicht für einen Beamten bestimmtes 
Memoire aus der Zeit nach 1572. 
p) Discours sur quelque particularitez de la Müice Bomaine, A Monsieur 
de Thou (p. 563—566). Ein Paar aus dem Stegreif niedergeschrie- 
bene Bemerkungen über die römische Schlachtordnung. 
q) Lettres iou^nl Vexplication de quelques MedaäUs (p. 567 — 582). 
Briefe an Vertunianus und den Vorstetier des Pariser Munzcabi- 
nets. De Bascas Bagarris (vgl, de Reves p. 12, 198), mit schwerlich 
gelungenen Erklärungen hauptsächlich von Absaxen und Talismanen. 
Den Schluss des Bandes bildet auf 4 Bl. ein genauer index rerum et 

vocabulorum metnorabilium, welcher nach schlechter Nachdruckersitte 

weggelassen ist in folgendem Nt^chdruck: 



301 

Im, IusH SöcUi^eri luUi Gaeiäri$ A Bürden FUü Opuscuia Varia An- 
iehac Non Edita, Nunc vero muÜii partäme aucta, Frantofurtt Apud 
lacobum Fischerum, Anno M.DC.XIL 8. 
Die Yermehrutig ist allerdings beträchtlich. Erstlich ist die GonfiOaÜo 
Fabulae Burdomm (s* oben S* 214) aufgenommen; die laimbi gnomid 
(s. oben No, XXIX) und Epic^ia (s. oben No. XXV,/) und uldere 
Stücke sind den Gedichten hinzugefugt, darunter eines {p, 313 EpHa- 
fikium merebiadae), welches nicht von Scaliger, sondern von Baudius 
ijpoemait, LB, 1616, 8, p. 350) herrührt Endlich ist die Briefsammlung 
durch Briefe an Deutsche, besonders an Gruter, bereichert. Ausstattung 
und Correctur sind in diesem Nachdruck gleichsehr verwahrlost« Den- 
noch habe ich nach demselben citirt, um de? Vermehrungen willen. Und 
weil der Pariser Originaldruck so überaus selten ist 

1613. 

XXXnL Vorrücken der Nachtgleichen. 

ScaUger, los. lust. Diairiba de aequinociiorum antidpationeß Paris. 

Dreuar^ 1613. 4. — So lautet der Titel bei Ebert Ich habe mir 

die Schrift nicht verschaffen können. Yermuthlieh behandelt sie den 

«pp. p- 255, 445—450 besprochenen Punkt. 

1614. 

XXXIV, Arabisch^ Sprichwörter. 

Jliuo^TujUr seu Ptoverhiorum Arabicarum Centuriae duo ab 

Qnönymo quodam Arahe collectae et explicatae cum mierpre- 
tatione Latina et Scholiis losephi Scaligeri I. Caes. F. et 
Thomae Erpenii. Leidae in oj^cina Raphelengiana 1614. 

126 a 4. 

Scaliger hatte im Jahre 1602 nach einer von dasaubonns über- 
sandten fehlerhaften Abschrift (epp. p. 202) die Uebersetzung gemacht, 
Welche dann £rpenlus mit berichtigendea Bemerkungen vetsah. 

1615. 

XXXV. Sammlung der Gedichte. 

• losephi Scaligeri lul Caes. F. Poemata omnia, Ex mueeio Petri 

24 



302 

Scriv^i, Ex Officma PlanHniana RapheUngii M.D.CXV. 
]2. In di'ei besonders paginirten Abtheilungen. 
A) Poemata proprio Latina et Graeca, 

a) Silva variarum carminum p. 2—44. Mittheilungen daraus oben'S. 
134; 140; 147; 159; 204; die Skazonten gegen Rom (s. oben 
8. 133) fehlen und Scriver sagt in. der Dedicatiou, er habe qucte- 
dam 4icerhiora et scripta fere cum calore et maiore vehementia an in- 
digfustione auszuschli essen für gut befunden. P. -35 findet sich eine 
Paraphrase von Proverh, 31 in griechischen Hexametern, welche 
schon in No. VH verofientlicht war. 

b) Encomia itbrörum p, 47—60. ' 

cj- Funebria p, 62—109. Darunter am, bemerkenswerthesten die Epi- 
cedia auf Lipsius und' Beza (s. oben S. 148, 172). 

d) Jambi Gnomici p. 113—125. Abdruck von No. XXIX. Mlttheüun 
gen daraus s.oben S. 126, 192. 

e) 2TQeii[uxTiVf ififdvQOiv Tttt^oifiiav p. 130 -164; s. oben S; 285. 

J) Versua Ennii et Statu comici, qui a Cicerone in Itbro de Senedute d- 
iantur, cum Jos. Scaligeri Graeca versione p. 165 — 166. Vgl. oben 
N.XXV,ft. Hervorzuheben ist die bisher unbeachtet gebliebene Ver- 
muthun^ zu Enn, Ann, 208 e. (VahL), welche Verse so geschrieben 
und fibersetzt sind: 

Quo vobis mentee, r^edae quae stare eolebant 
Antehacy dementes seseflexere vietae, 
^ avÖQsg, Jtov vvv atpaq v(uv al to nuQOtJd'BV 
"Og^tat iifMJfSotp ip^hsg Sq>QOVBg i^atovovßttif ' 
Statt Scaligers vietae, welches dem rectae des vorhergehenden Ver- 
ses entspricht, liest man jetzt meistens viai. Die Handschriften ge- 
ben via. 
B) Poemata Graedtt versa ex Lat lial, et Gail. 

a) Flotilegium epigrammatum MarttaHs p,l — 82. AbdnickvonN.XXVHI. 

b) Prometheus Aeschyli apud Ciceronem [Tosc. lU lOJ» Chairactere 
A£8chyUo p. 85. Aus Scaligers eiuundzwanzigstem Lebensjahr. 

c) Cakimi EUgia ad Ortahmy Coma Berenices, Phaselus, I^iapeium 
[Ego haec, ego arte fabricatus rustica v, CataUct, p. 218 ed. Lind.] 
p. 86-91. 

d) Laberii prologus apud Macrobium p. 91. S. oben S. 294. 

e) VirgiUi ecloga decima, Dorice reddita p. 92. Zu Leyden 1600 re^r 



r 



303 



% 



Danielis Heinsii animadversiönn. in 



^/L /> 18 sind nach V. 8 transpönirt. 

* >, * J^ ae responsio [Bpod. 17/ p. 96— 98, mit 



/ • ^ ^p^ ^ ^ .iana oblata M, Antonio Mureto Eomae 



N 



v.^ 



{Et V08 incertam), TV, 17 (Nunc o BaccTie 
. ^^ ^ c der Subscription : Oblata haec Propertiana 

I • ^^ j anno 1561 mense Septembri. 

^ iuid hoc novi est, Catalect, p, 215) p» 100. 

^ V^ Feraii p. 102. Auch in epp, p, 281 mit einigen 

^^ J2 — 106. Mit det Subscription: ponversum anno 1561, 

Petro Romardo Lutetiae anno 1563. 
^ ipho Amoris Franciaci Petrarchae Cap, IJL In Fine (v, 148 

egge d^Amor bis zum Schluss) Ex Italico p, 106 — 108, in 
en. 
a Epigrammaia duo ItaUca incerti p, 108 — 109. Das erste Epi- 
gramm hat keine Ueberschrift und beginnt: tlSri q>QOv8ov lijir ^- 
Xris inl xslXsatv ia^iia Kov ftax^^ nsQiipf x^8s ^(^^sv oSog. Das 
andere ist ^vxn xttl Xagaw überschrieben. Beide sind schon in 
No. VII veröffentlicht gewesen. 
n) Caiharinae des Rockes puellae Pictaviensis Protrepticon ad Henricum HL - 
Gallice scriptum et Graecis iambis a losepho Scaligero erpressum 

p. 109—111 Vgl epp, p. iqa.. 

o) Aliud ex Gallico Incerti p. 112. Ein Epigramn^ über den Werth 

des Marot mid Beza als Dichter. 
p) Inscriptio incondita aulaei Segiisiofie ad radices Alpium p, 112. Das 
oben S. Ö88 -erwähnte Räthsel von den zwei Frauen. 
- q) Fkibm Sy^SeUctae Sententtäe p. 115—126. S. oben S. 286. 
. r) IHonysit Cafonis Bisticha de Moribus p. 129—144:' S.'obfen S. 286. 
C) Poemala Latina versa e Graeco. * ' 
a} Seletta Eptgrammata ex Antkolögia Graecorum p. 1 — 31^ S, oben 
' S. 299,f; ' • 

b) Carmna nonmtüa TheOgnidis et aliorum p, 32> 33. "".'■■ 

■ c)' SophaeHs Aiax Lorariüs stilo Tragico transhtus p. 37—74, Abdruck 
.. von N. VII.' - \ ' ^ ■ ' 

24' 



zu 

d) LycophronU Casmndra iaimbico -carmine irmmUäa p. 7$ — 114. S. 
oben No. II. • 

^ Orpkei Hymni SoLcri, Sive indigiktmenta Deorum, versHms cmiiquis La- 
une ejipressa a losepho ScaUgero lul, Caes. F. Infinitis menditt, ^uUnu 
editiones priores scatebani, liberata: Addito Graeco texhi ex IL SU- 
phani edMUme p. 116 — 184. Unter den von Felüerir wiaimeloden 
früheren Ausgabe« ist Casaubonus' AuigahederOpusctUaund ihr Frank- 
furter Nachdruck (oben N.XXXII) gemeint; Scriver sagt darüber in 
der epistola dedicatoria p, 6; eiudium noairum prhno oculorum idu et 
ledione paucularum paginarum comstabU, . TeMis vd unua Orphei — 

> sive Onomacriii sit — anUquisHmi poestae libdlus, Ua foede nuper Lu- 
.ieütie 'excusus, ut nee vola nee veg^gvwm saepe apparereU Hüne v^- 
niHs quibus scatebat mendis Uberavit ^mendaHorenique nostra däigentia 
fecU, Opern ad Jumc rem conferente viro ingeniosisaimo, unico Mtua- 
rum delicio,' Daniele Heinaio, Leider ist in Hermann's Orphika, aus 
welchen man jetzt fast allein Scaligers Uebersetzung zu kennen 
pflegt, nicht der von Scriverius und Hein^ius verbesserte, sondern 
jener Pariser Text mit allen seinen Fehlern abgedruckt worden. 
Besonders die Noten Scah'gers sind bei Hermann zuweilen bis zur 
Sinnlosigkeit entstellt, }l. B. {annot 19): Fasia Dea. Bifiig, Fas H- 
fug, Nam Fasti duae quibus &S(its ßeri. Bei Scriver steht dafür: 
Fagia Dea, ^s^ug, Fas ^ifitg. Nam Fasti dies^ quibus Themidißeri 
soUt. 

1616. 

XXXVI. De re nu.mmaria. 

losephi Scaligeri luL Caes, F. de re mtmfnaria dissertatiOf lilfer 

posthumus Bsp Bibliotheca Äcademiae Lugd, Bat, Ex Offi- 

dna Plantiniana JRapheUttgü 1616. 8 uapag. Bl. {Dedica- 

tion de^ WiUebrod Snellius und index autortm), 1 12 S, 8. 

Abgedruckt in Groiiovius' The&aurus Antiquitaium Gfnecarua» IX, 

),493. -^ lieber diese Arbeit, welche im Jahre 1606 ihre jetzige Gteslalt 

erhielt^ schreibt Scah'ger, November 1606, an Labbäus (epp,- p^ 67^: De 

tszffoe/lovoig in schedio potius quam libeUo tie re nmnmaria agimua* Qusm 

lä^eUum, si quidem eo nomine tibi dignus vidäur, cur in luoem prodir9 tcm- 

topere desidereSf causa non est. Neque enim uüa dote eommendari potest. 



Neque »ane illa cxsSidcfUttoc lucem meiere patiar, qucie in privat08 ums tan- 
quam Adoersaria confeci.^,, Mensibm praetetUis recensui et eo perduxi ut 
aliquant facietn ei non librt, saltem diatrihae habeat. Ibi nihil ir^quo 
eorum, quae omnibus ex nimio usu nota in conUmptum venerunt, Sed mtd- 
tos origtnes, quas nemo attiffit, muUoe modos hcuiionis et rationis numma- 
riae attiffi, (fiwrum ignoratione etiam dodi quötidie peccdnt. — ^ Vgl. epp, 
p. 340. 

Nieht nachtiagHcb redigirt wie diese Beinerhingeti de re nümmaria 
sondern noch ganz im ursprünglieheti CoHectafleenzustand ist eine ähn- 
liche Sc^ligersohe Samnthing, TlapihiVfig Nofnov 'j^olSv, welche hand- 
$ehriftUcb in der Leydeoer Bibliothek aufbewahrt wird. Einige Mitthei- 
lungen daraus stehen im Rheinisdien Museum N^ F. VII, 297,. zu deren 
Ergänzung folgende Aeusseruug Scallgers dient, epp, p. 660, «n l«ab4 
bäus, Sept. \GOb: Leges Atticas, de quibue offis meeum, nunquam in ßniw^ 
habui edere, ut nee mtdta alia quae M privatos usus meos eoUegi, 

1«19. 

XXXVn. Abhandlung über Martial gegen 

Marcilius. 

losephi Scaligeri luL Caes. Fil. Diatribg Critica, qua Tieodori 

Marcilii Commentarixts Notaeque in Epigrqmmaia ck Caesari»^ 

AmphithecUro et Vmationibus ordine es^ßungxmttir^ Auior^ 

pluribus locia illuatratur» Ex Muaea Petri Scrwerii in 6cri«« 

vers Ausgabe des Martial LB, Apud loannem Moire 1619; 

12. p. 139-166. 

Aus dem X Jahre 1603 in /der Form eines Briefes an Seriverios wnd 

im buüioris|ischen Ton des Yvo. Schon seit längerer Zeit hatte Sca-' 

liger einen wQlkommepen LaehstoiF an des Marcilius. koraniehtirender ^ 

Thätigkeit geftxnden, welche er mit einer aristophanischen MetapYter 

sehmnckt in einem Briefe an Casaubonns, Deoember 1601 (epp, p. l9S}i 

Qtaan animum remittere volo, assumo in mamts scripta iUius (MareÜH)^ qrA 

AmpMtheatnuM MarUaks et, Persium nuper umeoiixodsv, Nam nunqmrn 

suauius rideo quam cum aUquid eius lucumonis f>ide&. Saepe mirari s6le& 

Ulum iantum sar^ßtorum l^isse^ ideo ut nC/Ut Sfcitet, d: b. wie Wolf (Ana- 

lekt.1) 196) übersetzt) ,dureh seine Belesenhiert habe Marcitius sich zum 

Ignoranten studlrt.^ 



306 

XXX Vin. Briefsammlung. 

IlhtstrisSn Viri Jos^ki Scaligeri^ Julii Caes. A Bürden F. Epi- 
Btfßtae omnes quae reperiri pohtenmt^ nunc primujn collectae 
ac editae. Ceteris praeßxa est ea j^uae est de Gente Scali- 
geroj in qua de autoris vüa; ei sub finem Damelis Heinsü 
de morte eins altera, Lugduni Batavanwi^ Ex Offkina Bo- 
naoentnrae et Abrahami Ekeoir. Academ, TypograpK 
cio.JOC.xxvji. Ornn Prioilegio 12 Bl. und 887 S. 8. — Ist 
im folgenden Jahre unverändert in Frankfurt nachgedruckt. 

Schon im Jahre 1602 hatte Joh. Lydius Scaligers Einwilligung er- 
halten zur Veröffentlichung einer Briefsammlung, epp, p, 587? de eden- 
die eptstoUs consÜbtm placet Quin tibi autor sum ui non solum maneas in 
praposito sed etiam quamprimuin verha in rem conferas. De epistoli» Lipsii 
non audeo. Nihil enim minus optat iUa quam ut Uli apud quos est [lesui- 
tae] cpmmercium literarum inter nos intercedere rescisaanf, Pmeterea, ta- 
metsi quas edUurtts es non vidi, tarnen certus sum, Lipsianis et charadere 
et argumento discohres esse. Vgl. Scaligerana IL {s. tJ. Episfres): je seray 
eonJtraint de faire un petit volume ^Epistrea et desavoueray toutes ceües 
qu^en feroU imprimer. Dieses Unternehmen des Lydias muss aber sehr 
bald aufgegeben worden sein; wenigstens habe ich weiter keine Spur 
davon gefunden; Casaubonus (s. oben S. 300 n) wollte vöj^ vorn herein 
nur eine Auswahl geben; und so war denn die vorliegende Sammlung 
die erste, welche Vollständigkeit erstrebte, wie sie leider auch die ein- 
zige geblieben ist. Dass Daniel Heinsius der Herausgeber sei, ist an 
sich und durch die Beigaben wahrscheinlich. Sehurzflebch (acta Utterar, 
VUemb^ 1714. 8. p* 22^ h5rte auch noch von Daum, welcher eimge Ori- 
ginale vei glichen hatte, dass Heinsius Manches ci^ urgentem causam 
geändert, habe. Von den besternten Lucken ist oben (S. 274) * geredet. 
Störender jedoch als die Ungenauigkeit und Aengstlichkeit im Einzel- 
nen ist die durchweg mangelhafte Anordnung, welche ^freilich nur dann 
gründlich gebessert werden konnte, wenn man sich entschliesst, auch 
die Briefe der Correspondenten vollat&ndig in die Sammlung aufzu- 
nehnicD. Dieses Verfahren, ist abery schon des einfachsten Wort- 
verständnisses wegen, gerade bei den SealigiBrschen Briefen unausweich* 



307 

lieh, da. sie in Andeutungen und Rückbeziehungen die ganze Lebendig- 
keit mundUchen Gesprächs bewahren. 

* Ergänzt wird die Heinsius'sche Sammlung durch folgende seitdem 
gedruckte Stücke: 

1) Fünfzehn Briefe an Lipsius in Burmanni Syü, I, p. 237 — 252/ 

2) Zwei Briefe an Ranzow, einen an Salmasius, zwei an Scipio 6en- 
tilis in Gudii epigtolae p. 152—154; 355-357. 

3^ Vier Briefe an Sibrandus Lubbertus in Qttbbema, Jllustrium ei Clor 
rorum , Virorum Epistohe, HarUngae Frisiorwn 1669. 12. p.385 — 392. 

4) Ein Brief an Laurentius Joubertus (s. oben .S. .242), in Latsrentii 
louberti opera Lugd, 1582. fot VoL II, p. 312. 

5) Ein Brief an Rittershusius in Hummel, Clarorum Virorum epit^oHdt 
ineditae LX, JNoHmbergae 1777, 8, p. 114. 

6) Zwei franzosische Bilietö an Bongarslus in Bongaraiiet LingekhemU 
Epistohe Argentoraii 1669, 12, p. 338. 

7) Grossere Bruchstücke aus zwei Briefen an Jungermann in dessen 
Vorrede zu seiner Ausgabe des Cäsar, und bei Creniua Ani" 
madw. V, p. 14. 

Diesen Vorrath durch ' einen ansehnlichen Beitrag zu renp^ren, 
setzt mich Dr. Steinhart in den Stand, welcher die im codex I^eidenH^ 
951 (p. 269 des Catalogs) enthaltenen Gopien eines lateinischen Briefes 
an Desiderius Heraldus und acht französischer an Dalecämpius ab%u* 
schreiben die Güte gehabt hat. Die Briefe an Dalecämpius, den be- 
kannten Herausgeber des Plinius, welche auch in den Besitz des Hue* 
tiiis (commeni» de reb, ad eum pertin. p. 46) gelangt waren, gewinnen 
durch ilire französische Abfassung ein besonderes Interesse, da, ausser 
einem Schreiben an Prinz Moritz (epp. p. 885^ und den eben erwähnten 
Billeten an Bongarsius, kein Brief Scaligers in seiner Muttersprache 
bisher meines Wissens gedruckt war. Der erste Brief in der Reihe, aus 
Agen im Jahre 1561, Scaliger» einundzwanzigstem Lebensjahre^ gehört 
zu dem Frühesten, das sich aus seiner Feder erhalten hat. Auch, hier 
findet sich schon eine Hinweisung auf seine ,Ahnen^ {h memoire de mee 
pridieeeseurs), — Der zweite und dritte Brief, aus der Zeit deaAufent*. 
zu Valence, geben Nachricht von Cujacius, und der sechste enthält 
eine ziemlich derbe Beurtheilung, oder vielmehr Verurtheilung, des Ho'- 
tomannus^ als Gegners des Cujacius. 



308 



A Monsieur Dalech^mps, Docteur en medecine ä Lyon. 

Monsieur, ie n'eusse iamais pris la hardiesse de uous importuner 
par raes lettres, sans la pri6re que Monsieur Constantin mha faict, et 
cembi^B que uostre honnestetö et clemenee me fust assö notoire, la- 
quelle me pouuoit bien assurer que ma temeritö seroit bien par uous 
re^eue, toutefois le deffaut que ie connoissois bn moy mesme, estolt 
ass^ süffisant pour me rappeler de mon entreprise. Je ne s^ay donc 
ou si la pri^re dudit Seigneur Constantin ou la bonne affection que 
Tauoy k m'insinuer ä uostre bonne grace ha heu plus d'efficace ä con- 
duire mos intention. Lesquelles comme ayant en mon endroit grand 
pouuoiTy aussi ay-je espöranee qu'excuserez le tout en moy et que par 
iiostre h.ont6 aecoustum^e me daignerez tenir au nombre de ceux, qui 
en uous estimant d^sirent uous honorer et demeurer au rang de uos 
inutateure: lesquelles choses obtenues par moy, comme elles ne dimi- 
nuent point uostre renom^e en me les octroiant, aussi seront elles une 
acciunulation d'honneur k si peu de bonne renommöe que i'ay peu ac- 
(^rir par U memoire de mes predäcesseurs. Le peu qui est cd moy 
ne me permet uous faire aueune offre: tel toutefois 4ui est en nostre 
pubsance^ ie uous prie me faire oet honneur pour le commencement de 
soatre amü<& le leputer uosäre. — Qui sera Tendroit ou i»*ieray k 
Seigneur, Monsieur, uous donner en sant4 bonne et longue uie, me re- 
cooimaDdant humblement k uos bonnes graces* D'Agen en haste, ce 
Vk Apuril 156L 

Vostre tres humbie et trha affectionnö seruiteur 
De la Scale. 

II. 

Au meme. 

Monsieur, i*ayi pe<?€U uostre lettre datt6e du demier decembre deux 
mois aprds sa datte. Je suis tres aise qn'aies re^^eu mon Hure*), car 
Ten auois donnd Charge a Patisson. J'eusse bien uoulu auoir moien de 



'J WoW die Coniectanea. 



909 

uous faire nieüleuT preseut que de mes coinpositions, lesquelles ne peu- 
uent rien ualloir d'elles mesme que tl'autant de telles personnages et *de 
teile marque que uous este^ les re^oiuent: Vous eussiez eu deia le 
S^neque, si. i'eusse estöau lieu oö ma biblioth^qne est: mais ten^s pour 
tous asseur^ que uous Taurez bien tost et sera liurö entre les mains 
d'un marchant de Poitiers, ou de Monsieur de la Vau*), docteur en 
medecine, pour uous les faire tenir incontinent que ie serai en Poitn» 
qui sera k la fin d'aurir*). Car depuis le temps que ie uous dit a 
Dieu m'enallant enProuence, ie[8ic]pre8que tous iours demeur^ en mä 
patrie sans donner ordre k mes affaires domestiques. Puisque ie uous 
ai promis le dit liure, uous le pouuez tenir pour seur. II faudra aussi 
que Monsieur Cufas uous aide de ses ezemplaires, car il a remarqu^ 
de fort belies choses en cet auteur par la eollation des anciens exem- 
plairs, dequojr ie suis temoing. ie n*ai encores ueu Ie Theophraste de 
mon pere. Ce qu'il uous plaira me faire tenir, il le faudra addresse^ k 
Padsson, a Paris. 

Monsieur, ie uous baise.tres-humblement les mains, et desire estre 
entretenu en uos bonnes graces, priant dieu uous donner bonne et 
longue uie. , 

De Chantemille en La Marcbe, ceste ueille de pasque. Vostre 
Seruiteur 

Joseph de la Scala. 

Monsieur d'Abain uous baise les mains, et au^s un bon ami en 
lui. Je uous supplie de me dire quelle herbe est Aspic qu'on dit guö- 
rir de poulmont, par ce n'est point anoXrpfiov [sie. anoTtwov?], 

III. 

Au meme. 

Monsieur, mon frere m'a escrit demierement commeut Monsieur 
Constantin, nostre conunun fröre et bon am», estant uenu dltalie, s'estoit 
relir^ ä dos quartiers de Gascogne, et qull luy k donnö a entendre 



*) Vertnnianus. 

*V Febniar 1607 schreibt J*eobns Boraetiiui Chanliea snScahgn (Burm. Sylt. JI,p. 
988) .^ nohii »erihw« priusquüm eerKortm ettdem /äetre t» potsem dß 'Seneea ilh oKm tuo^ 
quem bibUotheeam DaftcampH capert arhitrahurU, sed pti tarnen non inventus est 



310 

eomment 11 uous auolt lalssö les annotatioiis de feo Dion p^re Jul. Sca- 
liger in Theophr. Ledict mien fröre m'a expresscment enioiat de les 
retirer de uous, a cause que nous auons d'autres choses in Theophr^ du 
4ict feu mon pere, lesquelles nous uoulons ioindre auec lea dictes an- 
/ Uotations. Vous ne faudrez doncque, s'il uous piaist, le(s) liure(r) ä 
cet homme doct M. >Pau]us Chlbbius *) präsent porteur, d'autant que le 
suis sollicitö de les rendre ä mon frere, qui ä präsent trauscrit les 
commeutaires de nostre pere in Aristotel, nsgl ^tooav IctOQ, et autres 
choses in Theophr, lesquelles il ueut mettre auec celles que uous auez, 
^omme ie uous ai le dict. Aussi Tay quelques choses du mieu sur les 
roesmes liures de Theophr.**) lesquelles i'ay deliberez mettre auec Cel- 
les de mon pere. Je uous supplie derechef les liurer au present por- 
teur Monsieur Chlbbius. Cependant, Monsieur, ie prie le Seigueur uous 
donner sa grace, me recoramandant tousiours a uostre bonne grace. — 
De Valence, ce 7 sept. 1571. ^ 

Monsieur Cuias a este fort malade et encore ne se porte guere 
bien: il n'a faute que de courage et de s'aider soy-uiesrae, ceque toute- 
fois il ne ueut faire. 

Votre meilleur anii ä uous faire Immble seruice 

Josephus Scaliger. 

IV. 

Au möme. 

Monsieur, ic uous remercie tres •humblement de la souuenence qu'il 
uous piaist auoir de moy, corame i'ai connu par uostre lettre, laquelle 
i'ay re^eue il y a huit jours enuiron, Quant a la librairie de Bonne- 



•) Wohl: Knibbius, s. epp. p. 759. 
f ••) thouana ». v. Scaliger: Vötre Pere [Claudius PuteanusJ m*a faU eonnoitre B^ . 
nedetto ManzuolOf Agent en France pour le Cardinal d^Eet et depuis Eveque de Eeggio, 
Ilavoit Umte sa: vie travaille sur ThSophraste de Planus et Favoit resOtue par Vaid». 
des manuscripts et par son esprit, H y avoit une lacune, sur laquelle il avoit long temps 
resve. II pria vötre Pere de lui faire voir Monsieur Scaliger. Hs se virent unjour ehez 
vötre Pere, oü favds assignation et ne m*y pUs irouver si tot. JnconHnent il luy eommu^ 
nique ee Heu desespere. Sealiger n'eüt pas si tot lü ee Heu, qfi^il le resHtua si heurese- 
ment que Manzuolo Fadmira et dit depuis qi^il croyoit qu'il eut un esprit /amilier. Vötre 
Pere me montra le Heu, doni il ne me soument pas. 



311 

uau, ie uous puis asseurer qu^il n'y a rien qui uaille/comtne le rappoH 
m'en a este faict de quelques amis qai Tont non seulement ueue mais 
aussi feulletee: et s'il j eust eu chose qui meritait la peine de Faller 
uoir, Fabbä du dit lieu ne m'en eust point refusä, qui ne demandait rien 
mieux quo de nous y ti'aitter et faire« aussy bonne obere, qu'il nous fist 
ä Yienne a S. Pierre. Mais j'ay iait bonnes prouisions d'anciennes in- 
scriptions et uous en apporteray de fort belles. Je uous supplie bten 
fort de solilciter le Jund d'iwprimer les annotations sur Theophraste: 
il' est temps messuy que ce pauure Hure uoie la lumiere. Je ne fau- 
dray ä uous escrire ä toutes xaes commoditös et opportuni't^s qui s'of- 
friront: cependant ie prendray garde si ie puls mettre le nes sur quel- 
que bibliotheque de Prouence, au moins s'il s'en trouue: car 11 est a 
douter: ueue que feu Monsieur Pelissier, Euesque de Montpellier» a si 
bien furetä touts ces endroits, qu*il n*a point laiss^ d'ordure a ballier. 
Nous partons de cette uille mardi prochain, 25. du mois präsent, et 
esperons estre a Aix le 10 du prochain. Cependant, Monsieur, ie uous 
baise bien humblenient les mains et desire estre niaintenu en uostre 
bonne grace, priant Dieu uous maintenir en sa garde. De Grenoble, ce 
22e januier Gregorian 1583. 

Vostre tres affectionnö a uous seruir 
Joseph de la Scala. 

Au m^me. 

Monsieur, il ne me souuient iamais d'auoir ueu que le magistrat 
' eust besoin de prendi:e un autre robbe in capitali iudicio; toutefois si 
j'eusse eu le Seneca, peu estre que la suitte du propos m'eust donnö 
quelque prise pour en deuiner quelque chose. Quant k l'epistre limi- 
naire du liure de mon pere, eile nie conuient nullement pour la olauise 
que je demande estre insertä touchant sa maison illustre et sa uertu^ 
rCg Ttotzsga dgviqcsiev bI fi^ ta Ttana tSKvA ? Par ce ie uous supplie tres 
affectueusement d'en vouloir prendre la peine et faire ce bien mantbus 
pareniibus 7nei8[8ic], Nous partons demain pour nous acheminer ä Auignon; 
si j'ay Ie moien de uoir les bibliotheques, nous pouues croire que ie 
ne laisseray passer aucune bdnne *occasion d'en faire nostre bon profit. 



912 

Monsieur Loubert') est uiort Ceux de Monpeliier soDt au pourchas 
de quelque bon docteur regent qui leur peuple leur universite. Defaiton 
öxt qn'un Jacobin d'Arles a promis d'y aHer: pirfait grand estime en 
ces quartiers-la du dict Jacobin* Je s^auray toutefois s'il est ^oxifioo 
no^tfuxtag. Je desire estre entretenu en uos bonnea gracea et prie 
Dieu,. Monsieur, uo\.is donner en saot^ bonne. et iongue. uie. De Va- 
lenee, ce 30 Januier Gregorian 1583. 

Voatretrea humble a uous seruir 
. Joseph de la Scala. 

VI* 

Au meme. 

Monsieur, le pense qu'aurez re^eu le Seneca escrit ä la inain, le- 
quel Picea**) ie baillay au sire Charles Pesnol a la fin d'Aoust passö pour 
uous faire tenir: et il Tembaila tout incontinent. Depuis ie n'ay aucun 
aduertissement ni du dIct Pesnol de uous l'auoir bailM, ny de uous de 
Tauoir re^eii. Tant y a que ie desire qu'il uous puisse seruir: car ie 
me doute qu'il ne uaille guieres. Toutefois un qiiidain dit Tauoir col- 
lationn^ ä un uieux exemplaire d'Italie, comme il appert en ce qu*il en 
a dit in calc^ lOrrw J'ay regeu six exeinplaires des aunotation§ in 
Theophrastum: ie uous en remercie bien fort. Je uous enuoiye le pre- 
sent paquet pour faire tenir ä Geneue en diligence et seurenie***) s*il 
uous piaist. Monsieur Coiiielius f ) et ses collegues auoient eensur^ mon 
livre et pensoient auoir trouuee la febue au gasteau: ie leur reponds et 
monstre de combien ils sc trompeut. Jusqu'ä present, la grace a Dieu, 
persönne ni9 s'est attaqn^ a moy qui n'y ait laiss^ non seulement le 
poil mais les dents. Combien que ces messieurs-l^ nihU ni«i amicei 
mais le malbeur est qu*il y a tant d'hommes qui s'attribuent la science 
de temps, et n'y ha rien plus ignorant au monde qu'its sout. Or Fe 
suis ä uostre seruice: uostre erpdition et uertu m'y a oblig^. J'ay en* 
tendu qu' Otoman a fait un Hure contre monsieur Cuias : ie ne Tay en- 



V Wohl: Joubcrt, s. oben S.242. 

•*) Wohl : pietOf altes Wort ftlr tl j^ a long temps} t. Montaigne /, 19, geg. Anf. 
•••; swretl 
•f) S. oben S. 151. 



313 

cores ueu: le m'asseure que ce sera Tto^ avtl ftrtxog: et le pauure 
homme*) a esi6 tou9 iours fol en sa jeunesse: il seroit marri, qu'il ne 
8*y tkist iusque ä sa uieUlesse. ^ Monsieur ie uous baise tr^s htimble- 
ment les mains priant Diea uons donner en sant^ bonne et longu« uie. 
D'Abain ce 24. octobre 1584. 

Les Celestms de la Marehe de Limosin n'ont liure qui iiaiile, et 
s'ils en eussent eu, nous les aurions bien: cacles aneestres de Madame 
d'Abain sout fondateurs du monast^re. 

Yostre Seruiteur et aoii tres affeotiofin^ 
Joseph de la Scala. 

VII. 

Au mjbme, 

Monsieur, sifaut il que uous m'escriuiez de vos nouuelles des 
quelles ie suis in&iement d^ireux et n'ay trouu^ homme qui m'en ait 
fi^u dire» II foudrat addresser, si uoiis piaist, uos lettres a Mr. Jo>* 
nathas Peüt**) .aduocat an grand Conseil, demeuram aupres de la petite 
porte des Maturins ä Paris. Le Senecque de feu Muret est acheu^ 
d'imprimer et i'en dois receuoir un exemplaire eette sepmaine. Vous 
aurez moien.de faire uostre edition encore plus correcte apres tant 
d'autres: mais quelques uns de mes amis m'ont escrit que le Grec que 
Ton a fait. imprimer k Komme, qui estait k dire en cohtrouerses, n'est 
poInt troiiu4 e3 uieux exempUires, quoy que les Italiens disent du eon- 
traive : uous le pourrez mieux sauoir par Texemplaire que m'aaez d'^autre 
fois escrit auoir re^eu, ou le grec en est, mais mal lisable: ear on 
pense que les Italiens oient controuuö ce grec> de quoy ie ne scay qüe 
dires car 11 y a de choses qut me semblent n'estre point controuudes. 
Toutefois il n'y a homme qui le puisse dire mieux que uous, et i^ous 
prie de ih'en escrire, ^et le plutost qtt'll uous sera possible. Du ctiasteatt 
de Toaffou pr^ Poictiers ce 6 «^anuier 1587. ' 

Yostre etc^ Joseph de la Scala. 



*) StmRyeruna I. #. v. .* Hoicnuttmum t^la dietio LaHna eommendat ae eto^uentia. 
Coeiera, jxmvrM k^tmM, ' ■ 

••) S. epp, p. 451. 



au 

Au mSme. 

Monsieur, ie uoua reoiercie tres humblement de uostre beau Pline^ 
lequel ie tiens eher et pour l'amour de Vous, et aussi d'autant qü'tl est 
meilleur qu'il n'estoit: et ne -pense point.qu'on puisse faire plus que 
uous y auez fait. N'eust ^t^ cette maudite et mesohante guerre, i'auoi 
Ie moien d'auoir celuy de l'Euesque.de Montpellier et de Ie uous faire 
tenlr seurement. Je receuray cette Sepmaine Ie Senecque de Mr, Le 
Feure, car il est acheu4 seulement . ces iours passes. J'ay eaclos en une 
lettre que i'addresse ä Monsieur Ostager bourgeois de Marseille, homme 
d'honneur et de bien qui m'a deia recouuei*t des liures en Arabic du 
Caire et de Marseille, oü il a intelligence et traffiquei ie Taduertis qu'il 
vous fait tenir un paquet qu'il a a moy de leuant, et il uous plaira Fad- 
dresser a Mr. Jonathas Petit, auocat au grand conseil, pour me le faire 
tenir oa bien au sieur Patisson, libraire. Je serai tous iours aise 
d'entendre . de uos nouuelles» quand II uous plaira m'en departir et que 
ie .uous supplie faire. Cependaut, Monsieur, ie uous baise les malus 
piifuit ' dieu uous dünner en santö bonne et longue uie. D'Abain, ce 
23 Mars 1587. 

Vostre tres humble et tres affectionn^ k uous seruir 
Joseph de laScala. 
IX. 
losephus Sealiger Desiderio Heraläo Sup S. 

Mos ut tuas accepi, ad ülits respondere vohti ut, si per tabviariot 
liceat^ possh perspicere et diUgetUiam meam et amorem meum, quo te 
prosequor^ et testimonium de tue esimio ingenio et eruditiane in ett wstate, 
in qua alii primum discere ineipiunt, tu vero pravectiores docere potesm 
Hoc mihi perspectum iam est ex tuis scriptis, presertim Ulis qmie ad 
Martialem edidisti, Quae vero ego ad te in eum seriptorem selegeram, 
quamvii non erant tanti ui aliqua loco essent apud te, tarnen intererat 
mei te ea accepisse, ut si nihÜ aliud, stdtem ftd^m facerent - diligentia^ 
meafs, A leetione enün tuarum*) ad senptumem eorum statim me eou" 
tulif 4fl si eam fidem praestitiss^t in iis reddendis, cui dederam, quantam 



*) D. h« des französischen Briefes des Heraldua vom letzten Februar 1600 (bei de 
Reyes p. 127), in welchem er Scaliger um BeitrSge zu Martial ersucht hatte. Vgl. 
0fp. p, 769, 463. 



315 

ego celeriiatem in Ulis äe»cnbendi9 adhibueram^ post ptiucos die* quam 
fuas accein, tu itta aecipere potuitti CsicO' JactUra parva tsl, sed quae 
tarnen iuttam quefelam a me expresserit. De caeteris titme misisie te ais', 
ea eodem f(Uo functa tunt quo mea: ndn enim tuagis ea mihireddita sunt 
quam tibi mea. JPropediem extbit editio nova Martuilis Petri Scriverii 
nostri, qumn awitor tibi sum ut prius expectes qutim tua edas, Mullum 
debet is scriptor optima et eruditissimo Oruterp nostro^ euius ediiion^m 
eieganlioribus tffitis et htculentiore Charta iwstaurat Scriverius, sed maxima 
accessione optimarum et emendationum et tmimadversionum ^ et iam opus 
affectum est ut puto, Jn edilione Parisiensi immixta tuis et alüfmm dO' 
Ctorum scriptis paedagogica d[itpt^saTifi'Ka *) risi, perinde ut bardocueuUum 
in Tyrianihinis: sed Scriverius Uli momo defricat scabiem, Non r'aro mi- 
ratus sum unde Uli tantum nomen cöntigerit, qui ex tot librorum lectione 
hoc solum consecutus est ut nihü sciret et praeterea omnibus ludibrium 
deberet, Certe iuventus nihü ab eo praeter morum et stili barbariem dis- 
cere potest. Di TerluUiano amo te, sed puto iam operam occupatam a 
Joanne Wouuer Hamburgensi, qut eins scriptoris editionem novam ador- 
nat, eiusque specimen in antecessum dedit, libeltum epidicticum emenda- 
tipnum, Contulit enim totum Tertütlitmum cum Vaticanis, quibus usus est 
Latinus Latinius, postea cum eximio Bidvii Ursini, ttaque quia maturat 
opus sfftim, potes interim etpectare dum prodeat et consuiere eins epidi~ 
ctica, quae iam proximis nnndinis prodierunt, et fieri noti potest quin 
proximis Parisios deferantur, Amicus meus**) qui illum auctorem deUriis 
suis inquinavit, si meo consilio potius quam conftdetUitte suae paruisset, 
aut nullum aut meliorem edidisset: sed tanta eins fuit arrogantia ut cum 
iHi nostra proponerfm, ut de epoptis***), de Scillite acetof), non solum 
iüi Visus fuerim mendacium dicere, sed insanire, l^auci sunt qui earum 
quos profltentury non dico peritiam sed gustum litterarum habeant: felicem ^ 
cui alterutrum, eruditum cui utrumque contigit, Vale, Lugd, -Bat, 
XVin. Sept. luliani dj.Ij.CIU. 
Jnscriptio : Omatissimo et eruditissimo Viro Desiderio Heraldo, Sedtmum. 



*) Des Theodorus Msrcilius; s. oben S. 305, 
'*J Franclscus Juiiius. 
^ •••) S. Scaligerana IL s, v, Epoptas} de emend. temp, p. 419 ed. ieri.; Caiull 
p. 171 ed. sec. % 

t; S, Lectt. Äusonn, 11, 12. 



3ie 

lieber die zuerst 1666 gedrucktea ÖospriU^be S^saligers s. oben 
'S. 231. -^ Einige Marginalnoten zu Hesiods Werken und Tagen finden 
sich in Grävius' 1667 erschienener Ausgabe des Hesiod, Amstehd. S, 
p. 140 — 143. — Für andere Marginalnoten genügt es, auf die Hauptaus- 
gaben der betreffenden Autoren zu verweisen, z. B« für die Noten zu 
}^onhos auf die Ausgabe des Cunaus (Hanav. 1610; vgL epp, p. 581), 
zu Polybios auf Schweigbäuser's praef, in Vol. JI, p. XXXV, zu 
Aeschylos auf Hermann's, zu Plautus auf Ritschrs Ausgabe. 



Aberglauben 126. 
Aenigmata 28!^ 
Aeschylus' Eumeniden 121. 

gelöster Prometheus 302, B, b. 
Apostat 126. ^ 
Arabische Sprichwörter 301. 
Arminius 128. 
Astrampsychus 288. 
AttUcbe Gesetse 306. 
Attius 270. 
Auratus 141. 
Aosonius 7; 43; 165; 276. 

Barbaras 217. / 
Baronius 9; 22; 79; 80; 201. 
Baudius 53; BDI. 
Bellannin 80. 
Bencius 74.; 58; 263. 
BenÜey 106; 110; 116; 125. 
Beza 42; 148; 150. 
Bibel 14; 37; 91; 99; 127. 
Böckh 2; 19; 225. 
Bonefidius 152. 
Buchanan 32; 63; 108. 
Budfceus 50; 255. 
Buzanval 60; 175. 

Caesar 292. 

Cambden 62; 138; 178. 

Canter HO; 272. 

Casaubonus 51; 63; 76; 88; 95; 103; 

169; 215; 238. 
Cataleeta7; 41; 46; 273. 
Cato 286. 
CatuU 279; 302, B, 0. 



ChristianuB 27 ; 58; 121; 260. 
Chrysostomus, Job.. 298. 
Clavius 193. 
CoUgiiy 42; 150. 

Louise von 59; 130. 
Commelin 66. 
Cornelius 151 ; 167 ; 312. 
Cotfon 89; 215. 
Gramer 96^ 223. 

Cuiacius 40; 79; 103; 140-145; 149; 
163; 238; 260; 309; 310. 

Delrio81: 85; 205; 209. 
Deutsche 71; 182; 188; 194. 
Deutsche Sprache 187. 
Douza d j. 61; 176; 264. 
Drasius d. &. 82 ; 178 ; 206. 

- d. j. 20. 
Duretus 240. 

Elmenhorst 70; 187; 193. 
Emendiren 141 ; 243 Not. 
Empedokles 276. 
Engländer 39; 62; 139. 
Ennius 285; 302. 

Erasmus 5; 44; 78; 80; 11?; 2r>6. 
Euripides' Kyklops 15^1. 
Eusebius 292. 

Faber, Tanaquil 232. 
Festus 279. 

Firmicus Maternus 290. 
Foix, Paul de 130. 
Frankreich 217. 
Freherus 184. 



«ibbon 119; 198. 

Güiuuus 163:166. 

Goanu 222w 

Gom«ru8 128; 227. 

Goulart 151. 

Grammatie« 19. 

GtoÜiu 61 ; 176; 228 ; 236. 

Groiüart 154* 

Grater 67; 185; 194; 286. 

GoiUuidinus 296. 

IfarUy, Ach. 48; 167; 200. 
Heinrieh III. 158. 

IV. 12; 26; 54; 158. 
HemBiii8 61;.177. 
Hermes 278. 
HieronymuB 93; 221. 
Hippoerates 239; 281 
Hippolytos 285. 
Hoeschel 65; 183. 
Holland 12; 61; 62; 191. 
HoratiuB 259; 291^. 303, f. 
Horto, Garcias ab 29L 
HotomannuB 313. 
Huetiiu 119; 199; 307. 

Jacob I. 63; 178. 

Idacius 217. 

Jeannin 60; 89; 175; 216 

Insulantis 281. 

Joubertus 242 ; 312. 

Italiener 5; 97; 136; 162; 2S5. 

Juden 123. 

Junius, Franciscus 123; 315. 

I*abb&a8 223. 
Laberius 294. ' 
Lambin 7; 164. 
Leibnitz 114; 197; 201; 232. 
Lessing 113; 224. 
Lindenbrog 70; 187; 217; 275. 
Lingelsheun 66; 184; 211. 
Lipsios 19; 60; 53; 74; 103; 132; 165; 
160; 174; 175; 197; 238 ;260; 306. 
Lobeck 183. 
Lucanus 282. 
Lucretius 153. 
Lydiat 179. 
Lykophron 272. 



Haldonat 74. 

Manilitts 47; 166; 280. 

Mareellinus 217. 

MarciUus 306; 315. 

Maria Stuart 137. 

Martialis 143; 294; 305. 

Martimis 240. 

Masson 143., 

Herula 285; 298. 

Mittelalter 157. 

Monis, Alex. 227. "^ 

Muret32; 74; 103; 121; 131; 164; 198; 

232; 238; 270. 
Musaens 113. 

Niebuhr 2; 72; 96; 196; 233. 
Niphus 261 

<kpheus 299, -g; 304. e. 
d*06sirt ISO. 

Panvinins 13^ 

Pareus 127; 296. n 

du Perron 76; 79; 175^ 201, 
Persius 303, L 

Scholien zu, 284. 
Petorius 76; 199. 
Petrarca 190; 303, L 
Philelphus 190. 
Photius, BibUoth. 183. 

Lexic. 178. 
Phrynichus 183. 
Pithoeus, Franciscus 144. 

- , Petrus 126; 233; 373. 
Plato 119; 13L 
Plautus 161 
PoUtianus 6; 164. 
Polybius 102; 131; 230. 
Postellns35; 122. 
ProperUus 163; 303, g. 
Pulmann 271 

Babelais 107; 238. 

Ranke 2. 

Raphelengius 171 

Rhodomanus 65; 183. 

Ritschi 110. 

Rivetus 236. 

Rochepozay d. i. »4 «6; 129; 296. 

d.j. 23;173. 
Rom 9; 39; 129; 133. 



Rosweydus 174. 
Ruhnken 118; 289. 
Rutgersius 61; 106; 177. 

iSalmasius 69; 186. 

Sarpi 63; 79; 201. 

ScaUger, JuliuA 31 ; 70; 87; 107; 113; 187. 

Seioppias 23; 86; 141; 212. 

Scribamus 83; 211. 

Seiden 64 ; 297. 

Seneca 112; 309; 313. 

Sibyllina 203, 

db Sigogne 232. 

Sirmond 76; 198. 

Sophocles* Aias 278. 

Sprichwörter 285. 

Sylbarg 66. 

SynceiloB 94; 221. 

Syras, Publius 286. 

Tanbmann 66; 166; 184. 
Tertullimius 315. 
Theocrit 286. 
Theologie 16; 203; 225. 



Thomdon 62; 178. 
Theophrast 310. 

Thuanus 41; 130; 146; 204; 222; 264. 
Tibull 252; 303 h. 
Timon 208. 
, Titios 252. 
Trabea 270. 
TiuuDg 54. 
Tomeboa 7; 208; 258; 291. 

Vadianus 188. 

Valckenaer 203. 

Valence 145. 

VallaO; 78; 80; 200. 

Varro 269. 

Vassau 233. 

Venedig 39; 134. ^.\ ^ 

Vertnnianus IH; ^\ ;, 215; 231; 239. 

^Tinetiia 278. ** — A^- 

Virgü 302» B, e. 

Welser 88; 126; 215. 
Wolf, F. A. 1; 18. 
Wouwern 70; 187; 193; 315* 



o. 41 Z. 5 V. u. lies: zioemndzwanzigsten. 
^,m gZ. 5ües: X20iV, 



S. 153 E. 5 V. u. lies : religipnis. 



Druck von Grass, Barth und Comp. (W. Friedrich.) 



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